Waldis für die schönsten Haikus

Die Haiku-Gruppe des »Wohnzimmers im Schwabencenter« lobt eine kleine Haiku-Olympiade aus.

Der »Waldi« war 1972 das Maskottchen der Sommerolympiade 1972. Das Augsburger Schwabencenter war damals nagelneu Teil des olympischen Dorfes. Im Jubiläumsjahr 2022 nähten die Handarbeiterinnen des »Wohnzimmers im Schwabencenter« Waldi 2.0-Unikate; allesamt aus recycletem Material. Sie wollen an das Maskottchen vor 50 Jahren erinnern, ohne es zu kopieren. Die liebevoll gefertigten Waldis kann man nun im Rahmen eines Haiku-Wettbewerbs gewinnen.

Die Auslobung des Wettbewerbs übernimmt die Haiku-Gruppe des »Wohnzimmers im Schwabencenter«. Veranstalter des Wettbewerbs ist der Lebensraum Schwabencenter /Transition Town Augsburg. Alle Einsendungen zum Wettbewerb anlässlich der werden an den Haiku-Kreis weitergeleitet, dessen Mitglieder bilden die Jury. Der Augsburger Haiku-Kreis wird geleitet von Yuko Murato (Tokio/München), er trifft sich regelmäßig einmal im Monat montags um 14 Uhr im »Wohnzimmer im Schwabencenter« (Wilhelm-Hauff-Straße 38, 86161 Augsburg).

Teilnahmebedingungen:

  • Anmeldeformular, Infos & Upload: >> Link | Grünes Schwabencenter <<
  • Jede / jeder kann teilnehmen
  • Einsendeschluss ist Samstag, 23. Juli 2022
  • Maximal 20 Gewinner*Innen erhalten je einen handgefertigten WALDI 2.0
  • Die Preise werden am Samstag, 30. Juli, 11 Uhr, im Wohnzimmer (Wilhelm-Hauff-Straße 38, neben dem Edeka) vergeben
  • Die Benachrichtigung erfolgt per E-Mail – die Waldis werden im Wohnzimmer im Schwabencenter überreicht oder zugeschickt

Das Haiku gilt als weltweit kürzeste Gedichtform. In der traditionellen Form hat es drei Zeilen: erste Zeile 5 Silben, dann 7, dann wieder 5 Silben. Thema ist eine Naturbeobachtung, wobei zur Natur natürlich auch der Mensch zählt, und die Jahreszeit soll durch ein Kigo, ein Jahreszeitenwort, im Haiku erkennbar sein.

Links zum Thema Schwabencenter:
https://www.gruenes-schwabencenter.de/
http://transition-town-augsburg.de/intitiativen-projekte/lebensraum-schwabencenter/
https://www.nachhaltigkeit.augsburg.de/agendaforen/lebensraum-schwabencenter

jetzt auxlitera-Newsletter abonnieren:

Sie erhalten etwa je Woche 1 E-Mail mit einem Nachrichtenüberblick.
Sie können diese Benachrichtung jederzeit abbestellen.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben oder für andere Zwecke verwendet. Unsere Datenschutz-Erklärung finden Sie hier.

Kleiner König Kalle Wirsch ist zurück

Der Kinderbuchklassiker, verfilmt von der Augsburger Puppenkiste, erscheint in bearbeiteter Neuauflage.

Tilde Michels Kleiner König Kalle Wirsch, erstmals erschienen 1969, ist längst ein Kinderbuchklassiker. Die Geschichte wurde als Marionettenspiel der Augsburger Puppenkiste 1970 vom Hessischen Rundfunk verfilmt. Nun liegt das Buch in überarbeiteter Neuauflage im Verlag Herder vor, illustriert von Annette Swoboda. Grundlage ist eine vorliegende Neubearbeitung des Textes durch die 2012 verstorbene Kinder- und Jugendbuchautorin Michels. Die geborene Frankfurterin lebte später in München.

Der Kinderbuchklassiker ist im Juni 2022 neu im Verlag Herder erschienen.

In Michels Kinderbuchklassiker muss Kalle Wirsch, König der Erdmännchen (derer es die Stämme Wirsche, Wolde, Gilche, Trumpe und Murke gibt) sein Reich gegen den bösen Zoppo Trump verteidigen. Die Kinder Max und Jenny, die Kalle aus ihrer Welt in die unterirdische Welt der Erdmännchen folgen, unterstützen ihn bei seinem Kampf. Zu dritt machen sie sich auf eine abenteuerliche Reise durch eine phantastische, unterirdische Welt.

Heute sorgt die im Augsburger Puppenmuseum »die Kiste« gezeigte Figur des Gegenspielers von Kalle Wirsch, nämlich Zoppo Trump, für Schmunzeln und Raunen – ist er doch, und das schon seit 1969, Namensvetter des einstigen US-Präsidenten Donald Trump.

Die vier Kalle Wirsch-Folgen der Augsburger Puppenkiste wurde erstmals im November 1970 in der ARD ausgestrahlt. In Sprecherrollen waren unter anderem Puppenkisten-Gründer Walter Oehmichen (in der Rolle des Töpfermeisters, des blinden Fährmanns und des steinernen Wärters), dessen späterer Nachfolger Hanns-Joachim Marschall (in der Rolle des Quarro Trump und des Feuerwurms) und Christel Peschke (als Max); alle drei sind mittlerweile verstorben.
>> aktueller Spielplan der Augsburger Puppenkiste

Tilde Michels Geschichte kam nicht nur in Buch- und Puppenspiel-Version an: Hörspiel- und Hörbuchversionen, sogar ein Kalle Wirsch Musical folgten.

Neben der Buchneuveröffentlichung im Herder Verlag ist Kleiner König Kalle Wirsch auch auf einer in Ton und Bild remasterten DVD im Shop der Augsburger Puppenkiste erhältlich, auch eine Postkarte mit dem kleinen König ist dort erhältlich.
[msc | auxlit]


Tilde Michels (* 1920 – †2012) wurde in Frankfurt am Main geboren. Nach einem Fremdsprachenstudium lebte sie einige Zelt in Frankreich und England. Seit vielen Jahren wohnt Tilde Michels in München, schreibt Kinder- und Bilderbuchtexte, übersetzt und arbeitet für Funk und Fernsehen. Inzwischen sind mehr als 30 Bücher von ihr erschienen.
Foto: privat | Verlag Herder


Tilde Michels: Kleiner König Kalle Wirsch.
Bearbeitete Neuauflage, 1. Auflage 2022
Verlag Herder, 13. Juni 2022
Gebunden, 176 Seiten
ISBN: 978-3-451-71636-2


eBook (EPUB):
Verlag Herder, Auflage 2022
168 Seiten
ISBN: 978-3-451-82751-8

jetzt auxlitera-Newsletter abonnieren:

Sie erhalten etwa je Woche 1 E-Mail mit einem Nachrichtenüberblick.
Sie können diese Benachrichtung jederzeit abbestellen.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben oder für andere Zwecke verwendet. Unsere Datenschutz-Erklärung finden Sie hier.


