H.J. Fugger, der Buchsammler: Denkmal bekommt Schreibfeder zurück

Der größte Buchsammler des 16. Jhs. bekommt seine Schreibfeder wieder. Hans Jakob Fuggers Buchbestand bildete die Grundlage der Hofbibliothek München, der heutigen Bayerischen Staatsbibliothek.

Nach mehr als einem halben Jahrhundert bekommt das Denkmal am Fuggerplatz seine verschollene Schreibfeder zurück. Sie tauchte im Nachlass einer Verstorbenen auf. Die inzwischen in Landsberg lebende Tochter der Frau, Dagmar Reitmeir, gab sie nun an die Stadt Augsburg zurück. Nach ihren Angaben hatte ihr Stiefvater als Kind die Schreibfeder Ende der 50er, Anfang der 60er Jahre zusammen mit Freunden entwendet.

Die 35 cm lange Schreibfeder zierte einst die Hand der vom abgedankten Bayern-König Ludwig I. gestifteten Staute, die 1857 eingeweiht wurde. Sie verkörpert Hans Jakob Fugger, einen Großneffen des berühmten Kaufmanns und Bankiers Jakob Fugger. Oberbürgermeisterin Eva Weber nahm die Schreibfeder vor dem Fugger-Denkmal entgegen und dankte der ehrlichen Finderin im Namen der Stadt Augsburg für die Rückgabe. Das Denkmal, so Weber, sei stadtbildprägend, darum bedeute es viel, dass die Statue wieder vollständig sei.

Hans Jakob Fugger ist der einzige Bankrotteur der drei großen Generationen der mächtigen Augsburger Handelsfamilie gewesen. Er gilt jedoch auch als einer der größten Buchsammler des 16. Jahrhunderts. Die 2,60 Meter hohe und 1,8 Tonnen schwere Statue zeigt ihn deshalb auch mit einer Pergamentrolle in der linken und einer Schreibfeder in der rechten Hand. Wegen seiner Schulden verkaufte er seine Büchersammlung an Albrecht V. von Bayern. Der Herzog von Bayern schuf auf dieser Grundlage die Hofbibliothek in München, aus der die heutige Bayerische Staatsbibliothek
entstand.

Die 1,8 Tonnen schwere Statue zeigte Hans Jakob Fugger mit einer Pergamentrolle in der linken und einer Schreibfeder in der rechten Hand (rechts). Links das 2,60 Meter hohe Denkmal am Fuggerplatz, passenderweise in der Nähe einer Buchhandlung, nachdem die 35 cm lange Schreibfeder entwendet wurde.

Für Oberbürgermeisterin Eva Weber hat die Rückgabe daher auch enorme Bedeutung: »Der außergewöhnliche Augsburger hat mit seiner kostbaren Sammlung das Fundament für die Bayerische Staatsbibliothek gelegt, eine Kathedrale des bayerischen Geistes und eine der größten und
bedeutendsten Gedächtnisinstitutionen Europas.«

Statue nach rund 60 Jahren wieder mit Schreibfeder zu sehen

Der Leiter der Unteren Denkmalschutzbehörde Gerhard Huber erklärte, wie es mit der Schreibfeder weitergeht: »Es ist geplant, eine Kopie der Feder anfertigen zu lassen und diese an der Statue anzubringen, damit das Original nicht wieder verschwindet.« So werden Passantinnen und Passanten das Denkmal am Fuggerplatz zum ersten Mal nach rund 60 Jahren wieder im vollständigen Zustand sehen können.

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Martin Schmidt
Author: Martin Schmidt

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