Kunstförderpreis für dichte und intensive Sprache.

Zwei Autorinnen erhalten den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg 2023 in der Sparte Literatur. Die gebürtigen Augsburgerinnen Ann Esswein (33) und Franziska Gänsler (36) widmen sich beide der Prosa. Preisverleihung am Donnerstag, 7. Dezember, im Goldenen Saal des Rathauses Augsburg.

Ann Esswein, geboren 1990 in Augsburg, und Franziska Gänsler, geboren 1987 ebenfalls in Augsburg, werden mit dem 64. Kunstförderpreis der Stadt Augsburg in der Sparte Literatur ausgezeichnet. Bei beiden Preisträgerinnen lobt die Jury die dichte und intensive Sprache. Die Schriftstellerinnen werden den Preis am Donnerstag, 7. Dezember, im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses bei der offiziellen Feierstunde mit den Preisträger*innen aller anderer Sparten überreicht bekommen.

Ann Esswein legte für Ihre Bewerbung einen Romanauszug und zwei Kurzgeschichten vor – der Roman mit dem Titel Mimikry wird Anfang 2024 bei HarperCollins erscheinen. Die skurrile Handlung spielt in Augsburg und die Ausgangssituation ist skurril: ein Mann steht sieben Stunden lang regungslos im Zentrum der Stadt. Die Jury zeigte sich davon beeindruckt, wie souverän Esswein die Kunst der Prosa beherrsche. »Dabei weiß sie zwischen Andeutung und Akzentuierung, zwischen Plot und Personendarstellung sehr geschickt zu vermitteln. Sie wechselt die Erzählperspektiven und beschreibt mit besonderem Gespür Figuren, die in ihren Motivationen zunächst undurchsichtig erscheinen, radikales Handeln verfolgen und denen eine Dringlichkeit und Vehemenz innewohnt, die die Lesenden in einen Bann zieht.«

Franziska Gänsler bekommt den Preis für zwei Romananfänge. Beide Texte, Ewig Sommer (erschienen 2022 bei Kein & Aber) und der gerade im Entstehen begriffene Romane Unsere Körper, wie Inseln im Licht, behandeln eine Mutter-Tochter-Beziehung mit einer unscharfen Vaterfigur im Hintergrund. Die Jury zeigte sich beeindruckt von Gänslers »klaren, dichten und intensiven Sprache, die bei aller Knappheit und Distanz konturierte Bilder und präzise Beobachtungen liefert«. Franziska Gänslers hochreflektierten Ich-Erzählerinnen zu folgen, habe »eine unausweichliche Anziehungskraft«.
WEITER LESEN: Interview mit Franziska Gänsler von Anna-Lena Maatz

7 Preisträger*innen aus 5 Fachbereichen

Mit dem 64. Kunstförderpreis zeichnet die Stadt Augsburg junge Kunstschaffende aus und ehrt die von Fachjurys ausgewählten Talente im Rahmen einer öffentlichen Preisverleihung. Die Auszeichnungen und das Gesamtpreisgeld von 21 000 Euro verteilen sich in diesem Jahr auf sieben Preisträgerinnen und Preisträger aus fünf Fachbereichen. 2023 wurden insgesamt 47 Bewerbungen für den Kunstförderpreis zugelassen. In der Sparte Architektur konnte aufgrund fehlender Einsendungen kein Preis vergeben werden. Im Bereich Schauspiel wurde mangels geeigneter Bewerbungen auf eine Auszeichnung verzichtet.

Neben Ann Esswein und Franziska Gänsler in der Sparte Literatur erhalten den Kunstförderpreis 2023: Emma Brückner (Ballett), Franziska Kastner (Bildende Kunst), Marie Walser (Design), sowie Nico Weber und Eva Welz (Musik / Jazz). Zwei Sonderpreise gehen an Leni Noelle (Maureen-Denman-Preis für Ballet) und Nikolas Amos Hermann (Jazz-Sonderpreis des Lions-Club Augsburg-Elias Holl).