Haunstetten in alten Fotos

Mit dem Buch Wenn ich an früher denk’… – Haunstetten in alten Fotos gedenkt der Kulturkreis Haunstetten an die Eingemeindung vor 50 Jahren.

Mit der Veröffentlichungs des Bildbandes Wenn ich an früher denk’… – Haunstetten in alten Fotos gedenkt der Kulturkreis Haunstetten an die Eingemeindung Haunstettens vor 50 Jahren. Auf 80 Seiten versammelt der aufwändig recherchierte, im quadratischen Format gehaltene Band alte Aufnahmen und Impressionen des südlichsten Stadtteil Augsburgs von der Jungsteinzeit bis heute. Kulturkreisvorsitzende Jutta Goßner, Gerlinde Eberle und Anita Höfle schrieben erklärende Texte und ordneten die Bilderflut in Themenkapiteln, die ein vielfältiges Haunstetten zeigen.

Natürlich finden Einzug auch das Alte Rathaus, Krankenhäuser, die Stadtbücherei, die Siedlungen, das Naturfreibad, das Stadion und der alte Rodelhügel.

Faszinierend und kurios sind die Aufnahmen, die die Ausstellungsstücke der einst 1965 durch Privatinitiative entstanden Deutsch Miniatur samt Besuchern zeigen. An der Inninger Straße waren in einer Art Miniaturstadt – wie ein Vorläufer des heute berühmten Miniatur Wunderland in Hamburg – markante Gebäude aus ganz Deutschland im Maßstab 1:25 nachgebaut und ausgestellt worden. Hierzu zählten der Frankfurter Flughafen, Münchens Frauenkirche oder das Holstentor in Lübeck.

Abgerundet wird der Bildband mit seinen überwiegend Schwarzweißfotos (die mit einem leichten, angenehmen Sepiaton versehen wurden) mit Bildern aus Kunst, Fasching, von Volksfesten und Vereinen. Haunstetten, wie es leibt und lebt. Der heutige Ausburger Stadteil (rund 28.000 Einwohner, fast 1.400 ha Fläche) kann auf eine Jahrtausende alte Geschichte zurückblicken. Diese begann mit der Besiedlung in der Spätsteinzeit um 2.500 vor Christus. Ungefähr 4000 Jahre später, im Jahr 1972, wurden Haunstetten dann im Zuge der bayerischen Gebietsreform in die Stadt Augsburg eingemeindet. Die Gebietsreform 1972 erfolgte zum Teil gegen größte Widerstände der betroffenen Kommunen und ihrer Bürger*innen. Auch Haunstetten hatte versucht, die Eingemeindung abzuwehren – u.a. durch Bürgerversammlungen, Plakataktionen, Flugblätter an alle Haushalte und einer Abstimmung der Haunstetter Bürger*innen.

• Das Buch Wenn ich an früher denk’… – Haunstetten in alten Fotos ist erhältlich zum Preis von 10 Euro beim Kulturkreis Haunstetten, bei Augenoptik »Ihre Brille«, Inninger Straße 6, und in der Stadtteilbücherei Haunstetten, Tattenbachstraße 1.



Wenn ich an früher denk’… Haunstetten in alten Fotos.
Herausgegeben vom Kulturkreis Haunstetten e.V., 2022

80 Seiten, zahlreiche Abbildungen, überwiegend in Schwarzweiß
Bildband, Fadenheftung, Format: 21 x 21 cm
Texte: Jutta Goßner, Gerlinde Eberle und Anita Höfle
Layout: Anita Ulrich.
Fotos: Archiv Kulturkreis Haunstetten.
ISBN: 978-3-98191718-5

Weitere beim Kulturkreis Haunstetten erhältliche Publikationen:
Matzke, Wilfried: Die Straßennamen von Haunstetten, 2022. 14,90 Euro
Haunstetten. Archäologie eines Augsburger Vororts. Zehn Jahre Ausgrabungen von 1986 bis 1996.
Haunstetten im Bombenkrieg. Zur 50 Wiederkehr des ersten Luftangriffs am 25. Februar 1944.
Ulrich, Anita: Ein Aquarell erzählt dir was… Aquarelle aus Haunstetten und Siebenbrunn. 11,95 Euro

Broschüren (je 5 Euro):
Haunstetten – Archäologie.
• Haunstetten im Bombenkrieg.
Haunstetten im Jahre 1945.

Alle Bücher sind erhältlich beim Kulturkreis Haunstetten und im gut sortierten Buchhandel.

jetzt auxlitera-Newsletter abonnieren:

Sie erhalten etwa je Woche 1 E-Mail mit einem Nachrichtenüberblick.
Sie können diese Benachrichtung jederzeit abbestellen.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben oder für andere Zwecke verwendet. Unsere Datenschutz-Erklärung finden Sie hier.

20 Jahre Über:Druck:Ventil

Mit einem zweitägigen Mini-Literaturfestival am 30. Juni und 1. Juli feiert der Ventil-Verlag in Augsburg sein 20-Jähriges. Der Verlag hat vier Autoren aus Augsburg in seinem Portfolio.

»20 Jahre Ventil Verlag« ist das Motto eines zweitägigen Mini-Literaturfestivals, das am Donnerstag, 30. Juni, und Freitag, 1. Juli, im Kulturhaus abraxas über die Bühne geht. Veranstalter sind die beiden Augsburger Autoren Roland van Oystern und Gerald Fiebig. Daraus erklärt sich auch, warum dem in Mainz ansässigen Verlag ausgerechnet in Augsburg ein Geburtstagsfest ausgerichtet wird.

Der Ventil-Verlag mit Sitz in Mainz ist spezialisiert auf Sachbücher zum Thema Popmusik (u.a. mit der Testcard – Zeitschrift für Popgeschichte) mit Schwerpunkt Punk, auf Belletristik mit oft musikaffinen Themen sowie auf vegane Kochbücher. Roland van Oystern, der 2021 den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg in der Sparte Literatur erhielt, hat bei Ventil letzten Herbst das zweite Buch zusammen mit seinem Ko-Autor Ferdinand Führer veröffentlicht: Kritik am Mitmensch ist eine Sammlung bitterböser Kolumnen aus der Titanic, die in rotem Leinen mit Goldprägung als Parodie eines Geschenkbuchs daherkommt. Die Originalillustrationen der Zeichnerin Lisbert werden von 1. bis 31. Juli im Kulturhaus abraxas ausgestellt. Die Vernissage am Donnerstag, 30. Juni um 19:00 Uhr bildet den Auftakt des zweitägigen Festivals – natürlich mit Lesung von Führer und van Oystern, musikalisch umrahmt von Saxofonist Florian »Schmali« Schmaler und Indie-Sound von DJ Charly.

