BoD startet neue Schreibplattform

Das in Frankreich initiierte Projekt kommt nun nach Deutschland.

Den Zugang zum Schreiben erleichtern, das Arbeiten an Texten verbessern und den Schritt zur Buchveröffentlichung vereinfachen – das will die neue Online-Schreibplattform WriteControl des Self-Publishing-Dienstleisters BoD (Books on Demand) für Autorinnen und Autoren ermöglichen.

WriteControl sei eine All-In-One-Schreibplattform mit umfassenden Funktionen zur Plot- und Figurenentwicklung, zum Verfassen und Bearbeiten von Texten sowie zum Erstellen und Export von Manuskriptdateien für die Buchveröffentlichung. So bietet die Plattform unter anderem Zugriff auf Figurensteckbriefe, Schreibziele und -statistiken, eine Kapitelgliederung samt automatischer Zusammenfassung zur Überprüfung der inhaltlichen Kohärenz, Notizfunktionen, die Erstellung von Mindmaps, einen Texteditor mit Formatierungshilfe, eine automatisierte Fußnotenverwaltung und die Möglichkeit, Rechercheergebnisse wie Bilder, Dokumente und Webseiten per Upload an einem Ort zu sammeln. Sprach-Tools wie ein integriertes Wörterbuch, eine Synonym-Suche, eine Online-Enzyklopädie sowie Korrekturhilfen und ein Detektor für Wortwiederholungen unterstützen Autor*innen zusätzlich bei der Texterstellung.

Für den Export von Manuskripten ermöglicht WriteControl die Konvertierung des Buchtextes in eine Word-Datei, ein druckfähiges PDF oder eine ePub-Datei sowie in eine Ansicht als HTML-Datei. Die Schreibplattform übernimmt zudem die Formatierung von Texten in ein gewünschtes Buchformat und ermöglicht Nutzer*innen das Verwalten und Gestalten der Titelei-Seiten.

Die Entwicklung von WriteControl startete 2016 als ein Projekt einer Autorin in Frankreich. 2021 übernahem BoD als europaweit agierender Self-Publishing-Dienstleister die Plattform und entwickelte sie weiter. Heute zählt WriteControl bereits mehr als 35.000 Nutzer*innen, umfasst über 50.000 Buchprojekte und besitzt eine aktive Schreibcommunity. Nun erfolgt die Ausbreitung der Plattform in weiterere europäische Länder. Dabei wird die Plattform kontinuierlich weiterentwickelt. Neuestes Feature ist das kollaborative Schreiben, bei dem Autor*innen zeitgleich im Team an einem Manuskript arbeiten können. WriteControl gibt es als kostenfreie und als kostenpflichtige Version.
[pm | msc]

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Meister Eder und sein Moloch

Augsburgs Künstlervereinigung »Die Ecke« und die Buchegger Stiftung veröffentlichen Katalogbuch zu Martin Eder.

Martin Eder – ein international renommierter Künstler, geboren in Augsburg. In seinen großformatigen, nahezu altmeisterlichen Ölgemälden verbindet der in Berlin lebende, 53-jährige Künstler auf gekonnte und ambivalente Weise die Allgegenwart des Kitsch mit der Hochkunst. Seine Inszenierungen versetzen einen in einen Zustand zwischen Schaulust und Scham, wirken sexuell aufgeladen oder sogar verstörend. Das Katalogbuch Martin Eder. Moloch. (Hatje Cantz, 2022) fängt nun den Aura und Reiz des neuen Werkszyklus‘ »Moloch« ein, der aktuell im in der Halle1 im H2 – Museum für Gegewartskunst gezeigt wird. Bis 12. Juni sind dort Eders Werke noch zu sehen – seit Eders Weggang nach Berlin zum ersten Mal wieder in Augsburg. Gezeigt wird eine Auswahl großformatiger Ölgemälde, kleiner Aquarelle, aber auch neue Arbeiten, die extra für die Ausstellung entstanden sind. Der Verein Die Ecke kuratiert zum ersten Mal eine museale Ausstellung und verlässt auf diese Weise sowohl seine Komfortzone, als auch seine Räumlichkeiten am Elias-Holl-Platz.

