Weltweite Online-Lesung feat. Staatstheater Augsburg

Das Staatstheater Augsburg beteiligt sich am Donnerstag, 5. Mai, an einem weltweiten Lesungsprojekt mit ukrainischen Kurztexten, im Anschluss ist eine Serie von Podcasts und Video-Angeboten geplant.

Die Auftaktveranstaltung findet live am Donnerstag, 5. Mai, um 19:30 Uhr statt (Lesung und Diskussion in deutscher Sprache) und wird über nachtkritik.plus gestreamt.

Das Staatstheater Augsburg gehört damit zu einem Zusammenschluss deutscher und österreichischer Theater, die sich an diesem Projekt beteiligen. Die Lesungen sollen konkret zum Anlass genommen werden, Spenden für die notleidenden Menschen und insbesondere für die Kulturschaffenden in der Ukraine zu generieren. Am 12. März 2022 hätte in Kiew ein neues Theater eröffnen sollen, geleitet von einem Kollektiv aus 20 ukrainischen Dramatiker*innen. Für diese Eröffnung, die durch den Krieg in der Ukraine unmöglich gemacht wurde, war eine Reihe von Kurzstücken geplant. Statt dessen haben nun einige der Autor:innen Texte verfasst, in denen sie sich mit ihren Erfahrungen nach Kriegsausbruch auseinandersetzen.  

Die Lesung umfasst Texte folgender Autor:innen:
Yelena Astasyeva, Natasha Blok, Andriy Bondarenko, Vitaly Chensky, Irina Garets, Julia Gonchar, Oksana Gritsenko, Olena Hapeeva, Tetyana Kyzenko, Oksana Savchenko, Lyudmila Tymoshenko, Olga Maciupa und Igor Bilytz.
Die Übersetzung ins Deutsche stammt von der renommierten Slawistin und Theaterübersetzerin Lydia Nagel.

Bereits 70 Kulturinstitutionen aus 15 Ländern (bei steigender Beteiligung), haben ihre Teilnahme an diesem Lesungs-Projekt zugunsten der Theatermacher:innen der Ukraine zugesagt, das zugleich den Autor:innen eine neue Plattform bietet. Der Zusammenschluss aus deutschen und österreichischen Theatern, der sich daran beteiligt, besteht aus folgenden Theatern: Staatstheater Augsburg, Staatstheater Darmstadt, Staatstheater Nürnberg, Deutsches Nationaltheater Weimar, Staatstheater Cottbus, Theater Regensburg, Theater Bielefeld, Theater Ingolstadt, ETA Hoffmann Theater Bamberg, Theater Erlangen, ARGEkultur Salzburg, Werk X Wien, Theater an der Ruhr, Landestheater Tübingen, ITZ im Tübinger Zimmertheater, Landestheater Coburg, Landestheater Schwaben, Landestheater Eisenach.

Die Lesung wird auf nachtkritik.plus online übertragen.

Literaturtalente gesucht

63. Kunstförderpreis würdigt jungen Nachwuchs auch aus der Literatur. Bewerbungsphase vom 1. bis 31. Mai 2022.

Vom 1. bis zum 31. Mai 2022 können sich Kreativschaffende in sieben Kategorien für den 63. Kunstförderpreis der Stadt Augsburg bewerben, darunter auch in der Sparte Literatur. Die Preisträgerinnen und Preisträger werden von einer Fachjury ermittelt und im Herbst 2022 vom Kulturausschuss ernannt. Der Kunstförderpreis 2022 wird neben für Literatur auch in den Feldern Architektur, Ballett, Bildende Kunst, Design, Musik und Schauspiel ausgeschrieben. Sie erhalten eine Urkunde und einen Geldbetrag. Das Gesamtpreisgeld für alle sieben Sparten beträgt in diesem Jahr 21.000 Euro.

Interessierte Autor:innen und Lyriker:innen, die ihren Wohnsitz seit mindestens drei Jahren im Raum Augsburg (Augsburg und angrenzende Nachbargemeinden) haben oder hier geboren sind, können sich bis 31. Mai 2022 bewerben.

Die einzureichenden Bewerbungsunterlagen umfassen:
• formloses Bewerbungsschreiben
• computergeschriebenen (tabellarischen) Lebenslauf
• Kurzbeschreibung des künstlerischen Werdegangs
• Nachweis des Wohnorts der letzten drei Jahre (aktuelle erweiterte Meldebescheinigung mit Ein-/Auszugsdatum) oder Nachweis des Geburtsorts (Kopie des Personalausweises oder der Geburtsurkunde)

Besondere Teilnahmebedingungen für den Fachbereich Literatur:
• Mindestalter 17 Jahre – Höchstalter 39 Jahre.
• Es können Gedichte und/oder Prosatexte eingereicht werden. Die Arbeiten müssen in gedruckter Form vorliegen (keine CD-Roms, DVDs o.ä.). Seitens der Jury bestehen keine Vorgaben zum Umfang der einzureichenden Arbeiten. Die Werke sollen einen Quer- schnitt des bisherigen Schaffens vermitteln.
• Die Bewerberarbeiten sind in 5-facher Ausfertigung zusammen mit den allgemeinen Bewerbungsunterlagen bis 31. Mai beim Kulturamt abzugeben. Eine Rückgabe ist nicht möglich.

Bewerbungen bis 31. Mai 2022 (Datum des Poststempels oder Maileingang) per Mail oder Post an:
Kulturamt der Stadt Augsburg
Bahnhofstraße 18 1/3 a
86150 Augsburg
E-Mail: kulturamt@augsburg.de

Für eingereichte Arbeiten/Unterlagen und deren Unversehrtheit kann von der Stadt Augsburg keine Haftung übernommen werden. Die Bewerberinnen und Bewerber müssen mit einer eventuellen Veröffentlichung persönlicher Daten aus den von ihnen eingereichten Unterlagen sowie mit den allgemeinen und besonderen Teilnahmebedingungen einverstanden sein.

Information unter Telefon 0821/324-3251 oder 0821/324-3260,
Telefax 0821/324-3252,
E-mail kulturamt@augsburg.de

Die Ausschreibung in Gänze findet sich HIER.

Bücher ohne Grenzen

Der Ukrainische Verein Augsburg bittet Verlage, sich der Initiative »Bücher ohne Grenzen« anzuschließen. Durch kostenlosen Druck sollen ukrainische Bücher geflüchteten Kindern zur Verfügung gestellt werden.

Aufgrund des Krieges in der Ukraine mussten hunderttausende ukrainische Familien Schutz in Deutschland suchen. In erster Linie sind es Mütter mit den Kindern. »Die geflüchteten Menschen fragen uns oft nach Büchern in der Muttersprache. Leider war die Anzahl der Bücher in unserer Schulbibliothek auf eine so große Anzahl von Anfragen nicht vorbereitet«, teilt Verein auf seiner Facebook-Seite mit. Allein in der Augsburger Samstagsschule seien zum 20. April rund 200 Kinder angemeldet gewesen. Die Möglichkeiten, Bücher aus der Ukraine zu kaufen und zu transportieren, sind derzeit begrenzt. So entstand die Idee, hier in Deutschland Bücher zu drucken.

»Ukrainische Autoren und Verleger haben uns Werke und Originallayouts kostenlos zur Verfügung gestellt«, teilt der Verein mit. Das Projekt wird von Olena Zelenska mit der Unterstützung des Ukrainischen Buchinstitutes Український інститут книги und mit dem Einverständnis der Rechteinhaber realisiert. Der Druck und die Verteilung von der Bücher werden in allen Ländern ermöglicht, die den ukrainischen Menschen Schutz gegeben haben (außer der Ukraine). Dieses Projekt wurde bereits in Polen und Litauen umgesetzt.

»Lassen Sie uns das ukrainische Buch zurück in das Leben der Kinder bringen«, ruft der Verein auf. » Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns helfen, die Bücher für Kinder zu drucken, die sich derzeit in Deutschland befinden. Diese Bücher werden den geflüchteten Kindern kostenlos zur Verfügung gestellt.«

Wenn ein Verlag ein oder mehrere Bücher kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr drucken könnte, möge er sich bitte per E-Mail via ukr.augsburg@gmail.com an den Verein wenden. Die Auflage kann zwischen 500 und 5000 Exemplaren umfassen.

Kluftinger is back.

auxlitera verlost 3 x den neuen Kluftinger-Krimi »Affenhitze«. Im November sind Klüpfel & Kobr mit dem Roman in der Stadthalle Gersthofen zu Gast.

Der in Augsburg lebende Autor Volker Klüpfel legt mit seinem Allgäuer Schriftsteller-Kollegen Michael Kobr den neuen Kluftinger-Krimi Affenhitze (Ullstein, erschienen am 28.04.2022) vor. Am Mittwoch, 30. November (19:30 Uhr), werden Klüpfel & Kobr das Buch in einer Lesung in der Stadthalle Gersthofen vorstellen. auxlitera verlost den Krimi drei Mal!

Das Allgäu als Wiege der Menschheit – wir haben das ja immer schon geahnt, aber mit den Ausgrabungen rund um den Urmenschen »Udo« ist es nun auch wissenschaftlich belegt. Leider wird der Entdecker des Skeletts an der Fundstelle ermordet aufgefunden – allerdings nur in Klüpfel und Kobrs neuen Roman Affenhitze natürlich. Je tiefer Kommissar Kluftinger gräbt, desto mehr Geheimnisse tun sich auf – und das bei diesen Temperaturen, mit denen hat er’s ja eh nicht so!