Tag 2 mit Doppelpack Borgeldt & Fiebig

Bei Führer und van Oystern, die auch zusammen in den Punk- bzw. Indiebands Club Déjà-vu und Die Damen und Herren des Orchesters spielen und für ihr Homestory Magazin mit dem Rocco-Clein-Preis für Musikjournalismus ausgezeichnet wurden, liegt die Affinität zum Punk-Schwerpunkt des Ventil-Programms klar zutage. Gerald Fiebig hingegen kennt man in Augsburg vor allem als Lyriker, in dessen Arbeiten Pop- und Punkmusikbezüge immer wieder eine Rolle spielen. Bei seiner Lesung am Freitag, 1. Juli, um 20:00 Uhr (Tickets für 10,- Euro nur an der Abendkasse) zeigt er sich aber von einer weniger bekannten Seite: als Musikfeuilletonist. Fiebig, der von 1999 bis 2003 das Online-Fanzine gebrauchtemusik.de herausgab und in den 2000ern regelmäßig Musikkritiken für das Online-Feuilleton satt.org schrieb, liest an diesem Abend aus seinen Beiträgen zu dem Ventil-Titel Damaged Goods – 150 Einträge in die Punkgeschichte. (In dem Band, der das Genre anhand von 150 Alben vorstellt, sind auch van Oystern und Führer mit einem Beitrag vertreten.) Ob es sich um Fiebigs – titelgebenden – Beitrag über Gang of Four, über die Adverts, die Desperate Bicycles oder Scritti Politti handeln wird, bleibt eine Überraschung.

Ausschnitt: Lesung aus »Schnulzenroman«.
Daniel Borgeldt.

Der zweite Autor dieses Abends schlägt die Brücke zum Verlagssitz: Daniel Borgeldt reist aus Mainz an und liest aus seinem Schnulzenroman – einem Pop-Roman über Schlager, Punk und Zwölftonmusik.

Nicht live beim Festival dabei, aber gleichwohl in Augsburg wohnhaft sind übrigens zwei weitere Ventil-Autor:innen: Lena Marie Radu, die in Augsburg eine vegane Kochschule betreibt, veröffentlichte bei Ventil das Kochbuch Vegan für die Sinne. Und mit einem Beitrag zu der im Juni 2022 bei Ventil erscheinenden feministischen Musikgeschichte These Girls, Too zählt auch Augsburgs Pop-und -Literatur-Instanz Franz Dobler seit Neuestem zu den Ventil-Autoren.

jetzt auxlitera-Newsletter abonnieren:

Sie erhalten etwa je Woche 1 E-Mail mit einem Nachrichtenüberblick.
Sie können diese Benachrichtung jederzeit abbestellen.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben oder für andere Zwecke verwendet. Unsere Datenschutz-Erklärung finden Sie hier.

Text:Kulturen im Studium

Die Uni Augsburg informiert am Donnerstag, 7. Juli, über den Master-Studiengang »Ethik der Textkulturen«.

Am Donnerstag, 7. Juli , um 11:45 Uhr in Raum D 4072 findet eine Informationsveranstaltung zum Master »Ethik der Textkulturen« für Studieninteressierte sämtlicher Fachrichtungen statt. Die Veranstaltung kann am Dienstag zusätzlich per Zoom besucht werden. Dozierende des Studienstandortes Augsburg stellen im Rahmen der Informationsveranstaltung den interdisziplinären Masterstudiengang für alle Interessent:innen vor.

Folgende Themen sollen dabei im Fokus stehen: Neben den Inhalten des Studiengangs und der Information über Bewerbung und Zulassung soll auch auf besondere Lehrformen im Studiengang und das Mentor:innenprogramm eingegangen werden. Darüber hinaus werden die Möglichkeit des Doppelstudiums und berufliche Perspektiven thematisiert. Abschließend gibt es noch genügend Raum für Fragen zum Studiengang. Interessierte sämtlicher Studienrichtungen sind herzlich eingeladen.

Die Teilnahme ist ohne Anmeldung möglich.

jetzt auxlitera-Newsletter abonnieren:

Sie erhalten etwa je Woche 1 E-Mail mit einem Nachrichtenüberblick.
Sie können diese Benachrichtung jederzeit abbestellen.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben oder für andere Zwecke verwendet. Unsere Datenschutz-Erklärung finden Sie hier.

Benefizlesung: »Die Grimms«

Michael Lemster liest am Sonntag, 3. Juli, im Gartensaal der Hessing Burg aus »Die Grimms«. Eintrittsspenden gehen an das Hessing Förderzentrum für Kinder und Jugendliche.

Jacob und Wilhelm Grimm sind bekannt für ihre Märchen. Sie sind jedoch bei weitem nicht die einzigen Mitglieder ihrer Familie, die die deutsche Geschichte beeinflusst haben. Vom 16. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gestaltete die bürgerliche Familie Grimm die Gesellschaft aktiv mit und war bestrebt, ihr ihren Stempel aufzudrücken. Dabei war die Familie nicht immer das, was sie zu sein vorgab.

Der in Augsburg lebende Autor Michael Lemster – Infos & Kurzbio des Autoren siehen unten – beleuchtet in seiner Familienbiografie Die Grimms: Eine Familie und ihre Zeit (Benevento, 2021) die Geschichte der Familie. Kenntnisreich analysiert der Kulturwissenschaftler das epochale Wirken der Grimms vor dem Hintergrund ihrer tiefen existenziellen Angst vor der Moderne. »Anregend, klug und süffig«, schreibt Die (Presse (Wien) über Lemsters Buch. »Lemster gelingt es, eine Gefühl für die Realitäten und Mentalitäten zu vermitteln, aus denen die Märchensammlung entstand.« Und Elke Heidenreich vom WDR urteilt: »Alles wird wunderbar erzählt, ein großer Bilder-bogen über eine hoch-interessante Familie vonDenkern und Künstlern.«

Die Lesung findet statt im atmosphärischen Gartensaal der Hessing Burg in Augsburg-Göggingen, an der Hessingklinik, Hessingstraße 6b (>> Gelände-Übersicht), musikalisch umrahmt durch das Kammermusik-Ensemble Musica Annensis.

Der Eintritt ist frei – um Spenden für das Hessing Förderzentrum für Kinder und Jugendliche (HFZ) wird gebeten. Das HFZ bietet ein umfassendes Angebot zur Bildung und Erziehung, Diagnostik und Therapie für Säuglinge und Vorschulkinder sowie zur Beratung ihrer Angehörigen und Bezugspersonen. Dies geschieht im inklusiven Kinderhaus, in der interdisziplinären Frühförderung oder in der Sozialpädiatrischen Abteilung. Als Einrichtung von regionaler und überregionaler Bedeutung behandelt das HFZ zudem Schulkinder und Jugendliche bis 18 Jahren in seinen Heilmittelpraxen in Ergotherapie, Logopädie bzw. Physiotherapie behandeln.

