Fest der Worte in Ingolstadt

Start für die Ingolstädter Literaturtage am 18. Juni: U.a. mit Sharon Dodua Otoo und Ines Geipel – und einer musikalischen Lese-Show mit Andreas Dorau & Christoph Dallach.

Die Ingolstädter Literaturtage bieten vom 18. Juni bis 6. Juli 2022 abwechslungsreiche literarische Begegnungen in teils außergewöhnlichem Ambiente – sei es in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre oder auch draußen im Grünen. Das Lesefestival präsentiert hochkarätige Autoren/-innen und ihre Werke. Ebenso bleibt die Schreibnachwuchsförderung als wichtige Säule der Literaturtage bestehen. Zudem gestalten die jeweils aktuellen Marieluise-Fleißer-Preisträger/-innen einen Teil des Festivals. Sie laden Autoren/-innen ein, zu deren Werken oder Person sie persönlich einen Bezug haben. Dieses Jahr ist dies Iness Geipel.

Das Programm:

Das Festival startet am Samstag, 18. Juni, mit der 29. Literarischen Nacht des Ingolstädter Autorenkreises. (19 Uhr, Eintritt frei, Dachgarten KAP94 – bei schlechtem Wetter in der Neuen Welt) und am Sonntag, 19. Juni, mit der Preisverleihung zum Schreibwettbewerb für Schüler/-innen (14 Uhr, Eintritt frei, Neue Welt). Am Freitag, 24. Juni, hält Dita Zipfel eine Schüler/innen-Lesung aus ihrem Buch Brummps (10 Uhr, August-Horch-Schule).

Die Lesungen:

Freitag, 24. Juni:
Romy Hausmann: »Perfect Day«
20:00 Uhr | Kavalier Dalwigk (bei schlechtem Wetter im Trafohaus)

Seit vierzehn Jahren verschwinden Mädchen im Alter zwischen sechs und zehn Jahren. Rote Schleifenbänder weisen der Polizei den Weg zu ihren Leichen. Vom Täter fehlt seit vierzehn Jahren jede Spur. Eines Abends wird der international renommierte Philosophieprofessor und Anthropologe Walter Lesniak im Beisein seiner Tochter Ann verhaftet. Die Anklage: zehn Morde an jungen Mädchen. »Professor Tod« titelt die Boulevardpresse. Doch Ann wird die Unschuld ihres Vaters beweisen. Für sie und die Leser/-innen beginnt eine Reise in die dunkelsten Räume der menschlichen Seele …


• Samstag, 25. Juni:
Christoph Dallach, Andreas Dorau: »Future Sounds«
20:00 Uhr | Neue Welt

Christoph Dallach hat die Pioniere des Krautrock befragt, darunter Irmin Schmidt (Can), Michael Rother (Neu!) und Dieter Moebius (Cluster). Ihre Antworten fügen sich zu einer Oral History, die über die Bandgeschichten weit hinausweist: einerseits in die Vergangenheit, zu Nazilehrern
und Nachkriegselternhäusern, andererseits in die Zukunft, zu globaler Anerkennung und Mythenbildung. Auch geht es in dem Buch um den Zeitgeist der späten 60er und frühen 70er Jahre, wo ein Hauch von alten Nazis in der Luft liegt und sich eine junge Generation dagegen politisiert. Neben Beiträgen aus dem Buch präsentieren Christoph Dallach und Andreas Dorau in ihrer Lese-Show auch Highlights aus ihren Plattensammlungen, geben Kostproben ihrer eigenen Stücke und kommen dabei ins Gespräch mit dem Publikum.


Donnerstag, 30. Juni:
Sharon Dodua Otoo: »Adas Raum«
20:00 Uhr | Dachgarten KAP94 (bei schlechtem Wetter in der Neuen Welt)

Der erste Roman von Sharon Dodua Otoo Adas Raum verwebt
die Lebensgeschichten vieler Frauen zu einer Reise durch
die Jahrhunderte und über Kontinente. Das Werk erzählt
davon, was es bedeutet, Frau zu sein. Ada erlebt die Ankunft der Portugiesen an der Goldküste des Landes, das einmal Ghana werden wird. Jahrhunderte später wird sie für sich und ihr Baby eine Wohnung in Berlin suchen. In einem Ausstellungskatalog fällt ihr Blick auf ein goldenes Armband, das sie durch die Zeiten und Wandlungen begleitet hat. Ada ist viele Frauen, sie lebt viele Leben. Sharon Dodua Otoos Mut und ihre Lust zu erzählen, ihre Neugier, die Vergangenheit und die Gegenwart zu verstehen, machen atemlos.


• Freitag, 1. Juli:
Doron Rabinovici: »Die Einstellung«
20:00 Uhr | Innenhof Kulturoasis (bei schlechtem Wetter in der Neuen Welt)

August Becker ist der Star unter den Pressefotografen, seine Porträts sind unverwechselbar. Im aktuellen Wahlkampf um die Kanzlerschaft erhält er von einer liberalen Wochenzeitschrift den Auftrag, den Spitzenkandidaten einer populistischen Partei zu fotografieren. August Becker soll den Mann hinter der Fassade von Fürsorglichkeit entlarven, seine Brutalität, seinen Zynismus, er soll den unaufhaltsam scheinenden Siegeszug seiner Partei stoppen. Und tatsächlich gelingt ihm ein Schnappschuss, von dem er überzeugt ist, dass er den Ausgang der Wahl entscheidend beeinflussen wird – bis sich von einem Tag auf den anderen alle Gewissheiten ins
Gegenteil verkehren.