Kluftinger kommt ins Schwitzen

Und das ist, was genau im neuen Kluftinger-Krimi geschieht: Zefix was für eine Hitze! Eigentlich viel zu schwül, um vor die Tür zu gehen. Aber Kluftinger hat keine Wahl. Er muss in der Tongrube ermitteln, in der Professor Brunner vor einiger Zeit das berühmte Skelett des Urzeitaffen »Udo« ausgegraben hat Nun wurde Brunner verscharrt unter einem Schaufelbagger gefunden. Der Wissenschaftler, der mit seinem Fund beweisen wollte, dass die Wiege der Menschheit im Allgäu liegt, hatte viele Feinde. Kluftinger hat deshalb gleich mehrere Verdächtige im Visier, darunter die Mitglieder einer obskuren Sekte.

Aber auch privat muss sich der Kommissar um ein Observationsobjekt kümmern. Die Tagesmutter seiner kleinen Enkelin verfolgt höchst seltsame Erziehungsansätze. Grund genug, ihr genauer auf die Finger zu schauen und Flugstunden mit Doktor Langhammer und seiner neuen High Tech Drohne auf sich zu nehmen. Doch der Probeflug gerät gefährlich aus dem Ruder…

Am Mittwoch, 30. November (19:30 Uhr), werden Klüpfel & Kobr das Buch in einer Lesung in der Stadthalle Gersthofen vorstellen.
Tickets gibt es hier.

Verlosung: 3 x der neue Kluftinger »Affenhitze«

auxlitera verlost drei brandneue Exemplare von »Affenhitze« (Hardcover mit Schutzumschlag). Mitmachen ist einfach:

• Entweder bis 8. Mai Mail an redaktion@auxlitera.de, Kennwort »Affenhitze«. Ihre E-Mail wird nach der Verlosungsaktion nicht gespeichert, sie wird nicht an Dritte weitergegeben und Sie erhalten keine Werbemails von uns.

• Oder markieren Sie bis 8. Mai auf der Facebook-Seite von auxlitera unter dem Posting zur Verlosung zwei weitere Facebook-Freund:innen, die sich für auxlitera und Kluftinger interessieren könnten.

Die Autoren:

Volker Klüpfel, Jahrgang 1971, kommt wenigstens aus dem gleichen Ort wie sein Kommissar Kluftinger: Altusried. Derzeit wohnt Klüpfel in Augsburg. Nach dem Abitur zog es ihn in die weite Welt – nach Franken: In Bamberg studierte er Politikwissenschaft und Geschichte. Danach arbeitete er bei einer Zeitung in den USA und stellte beim Bayerischen Rundfunk fest, dass ihm doch eher das Schreiben liegt. Seine letzte Station vor dem Dasein als Schriftsteller war die Feuilletonredaktion der Augsburger Allgemeinen. Die knappe Freizeit verbringt er am liebsten mit seiner Familie, mit der er im Allgäu lebt. Sollte noch etwas Zeit übrig sein, treibt er Sport, fotografiert und spielt Theater. Auf der gleichen Bühne wie Kommissar Kluftinger.

Michael Kobr, geboren 1973 in Kempten im Allgäu, studierte in Erlangen ziemlich viele Fächer, aber nur zwei bis zum Schluss: Germanistik und Romanistik. Nach dem Staatsexamen arbeitete er als Realschullehrer. Momentan aber hat er schweren Herzens dem Klassenzimmer den Rücken gekehrt – die Schüler werden’s ihm danken –, um sich dem Schreiben, den ausgedehnten Lesetouren und natürlich seiner Familie widmen zu können. Kobr wohnt mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern im Unterallgäu – und in einem kleinen Häuschen mitten in den Bergen, wo die Kobrs im Winter häufig auf der Skipiste, im Sommer auf Rad- und Bergtouren unterwegs sind. Wenn nicht gerade mal wieder eine gemeinsame Reise ansteht …


Klüpfel & Kobr: Affenhitze
Hardcover mit Schutzumschlag, 560 Seiten
Ullstein, 28. April 2022
ISBN: 978 3 550 20146 2

Haratischwili liest in Augsburg

Die Brecht-Preisträgerin 2018 und große Erzählerin Nino Haratischwili liest am Dienstag, 10. Mai, im Zeughaus aus ihrem neuen Roman.

Die Schlosser’sche Buchhandlung bringt eine der großen Geschichtenerzählerinnen unserer Zeit nach Augsburg: Nino Haratischwili, die am Dienstag, 10. Mai (20 Uhr), ihren neuen Roman Das mangelnde Licht (Frankfurter Verlagsanstalt, 2022) vorstellen wird. Bereits 2019 war die preisgekrönte Autorin (Das achte Leben (Für Brilka)) in Augsburg zu Gast. Einlass ist um 19:30 Uhr, die Lesung findet im Musiksaal des Zeughauses statt.

»Der bislang beste Roman von Nino Haratischwili« (Denis Scheck, ARD Druckfrisch) ist ein packender Georgien-Epos: Nach der lang ersehnten Unabhängigkeit vom ins Taumeln geratenen Riesen stürzt der junge georgische Staat ins Chaos. Zwischen den feuchten Wänden und verwunschenen Holzbalkonen der Tbilisser Altstadt finden Ende der 1980er Jahre vier Mädchen zusammen: die freiheitshungrige Dina, die kluge Außenseiterin Ira, die romantische Nene, Nichte des mächtigsten Kriminellen der Stadt, und die sensible Qeto. Die erste große Liebe, die nur im Verborgenen blühen darf, die aufbrandende Gewalt in den Straßen, die Stromausfälle, das ins Land gespülte Heroin und die Gespaltenheit einer jungen Demokratie im Bürgerkrieg – allem trotzt ihre Freundschaft, bis ein unverzeihlicher Verrat und ein tragischer Tod sie schließlich doch auseinandersprengt.

Erst 2019 in Brüssel, anlässlich einer großen Retrospektive mit Fotografien ihrer toten Freundin, kommt es zu einer Wiederbegegnung. Die Bilder zeigen ihre Geschichte, die zugleich die Geschichte ihres Landes ist, eine intime Rückschau, die sie zwingt, den Vorhang über der Vergangenheit zu heben und eine Vergebung scheint möglich.

Karten für die Lesung am Dienstag, 10. Mai, können per E-Mail an annastrasse@schlossersche.de, Telefon (0821 486760) oder vor Ort in der Schlosser’schen Buchhandlung reserviert werden.
Dienstag, 10. Mai (20 Uhr): Lesung im Zeughaus (Musiksaal), Zeugplatz 4, 86150 Augsburg, Einlass 19:30 Uhr

Nino Haratischwili, geboren 1983 in Tbilissi/Georgien, ist preisgekrönte Theaterautorin, -regisseurin und Romanautorin. Ihr großes Familienepos »Das achte Leben (Für Brilka)«, in 25 Sprachen übersetzt, avancierte zum weltweiten Bestseller, eine große internationale Verfilmung ist in Vorbereitung. Ihr Werk wurde vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Anna-Seghers-Literaturpreis, dem Bertolt-Brecht-Preis und dem Schiller-Gedächtnispreis, ihr Roman »Die Katze und der General« stand auf der auf die Shortlist für den Deutschen Buchpreis 2019. Ihr neuer Roman »Das mangelnde Licht« wurde bereits vor Erscheinen in 15 Länder verkauft. Die Autorin lebt in Berlin.

Serafina – Nachwuchspreis für Illustration

Die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur schreibt mit dem Börsen­blatt und der Frankfurter Buchmesse die Serafina, den Nachwuchspreis für Illustration für das Jahr 2022 aus. Der von der Mediengruppe Pressedruck in Augsburg gestiftete Preis ist mit 2.500 Euro dotiert. Er soll Ansporn und Ermutigung sein, und sie ist auch Zeichen: Viele der jungen nominierten Talente sind inzwischen auf dem Kinder- und Jugendbuchmarkt beheimatet. Zur 7-köpfigen Jury zählt auch die Augsburger Kulturjournalistin Birgit Müller-Bardorf (Augsburger Allgemeine).

Die Akademie Faber-Castell stellt einen »perfekten« Bleistift aus ihrer Kollektion zur Verfügung. Die Giraffenfigur, ein Entwurf der Porzellan Manufaktur Nymphenburg, wird von Mitgliedern der Akademie finanziert. Die Serafina wird wie immer am Mittwoch der Frankfurter Buchmesse verliehen, in diesem Jahr am 19. Oktober, um 20 Uhr im Struwwelpeter Museum Frankfurt am Main.

Bewerbungen sollen bis zum 30. Juni 2022 von einem Verlag eingereicht oder von der Jury angefordert werden. Zugelassen sind junge Künstlerinnen und Künstler, die bisher nicht mehr als drei Bücher veröffentlicht haben. Noch unveröffentlichte Manuskripte werden nicht angenommen. Das eingereichte Buch oder die eingereichte Druckfahne muss zwischen dem 1. September 2021 und dem 31. August 2022 erschienen sein bzw. erscheinen. Die genauen Ausschreibungsbedingungen finden sich auf der Webseite der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur und hier als pdf-Download.

Papst.Macht.Frieden.