Die Benefizlesung wird veranstaltet von Ein Haus für Kinder e. V., Verein zur Unterstützung des Hessing Förderzentrums für Kinder und Jugendliche, Allgäuer Straße 95, 86199 Augsburg.

• Sonntag, 3. Juli, 19:30 – Martin Lemster: Die Grimms. Gartensaal der Hessing Burg, Hessingstraße 6b, 86199 Augsburg.

Michael Lemster. Foto: Mercan Fröhlich-Mutluay

Michael Lemster: lebt in Augsburg, geboren und aufgewachsen in Sichtweite der Goethestadt Frankfurt/Main. Begann eine Bibliothekslaufbahn, lebte als Biobauer und Hüttenwirt, studierte 1978 bis 1987 Orientalistik in München, Frankfurt, Hamburg und Zaria (Nigeria). Er hielt sich mehrere Male zu längeren Forschungszwecken in Afrika auf, 1986/87 als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in Nigeria. Als freier Autor berichtete er unter anderem in ZEIT, NZZ und Bayerischem Rundfunk. 1988 schlug er eine Laufbahn als Verlagslektor und -manager ein, unter anderem bei Piper und Hirmer. Seit 2009 ist er freier Unternehmensberater mit Standort in Augsburg, wo er auch regelmäßig als Chorsänger auftritt. Im Benevento-Verlag sind von ihm die Bücher Die Grimms: Eine Familie und ihre Zeit und Die Mozarts. Geschichte einer Familie erschienen.
>> Michael Lemster auf Youtube

jetzt auxlitera-Newsletter abonnieren:

Sie erhalten etwa je Woche 1 E-Mail mit einem Nachrichtenüberblick.
Sie können diese Benachrichtung jederzeit abbestellen.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben oder für andere Zwecke verwendet. Unsere Datenschutz-Erklärung finden Sie hier.

Buchprojekt: Menschheitsethos und Weltherrschaft

Hans Joas zur Gastdozentur an der Uni Augsburg. Einer der bedeutendsten Soziologen der Gegenwart gibt Einblick in sein jüngstes Buchprojekt.

Mit Hans Joas ist es im Sommersemester 2022 gelungen, einen der bedeutendsten Soziologen der Gegenwart für die Internationale Gastdozentur am Jakob-Fugger-Zentrum der Universität Augsburg zu gewinnen. Seine Vorträge in Augsburg sind dem Thema »Moralischer Universalismus: Menschheitsethos und Weltherrschaft« gewidmet und gewähren Einblicke in sein jüngstes Buchprojekt.

Ausgangspunkt ist die Feststellung, dass die Menschheit während des größten Teils ihrer Geschichte vermutlich kein Bewusstsein von sich selbst als einer einheitlichen Spezies hatte und gewiss nicht den moralischen Maßstab, das Wohl aller Menschen über das des eigenen Sozialverbands zu stellen. Wann, wo und warum aber entstand dann ein solches „Menschheitsethos“ und wie hat es sich weiterentwickelt? Stellt es eine Eigenheit des Christentums oder der Aufklärung und des Westens dar oder finden wir es auch in anderen Traditionen und Kulturen?

Die Grundthese der Forschungen von Hans Joas ist, dass wir diesen „moralischen Universalismus“ in seinen vielfältigen Formen historisch nur in Wechselwirkung mit der Geschichte der Imperien verstehen können, d.h. aus den Reaktionen auf deren Weltherrschaftsansprüche heraus oder als Rechtfertigungsversuche genau dieser Imperien. Während im ersten Vortrag der Reihe die Grundgedanken des ganzen Buchprojekts entwickelt werden, behandelt Joas danach zwei Fallstudien. Der zweite Vortrag untersucht den Kampf um die Abschaffung der Rassensegregation in den Südstaaten der USA mit besonderem Augenmerk auf die Rolle des Christentums auf beiden Seiten des Konflikts, der dritte Vortrag betrachtet die religiöse und politische Vision Mahatma Gandhis, die darin bestand, aus indischen Traditionen einen moralischen Universalismus zu entwickeln, der sich gegen die Herrschaft und den zivilisatorischen Überlegenheitsanspruch des britischen Empire richten konnte.

Hans Joas ist Soziologe und Sozialphilosoph. Seit 2014 hat er die Ernst-Troeltsch-Honorarprofessur für Religionssoziologie an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin inne. Er wurde 1979 mit einer Arbeit über „Praktische Intersubjektivität: Die Entwicklung des Werkes von George Herbert Mead“ an der FU Berlin promoviert, wo er sich auch habilitierte. 1987 folgte er einem Ruf an die Universität Erlangen-Nürnberg. Von dort wechselte er 1990 auf die Professur für Soziologie und Nordamerikastudien an der FU Berlin. 2002 übernahm Hans Joas die Max-Weber-Professur und damit die Leitung des Max-Weber-Kollegs für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien an der Universität Erfurt. Von 2011 bis 2014 forschte Joas als Permanent Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS). Er ist außerdem seit 2000 Visiting Professor of Sociology and Social Thought an der University of Chicago. Gastprofessuren führten ihn auch an andere US-Universitäten, nach Kanada, Österreich, Schweden und Südafrika.

Seine Forschungsschwerpunkte liegen in der Geschichte von Wertentstehung und Wertewandel, der Religionssoziologie und der Soziologie von Krieg und Gewalt. Er wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Bielefelder Wissenschaftspreis, der Werner-Heisenberg-Medaille, dem Hans-Kilian-Preis, dem Max-Planck-Forschungspreis und dem Prix Paul Ricoeur. Hans Joas’ Werk ist in viele Sprachen übersetzt und wird breit rezipiert. Zuletzt sind von Hans Joas erschienen: „Die Macht des Heiligen. Eine Alternative zur Geschichte von der Entzauberung“ (2017), „Friedensprojekt Europa?“ (2020), „Im Bannkreis der Freiheit. Religionstheorie nach Hegel und Nietzsche“ (2020) und „Warum Kirche? Selbstoptimierung oder Glaubensgemeinschaft“ (2022). _____________________________________

Öffentliche Veranstaltungen mit Hans Joas an der Universität Augsburg:

28. Juni 2022, 18:30 Uhr
Moralischer Universalismus: Gedanken zu seiner Entstehung und Entwicklung
Universität Augsburg, Gebäude H (Jura), Hörsaal 1009

30. Juni 2022, 18:30 Uhr
Das Christentum zwischen Rassismus und seiner Bekämpfung: Martin Luther King
S-Forum der Stadtbibliothek Augsburg, Ernst-Reuter-Platz 1, 86150 Augsburg

5. Juli 2022, 18:30 Uhr
Antikolonialer Widerstand und religiöse Vision: Mahatma Gandhi
Rokokosaal der Regierung von Schwaben, Fronhof 10, 86152 Augsburg

Workshop für Master- und Promotionsstudierende
6. Juli 2022, 10:00 Uhr
Universität Augsburg, Gebäude D, Raum 2056
_____________________________________

jetzt auxlitera-Newsletter abonnieren:

Sie erhalten etwa je Woche 1 E-Mail mit einem Nachrichtenüberblick.
Sie können diese Benachrichtung jederzeit abbestellen.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben oder für andere Zwecke verwendet. Unsere Datenschutz-Erklärung finden Sie hier.