Samstag, 2. Juli:
Karen Köhler: »Miroloi«
19:00 Uhr | Dachgarten KAP94 (bei schlechtem Wetter in der Neuen Welt)

Ein Dorf, eine Insel, eine ganze Welt: Karen Köhlers erster Roman katapultiert uns direkt hinein in den Kopf einer jungen Frau, die als Findelkind in einer abgeschirmten Gemeinschaft aufwächst. Hier haben Männer das Sagen, Tradition und heilige Gesetze lasten auf allem. Was passiert, wenn man Freundschaften und Allianzen schließt, sich verliebt und endlich einen Namen bekommt? Voller Hingabe, Neugier und Wut auf die Verhältnisse erzählt Miroloi von einer jungen Frau, die sich auflehnt. Unbändig und feinfühlig könnte dieses Buch an jedem Ort und in jeder Zeit spielen. Ein großer Roman, in dem jedes Detail brennt und leuchtet – und die bewegende Geschichte eines ganzen Lebens, nicht weit von hier.



Speziell für Kinder, aber natürlich auch für Erwachsene, steht die Lesung mit Steven Cloos auf dem Programm: Superheld liest … No.6 – Geschichten für Alle (Samstag, 2. Juli, 14:30 Uhr, Dachgarten KAP94). Am Mittwoch, 6. Juli, findet der Abschlussabend Spoken Word – Von Rap bis Slam-Poetry statt (18 Uhr, Bau mit!-Rampe (bei schlechtem Wetter in der Werkstatt/Junges Theater), Eintritt frei).

Ines Geipel kuratiert vier Puppenspielstücke

Ines Geipel. Foto: Annette Hauschild | Klett-Cotta

Die aktuelle Marieluise-Fleißer-Preisträgerin Ines Geipel gestaltet einen Teil des Festivals. Der 47. Jahrgang des Studiums Zeitgenössische Puppenspielkunst der Hochschule für Schau-
spielkunst Ernst Busch Berlin
präsentiert zusammen mit Geipel vier Stücke, die sich mit Fleißers Literatur auseinandersetzen. Moderation: Ines Geipel. Im Altstadttheater – jeweils 20 Uhr.

• Sonntag, 26. Juni:
Warum sollen Sie damit identisch sein?
Das Stück untersucht anhand von Szenen aus Fleißers Der Tiefseefisch die Begegnungen der Schriftstellerin mit dominanter und verletzlicher Männlichkeit, die sie stark beeinflusst haben. Ausgewählte Briefe ergänzen die Auseinandersetzung in der Konstellation Fleißer-Brecht-Draws-Tychsen im Tiefseefisch. Ein Abend als hybrides Spiel zwischen szenischer Lesung, Puppen- und Schauspiel. >> Tickets

• Montag, 27. Juni:
Die Dreizehnjährigen oder unsere Schwester Olga
Das Leben eines Kindes gleicht einer Fahrt auf einem Karussell: leicht, beschwingt und ohne Angst, von der Fliehkraft mitgerissen zu werden. Aber jedes Kind wacht eines Tages auf und fühlt sich zu groß für ein Pferdekarussell. Die Illusion zerbricht, und das ewiggleiche Kreiseln scheint plötzlich trist. Die frühe Fleißer-Prosa Die Dreizehnjährigen erzählt von Kindern zwischen dörflicher Einöde und religiöser Tradition, zwischen Unaufgeklärtheit und fehlenden Vorbildern und zeigt sie in ihrem Versuch erwachsen zu werden. Ein Abend als hybrides Spiel zwischen Figurentheater, Erzählung und Schauspiel. >> Tickets

• Dienstag, 28. Juni:
Stadt-Land-Fleißer
Ein Abend aus den Zerrissenheiten der Autorin zwischen Heimatweh und Fernliebe, zwischen Metropole und Herkunft auf der Grundlage ihrer Briefe und Texte in den Jahren 1926 – 1933 unter dem Motto: »In der Gefahr suchte ich Schutz«. Ein Theater der Dinge aus Fleißers Sprache, aus ihren Zweifeln, Sehnsüchten und Entscheidungen. >> Tickets

• Mittwoch, 29. Juni:
Jetzt legt er die Hand auf ihr Knie hinüber, sie fühlt sich davon beschwert
Patriarchales bestimmt die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze einer deutschen Provinzstadt der Zwischenkriegszeit. Sich trotz allem als Frau Freiheiten zu erobern, bedeutet gegen einen reißenden Strom zu schwimmen. Genau das tut Frieda Geier, die Protagonistin in Marieluise Fleißers einzigem Roman, indem sie die Heirat mit dem Tabakwarenhändler und Vereinsschwimmer Gustl Gillich verweigert. Damit geht sie ein existenzielles Risiko ein. Die Mehlreisende Frieda Geier kämpft um eine Freiheit, deren Definition sie selbst erst noch finden muss. Eine Lesung in Szene gesetzt mit den hybriden Formen des Figurentheaters. >> Tickets

Tickets für die 29. Ingolstädter Literaturtage

Bei schlechtem Wetter finden die Open-Air-Veranstaltungen alle in der Neuen Welt statt. Mit zwei Ausnahmen: Die Lesung mit Romy Hausmann wird in das Trafohaus und die Abschlussveranstaltungen der Workshops in die Werkstatt / Junges Theater verlegt. Bei unsicheren Witterungsverhältnissen am Tag der Veranstaltung können Sie sich unter 0172 – 5645900 informieren, ob die Veranstaltung wie geplant Open Air oder indoor stattfindet.

Tickets gibt es über www.ticket-regional.de, vor Ort in der Tourist Information am Rathausplatz (Moritzstraße 19), im Westpark Ingolstadt, im Achtzig20 GmbH co. und im Schanzer Ludwig Store (Theresienstr. 13). Aktuelle Sicherheits- und Hygienehinweise finden Sie unter: www.kulturamt-ingolstadt.de


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Author: msc

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