Im Mai wurde im H2 auch das Katalogbuch in einem Künstlergespräch mit dem Titel »Körper, Katzen, Traditionen: alles der Kunst opfern.« vorgestellt. Vor über 20 Jahren, im Jahr 2001, hatten die Städtischen Kunstsammlungen Augsburg den Band Martin Eder. Return of the Anti-Soft. herausgegeben. Ein 2004 folgender, wie Moloch ebenfalls bei Hatje Cantz veröffentlichte Band Martin Eder. Die kalte Kraft gilt als restlos vergriffen. Nun also Moloch, herausgegeben von der Arno Buchegger Stiftung, welche die Veröffentlichung finanzerte, und der Augsburger Künstlervereinigung Die Ecke e.V.

Buchcover. (Hatje Cantz)

Wesentlichen Teil des großformatigen, 160 Seiten zählenden Buchs bilden die 80 größtenteils ganz- oder doppelseitigen und farbigen Bildtafeln: Gemälde und Studioansichten. In einem auf grünen Seiten gedruckten Buchteil geht den Abbildungen mit Ein Gespräch (A Conversation) ein Interview von Tim Marlowe (Direktor des Londoner Design Museum) und Damien Hirst mit Martin Eder voran, dessen Anlass die 2018er-Ausstellung Eders in London (»Parasites«) war. Einsichtsreich unterhalten sich der Eder mit dem Kunsthistoriker und dem Künstler über Magie, Risiko und Provokation, aber auch zum Thema Wahrheit & Lüge, Figuration und Abstraktion. Das Katalogbuch schließt mit dem Text Von fremden Tischen essen (Eating at Another’s Table) von Ausstellungskuratorin Jane Neal. Auch dieser Text rekurriert auf »Parasites«; Neal arbeitet unter anderem kurz den Einfluss des Barock und der Hochrenaissance auf Eder heraus. Günther Baumann, Vorsitzende des Kunstvereins Augsburg, und Dr. Oliver Kautz, 1. Vorsitzender der Arno Buchegger Stiftung, tragen mit jeweils einem Vorwort bei. Der Band wird ergänzt mit einer tabellarischen Kurzbiografie Eders und einen Überblick auf eine Auswahl an Einzel- und Gruppenausstellungen und Eder-relevanten Publikationen.

Das Foto von Martin Eder, das den Künstler beim Signieren im H2 zeigt, wurde freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom Die Ecke-Mitglied Daniela Kulot.


Martin Eder: *1968, Augsburg, lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte Freien Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Seine Gemälde werden international ausgestellt, u.a. in der Kunsthal Rotterdam, im ARKEN Museum of Modern Art in Kopenhagen, in Hirsts Newport Street Gallery in London und im MUDAM Luxemburg. | www.martineder.com


Martin Eder. Moloch.
Hrsg. Arno Buchegger Stiftung und Künstlervereinigung Augsburg „Die Ecke“ e.V.
Mit Texten von Martin Eder, Damien Hirst, Tim Marlow, Jane Neal.
Deutsch / Englisch
Gestaltung: Karsten Heller
Hatje Cantz, 2022
160 Seiten, 80 Abbildungen, Hardcover
, Format: 24,00 x 30,00 cm
ISBN 978-3-7757-5261-9

Ines Geipel bei den 29. Ingolstädter Literaturtagen

Der Kartenvorverkauf für das Event vom 18.6 bis 6.7 hat begonnen. Die aktuelle Marieluise-Fleißer-Preisträgerin Ines Geipel gestaltet einen Teil des Festivals.

Sharon Dodua Otoo liest am Donnerstag, 30. Juni, aus ihrem Roman »Adas Raum«. Foto: Ralf Steinberger

Die 29. Ingolstädter Literaturtage starten am Samstag, 18. Juni, und enden am Mittwoch, 6. Juli. Bereits zum zweiten Mal wird ein Teil der Ingolstädter Literaturtage von der aktuellen Marieluise-Fleißer-Preisträgerin gestaltet: Ines Geipel widmet sich zusammen mit Studierenden des 47. Jahrgangs des Studiums Zeitgenössische Puppenspielkunst der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch Berlinder Ingolstädter Schriftstellerin Marieluise Fleißer. An vier Abenden (26. – 29. Juni, Beginn jeweils 20 Uhr, Altstadttheater) dreht sich alles rund um »Frau Fleißer«. Es werden Puppen und Menschen auf der Bühne zu sehen sein und das Publikum wird ihre Sprache hören, als Fusion der Kunstformen der Studierenden. Das komplette Programm hierzu finden Sie HIER.