Macht und Grenzen der »Diplomatenpäpste«: Der Augsburger Kirchenhistoriker Prof. DDr. Jörg Ernesti untersucht in seiner Monographie die Außenpolitik des Vatikans als Friedensmacht. Das Buch ist die erste Gesamtschau auf 150 Jahre päpstliche Außenpolitik.

Forschungsimpuls aus der Friedensstadt Augsburg: In seinem jüngst beim Herder Verlag erschienen Monographie Friedensmacht. Die Vatikanische Außenpolitik seit 1870 weist der Augsburger Kirchenhistoriker Prof. DDr. Jörg Ernesti (Universität Augsburg) auf einen Umstand hin, der in der Forschung bisher noch kaum untersucht wurde: Fast alle Päpste im Zeitraum zwischen 1878 und 1978 hatten eine diplomatische Ausbildung und wirkten vor ihrer Wahl als Diplomaten oder Mitarbeiter der päpstlichen Außenpolitik. Die katholische Kirche wurde also ein Jahrhundert lang von politisch-diplomatisch versierten Männern geleitet. Diese Prägung sollte nicht ohne Einfluss auf die Ausrichtung des Heiligen Stuhls bleiben. 

Prof. Dr. Dr. Jörg Ernesti. Foto: Universität Augsburg

»Man könnte also durchaus von einem Zeitalter der Diplomatenpäpste sprechen«, so fasst Jörg Ernesti, Professor für Mittlere und Neue Kirchengeschichte und Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Augsburg, diesen Aspekt seiner Forschung zusammen. In seiner Monographie zeigt er auf, dass das Jahr 1870 eine Zäsur darstellt, insofern es seither zu einer Neuumschreibung des päpstlichen Rollenbildes kam. Nach dem Verlust der territorialen Herrschaft suchten sich die Päpste schon bald als Vermittler in internationalen Konflikten zu profilieren. Die entscheidenden Schwerpunkte dieser neuen Politik wurden bereits während des Ersten Weltkriegs ausgebildet. So verurteilte Benedikt XV. zwar diesen Krieg mit scharfen Worten und ließ keine Rechtfertigung gelten, ihn zu führen. Doch wahrte er ansonsten eine strikte Überparteilichkeit, um die humanitären Interventionen des Heiligen Stuhls nicht zu gefährden und die Möglichkeit einer Friedensvermittlung offenzuhalten. Das sollte in allen kriegerischen Konflikten des 20. und 21. Jahrhunderts so bleiben.

Humanitäre Aktivitäten (wie zum Beispiel ein Vermisstensuchdienst) waren im Ersten und Zweiten Weltkrieg mit Einschränkungen möglich, nicht aber eine echte Friedensvermittlung. »Als Hemmschuh für das außenpolitische Standing des Vatikans sollte sich nach 1945 eine theologische Prämisse erweisen: Die Päpste hatten seit der Französischen Revolution immer wieder die Religionsfreiheit sowie die Trennung von Staat und Kirche verurteilt«, so Ernesti. Erst nach einer längst überfälligen Korrektur dieser Position in den sechziger Jahren sei eine Mitarbeit des Heiligen Stuhls bei der UNO und ihren Sonderorganisationen, beim Europarat und der OSZE möglich gewesen. In den letzten 40 Jahren stieg auch die Zahl der diplomatischen Vertretungen im Vatikan auf heute 184 Staaten an. Neben die klassische Friedensvermittlung trat nun der Einsatz für Menschenrechte, globale Entwicklungschancen, Flüchtlinge und Umweltschutz.

»Diplomatenpäpste«

All diese Entwicklungen wurden von den »Diplomatenpäpsten«, so der Begriff von Jörg Ernesti, der letzten 150 Jahre stark vorangetrieben. »Beim Begriff ›Diplomatenpapst‹ mag manchen Beobachter ein gewisses Unbehagen überkommen. Denn Außenpolitik, Diplomatie, Einsatz für Menschenrechte und Vermittlung in internationalen Konflikten sind ja nicht die primäre Aufgabe des Papstes – ist dieser doch in erster Linie Leiter der Gesamtkirche und ihr oberster theologischer Lehrer«, führt der Kirchenhistoriker weiter aus und formuliert: »Im Evangelium steht nichts von Friedensdiplomatie, wohl aber die Weisung Christi: ›Darum gehet hin und lehret alle Völker…‹«

Dennoch gehört das außenpolitische Engagement heute zum Rollenbild eines jeden Papstes, zwar nicht als zentrales, aber doch als ein wichtiges Element. In der Politikwissenschaft ist die Außenpolitik des Heiligen Stuhls als Soft Power beschrieben worden. Soft Power basiert im Unterschied zu Hard Power nicht auf wirtschaftlichem Gewicht oder militärischer Stärke, sondern auf Glaubwürdigkeit und moralischer Überzeugungskraft. »Wenn den Päpsten diese Autorität zugestanden wird, können sie wirksam in Konflikten vermitteln und sich für humanitäre Belange einsetzen – aber eben nur dann.«

Franziskus, Putin und Kyrill

Stehen nun der 1978 zum Papst gewählte Johannes Paul II und der aktuelle Papst Franziskus in der Tradition der »Diplomatenpäpste« oder verkörpern sie einen anderen Typus? Prof. DDr. Jörg Ernesti erklärt: »Mit dem polnischen Papst assoziiert man gewiss nicht sogleich die Diplomatie, sondern man denkt eher an seine kompromisslose Haltung gegenüber dem kommunistischen Regime in Polen.« Dennoch fiel in seinen Pontifikat auch die Vermeidung eines Krieges zwischen Argentinien und Chile im Jahr 1980 durch einen päpstlichen Schiedsspruch – »ein diplomatisches Meisterstück«.

Vor dem Dritten Golfkrieg tat der Papst zwar alles, um diesen zu verhindern, doch blieben Gespräche mit den Regierungschefs der damaligen »Koalition der Willigen« ergebnislos. »Ähnlich verhält es sich mit Papst Franziskus, der als unkonventioneller, ja, vielleicht als revolutionärer Geist erlebt wird, der eine offene und undiplomatische Sprache spricht«, beschreibt Ernesti den aktuellen Papst: »Dennoch zeigen seine Interventionen im Ukrainekrieg, dass er auf dem Boden einer langen diplomatischen Tradition agiert. Dazu gehören die strikte Überparteilichkeit und der Verzicht darauf, den Aggressor zu verurteilen (eine zuletzt nicht unumstrittene Haltung!); dazu zählen diplomatische Bemühungen um humanitäre Korridore; und dazu zählt schließlich der Versuch, Einfluss auf den russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill zu nehmen, der als ein wichtiger Unterstützer des russischen Präsidenten Putin gilt. Wie jetzt deutlich wird, ist Franziskus sicherlich mehr Diplomat, als viele Zeitgenossen das erwartet hätten. Das Zeitalter der Diplomatenpäpste endet nicht im Jahr 1978, sondern es wird bis in die Gegenwart fortgeschrieben.« [pm | auxlit]

Jörg Ernesti: Studium in Paderborn, Wien und Rom, 1993 Priesterweihe, 1997 Promotion in Kirchengeschichte in Rom und 2007 in Ökumenischer Theologie in Paderborn, 2003 Habilitation in Mainz, seit 2013 Professor für Mittlere und Neue Kirchengeschichte an der Universität Augsburg.


Jörg Ernesti: Friedensmacht. Die vatikanische Außenpolitik seit 1870.
Gebunden mit Schutzumschlag und Leseband, 368 Seiten
Verlag Herder 2022
ISBN: 978-3-451-39199-6

Sinnräume.

Die Augsburger Philosophin und Theologin Katharina Ceming sowie der Erzabt Wolfgang Öxler (St. Ottilien) mit der Augsburger Fotografin Andrea Göppel befassen sich in ihren neuen Büchern jeweils über gelingendes Leben.

Zwei Neuveröffentlichungen aus dem Augsburger Raum befassen sich mit dem Thema Lebenssinn. Katharina Ceming, promovierte Philosophin und Theologin sowie außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg, begibt sich dem Thema in Sinn erfüllt (Vier-Türme-Verlag) auf die Spur. Wolfgang Öxler, seit 2012 Erzabt von St. Ottilien (Eresing, Landkreis Landsberg am Lech), beschäftigt sich mit der Sinnfrae zusammen mit der Augsburger Fotografin Andrea Göppel in ihrem zweiten gemeinsamen Buch Freie Räume für mehr Leben. Der Seele mehr Weite geben (Verlag Herder).

Während Ceming das Weisheitsthema anhand der psychologischen Sinnforschung und in der philosophischen Tradition ausleuchtet, spüren Öxler und Göppel dem Thema in Text und stimmungsvollen Fotos kontemplativ nach. Bereichernd und ergiebig sind beide Bücher. Und die Wege der Autor:innen kreuzen sich: Vom 18. bis 20. November 2022 wird Katharina Ceming in St. Ottilien zum Thema »Was das Leben gelingen lässt« zu Gast sein.