Die ideologischen Offenbarungseide des Bertolt Brecht

Lenz Prüttings ideologie-kritische Analyse von Brechts Gesamtwerk sprengt Grenzen der Brecht-Exegese deutlich auf mehreren Seiten hin auf.

Der Philosoph und Theaterwissenschaftler Lenz Prütting, in den 90er-Jahren Chefdramaturg an den Städtischen Bühnen Augsburg (heutiges Staatstheater Augsburg), legt mit seinem Werk Brechts Metamorphosen im Wandel seiner Gläubigkeiten. (Königshausen & Neumann, 2022) eine ideologiekritische Analyse von Brechts Gesamtwerk vor. Der Untertitel Von Jesus über Baal zu Stirner, Lenin und Lao-tse steckt das Feld von tatsächlich massiven Anregungen und Einflüssen, die in der bisherigen Brecht-Philologie entweder viel zu kurz gekommen sind, verleugnet wurden oder überhaupt nicht als solche erkannt worden sind.

Der in Pfaffenhofen an der Ilm wohnhafte Philosoph und Übersetzer dramatischer Texte von Shakespeare, Molière und Synge gab auxlitera Einblick in Entstehung, Hintergrund und Rückschlüsse seines über 600 Seiten zählenden Werks Brechts Metamorphosen im Wandel seiner Gläubigkeiten. in dem er zu dem Schluss kommt, Brecht sei zeit seines Lebens im steten Wandel seines Selbstverständnisses und seiner ideologischen Positionen begriffen gewesen, was sich allein schon am mehrfachen Wechsel seines Vornamens zeigt, vor allem aber in seinem Werk.

Patriotismus, Pietismus und ein Herzanfall

Unter dem Einfluss seiner überaus frommen pietistischen Mutter und seines nationalprotestantischen Barfüßer-Pfarrers Hans Detzer schrieb der ganz frühe Brecht entsprechend ideologisch geprägte Gedichte. Nur eine einzige Dissertation, die des Theologen Eberhard Rohse, befasse sich mit diesem ganz frühen Brecht in seiner Augsburger Kindheit und Jugend, so Lenz Prütting. »Diese frühen Gedichte in schwarz-weiß-roter patriotischer Ergriffenheit und im Geiste des Langemarck-Mythos‘ hat man bisher aber konsequent aus dem Brecht-Bild ausgeblendet, genau so wie die tiefe pietistische Prägung, die Brecht eine genauso tief sitzende Bereitschaft verliehen hat, ein Sündenbewußtsein zu entwickeln und zu kultivieren, das sich dann auch auf alle anderen Gläubigkeiten übertragen ließ, sodass der christliche Sünder sich ganz leicht zum ideologischen Renegaten wandeln konnte, der ein genauso schlechtes Gewissen hat wie der christliche Sünder.« Aus diesem Grund sei Prütting in seiner Analyse auch so ausführlich auf die Matthäus-Passion eingegangen, weil das Erlebnis der Matthäus-Passion offenbar den jungen Brecht buchstäblich »umgehauen« habe, denn er erlitt während der Aufführung einen veritablen Herzanfall.

Die brechtige Stirn(er)glatze

Doch dann, so Prütting, seien die tiefen Umbrüche gekommen. Brecht habe sich vom biblisch-christlichen Gott ab – und dem biblischen Gegen-Gott Baal zugewendet. Über letzteren habe sich Brecht, so scheine es, eine veritable Religion ausgedacht. »Und dann der noch viel tiefer gehende Umbruch im Zeichen Stirners, dem Brecht nicht nur seine Christlichkeit, sondern außerdem auch noch seine eben erst entwickelte baalische Naturreligion opfern mußte«, so Prütting. Er verweist auf ein bisher unbeachtetes, aber sehr offenbares Detail in Brechts visueller Selbstpräsentation: Mit Stirner, so Prütting, habe Brecht auch eine Portion Haare gelassen – denn er ließ sich tatsächlich eine Stirnglatze rasieren, um die gleiche Denkerstirn wie sein neues Idol Stirner zu haben.

Gelöschte Stellen in Tagebüchern und Briefen

Prütting zeigt auf, wie massiv der Einfluss Stirners auf die frühen Stücke Baal und Trommeln in der Nacht war. Brecht habe in immer neuen Ansätzen versucht, »diesen Stirner wieder los zu werden«. Für Prütting lassen sich die marxistischen Selbstbelehrungsstücke um 1930 »auch als Exerzitien zur eigenen Entstirnerung« lesen. Doch, so Prütting, taucht der Name Stirner in Brechts eigenen Werken an keiner Stelle auf. Prütting: »Alle Stellen in den Tagebüchern und Briefen, in denen er aufgetaucht sein könnte, sind sorgfältig gelöscht worden, und so ist es auch im Nachlass, wie man mir vom Brecht-Archiv glaubhaft versichert hat. Und in der Brecht-Forschung taucht der Name Stirner natürlich auch nirgendwo auf.«

Kreativitätsschub nach Lao-tse-Erfahrung

Ähnlich sei die Situation mit Lao-tse, der erst kürzlich durch die kleine Studie von Heinrich Detering in die Debatte geworfen worden ist, aber bis dahin kaum ein Thema für die Brecht-Forschung gewesen ist. »Dass die marxistisch orientierten Brechtianer vor Lao-tse sofort fremdeln, ist leicht zu verstehen, weil dessen sanftes Wu-Wei-Prinzip eben der direkte Gegensatz zur elften Feuerbach-These ist. Dass aber auch die ›bürgerliche‹ Brecht-Forschung diesen überaus wichtigen Einfluß Lao-tses auf den späten Brecht nie zu würdigen wußte, ist einfach nicht zu entschuldigen, weil das große Lao-tse-Gedicht ja zugleich auch eine Theorie der Kreativität in einer gemeinsamen Situation enthält. Und dann darf man ja auch nicht übersehen, daß die Orientierung an der Ethik des Lao-tse dem Brecht von 1938ff einen genau so großen Schub an Kreativität gebracht hat wie die Orientierung an Baal und Stirner in seiner frühen Augsburger Zeit, und das macht diese Vernachlässigung von Lao-tse erst recht unentschuldbar.«