Preisverleihung am Donnerstag, 7. Dezember, 19:30 Uhr, im Goldenen Saal des Rathauses. Anmeldungen bis 30. November unter ► www.augsburg.de/kunstfoerderpreis2023


Die Literatur-Preisträgerinnen & die Jury-Begründungen:

Foto: Rosalie Valentina Troendle

⚖️ JURYBEGRÜNDUNG
zu ANN ESSWEIN:

»Mit Ann Esswein zeichnet die Jury eine junge Autorin aus, die bereits auf vielen Kanälen durch ihre
Werke Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden hat. Sie ist mit ihren Texten im Inland wie im Ausland in angesehenen Formaten aufgetreten. Ihrer Bewerbung zugrunde liegen ein Romanauszug und zwei Kurzgeschichten. Der Roman Mimikry erscheint Anfang 2024 (bei HarperCollins), spielt in Augsburg und die Ausgangssituation ist skurril: ein Mann steht sieben Stunden lang regungslos im Zentrum der Stadt.

Besonders überzeugt hat die Jury die Dichte und Intensität ihrer Sprache. Ann Esswein demonstriert, dass sie die Kunst der Prosa auf eine souveräne Weise beherrscht. Dabei weiß sie zwischen Andeutung und Akzentuierung, zwischen Plot und Personendarstellung sehr geschickt zu vermitteln. Sie wechselt die Erzählperspektiven und beschreibt mit besonderem Gespür Figuren, die in ihren Motivationen zunächst undurchsichtig erscheinen, radikales Handeln verfolgen und denen eine Dringlichkeit und Vehemenz innewohnt, die die Lesenden in einen Bann zieht.

In den beiden eingereichten Kurzgeschichten zeigt Ann Esswein, dass ihre Texte ebenso raffiniert ausgearbeitet wie anregend sind und niemals trivial. In der Kürze des Formats gelingt es ihr, einen direkten Zugang herzustellen und beleuchtet Figuren in einem besonderen Moment ihres Lebens. Dabei greift sie intelligent gesellschaftsrelevante Themen auf, ohne moralisch zu werden – immer stehen die Figuren, deren Lebenssituation und Gefühlswelt im Vordergrund. Die Jury ermutigt mit ihrer Auszeichnung das vielversprechende Talent, das sich in kleineren wie künftig auch größeren Formen ausweisen dürfte.«

👱🏼‍♀️ ANN ESSWEIN
06.02.1990 geboren in Augsburg • 1996-2009 Besuch der Montessori Schule Wertingen • 2009-2014 Bachelorstudium Ressortjournalismus an der Hochschule Ansbach • 2012-2013 Auslandssemester Journalism and Visual Arts am Griffith College Dublin, Irland • 2014-2016 Masterstudium Humanitarian Action an der University of Uppsala, Schweden • 2015 Auslandssemester an der Ruhr-Universität Bochum, Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht • seit 2022 Teilzeit-Masterstudium Literarisches Schreiben an der Universität Hildesheim • seit 2013 Freie Autorin und Journalistin. Veröffentlichungen u.a. für DIE ZEIT, den Spiegel, die Süddeutsche Zeitung, den öffentlich rechtlichen Rundfunk, aber auch internationale Medien wie El País oder NZZ.

Auszeichnungen/Veröffentlichungen (Auswahl):
seit 2020 Veröffentlichungen in Anthologien, Magazinen und bei Lesungsformaten
2020 Stipendiatin der Werkstatt für Junge Literatur, Graz
2020 Gründung des Selbstlaut Kollektivs, ein Verbund aus freien Journalist*innen
Ab 2020 Stipendiatin der Romanwerkstatt die Große Tour am Literaturhaus München
2020/2021 Nominiert für den Reporter:innenpreis, den Nannen Preis und Deutschen Radiopreis
seit 2022 Shortlist des 28. und 27. Deutschen Kurzgeschichtenwettbewerbs
2021 Finalistin des 29. Open Mike, Wettbewerb für Junge Literatur
2024 Veröffentlichung ihres ersten Romans Mimikry bei Nagel & Kimche (HarperCollins)


www.selbstlautkollektiv.com/ann-esswein
www.instagram.com/essweina/


Foto: Bahar Kaygusuz

⚖️ JURYBEGRÜNDUNG
zu FRANZISKA GÄNSLER:

»Wer Romane schreibt, muss Welten sprachlich erschaffen können. Solche Welten bestehen aus Raum
und Zeit, aber auch aus Personen und ihren Schicksalen. Dass Franziska Gänsler das kann, zeigt sie in ihrer Bewerbung, in der sie der Literaturförderpreis-Jury zwei Romananfänge vorlegt. Beide Texte haben gemeinsam eine Mutter-Tochter-Beziehung mit einem unscharfen Vater im Hintergrund. Eine »Auszeit« an ungewöhnlichem Ort und die Last des Zuwartens prägen beide Romaneinstiege.

In Ewig Sommer wie in dem 2023 gerade im Entstehen begriffenen Roman Unsere Körper, wie Inseln im Licht tritt die jeweilige Landschaft in eine herausfordernde Beziehung mit den Menschen: Im Insel-Roman attackieren Möwen die Atlantik-Surfer, im Sommer-Roman brennt der Wald rings um das Hotel Bad Heim und schafft eine dystopische Kulisse.

In Gänslers Romanen werden die Landschaften und die aus den Fugen geratene Natur zum Spiegel seelischer Befindlichkeiten auf Seiten der Protagonistinnen. Den Debütroman Ewig Sommer gleich als Klimaroman zu deuten, greift zu kurz, aber die aufgerufenen Bilder einer nahen Zukunft auch in unseren Breiten, die geprägt ist von Erhitzung, Flammeninferno und Ascheregen, zeigt, wie Franziska Gänsler Konstellationen von heranrückender Bedrohung, aufgekratzter Nervosität und zwischenmenschlicher Dynamik fein vernetzen kann. Dies geschieht in einer klaren, dichten und intensiven Sprache, die bei aller Knappheit und Distanz konturierte Bilder und präzise Beobachtungen liefert. Franziska Gänslers hochreflektierten Ich-Erzählerinnen zu folgen, hat eine unausweichliche Anziehungskraft.«

👩‍ FRANZISKA GÄNSLER
• 16.04.1987 geboren in Augsburg • 2004 Abitur am Jakob-Fugger-Gymnasium Augsburg • 2018 Abschluss Bachelor Lehramt Kunst/Englisch an der Universität der Künste Berlin/Freie Universität Berlin • 2021 1. Staatsexamen, Lehramt Kunst/Englisch an der Universität Augsburg seit 2019 Lehrauftrag für Englisch an der Hochschule Augsburg • 2023 Lesereise in Thailand auf Einladung des Auswärtigen Amtes

Auszeichnungen/Veröffentlichungen (Auswahl):
2020 Shortlist des Blogbuster Literaturwettbewerbs mit dem Romanmanuskript Kahn
2020 Finalistin des 28. Open Mike mit der Kurzgeschichte Die Stare
2022 Veröffentlichung ihres ersten Romans Ewig Sommer bei Kein und Aber, Zürich/Berlin
2022 Nominierung für den Debütpreis des Harbour Front Literaturfestivals Hamburg mit Ewig Sommer
Nominierung für den Literaturpreis Fulda mit „Ewig Sommer“
2023 Auszeichnung mit dem Bayerischen Kunstförderpreis Literatur für Ewig Sommer
2023 Veröffentlichung der französischen Übersetzung von Ewig Sommer bei Editions Astrid Franchet
2024 Veröffentlichung ihres zweiten Romans bei Kein und Aber, Zürich Berlin

www.instagram.com/franziska.gaensler

WEITER LESEN: Interview mit Franziska Gänsler von Anna-Lena Maatz


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