Wolfgang Öxler und Andrea Göppel: »Freie Räume für mehr Leben«

Der zentrale Gedanke in Freie Räume für das Leben lautet: »Da, wo ich mich von etwas trennen kann, entstehen neue Lebenstrume. Zwischen Festhaten und Loslassen steht die Entscheidung.« Erzabt Öxler beschäftigt sich in dem mit einem modernen und freundlichen Layout versehenen Buch mit Fragen wie: Wie gelingt es einem, in einer Zeit der scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten das Wesentliche vom Unwesentlcihen zu trennen und zu unserer Mitte zu finden? Wie kommt man vom Zuviel hin zum Notwendigen? Spielerisch sind die 12 Kapitel des Bandes als Räume betitelt: Lebensraum, Warteraum, Talentschuppen, Schutzraum, Grenzraum, Himmelsraum…. Öxler nimmt in seinen jeweils kurzen Texten Bezug auf biblische Szenen, aber auch auf Teresa von Ávila, den Heiligen Benedikt, Johannes XXIII., Sebastian Kneipp, Blaise Pascal oder sogar Karl Valentin. Betrachtungen und Gedanken wechseln dabei ab, die Farbfotos von Andrea Göppel, mal ganzseitig, mal doppelseitig, führen dabei Sinn zu Sinnlichkeit über. Neben Motiven aus Venedig und Florenz, von Abteien und Kirchen aus Kroatien, Frankreich oder England haben dabei auch Fotos Einzug gehalten, die auf dem Lechfeld bei Schwabmünchen und in den Westlichen Wäldern gemacht wurden. Und natürlich mitvertreten: die Erzabtei St. Ottilien.

Katharina Ceming: »Sinn erfüllt«

Katharina Ceming widmet sich in Sinn erfüllt Jenem, was in psychologischer Sinnforschung und philosophischer Tradition als wesentliche Bausteine sinnerfüllten Lebens gesehen wird. Dabei betont Ceming, dass neben – oder gar in – diesen Bausteinen Lebenssinn individuell ist. Ein überraschendes Moment im Buch ist der Verweis auf eine Studie der Universität Innsbruck, in der man herausfand, dass es auch sinnindifferente Menschen gibt: Nicht alle Menschen, die mit der Frage nach dem Lebenssinn nichts anfangen können, leiden unter einer Sinnkrise. Freilich: Wer diese Buch in die Hand nehmen wird, wird nicht sinnindifferent sein, und er wird reich belohnt. Vier Faktoren, so die Universitätsstudie seien für Sinnerfüllung wesentlich: Kohärenz, Bedeutsamkeit, Orientierzng und ZUgehörigkeit. Ceming füllt die abstrakten Begriffe mit anschaulicher Erklärung, Neben der Klärung dessen, was Sinn überhaupt ist, begeht die Autorin auf Fragen ein wie: Warum ist es sinnvoll, sich nur um die eigenen Bedürfnisse zu kümmern? Warum ist es sinnvoll, zu wissen, wer wir sind und welche Haltungen uns gut tun? Und: Warum ist es sinnvoll, Freundschaft mit der Welt zu schließen? Ein Buch mit Tiefgang und Lesbarkeit zu gleich, mit klaren Beobachtungen und sprichwörtlich sinnvollen Einordnungen.

Katharina Ceming.

Katharina Ceming promovierte in Philosophie und Theologie und ist außerplanmäßige Professorin an der Universität Augsburg sowie freiberufliche Seminarleiterin und Autorin zahlreicher Bücher. Als Philosophin geht sie in ihren Veranstaltungen und Büchern besonders der Frage nach, was ein gutes Leben ausmacht und wie es zu erlangen ist. Katharina Ceming lebt in Augsburg. | http://www.quelle-des-guten-lebens.de

Andrea Göppel. Foto: (c) Andrea Göppel.

Erzabt Wolfgang Öxler. Foto: Andrea Göppel.

Erzabt Wolfgang Öxler ist 1980 in den Benediktinerorden von St. Ottilien eingetreten, seit 1988 Priester und seit 2013 Erzabt von St. Ottilien. Der Leitspruch des Diplomtheologen und Musikers lautet: »Gottesvoll den Menschen nah.« | http://www.erzabtei.de/erzabt_wolfgang_oexler


Andrea Göppel ist Fotografenmeisterin und seit 2009 freiberuflich
für renommierte Verlage tätig. Ihre Philosophie: Augenblicke des
Lebens, Stimmungen der Natur, kaum bemerkte Details sichtbar werden zu lassen. Andrea Göppel lebt und arbeitet in Augsburg. | http://www.andrea-goeppel.de


Katharina Ceming: Sinn erfüllt.
141 Seiten, gebunden, Hardcover

Abmessungen: 11,9 x 1,7 x 19,1 cm
Vier-Türme-Verlag 2022

ISBN-10 ‏ : ‎ 3736504225
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3736504226

Wolfgang Öxler und Andrea Göppel: Freie Räume für mehr Leben. Der Seele Weite geben.
180 Seiten, gebunden, Hardcover

Abmessungen ‏ : ‎ 17.4 x 1.8 x 20.3 cm
Verlag Herder 2022

ISBN: 978-3-451-03379-7

Schwäbischer Literaturpreis 2022

Noch bis 1. Mai 2022 können Autor:innen unveröffentlichte Texte zum Thema »lost places. Verlorene Orte« einreichen. Ausgewählte Beiträge prämiert der Bezirk Schwaben mit insgesamt 6.000 Euro.

Bis zum 1. Mai 2022 nimmt die Bezirksheimatpflege unveröffentlichte Prosatexte unter der E-Mailadresse Literaturpreis@Bezirk-Schwaben.de entgegen. »Nachdem der Schwäbische Literaturpreis 2021 zum ersten Mal in seiner langen Geschichte pausierte, setzen wir im kommenden Jahr wieder ein starkes Zeichen für die regionale Literatur«, sagt Bezirkstagspräsident Martin Sailer. »Ich bin zuversichtlich, dass es gelingen wird, die vielfältigen und vielschichtigen Stimmen unserer Heimat abzubilden.« Bezirksheimatpfleger Christoph Lang ergänzt: »Literarische Texte geben einer Region ihr unverwechselbares Gesicht. Auch deshalb schreibt der Bezirk Schwaben bereits seit 2005 den Schwäbischen Literaturpreis aus.«

Teilnahmeberechtigt sind Autorinnen und Autoren mit Lebensmittelpunkt oder biografischen Wurzeln im schwäbisch-alemannischen Kulturraum. Wer außerhalb des schwäbisch-alemannischen Kulturraums lebt, ist dazu aufgerufen, die biografischen Wurzeln zum genannten Kulturraum zu erläutern. Drei ausgewählte Beiträge zum vorgegebenen Motto »lost places. Verlorenen Orte« zeichnet der Bezirk mit Preisgeld in Höhe von 2.500 Euro, 2.000 Euro und 1.500 Euro aus. Teilnehmende bis 25 Jahren haben zudem die Chance auf einen Sonderpreis in Form einer Einladung zur »Meisterklasse Literatur« bei der Sommerakademie der Schönen Künste, die 2023 in der Schwabenakademie Irsee stattfinden wird. Einen Teil der eingereichten Texte will die Bezirksheimatpflege in einer Anthologie herausgeben

Die Preisverleihung ist für Herbst 2022 geplant. Interessierte können bis 1. Mai 2022 ihre bislang unveröffentlichten Prosatexte ohne Autorenname und Abbildungen mit einer maximalen Textlänge von 30.000 Zeichen (einschließlich Leerstellen) einsenden. Zusätzlich verlangt wird eine Anlage, die die Anschrift, Telefonnummer, E-Mailadresse und das Geburtsdatum der Teilnehmenden enthält. Autorinnen und Autoren, die außerhalb des schwäbisch-alemannischen Kulturraum leben, erläutern in der Anlage zudem ihre biografischen Wurzeln zu diesem Kulturraum.

Einsendungen von Texten bitte nur per E-Mail an: Literaturpreis@Bezirk-Schwaben.de

Rückfragen an:
Bezirk Schwaben – Heimatpflege
Prinzregentenstr. 8, 86150 Augsburg
Telefon: 0821/3101-309
E-Mail: Heimatpflege@Bezirk-Schwaben.de

Foto:

Fotograf: Paul Hennig – y.gy

Das Böse triggert.

Wulf Dorn, internationaler Bestseller-Thrillerautor aus dem schwäbischen Landkreis Günzburg, lädt mit der Fortsetzung von »Trigger« zu einem Trip in die Abgründe der menschlichen Seele ein.

Wulf Dorn, geboren 1969 in Ichenhausen, ist als Autor für psychologische Suspense-Romane bekannt, die regelmäßig die internationalen Bestsellerlisten erobern und bereits mehrfach ausgezeichnet wurden, u.a. mit dem Glauser-Preis, dem Ulla-Hahn-Preis und dem französischen Prix Polar. Sein großer internationaler Durchbruch gelang dem »Spiegel Bestseller«-Autor Autor, der bei Günzburg lebt, 2009 mit seinem Debütroman Trigger, der auf den Bestseller-Listen u.a. in Italien, Argentinien, Brasilien, Frankreich, Türkei, Spanien und Mexiko landete.

Zwanzig Jahre war Wulf Dorn am BKH Günzburg in der Betreuung von Psychiatrie-Patienten tätig. Aus dieser lehrreichen Zeit ziehe er viele Inspirationen für seine spannungsgeladenen Thriller. Mittlerweile widmet sich Dorn vollständig seiner Berufung als Schriftsteller und ist gelegentlich als Übersetzer tätig. Unter anderem hat er Texte von David Bowie, Mario Puzo und David Lynch ins Deutsche übertragen.