Des Weiteren stehen auf dem Programm: Romy Hausmann mit Perfect Day (Freitag, 24. Juni, 20 Uhr, Kavalier Dalwigk) sowie Christoph Dallach und Andreas Dorau mit Future Sounds (Samstag, 25. Juni, 20 Uhr, Neue Welt). Zudem kann sich das Publikum freuen auf: Sharon Dodua Otoo mit Adas Raum (Donnerstag, 30. Juni, 20 Uhr, Dachgarten KAP94), Doron Rabinovici mit Die Einstellung (Freitag, 1. Juli, 20 Uhr, Innenhof Kulturoasis) und Karen Köhler mit Miroloi (Samstag, 2. Juli, 19 Uhr, Dachgarten KAP94). Letztere ist eine Kooperation mit dem SÜDWIND Festival/ Stadttheater Ingolstadt. Speziell für Kinder, aber natürlich auch für Erwachsene, steht die Lesung mit Steven Cloos auf dem Programm: Superheld liest … No.6 Geschichten für Alle (Samstag, 2. Juli, 14:30 Uhr, Dachgarten KAP94). Auf ein literarisches Schmankerl dürfen sich auch die Schüler*innen der August-Horch-Schule freuen. Dort liest Dita Zipfel am Freitag, 24. Juni, 10 Uhr aus ihrem Roman Brummps.

Das Programm wird ergänzt mit einer Lesung des Ingolstädter Autorenkreises (Samstag, 18. Juni, Dachgarten des KAP94), der Preisverleihung beim Schanzer Schreibwettbewerb für Schülerinnen und Schüler (Sonntag, 19. Juni, Neue Welt) sowie Workshops für Jungliteraten mit Poetry-Slammerin Vero Scholz (3., 5. und 6. Juli, Anmeldung unter urbankultur@ingolstadt.de oder unter 0172-5645900), kulminierend in der Veranstaltung Spoken Word – Von Rap bis Slam-Poetry am Mittwoch, 6. Juli, auf dem Theaterplatz, Bau mit!-Rampe.

Tickets für die 29. Ingolstädter Literaturtage.

Bei schlechtem Wetter finden die Open-Air-Veranstaltungen alle in der Neuen Welt statt. Mit zwei Ausnahmen: Die Lesung mit Romy Hausmann wird in das Trafohaus und die Abschlussveranstaltungen der Workshops in die Werkstatt / Junges Theater verlegt. Bei unsicheren Witterungsverhältnissen am Tag der Veranstaltung können Sie sich unter 0172 – 5645900 informieren, ob die Veranstaltung wie geplant Open Air oder indoor stattfindet.

Tickets gibt es über www.ticket-regional.de, vor Ort in der Tourist Information am Rathausplatz (Moritzstraße 19), im Westpark Ingolstadt, im Achtzig20 GmbH co. und im Schanzer Ludwig Store (Theresienstr. 13). Aktuelle Sicherheits- und Hygienehinweise finden Sie unter: www.kulturamt-ingolstadt.de

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Über einen Höhepunkt des Augsburger Musikdrucks

In dem neuen Buch »Same Same but different« untersucht Torge Schiefelbein die Geschichte des »Augsburger Liber selectarum cantionum« (1520), der ersten Motettensammlung, die nördlich der Alpen in den Druck gegangen ist.

Same Same but different. Die erhaltenen Exemplare des »Liber selectarum cantionum« (Augsburg 1520) lautet der Titel der Studie, jetzt in der Reihe Wiener Forum für ältere Musikgeschichte im‎ Hollitzer Wissenschaftsverlag (Wien) erschienen ist. Der Autor Torge Schiefelbein promovierte mit seiner Arbeit über den 500 Jahre alten Augsburger Musikdruck in Philosophie im Gebiet Musikwissenschaft. Im Wiener Hollitzer Verlag erscheinen auch die 1991 begründeten Mozart Studien, herausgegeben vom in Augsburg aufgewachsenen Mozartexperten Manfred Hermann Schmid (*1947 – ✝ 2021 in Augsburg).*)

Zum Buch: Die Motettenanthologie Liber selectarum cantionum, gedruckt im Jahr 1520 in Augsburg, ist ein Husarenstück ihrer Zeit. In der vorliegenden Publikation offenbart Torge Schiefelbein das soziale Netz, in dem das Buch entstanden ist, diskutiert mögliche Auftraggeber, porträtiert das gedruckte Repertoire und beleuchtet die Provenienz jedes einzelnen Exemplars.