Literarische Geständnisse

Bei so vielen Abbrüchen, Umbrüchen und Neuorientierungen, die sich durch Brechts ganzes Werk ziehen: Es könne nicht verwundern, dass es immer wieder auch Situationen in seinem Leben und Werk gegeben hat, die man laut Prütting als »ideologischen Offenbarungseid« bezeichnen darf. Also als Situationen, in denen Brecht sich eingestehen habe müssen, dass er nicht mehr weiter wußte – wie es eben Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny heißt: »Weil es nichts gibt / woran man sich halten kann«. Um darzustellen, zu welchen Geständnissen sich Brecht gezwungen sah, baute Lenz Prütting zwei Kapitel in Brechts Metamorphosen im Wandel seiner Gläubigkeiten ein. »Ich meine damit zum Beispiel den deutlich artikulierten Orientierungs-Verlust bei den verzweifelten Sündernarren von Mahagonny, aber auch das kleine Gedicht ›Die Krücken‹, das in einem ganz anderen Ton das Stirb-und-werde-Thema von Zusammenbruch und Wiederaufrichtung zum Thema hat.«

Brechtfrömmigkeit

Bertolt Brecht (1954). Bildnachweis & Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-W0409-300 / Kolbe, Jörg / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5371156.

Ein ganz eigenes Thema der Brecht-Studie ist die für Prütting »windige Theorie« des Epischen Theaters, die in der Brecht-Literatur zwar eine große Rolle spielt, dort aber immer so dargestellt werde, dass man sie »ganz brechtfromm darstellt, also von Brechts eigenen Vorgaben ausgehend diskutiert. Und das hat mich immer schon gewaltig geärgert, weshalb ich nun als ausgebuffter Theaterpraktiker, aber auch als studierter Philosoph diese Theorie mal unter anthropologischen, philosophiehistorischen und erkenntnistheoretischen Aspekten untersucht habe.« Dabei kam Prütting zu einigen Ergebnissen gekommen, die, wie er betont, in der bisherigen Brecht-Forschung ebenfalls noch nie angesprochen worden sind.

Prütting: »Ich meine damit die verblüffende Nähe des ›Epischen Theaters‹ zu Platons Sicht auf das Theater, dann aber auch die genauso verblüffende Identität des zu dieser Theatertheorie gehörenden ›impliziten Zuschauers‹ mit dem cartesischen Ich, also der leiblosen, affektlosen, geschichts- und gesichtslosen ›res cogitans‹, die nichts anders kann als eben zu kogitieren, also zu denken ohne zu empfinden, als ob dies überhaupt möglich wäre. Und das soll laut Brecht nicht nur möglich sein, sondern das soll sogar das zu erstrebende Ideal sein«, so Prütting. »Hier hat sich Brecht unter der Parole ›Weh dem, der mitgeht!‹ offensichtlich in einer vertikalen Sackgasse ideologischer Verstiegenheit verrannt, weil er sich seinen Zusammenbruch während der Matthäus-Passion nie verzeihen konnte.«

Brecht und die DDR

Das letzte Kapitel behandelt Brechts Zeit in der DDR. In ihm will Prütting zeigen, »wie bei diesem Machtkampf mit den Kulturpolitikern der SED der alte Brecht versucht hat, sich nicht ›verwursten‹ zu lassen, sondern im Gegenteil wieder die speziellen Mittel und Möglichkeiten der DDR für sich zu verwerten, diesen Machtkampf aber doch verloren hat, weil die Fülle an Entmutigungen und Zumutungen letztlich doch zu groß für ihn war.«

Neue Heimat Königshausen & Neumann Verlag

Die neue, nun im Königshausen & Neumann vorliegende Brecht-Monographie ist eine zweite, erweiterte Fassung. Die von Prütting bereits editorisch kritisch betrachtete Veröffentlichung im Vorgängerverlag konnte die ersehnte Neufassung nicht mehr erleben, da der Verlag aufgekauft wurde. Im Würzburger Königshausen & Neumann Verlag sind bereits zwei Bücher von Prütting erschienen, nun kommt noch ein viertes hinzu; eine handliche Kurzfassung seines Buchs Homo ridens für jedermann unter dem Titel Spielräume des Lachens. Auch alle künftigen Arbeiten von Lenz Prütting sollen bei Königshausen & Neumann erscheinen. [ms | auxlit]

Lenz Prütting: Jahrgang 1940, war zunächst Bergmann, machte dann Abitur und studierte in Erlangen und München Philosophie, Literatur- und Theaterwissenschaft. Nach der Promotion arbeitete er zehn Jahre an der Universität München und danach als Dramaturg an verschiedenen Theatern, darunter in den 1990er Jahren an den Städtischen Bühnen Augsburg (heute: Staatstheater Augsburg. Zuletzt bei Königshausen & Neumann erschienen: Der kreative Impuls. Studien zur Phänomenologie der Kreativität (2020) und »Das isses!« Studien zur Phänomenologie von Gewißheits-Erlebnissen (2021).


Lenz Prütting: Brechts Metamorphosen im Wandel seiner Gläubigkeiten. Von Jesus über Baal zu Stirner, Lenin und Lao-tse
644 Seiten, Taschenbuch-Bindung
Königshausen & Neumann, 2022
ISBN: 978-3-8260-7596-4

Hier beim auxlitera-Newsletter anmelden:

Sie erhalten etwa je Woche 1 E-Mail mit einem Nachrichtenüberblick.
Sie können diese Benachrichtung jederzeit abbestellen.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben oder für andere Zwecke verwendet. [Unsere Datenschutzbestimmungen finden Sie hier.]

Literaturfest München gibt Kuratorin bekannt

Das Literaturfest München findet 2022 wieder im größeren Format und mit dem kuratierten Programm »Forum« statt, dieses Jahr gestaltet von der Schriftstellerin Tanja Maljartschuk.

Das 13. Literaturfest München findet vom 16. November bis 4. Dezember 2022 erstmals nach der Corona-Pandemie wieder im größeren Format statt. Kernstück des Festivals ist erneut das von einer Schriftstellerin oder einem Schriftsteller kuratierte zehntägige Programm »Forum«, das dieses Jahr vom 16. bis 25. November läuft. Gestaltet wird es von der aus der Ukraine stammenden und in Wien lebenden Autorin Tanja Maljartschuk und trägt das Motto »frei sein – Mitteleuropa neu erzählen«.

Das Literaturfest München umfasst neben dem Forum die 63. Münchner Bücherschau sowie das Festprogramm des Literaturhauses mit dem Markt der unabhängigen Verlage »Andere Bücher braucht das Land« und einer Neuheit: der »Münchner Schiene«. Das unter der Regie von Schriftsteller Benedikt Feiten stehende Programm soll vom 25.11. bis 2.12. der Vernetzung und Neuentdeckung Münchner Autorinnen und Autoren gewidmet sein. Außerdem werden der Geschwister-Scholl-Preis und der Fernsehpreis LiteraVision im Rahmen des Literaturfests verliehen.