Nach jahrelangem Drängen seiner Leser:innen kommt jetzt die Fortsetzung seines großen Erfolges Trigger in die Buchhandlungen. Mit Trigger – Das Böse kehrt zurück erscheint die langersehnte Geschichte um Ex-Psychiater Mark Behrendt, der eine tödliche Entscheidung zu treffen hat. Nach der rätselhaften Ermordung seiner Lebensgefährtin ist der Ex-Psychiater Behrendt am Ende. Nur seiner besten Freundin Doreen verdankt er, dass er noch am Leben ist. Doch gerade, als Mark den Albtraum überwunden glaubt, kehrt der mysteriöse Mörder zurück und entführt Doreen. Er stellt Mark ein Ultimatum: Ihm bleiben knapp vier Tage Zeit, ein entsetzliches Verbrechen zu begehen. Wenn er sich weigert oder scheitert, wird Doreen sterben. Mark steht vor einer grausamen Entscheidung, und die Uhr tickt… Trigger – das Böse kehrt zurück ist eine Thriller aus Trauma, psychischen Abgründen und Adrenalin.

Wulf Dorn. Foto: Martin Becker

»Ich muss sagen, dass Trigger – Das Böse kehrt zurück das Buch ist, an dem ich bisher am längsten geschrieben habe, weil ich großen Respekt vor den Erwartungen meiner Leserschaft hatte«, so Wulf Dorn. »Natürlich ist es eine neue eigenständige Geschichte geworden, aber sie greift auch viele Elemente des ersten Buches auf.«

Momentan arbeitet Wulf an einem neuen Thriller und an einem weiteren Roman für Jugendliche.

Wulf Dorn: Jahrgang 1969, aufgewachsen in Ichenhausen im Günzburger Landkreis. Schreibt seit seinem zwölften Lebensjahr. Seine Kurzgeschichten erschienen in Anthologien und Zeitschriften und wurden mehrfach ausgezeichnet. Sein 2009 erschienener Debütroman Trigger wurde ein internationaler Bestseller. Auch seine weiteren Romane sind inzwischen in zahlreiche Sprachen übersetzt. Nach zwanzigjähriger Psychiatrie-Tätigkeit lebt er heute als freier Schriftsteller mit seiner Frau und einer Glückskatze in der Nähe von Ulm.
http://www.wulfdorn.com


Wulf Dorn: Trigger – das Böse kehrt zurück
Thriller, Originalausgabe
Taschenbuch, Klappenbroschur, 496 Seiten
Heyne 2022
ISBN 978-3-453-27095-4

Die zweite Generation. Erinnerung und Zeitzeugenschaft.

Lizzie Doron stellt am 26. April im Gespräch mit der neuen Direktorin des JMAS, Dr. Carmen Reichert, ihren neuesten Roman vor. Es liest: Tinka Kleffner.

Dr. Carmen Reichert, neue Direktorin des JMAS. Foto: jmas
Lizzie Doron. Foto: Heike Bogenberger

Was bedeutet es für die Erinnerungskultur, wenn die letzten Überlebenden, die von den Verbrechen der Nationalsozialisten erzählen können, gestorben sind? Dieser Frage geht das Jüdische Museum Augsburg Schwaben in der aktuellen Ausstellung »Ende der Zeitzeugenschaft?« nach. Im Mittelpunkt steht die Erinnerung an den Holocaust, wie sie in Interviews und Aufnahmen von öffentlichen Auftritten der Zeitzeug*innen überliefert ist. Aber auch die Kinder der Überlebenden kommen zu Wort. Im Begleitprogramm haben die Organisatoren eine Angehörige dieser sogenannten »zweiten Generation« zu Gast. Die Autorin Lizzie Doron wird ihren neuesten Roman Was wäre wenn (dtv, 2021) vorstellen und im Gespräch mit der neuen Direktorin Dr. Carmen Reichert einen Einblick in das Selbstverständnis dieser Generation geben. Aus dem Roman liest die Schauspielerin und Sprecherin Tinka Kleffner.

Es liest: Tinka Kleffner.

Lizzie Dorons autobiographischer Roman beginnt mit einem Anruf aus dem Hospiz: Yigal, ein Kindheitsfreund, den sie vierzig Jahre lang nicht gesehen hat, bittet sie, sein letzter Besuch zu sein. Aber warum ausgerechnet sie? Yigals Erfahrungen in der israelischen Armee machten ihn zum Aktivisten gegen die Politik seines Heimatlandes. Als Tochter einer Holocaust-Überlebenden hielt auch Lizzie Doron ihn für einen Verräter und wandte sich von ihm ab. Jetzt stellt sich die Frage, wer damals wen verraten hat.

Lizzie Doron: 1953 in Tel Aviv geboren, erhielt 2018 den Friedenspreis der Geschwister Korn und Gerstenmann-Stiftung. 2019 war sie Friedrich Dürrenmatt Gastprofessorin für Weltliteratur an der Universität Bern. Lizzie Doron lebt in Tel Aviv und Berlin.

• Die Lesung findet statt am Dienstag, 26. April (19 Uhr) im S-Forum der Stadtbücherei Augsburg.
Eintritt: 10,00 | 8,00 € ermäßigt.
Anmeldung unter Tel. 0821-51 36 11 oder E-Mail empfang@jmaugsburg.de
In Kooperation mit der Stadtbücherei Augsburg und der Thomas-Dehler-Stiftung.



Ausstellung
Die Ausstellung »Ende der Zeitzeugenschaft« ist im Jüdischen Museum Augsburg Schwaben bis 5. Juni 2022 zu sehen.
www.jmaugsburg.de

Blumenbücher & Buchkunst

Der Katalog zur aktuellen Ausstellung »Tulpenschau im Gartenbau« in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg präsentiert Preziosen aus Buchillustration, Buchdruck und Lyrik.

Der reich bebilderte, schmuck aufgemachter Katalog zur Ausstellung Tulpenschau im Gartenbau. Historische Zeugnisse der Tulpomanie in Augsburg (bis 8. Juli) stellt die neuesten Erkenntnisse zur Tulpe in Augsburg vor. Er ist der bereits achte Band in der Bibliotheksschätze-Reihe Cimeliensaal. Und er zeigt: Augsburg ist nicht nur Römerstadt, Fuggerstadt, Renaissance- und Barockstadt, Wasser- und Welterbestadt, Augsburg ist auch Tulpenstadt. Hier hat sich nämlich der früheste Beleg einer blühenden, aus dem Osmanischen Reich importierten Tulpe im christlichen Europa erhalten. Und 1959 wurde zum 400-jährigen Jubiläum eine Tulpe Augsburg neu gezüchtet, die sich leider heute aber trotz intensiver Suche nicht mehr nachweisen lässt.

Im Zentrum des durchgehend farbig, zum Teil ganzseitig bebilderten Buches (Wißner Verlag) stehen die auch in der Ausstellung zu sehenden Einzelblätter aus einem der seltenen Tulpenbücher des 17. Jahrhunderts. Die wunderschönen Gouache-Malereien auf feinstem Pergament, bezeichnet mit goldenen Lettern, wurden ausgeschnitten und dann auf schwarzbraun gefärbtes Papier geklebt verbreitet. 1846 gelangten sie in die heutige sSaats- und Stadtbibliothek Augsburg. Die Bibliothek verfügt über einige der wichtigsten in Europa gedruckten Pflanzenbücher aus dem 16. Jahrhundert, aber auch drei Blumenbücherhandschriften aus dem 17. Jahrhundert.

Eine auf 1557 datierte kolorierte Zeichnung einer in Augsburg im Garten des Augsburger Ratsherren Johann Heinrich Herwart (1520 – 1583) wachsenden Tulpe gilt als die wohl früheste Darstellung einer aus der Türkei stammenden Tulpe im christlichen Europa – der darauf basierender Holzschnitt sogar als erstes publiziertes Tulpenportrait überhaupt. Die in der Ausstellung zu sehende Zeichnung der ersten Augsburger Tulpe von 1557 (in der auxlitera-Galerie oben links) wird heute ansonsten in der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg aufbewahrt.

Copyright der Bilder: Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg (links)
und Staats- und Stadtbibliothek Augsburg | Details per Klick auf das jeweilige Bild

Das aufwendig bedruckte Cover des Katalogs.
Foto: auxlit

Der Katalog führt die Themen Tulpe und Buch immer wieder zusammen: Er zeigt Bilder aus Blumenkatalogen, aus dem Scheler’schen Gartenbuch 1615, aus dem Blumenbuch des Augsburger Goldschmieds Daniel Preiss (1. Hälfte des 17. Jhs.) und dem Halder’schen Tulpenbuch (vermutlich Ende des 17. Jhs.), einem Augsburger Blumenkatalog von 1665, einem Pflanzen- und Zwiebelkatalog von 1681, einem Gedichtsdruck von 1751 und dem Buch Tulipanen-Flor (1752) von Sigmund Richter.

Der Katalog ist erhätlich oder bestellbar in der Bibliothek zum Preis von 22 Euro.

Eine gleichnamige virtuelle Ausstellung ist in Vorbereitung. Sämtliche gezeigte Tulpenbilder und -bücher aus dem Besitz der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg wurden komplett digitalisiert und sind zur Ausstellung und auch danach dauerhaft über den Katalog über QR-Code bequem vom individuellen Endgerät bzw. vom Computer am Schreibtisch kostenfrei weltweit durchblätterbar.