Der volle Titel der Motettensammlung lautet Liber selectarum cantionum quas vulgo mutetas appellant sex quinque et quatuor vocum, lateinisch für »Buch ausgewählter Gesänge, die man gemeinhin Motetten nennt, zu sechs, fünf und vier Stimmen«. Der Musikdruck, von dem heute noch 20 Exemplare vorhanden sind, wurde in Augsburg in der Werkstatt Sigmund Grimms und Markus Wirsungs gedruckt. Deren Druckoffizin galt im vorreformatorischen Augsburg als die wichtigste Publikationsstätte humanistischer Literatur.

Titelseite des Liber Selectarum Cantionum. Foto: Public Domain

Der Arzt und Apotheker Grimm war mit einer Verwandten von Margarete Welser, der Ehefrau Konrad Peutingers, einem der namhaftesten Vertreter des Humanismus in Obderdeutschland verheiratet und damit Mitglied einer der angesehensten Familien in Augsburg. Würsung (ca 1460 – 1520/21) war ein Ausburger Kaufmann, Apotheker, Buchhändler und Verleger. Peutinger, der auch das Nachwort zum Liber verfasste, gründete 1500 die Sodalitas litteraria Augustana. Der Liber selectarum ist einem der Mitglieder dieser humanistischen Gesellschaft gewidmet, dem Augsburger Matthäus Lang von Wellenburg. Dieser galt als rechte Hand Maximilians I.

Der Liber selectarum cantionum wurde am 28. Oktober 1520 veröffentlicht. Das Herzstück der Studie von Torge Schiefelbein bildet eine Rekonstruktion und Analyse des Herstellungsprozesses der Motettensammlung: Auf der Basis eines vollständigen Vergleichs aller 20 erhaltenen Exemplare – mit insgesamt mehr als 10.000 Seiten – können erstmals sämtliche Differenzen aufgelistet, manche Lesarten bedenkenlos als falsch ausgeschlossen und Schlüsse über die Druckreihenfolge gezogen werden. Jedes Exemplar des Liber ist einzigartig. Die noch gängige Auffassung, alle Kopien einer Auflage wären gleich, muss künftig angepasst werden: Nicht identische, sondern ähnliche Produkte sind die Regel.

Das Herzstück der Studie bildet eine Rekonstruktion und Analyse des Herstellungsprozesses: Auf der Basis eines vollständigen Vergleichs aller 20 erhaltenen Exemplare – mit insgesamt mehr als 10.000 Seiten – können erstmals sämtliche Differenzen aufgelistet, manche Lesarten bedenkenlos als falsch ausgeschlossen und Schlüsse über die Druckreihenfolge gezogen werden. Jedes Exemplar des Liber ist einzigartig. Die noch gängige Auffassung, alle Kopien einer Auflage wären gleich, muss künftig angepasst werden: Nicht identische, sondern ähnliche Produkte sind die Regel.

Torge Schiefelbein studierte und promovierte an der Universität Wien. Der Liber selectarum cantionum (Augsburg 1520) war Thema seiner Diplomarbeit (2013), eines von ihm verfassten Artikels für das Handbuch der Musik der Renaissance (2014) und seiner Dissertation (2016).

Im Hollitzer Verlag erscheinen auch die Mozart Studien des verstorbenen Augsburger Herausgebers Manfred Hermann Schmid.

(* In Band 27 der Mozart Studien (2020) schrieb Schmid den Augsburg-spezifischen Beitrag »Über Augsburg als ein Zentrum der Mozartforschung 1939 – 1954: Ferdinand Kleindinst und Ernst Fritz Schmid«. Manfred Hermann Schmid wuchs in Augsburg auf, studierte Violine am Augsburger Konservatorium, später in Salzburg Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte. Schmid lebte nach seiner Emeritierung bis zu seinem Tod 2021 in Augsburg. Die Mozart Studien veröffentlichen Beiträge in deutscher, italienischer, französischer oder englischer Sprache. Im Mittelpunkt stehen wissenschaftliche Arbeiten zum Werk von Wolfgang Amadeus Mozart.

Torge Schiefelbein: Same Same but Different. Die erhaltenen Exemplare des „Liber selectarum cantionum“ (Augsburg 1520)
Wien: Hollitzer Verlag, 2022 (Wiener Forum für ältere Musikgeschichte, Band 12)
428 S., 16,5 x 24,5 cm, Deutsch, Hardcover
ISBN 978-3-99012-992-0 (hbk) € 70,00
ISBN 978-3-99012-993-7 (pdf) € 69,99