Im Mittelpunkt des von Tanja Maljartschuk kuratierten Forum steht der Dialog zwischen deutschen und mittelosteuropäischen Autorinnen und Autoren, deren Länder durch den Einfluss der ehemaligen Sowjetunion geprägt sind. Die Beziehung zwischen West- und Mittelosteuropa soll dabei in literarischer und historischer Hinsicht aufgearbeitet werden. Denn seit dem Zerfall der Sowjetunion, so Maljartschuk, sei sie charakterisiert durch das Versäumnis, die Länder Mittelosteuropas als eigenständige Staaten zu sehen: »Lange galten sie als ›Kolonien Russlands‹, nicht als Subjekte des europäischen Diskurses. Noch heute wird etwa die Kultur der Ukraine, trotz des Krieges, weiterhin als untrennbarer Teil des großrussischen Narrativs wahrgenommen. Dabei gehört die Ukraine mitsamt ihrer Geschichte und ihren Werten in die Reihe ihrer mitteleuropäischen Nachbarn.«

Basis ihres Programms sind für Tanja Maljartschuk die historischen Initialtexte zur Identität Mitteleuropas wie sie Václav Havel und Milan Kundera verfassten: In seinem Essay Die Macht der Ohnmächtigen formulierte Havel 1978 eine fundamentale Gesellschaftskritik des sozialistischen Systems, das er geprägt sah durch Gleichschaltung und die Zerstörung von Vielfältigkeit. Während Milan Kundera 1984 Die Tragödie Mitteleuropas als Schicksal einer unbestimmten Zone kleiner Nationen zwischen Russland und Deutschland beschrieb, deren Existenz zu jedem beliebigen Zeitpunkt in Frage gestellt werden könne.

Ausgehend von Havel und Kundera möchte Tanja Maljartschuk den Blick auf die Gegenwart mittelosteuropäischer Intellektueller lenken: Auftritte in »Tandems« mit Autorinnen und Autoren aus Deutschland sind geplant, Lesungen und Gespräche über Romane, Sachbücher, Lyrik und Reportagen, zudem theatrale und musikalische Inszenierungen. Dabei stehen Themen im Fokus wie »Die Ukraine in der Weltliteratur«, »Die Psychopathologie der Diktatur«, »Künstlerinnen und Künstler im Krieg«. Zum Forum kommen die Literatur-Nobelpreisträgerinnen Herta Müller und Olga Tokarczuk, außerdem eine Vielzahl europäischer Autorinnen und Autoren der Stunde: Andrej Kurkow, Robert Menasse, Sofi Oksanen, Lea Ypi u.v.m.

Tanja Maljartschuk: 1983 in Iwano-Frankiwsk, Ukraine, geboren, studierte Philologie an der Universität Iwano-Frankiwsk und arbeitete nach dem Studium als Journalistin in Kiew. 2009 erschien auf Deutsch ihr Erzählband „Neunprozentiger Haushaltsessig“, 2013 ihr Roman „Biografie eines zufälligen Wunders“, 2014 „Von Hasen und anderen Europäern“ und 2019 ihr jüngster Roman „Blauwal der Erinnerung“. Darin beschreibt sie die Niederlage der ukrainischen Staatenbildung 1919 anhand der Schicksale ukrainischer Intellektueller, die vor den Bolschewiki ins Exil fliehen mussten und nie zurückkehrten. Für Maljartschuk verschwand damit jene europäische Ukraine, die schließlich „in einer verbrecherischen Art und Weise durch die sowjetische ersetzt wurde“. 2018 erhielt Tanja Maljartschuk den Ingeborg-Bachmann-Preis, 2022 den Usedomer Literaturpreis.

Hier beim auxlitera-Newsletter anmelden:

Sie erhalten etwa je Woche 1 E-Mail mit einem Nachrichtenüberblick.
Sie können diese Benachrichtung jederzeit abbestellen.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben oder für andere Zwecke verwendet. [Unsere Datenschutzbestimmungen finden Sie hier.]

Wortgold – die Kunstnacht glänzt mit Literatur

#ganzingold am 25. Juni: Lesungen mit und ohne Musik, Lyrikprojekt, historischer Roman, Erzählkunst, Bühnenliteratur, literarische Stoffe in Tanzperformance und Museumsführung.

Mit einem breiten Programm für Literaturfreunde wartet die Lange Kunstnacht 2022 am Samstag, 25. Juni, unter dem Motto #ganzingoldauf. So werden zum Beispiel der mehrfach ausgezeichnete Lyriker Knut Schaflinger und der Augsburgs bekannter Autor Peter Dempf lesen, der Erzählkünstler Matthias Fischer (Märchenzelt) ist mit dabei, ebenso Matthias Klösel mit Bühnenliteratur.

Besonderen Raum bekommt das vom Kulturamt geförderte, von der Lyrikerin Sarah Kiyanrad konzeptionierte und kuratierte Lyrik-Projekt »Wort2Museum«: Was passiert, wenn Dichter:innen ein ganzes Museum für sich alleine haben? Wie fühlt sich ein Museum an einem besucherfreien Montag an? Wie hörbar sind seine Exponate? Was ist ihre poetische Anmutung in der Stille? Um diese Aspekte zu erkunden und in eine lyrische Form zu bringen, verbrachten Alke Stachler, Carmen Achter, Carmen Jaud, Dustin Young, Siegfried Völlger und Sarah Kiyanrad einen Tag in leeren Museumsräumen. Das Ergebnis ist ein poetischer Dialog mit den Dingen, ihrer Geschichte und den Geschichten, die sie erzählen.

Aber auch Tanz und Kunst greifen bei der Kunstnacht literarische Stoffe auf: So lädt Dr. Karin Perz lädt ein zu einer Begegnung mit Bacchus in der Lyrik und den Kunstwerken des Maximilianmuseums und die Tänzer:innen der Ballettcompagnie des Staatstheaters adaptieren Adelbert von Chamissos Märchen Peter Schlemihls wundersame Geschichte.

>> Detaillierte Gesamtübersicht auf das literarische Programm siehe unten
und im auxlitera-Terminkalender!

Insgesamt präsentiert die Kunstnacht am 25. Juni 2022 über 200 Programmpunkten an fast 50 Orten in der Augsburger Innenstadt. Tickets für die Lange Kunstnacht sind im VVK u.a. über den Reservix-Ticketshop erhältlich.

>> Tickets kaufen
>> Ticket-Infos
>> Gesamtes Kunstnachtprogramm
>> Karte / Übersicht der Spielorte



– Das literarische Programm –

• Knut Schaflinger & Sabine Lutzenberger
»AM GOLDE HÄNGT DOCH ALLES. ACH, WIR ARMEN!«

19 Uhr & 20: 30 Uhr | Leonhardskapelle, Fuggerei. Platz für 60 Personen, Dauer: 30 Minuten.

Foto: Severin Schweiger


Musik und Poesie: Lieder von Jonas Losch (ca. 1580), Walther von der Vogelweide u.a. gepaart mit Texten von Knut Schaflinger. Mit: Sabine Lutzenberger (Gesang, Harfe), Knut Schaflinger (Texte).