Staats- und Stadtbibliothek wird ab Oktober 2022 saniert

Es handelt sich übrigens vorerst um die letzte Ausstellung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg in seinen bisherigen Räumlichkeiten – das prächtige Bibliotheksgebäude wird ab Oktober 2022 saniert. Danach zieht die Staats- und Stadtbibliothek wieder neu ein.

In der Woche nach Ostern bietet die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg einen Führungsmarathon durch ihre Ausstellung an. Von Dienstag, 19., bis Freitag, 22. April 2022, werden täglich um 10 Uhr und 16 Uhr kostenlose Führungen durch die bereits jetzt schon sogar international viel beachtete und begeistert aufgenommene Ausstellung angeboten. Die Tulpe, passend zur Osterwoche, galt im Barock auch als Zeichen der Auferstehung. Im Vorgarten der Bibliothek waren im Herbst 2021 300 Tulpen gesetzt worden – sie sollen hoffentlich in der Woche nach Ostern blühen.
Voranmeldung zu den Führungen: sekretariat@sustb-augsburg.de oder Telefon 0821. 71013-2738.


Tulpenschau im Gartenbau. Historische Zeugnisse der Tulpomanie in Augsburg
Katalog zur Ausstellung vom 8. April bis 8. Juli 2022 in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg
Herausgegeben von Karl-Georg Pfändtner.

Band 8 in der Reihe »Cimeliensaal« der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg.
104 Seiten, Taschenbuch-Bindung, ca. 21,2 x 27,8 cm
Wißner Verlag 2022

Ein Buch über die Lila-Weißen.

Der Historiker Dr. Christian Kreikle portraitiert den ältesten und aktivsten Fußballverein Bayerisch Schwabens: den TSV 1847 Schwaben Augsburg. »Wir sind die Schwaben … ! Lila-Weiße Fußball-Leidenschaft« bildet in Texten, Spielerportraits und Archivbildern die zwei Vereins-Epochen 1899 bis 1969 sowie 1970 bis 2021 ab.

»Wir sind die Schwaben…! Lila-Weiße Fußball-Leidenschaft«, erhältlich bei christian.kreikle@web.de.

Sie blicken auf die wohl älteste Geschichte eines Fußballvereins in Bayerisch Schwaben zurück. Und ihre Fußballabteilung ist mit 31 Mannschaften die größte in der Region. Drei Erwachsenenmannschaften, 11 Frauenteams und 17 Jugendmannschaften bilden heute eine Abteilung, die schon 19 Nationalspieler bzw. -Trainer in ihren Reihen zählen konnte. Die Rede ist von den Fußballern des TSV 1847 Schwaben Augsburg. Liebevoll werden Sie »die Violetten«, »Schwabenritter«, »die Lila-Weißen« oder einfach »die Schwaben« genannt.

Mit dem Buch »Wir sind die Schwaben…! Lila-Weiße Fußball-Leidenschaft« legt Dr. Christian Kreikle eine Chronik der Fußballgeschichte des TSV 1847 Schwaben Augsburg vor: Die zwei Epochen 1899 – 1969 und 1970 – 2021 werden in Text, Spielerportraits, vielen historischen und neueren Archivbildern in Farbe und Schwarzweiß beleuchtet.

Die »neue« Fußballabteilung des TSV 1847 feierte 2020 sein 50-jähriges Jubiläum. Entsprechend sollte das nun vorliegende Buch bereits 2021 erscheinen – es war u.a. auch die Corona-Pandemie, die das verhinderte. Nun kann es der Historiker Kreikle endlich vorlegen: Im Band wird die fußballerische Vergangenheit der «Lila-Weißen« noch einmal lebendig: Fußballidole wie Ernst Lehner, Georg Lechner sen., Peter Struzina, Georg Lechner jun., Kurt Haseneder und viele andere. Zu ihrer Zeit waren die Schwaben Bestandteil der 1. oder 2. Liga und gefragte Gegner für Gastspiele von Klubs wie den FC Everton, Espanyol Barcelona, Santiago de Chile oder den FC Nacional de Montevideo.

Das Wappen der »Schwabenritter«.

Das Buch widmet sich in erster Linie der 1. Herren-Mannschaft des Vereins, 34 Ordner an Archivalien wurden von zahlreichen Helfern und Helferinnen gesichtet, gewichtet und ausgewertet. Besonders interessant und wertig macht die im Print-on-demand erscheinende Chronik, dass ihr Verfasser ein Historiker ist: Dr. Christian Kreikle ist nicht nur glühender Fandes TSV 1847 Schwaben Augsburg (und Archivar der Fußballabteilung des TSV), der Lehrer ist auch Historiker, der sich als Autor auch mit der Epoche des Nationalsozialismus befasste. Entsprechend hat Kreikle auch bei seiner Chronik der Fußballabteilung versucht, die dunklen Jahre 1933 bis 1945 aufzuarbeiten. »Wer es mit seinem Verein wirklich ernst meint, darf auch vor den dunklen Seiten den Blick nicht verschließen«, so der Archivar. »Nur aus dem ehrlichen Umgang mit der eigenen Vergangenheit können wir lernen.«

Der Band beleuchtet aber natürlich zu Genüge die großen sportlichen Momente der Fussballabteilung. Die legendären Pokalschlachten gegen den FC Bayern München (7:3) und Schalke 04 (5:7 n.V.) 1964/65 waren ebenso Höhepunkte jener Zeit. Nach der Fusion mit dem BC Augsburg 1969 gründeten sich die Violetten noch einmal neu und kamen mit Spielern wie Zoglauer, Tripbacher, Kindermann, Jürgen
Haller
u. a. unter Trainern wie Roland Zarschler und Helmut Haller – im Band zu sehen: eine Autogrammkarte Hallers, die den 33-fachen Nationalspieler mit seinem TSV-Team zeigt – zu neuen Erfolgen.

Dr. Christian Kreikle, Autor von »Wir sind die Schwaben…!«

Nach schwierigen Jahren spielen die Schwaben heute wieder unter namhaften Trainern wie Sören Dreßler, Halil Altintop und Janos Radoki in der fünftklassigen Bayernliga. Für ihre Fans sind die Schwaben vor allem eines – eine Leidenschaft.

Das Buch ist über E-Mail christian.kreikle@web.de erhältlich oder im Buchhandel unter der ISBN 978-3-7557-9954-2 bestellbar.


Dr. Christian Kreikle: Autor und Historiker, arbeitet als Lehrer in Höchstädt. Beim TSV 1847 Augsburg Schwaben ist er als Archivar der Fußballabteilung tätig. Auswahl-Bibliografie: Eine lange Linie brennender Dörfer: Zerstörung, Leid und Tod im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 (Verlag Edition AV 2020), »Volksgemeinschaft« statt Klassenkampf Band 1 + 2: Der verloren gegangene Kampf für eine soziale Republik und der Aufstieg des Nationalsozialismus im Allgäu 1918-1933/34 (Südwestdeutscher Verlag für Hochschulschriften, 2021), Kriegshaber in Bildern: Am Straßenrand der Weltgeschichte (Wißner, 2016).


Christian Keikle: Wir sind die Schwaben …! Lila-Weiße Fußball-Leidenschaft. Fußballgeschichte des TSV 1847 Schwaben Augsburg
172 Seiten, DIN-A4, 25 Euro
Books on Demand, 2022
ISBN 978-3-7557-9954-

Nie wieder Bücherverbrennung

Die Uni-Bibliothek Augsburg eröffnet am Gedenktag der Bücherverbrennung eine Online-Ausstellung zu ihrer Sammlung von Literatur, die im NS-Staat verboten – und öffentlich verbrannt wurde.

Eine virtuelle Dauerausstellung der »Bibliothek der verbrannten Bücher« macht die einzigartige Büchersammlung Georg P. Salzmanns an der Universitätsbibliothek Augsburg allen Interessierten frei und anschaulich im Netz zugänglich. Georg Salzmann hatte jahrzehntelang die 1933-1945 von den Nationalsozialisten geächtete und verbotene deutschsprachige Literatur in Erstausgaben gesammelt.

Vor 89 Jahren, am 12. April 1933, läutete die »Deutsche Studentenschaft« mit ihrem Flugblatt »12 Thesen wider den undeutschen Geist« eine landesweite Propaganda-Aktion ein. Als begeisterte Anhänger der neuen Machthaber hetzten die Studenten gezielt gegen jüdische, linke und andersdenkende Autorinnen und Autoren. »Undeutsche« Literatur sollte aus deutschen Buchhandlungen, Leihbüchereien und Bibliotheken entfernt werden. Die mehrwöchige Säuberungsaktion gipfelte symbolträchtig am 10. Mai 1933 in zahlreichen öffentlichen Bücherverbrennungen. Viele Autorinnen und Autoren, deren Werke zum Verbrennen bestimmt wurden, mussten um Leib und Leben fürchten, flohen ins Exil oder fielen dem Holocaust zum Opfer.

