Blumenbücher & Buchkunst

Der Katalog zur aktuellen Ausstellung »Tulpenschau im Gartenbau« in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg präsentiert Preziosen aus Buchillustration, Buchdruck und Lyrik.

Der reich bebilderte, schmuck aufgemachter Katalog zur Ausstellung Tulpenschau im Gartenbau. Historische Zeugnisse der Tulpomanie in Augsburg (bis 8. Juli) stellt die neuesten Erkenntnisse zur Tulpe in Augsburg vor. Er ist der bereits achte Band in der Bibliotheksschätze-Reihe Cimeliensaal. Und er zeigt: Augsburg ist nicht nur Römerstadt, Fuggerstadt, Renaissance- und Barockstadt, Wasser- und Welterbestadt, Augsburg ist auch Tulpenstadt. Hier hat sich nämlich der früheste Beleg einer blühenden, aus dem Osmanischen Reich importierten Tulpe im christlichen Europa erhalten. Und 1959 wurde zum 400-jährigen Jubiläum eine Tulpe Augsburg neu gezüchtet, die sich leider heute aber trotz intensiver Suche nicht mehr nachweisen lässt.

Im Zentrum des durchgehend farbig, zum Teil ganzseitig bebilderten Buches (Wißner Verlag) stehen die auch in der Ausstellung zu sehenden Einzelblätter aus einem der seltenen Tulpenbücher des 17. Jahrhunderts. Die wunderschönen Gouache-Malereien auf feinstem Pergament, bezeichnet mit goldenen Lettern, wurden ausgeschnitten und dann auf schwarzbraun gefärbtes Papier geklebt verbreitet. 1846 gelangten sie in die heutige sSaats- und Stadtbibliothek Augsburg. Die Bibliothek verfügt über einige der wichtigsten in Europa gedruckten Pflanzenbücher aus dem 16. Jahrhundert, aber auch drei Blumenbücherhandschriften aus dem 17. Jahrhundert.

Eine auf 1557 datierte kolorierte Zeichnung einer in Augsburg im Garten des Augsburger Ratsherren Johann Heinrich Herwart (1520 – 1583) wachsenden Tulpe gilt als die wohl früheste Darstellung einer aus der Türkei stammenden Tulpe im christlichen Europa – der darauf basierender Holzschnitt sogar als erstes publiziertes Tulpenportrait überhaupt. Die in der Ausstellung zu sehende Zeichnung der ersten Augsburger Tulpe von 1557 (in der auxlitera-Galerie oben links) wird heute ansonsten in der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg aufbewahrt.

Copyright der Bilder: Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg (links)
und Staats- und Stadtbibliothek Augsburg | Details per Klick auf das jeweilige Bild

Das aufwendig bedruckte Cover des Katalogs.
Foto: auxlit

Der Katalog führt die Themen Tulpe und Buch immer wieder zusammen: Er zeigt Bilder aus Blumenkatalogen, aus dem Scheler’schen Gartenbuch 1615, aus dem Blumenbuch des Augsburger Goldschmieds Daniel Preiss (1. Hälfte des 17. Jhs.) und dem Halder’schen Tulpenbuch (vermutlich Ende des 17. Jhs.), einem Augsburger Blumenkatalog von 1665, einem Pflanzen- und Zwiebelkatalog von 1681, einem Gedichtsdruck von 1751 und dem Buch Tulipanen-Flor (1752) von Sigmund Richter.

Der Katalog ist erhätlich oder bestellbar in der Bibliothek zum Preis von 22 Euro.

Eine gleichnamige virtuelle Ausstellung ist in Vorbereitung. Sämtliche gezeigte Tulpenbilder und -bücher aus dem Besitz der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg wurden komplett digitalisiert und sind zur Ausstellung und auch danach dauerhaft über den Katalog über QR-Code bequem vom individuellen Endgerät bzw. vom Computer am Schreibtisch kostenfrei weltweit durchblätterbar.

Staats- und Stadtbibliothek wird ab Oktober 2022 saniert

Es handelt sich übrigens vorerst um die letzte Ausstellung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg in seinen bisherigen Räumlichkeiten – das prächtige Bibliotheksgebäude wird ab Oktober 2022 saniert. Danach zieht die Staats- und Stadtbibliothek wieder neu ein.

In der Woche nach Ostern bietet die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg einen Führungsmarathon durch ihre Ausstellung an. Von Dienstag, 19., bis Freitag, 22. April 2022, werden täglich um 10 Uhr und 16 Uhr kostenlose Führungen durch die bereits jetzt schon sogar international viel beachtete und begeistert aufgenommene Ausstellung angeboten. Die Tulpe, passend zur Osterwoche, galt im Barock auch als Zeichen der Auferstehung. Im Vorgarten der Bibliothek waren im Herbst 2021 300 Tulpen gesetzt worden – sie sollen hoffentlich in der Woche nach Ostern blühen.
Voranmeldung zu den Führungen: sekretariat@sustb-augsburg.de oder Telefon 0821. 71013-2738.


Tulpenschau im Gartenbau. Historische Zeugnisse der Tulpomanie in Augsburg
Katalog zur Ausstellung vom 8. April bis 8. Juli 2022 in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg
Herausgegeben von Karl-Georg Pfändtner.

Band 8 in der Reihe »Cimeliensaal« der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg.
104 Seiten, Taschenbuch-Bindung, ca. 21,2 x 27,8 cm
Wißner Verlag 2022

Martin Schmidt
Author: Martin Schmidt

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