• Gold! Das war, was zählte in Augsburg. Die Fugger und andere hatten die Stadt zu einer der reichsten der Welt gemacht und doch war nicht alles Gold was glänzt. Ein Teil der Bürger lebte in Armut – begehrte auf. Einer von ihnen: Jonas Losch. Seine Waffe: sein Wort. Die Liedersammlung des Jonas Losch, um 1580 entstanden und erst vor wenigen Jahren im Stadtarchiv entdeckt, ist voller aufrührerischer Texte, voll Witz und Farbe. Sabine Lutzenberger, Mezzosopranistin aus Augsburg, wird die Lieder dieses Rebellen präsentieren. Knut Schaflinger, Journalist und Lyriker. In seinem neuen Gedichtband Das Unvorhersehbare hinter Paravents greift er die Farbigkeit der alten Texte auf und erzählt mit den poetischen Mitteln von heute, wie unentbehrlich Farben sind.



Carmin Achter & Dustin Young •
TEXTGEWEBE

19 Uhr & 20 Uhr | tim – Textil- und Industriemuseum. Platz für 50 Personen, Dauer: 30 Minuten.

LYRIKPROJEKT WORT2MUSEUM:
Gedichte von und mit Carmen Achter und Dustin Young. Ein poetischer Dialog mit den Dingen, ihrer Geschichte und den Geschichten, die sie erzählen – Eindrücke von einem Tag allein im besucherfreien TIM mit seinen Exponaten.




Carmen Jaud mit Stephan Holstein, Klaus Füger & Walter Bittner
ES IST NICHT ALLES GOLD, WAS GLÄNZT

19:15 Uhr & 20 Uhr | Kulturhaus Kresslesmühle. Platz für 99 Personen, Dauer: 30 Minuten.

Foto: Reiserer

Das Wortlaut-Quartett erzählt vom unwiderstehlichen Zauber des Goldes, seinem mythischen Glanz und vom Griff nach den Sternen. Besetzung: Carmen Jaud (Lyrik und Rezitation), Stephan Holstein (Klarinetten und Saxophone), Klaus Füger (Kontrabass), Walter Bittner (Percussion)

• Hier gibt es Goldstaub für die Ohren: Mit Gedichten und Musik. Das Wortlaut-Quartett erzählt von goldenen Zeiten und Dingen, vom unwiderstehlichen Zauber des Goldes, von seinem mythischen Glanz, vom menschlichen Begehren nach dem Edelmetall und vom Griff nach den Sternen. Die Texte von Carmen Jaud verschmelzen mit der Musik von Walter Bittner, Klaus Füger und Stephan Holstein zu einem funkelnden Hörgenuss.




Peter Dempf mit Musica Annensis •
»MIR IST SO FEDERLEICHT UMS HERZ«

20:15 Uhr und 21:15 Uhr | Leopold- Mozart-Haus. Platz für 30 Personen, Dauer: 30 Minuten.

Lesung des Autors Peter Dempf aus dem gleichnamigen Roman mit Kammermusik von W. A. Mozart.
Peter Dempf (Lesung) mit Musica Annensis: Maximilian Schilcher (Violine), Heinrich Ding (Violine), Lucia Suckart (Viola), Eva Fuchs (Violoncello).




Adalbert Chamisso •
PETER SCHLEMIHLS WUNDERSAME GESCHICHTE

20:30 Uhr und 21:30 Uhr | Oberer Fletz, Rathaus Augsburg. Platz für 200 Personen, Dauer 30 Minuten.

TANZPERFORMANCE. In Adelbert von Chamissos Märchen aus dem 19. Jahrhundert verkauft ein junger Reisender seinen Schatten für einen Beutel Gold, der niemals leer wird. Eine tänzerische Adaption des Staatstheaters. Mit den Tänzer*innen der Ballettcompagnie des Staatstheaters. Regie: Lukas Joshua Baueregger, Tizian Olivieri



Alke Stachler & Carmen Jaud •
WAS HALLT NACH

21 Uhr und 21:45 Uhr | Diözesanmuseum. Platz für 30 Personen, Dauer: 30 Minuten.

LYRIKPROJEKT WORT2MUSEUM. Alke Stachler und Carmen Jaud in einem poetischen Dialog mit den Dingen, ihrer Geschichte und den Geschichten, die sie erzählen – Eindrücke von einem Tag allein im besucherfreien Diözesanmuseum St. Afra mit seinen Exponaten.




Matthias Fischer (Märchenzelt) •
KÖNIG MIDAS – WEIL MAN GOLD NICHT ESSEN KANN

19:30 Uhr und 20:30 Uhr | Fronhof. Platz für 40 Personen, Dauer: 30 Minuten.

Matthias Fischer (Das Märchenzelt) erzählt die antike Sage von König Midas, dem reichsten König Griechenlands und dem unzufriedensten. Musikalisch untermalt von Andreas Koller (Trommeln, Handpan).





• Matthias Klösel mit Tom Gratza •
LECH, DU WILDER HUND

19:45 Uhr und 20:45 Uhr | Brechthaus. Platz für 30 Personen, Dauer: 30 Minuten.

Auszüge aus der musikalisch-literarischen Wasserrevue zum »blauen Gold« mit Interpretationen von Goethe, Brecht, Reinhard Mey u.a: Tom Gratza am Piano und Matthias Klösel als Klempner Alois (Bild) erkunden singend und spielend die Augsburger Flüsse, Kanäle und Brunnen, erzählen komödiantisch sprudelnd von der Bedeutung des Wassers für Augsburg und Schwaben. So entsteht eine spritzige Wasserrevue, unterhaltsam und erfrischend. Doch auch nachdenkliche Töne fehlen nicht.


• Karin Perz •
VOM GOLD DER KUNSTWERKE UND DER TRAUBEN

20 Uhr | Maximiliansmuseum. Platz für 15 Personen, Dauer: 30 Minuten.

• FÜHRUNG / VORTRAG. Dr. Karin Perz lädt ein zu einer Begegnung mit Bacchus in der Lyrik und den Kunstwerken des Maximilianmuseums.



Sarah Kiyanrad & Siegfried Völlger •
STEIN WERDEN. GEDICHTE AUS DER NATUR DES MUSEUMS.

19:45 Uhr und 20:45 Uhr | Naturmuseum. Platz für 30 Personen, Dauer: 30 Minuten.

LYRIKPROJEKT WORT2MUSEUM:
Sarah Kiyanrad und Siegfried Völlger in einem poetischen Dialog mit den Dingen, ihrer Geschichte und den Geschichten, die sie erzählen – Eindrücke von einem Tag allein im besucherfreien Naturmuseum mit seinen Exponaten.







www.langekunstnacht.de