Georg. P. Salzmanns Sammlung vergessener Literatur

Autorinnen und Autoren, deren Werke in der Bibliothek der verbrannten Bücher vertreten sind.
Grafik: Unibibliothek Augsburg | Sammlung Georg P. Salzmann

Georg P. Salzmann (1929 – 2013) war damals noch ein Kind, wuchs mit der NS-Ideologie auf. Erst nach Kriegsende lernte er die verbotene und verbrannte Literatur kennen. Jahrzehnte später begann er, systematisch die verfemten Werke in Originalausgaben zu sammeln. Über 12.000 Bände, darunter unzählige seltene Erstausgaben zum Beispiel von Stefan Zweig, Irmgard Keun, Erich Kästner und Franz Werfel, kamen zusammen.

2009 übergab er seine Sammlung der Universitätsbibliothek Augsburg, die sie allen Interessierten, Forschenden, Lehrenden und Lernenden umfassend zugänglich machte.

Seitdem gab es mehrere physische Ausstellungen sowie Projekte und Lehr-Lern-Kooperationen rund um die verbrannten Bücher. Die nun eröffnete Online-Ausstellung präsentiert die Sammlung erstmals im digitalen Raum, macht sie dauerhaft und überregional sichtbar.

Moderne Präsentation im digitalen Raum

An ausgewählten Beispielen können Besucherinnen und Besucher die Werke und Schicksale der verfemten Autorinnen und Autoren im Netz entdecken. Neben anschaulichen Literaturexponaten bietet die Schau einführendes Wissen zu den NS-Bücherverbrennungen 1933, zum Exil in der NS-Zeit und der deutschsprachigen Exil-Literatur 1933-1945. Ein eingebetteter Dokumentarfilm zeigt, wie und warum Georg Salzmann zu den verbrannten Büchern und seiner Sammelpassion fand.

Seit 2018 betreut Dr. Andrea Voß als Fachreferentin für Germanistik die Büchersammlung an der Universitätsbibliothek. Sie hat die virtuelle Ausstellung geplant, kuratiert und mit Unterstützung externer Beiträgerinnen und Beiträger umgesetzt. Leicht verständlich in zentrale Themen und Fragen einführen und eine breite Öffentlichkeit erreichen – darum ging es ihr.

»Georg Salzmann lag es besonders am Herzen, die junge Generation zu erreichen. Sein Engagement für eine lebendige Bildungs- und Erinnerungsarbeit möchten wir fortführen, zur Auseinandersetzung mit deutscher Literatur- und Zeitgeschichte anregen«, so Voß. Schließlich biete die Salzmann-Sammlung in der Fülle der enthaltenen Werke und Lebenslinien zahlreiche Fragestellungen und Anknüpfungspunkte für Unterrichts- und Forschungsprojekte. Die virtuelle Präsentation richtet sich bewusst an Lehrende und Lernende und lädt ein, die Bibliothek der verbrannten Bücher für eigene wissenschaftliche oder ausstellungspraktische Projekte zu entdecken. Die Universitätsbibliothek Augsburg steht hierbei als Kooperationspartnerin bereit. Andrea Voß blickt optimistisch in die Zukunft: »Ich denke, dass die Online-Ausstellung neugierig macht und Lust weckt, mehr über das Thema zu erfahren. Und dies wäre ganz im Sinne von Georg Salzmann.«

Zur Online-Ausstellung: https://ausstellungen.deutsche-digitale-bibliothek.de/verbrannte-buecher/

Über die Sammlung: https://www.uni-augsburg.de/de/organisation/bibliothek/sondersammlungen/bibliothek-der-verbrannten-buecher/

Sprachdebatten: Czernowitz 1908

Uni Augsburg veröffentlicht Sammelband zu Debatten um eine jüdische Nationalsprache. Projektkoordinatorin Dr. Carmen Reichert ist ab Mai 2022 die neue Leiterin des Jüdischen Museums Augsburg Schwaben.

Der Moment, in dem die Teilnehmer – und die wenigen Teilnehmerinnen – der ersten internationalen Sprachkonferenz für Jiddisch (קאָנפֿערענץ פֿאָר דער יודישער שפּראַך) sich im Herbst 1908 in Czernowitz darauf verständigten, Jiddisch zu einer nationalen Sprache der Juden zu erklären, gilt als wichtiger Durchbruch für die Entwicklung des Jiddischen. Ihre Erklärung stellte zugleich ein Ereignis in den nationalsprachlichen Debatten dar, die in Österreich-Ungarn und Nachbarstaaten zu Beginn des 20. Jahrhunderts geführt wurden.

Der von Bettina Bannasch, Alfred Wildfeuer und Carmen Reichert nun herausgegebene Sammelband Zukunft der Sprache – Zukunft der Nation? eröffnet einen neuen, interdisziplinären Blick auf die Sprachkonferenz in der Bukowiner Hauptstadt.

Die Beiträge des vorliegenden Bandes fragen, welche Vorstellungen von nationalen Sprachen und Literaturen diese Auseinandersetzungen prägten. Wie gliedert sich die Czernowitzer Sprachkonferenz in die nationale Frage in Österreich-Ungarn ein? Welche Bedeutung hatte die Konferenz jenseits des Jiddischismus? Wie schlug sich die Sprachdebatte in den jüdischen Literaturen Mittel- und Osteuropas nieder?

Hervorgegangen ist diese soeben erschienene Publikation aus der internationalen Abschlusstagung zum Thema »Zukunft der Sprache – Zukunft der Nation? Debatten um jüdische Sprache und Literatur im Kontext von Mehrsprachigkeit und Nationbuilding«. Diese fand als Abschluss eines dreijährigen Forschungsprojekts an der Universität Augsburg statt. Beiträge von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus der Ukraine, Tschechien, Polen, Kanada, der Schweiz und Deutschland beschreiben ihre Perspektiven aus unterschiedlichen Disziplinen.

Das Forschungsprojekt zum Jiddischen als Nationalsprache und zur Czernowitzer Konferenz wurde durch die Beauftragte für Kultur und Medien (BKM) der Bundesregierung gefördert. Die Projektleitung lag bei Prof. Dr. Bettina Bannasch (Neuere deutsche Literaturwissenschaft, Universität Augsburg) und Prof. Dr. Alfred Wildfeuer (Variationslinguistik und DaZ/DaF, Universität Augsburg). Projektkoordinatorin war Dr. Carmen Reichert. Sie arbeitete drei Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin sowie ein Jahr finanziert über den Innovationsfond in diesem Projekt. Ab Mai 2022 nimmt sie ihre Arbeit als Leiterin des Jüdischen Museums Augsburg auf.

Kooperationspartner waren die Juniorprofessur für Ostmitteleuropäische Geschichte (Prof. Dr. Maren Röger, heute Leipzig), das Bukowina Institut Augsburg sowie die Jiddisch-Dozentur der Abteilung für Jüdische Geschichte und Kultur an der LMU München (Dr. Evita Wiecki). Projektpartner sind die germanistischen Institute der Universitäten Tscherniwzi (in Kooperation mit dem dort angesiedelten Zentrum GEDANKENDACH) und Plzeň (in Kooperation mit dem dortigen Zentrum für Interregional-Forschung). // pm | ms | auxlit


Zukunft der Sprache – Zukunft der Nation? Verhandlungen des Jiddischen und Jüdischen im Kontext der Czernowitzer Sprachkonferenz. Herausgegeben von: Carmen Reichert, Bettina Bannasch und Alfred Wildfeuer.
Band 97 der Reihe Conditio Judaica.
De Gruyter, März 2022.
ISBN: 9783110754780 | E-Book: 9783110755138

Bevor das weiße Licht kommt

Die in Augsburg geborene Lyrikerin Birgit Merk legt ihren ersten Gedichtsband vor. Er versammelt Texte aus den Jahren 2014 bis 2021.

Birgit Merk, geboren in Augsburg und mittlerweile in München lebend, schreibt Lyrik über Menschen und Phänomene, die ihr im Leben begegnen und etwas in ihr bewegen. In ihrem ersten Lyrikband Bevor das weiße Licht kommt finden sich Texte aus den Jahren 2014 bis 2021. Der Band, erschienen am 22.2.22, wurde veröffentlicht beim im Scheuring (Nähe Schwabmünchen / Landsberg am Lech) ansässigen Black Ink Verlag.

Birgit Merk ist bereits bekannt durch u.a. ihre Lesungen beim Literaturkanal Augsburg, zuletzt las sie in der großen Gemeinschaftslesung und dem lyrischen Multimedia-Abend Wir sind aus der Zeit gefallen – aktuelle Lyrik aus Augsburg im Juni 2021 in Augsburg.

Merks Gedichte drehen sich unter anderem um Trauerprozesse und das Abschiednehmen, um intensive Zuneigung, die Erfahrung von Krankheit und Einsamkeit, um Familienbeziehungen und die eigene Herkunft. Themen also, mit denen sich alle früher oder später konfrontiert sehen.

Birgit Merk betrachtet ganz aus der Nähe und aus ihrer eigenen Perspektive. Der Blick der Autorin bleibt dabei präzise und unaufgeregt, ihre Texte sind klar strukturiert und vielschichtig. Assoziativ verweben sie Erinnerungen mit Hoffnungen und Wünschen. Eine zentrale Rolle spielt der Moment, in dem Vergangenheit und Gegenwart aufeinandertreffen.


Birgit Merk: Geboren 1977 in Augsburg, lebt in München. Die Autorin schreibt seit ihrer Kindheit. Sie ist Mitglied des Musikprojekts »Prinzip Nemesis« und verfasst auch Songtexte. Ihr Interesse gilt dabei vorwiegend der experimentellen Musik. Einige ihrer Texte wurden für verschiedene musikalische Kooperationen und Einzelprojekte vertont.


Birgit Merk: Bevor das weiße Licht kommt   Black Ink Lyrik
32 Seiten, geheftet, mit Titelhandschrift der Autorin, 8 Euro
Black Ink Lyrik, 2022
ISBN 978-3-930654-46-8

Offenes autopoietisches System

Der Schrobenhausener Lyriker blumenleere veröffentlicht seinen Lyrikband infiltrating paradises.

Cover »infiltrating paradises«

Mit infiltrating paradises legt der Schrobenhausener Autor Michael Johann Bauer, firmierend unter dem Nom de plume blumenleere, ein Chapbook mit 43 Gedichten vor. Der Band ist erschienen bei Rodneys Unterground Press (RUP). Der Dortmunder Verlag bildet seit 20 Jahren das Literaturgeschehen in Underground und Social Beat ab.

Der Sprachakrobat blumenleere bezeichnet sich und sein Schaffen als »offenes, autopoietisches System«. Die Gedichte sind experimentell und gleichen einem surrealen Stream of Consciousness, bisweilen kryptisch, bisweilen sprachzersetzend und halluzinogen vibrierend, immer um neue Sprachmöglichkeiten ringend. Subkultur abseits von Mainstream und Hochliteratur. Michael Johann Bauers surreal-abstrakte Zeichnungen als bildender Künstler stehen in enger Resonanz zu seinem dichterischen Schaffen, eines seiner Bilder ziert als Illustration das Cover des Chapbooks.


blumenleere: infiltrating paradises
Chapbook, 44 Seiten, 5 Euro
Rodneys Underground Press, 2020

Ovid, Frauenmärchen und Erzählkunst

Das Märchenzelt geht mit einer neuen Webseite und neuem, spannenden Programm in den Frühling. Gastspiele beim Kulturfestival Lech-Wertach und in Altisheim.

Das Märchenzelt am Kulturhaus Abraxas in Augsburg präsentiert auf seiner neu überarbeiteten Homepage www.maerchenzelt.de sein kommendes Programm. Neben speziellen Veranstaltungen zu Ostern (Märchen am Gründonnerstag, Osterfrühstück und österlicher Waldspaziergang) sind auch Erzählveranstaltungen für Erwachsene dabei: Kerstin Becke hexenhafte Walpurgis-Märchen (Sam, 30. April).

Dazu kommen der erfolgreiche und stimmungsvolle Finsteren Märchenspaziergang für Erwachsene, »Ovids Metamorphosen«, bei denen Sandra Lienhard zu dunkler Stunde durch den Siebentischwald in die Mythenwelt des alte Griechenlands entführt (nächster Termin am Samstag, 29. April).
Tickets per Klick auf entsprechenden Link. Mehr zu allen Terminen im auxlitera-Terminkalender!

Zu Gast beim Festival »Es war einmal…« (Graben) und in Altisheim

Im Mai nimmt das Märchenzelt am Kulturfestival Lech-Wertach 2022 teil, dessen Motto heuer »Es war einmal… Eintauchen in die Welt von Märchen, Mythen und Sagen« lautet. Das Märchenzelt-Macher Matthias Fischer bereichert das Programm mit zwei Gastspielen am Samstag, 21. Mai (14:30 Uhr), und Sonntag, 22. Mai (11 Uhr), an der Bücherei Graben.
(Eintrittspreis: 3 Euro, ausschließlich im Vorverkauf in der Bücherei Graben.)

Das Märchenzelt unterwegs.

Davor, am Samstag, 16. April, sowie am Samstag, 7. Mai, ist das Märchenzelt ebenfalls auf Exkursion, und zwar beides Mal in Altisheim (Markt Kaisheim, bei Donauwörth). Am dortigen »Wurzelhof« gibt es am 16. April um 14 Uhr »Mitmachgeschichten aus dem Märchensack« (ab 3 J.) und um 16 Uhr »Märchen, Punsch und Stockbrot« zu erleben. Am 7. Mai folgen um 14 Uhr »Zwerglmärchen« (ab 3 J.) und um 16 Uhr »Märchen von Hexen und Trollen, mit Stockbrot«.
(Tickets jeweils per Klick auf Link.)

Neue Webseite mit Hörproben

Die in neuem Glanz erstrahlende, modern überarbeitet Webseite www.maerchenzelt.de präsentiert aktuell das Programm bis einschließlich Mai 2022. Mit dabei sind Hörproben zu den bereits veröffentlichten Märchen-CDs, Gutscheine und Infos zu Sonderprogrammen und den einzelnen Macher:innen und Erzähler:innen.

Die neue Webseite www.maerchenzelt.de wurde vollkommen neu überarbeitet. Bild: Screenshot.

Märchenzelt-Macher Matthias Fischer war jüngst als Sprecher auf der neuen CD »Eigentexlichtönendes« des Augsburger Musikers Eric Zwang-Eriksson beteiligt. Das Märchenzelt ist auch auf Facebook zu finden.


Märchenzelt am Kulturhaus Abraxas
Sommestraße 30
86156 Augsburg
E- Mail: schreibstube@maerchenzelt.de
Fon: 0821. 24 24 70 60 (Anrufbeantworter)




Ukraine-Benefiz

Die Augsburger Buchkünstlerinnen und Illustratorinnen Daniela Kulot und Lisa Frühbeis (Kunstförderpreis Literatur der Stadt Augsburg 2021) beteiligen sich an einer Benefiz-Aktion des Literaturhaus München.

Die Aktion geht vom 6. bis 13. April 2022. Elf Illustrator:innen, Bildautor*innen und Comic-Künstler:innen aus München und Umgebung beteiligen sch an der Aktion. Neben den Augsburgerinnen Lisa Frühbeis (aktuell Kunstförderpreisträgerin Literatur der Stadt Augsburg 2021 und Trägerin des Bayerischen Kunstförderpreis für Literatur 2020) und Daniela Kulot beteiligen sich Rotraut Susanne Berner, Quint Buchholz, Doris Dörrie, Yi Luo, Uli Oesterle, Frank Schmolke, / Ulrike Steinke, Dominik Wendland und Barbara Yelin.

Jede/r Künstler:in bietet ein Werk zur Aktion an. Die Bilder sind auf der Aktionsseite des Literaturhauses München einzusehen. Auf alle Bilder kann gleichzeitig geboten werden, per Mail an ukraine@literaturhaus-muenchen.de oder (täglich von 11-18 Uhr) unter Tel. 089-291934-27. Mindestgebot für ALLE Bilder: 100.- Euro.

Das höchste Gebot zum Ende des Auktionszeitraums bekommt den Zuschlag für das jeweilige Unikat. Die Gebote werden hier & auf Instagram (www.instagram.com/lithaus) aktualisiert.

Wenn ersteigert, werden die Bilder signiert und – wenn möglich – persönlich übergeben. Die Bilder werden als Schenkung gewidmet, der oder die Spendende bekommt eine Schenkungsurkunde und von der begünstigten Organisation, wenn gewünscht, eine Spendenquittung. Für welches der beiden Spendenkonten gespendet werden soll, entscheidet der/die Bietende.

SPENDENKONTEN ZUR AUSWAHL:

1) SPENDENKONTO DER LANDESHAUPTSTADT MÜNCHEN zur Unterstützung der Menschen in der Ukraine und in unserer Partnerstadt Kiew: Stadtsparkasse München, IBAN DE86 7015 0000 0000 2030 00, Verwendungszweck »Solidarität Ukraine«
2) MÜNCHNER FREIWILLIGE – WIR HELFEN E.V. IBAN: DE32 7015 0000 1004 8704 14 BIC: SSKMDEMM (Stadtsparkasse München)

Kurator:innen der Initiative sind Barbara Yelin und Dominik Wendland. Unter dem Motto »Für alle zum Mitzeichnen« findet ein Digitales Treffen mit Q&A statt: Am Montag, 11. April (19 – 20 Uhr) ,versammeln sich die Zeichner*innen via Zoom. Sie zeichnen zusammen verschiedene Münchner Orte und geben einen Einblick, wie sie an das Zeichnen herangehen. Mitmachen willkommen, wer mag! Mitbringen: Bleistift und Papier, Tusche und Pinsel, nach Belieben. Kostenlos und offen für alle. Teilnahme auf freiwilliger Spendenbasis. Informationen zur Anmeldung folgen auf der Aktionsseite des Literaturhauses München.

http://www.literaturhaus-muenchen.de

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Brecht im Download

Die neue Ausgabe des »Dreigroschenhefts« (2/2022) ist erschienen.

Die aktuelle Ausgabe 02/2022 des Dreigroschenhefts kann auf www.dreigroschenheft.de kostenlos als PDF heruntergeladen werden. Die neue Ausgabe gibt einen Rückblick aus das vergangene Brechtfestival, und unter anderem berichtet Andreas Hauff über das Kurt-Weill-Fest in Dessau und Jan Knopf über Brecht und Kurt Weill 1927. Michael Friedrichs rezensiert den neuen, im Findling-Verlag erschienenen Bildband Am Am Wasser des Schermützelsees: Helene Weigel und Bertolt Brecht in Buckow, den Margret Brademann gemeinsam mit der Theaterfotografin Vera Tenschert herausgebracht hat.