Bücher und Tücher, Birthday und Kohn-Gratulations

auxlitera präsentiert ★ Das Brechthaus Augsburg eröffnet im Februar die Sonderausstellung »Bücher und Tücher«, die sich dem in Augsburg geborenen Brechtfreund, Exilverleger und Literaturagenten Hein Kohn (1902 – 1979) widmet. Am 15. Februar sind dessen Sohn und seine Enkelin bei einer Matinee zu Gast. Ansonsten steht natürlich Brechts Geburtstag im Februar im Vordergrund: Gedenklesung, Schauspielführung und ein Stationentheater für Familien

Das ➽ Museum im Brechthaus Augsburg präsentiert sich im Februar mit einer Besonderheit und zugleich einem Jahreshighlight: Von 13. Februar bis 31. Dezember 2026 ist in dem Literaturmuseum die Sonderausstellung Bücher und Tücher zu sehen. Sie widmet sich dem in Augsburg geborenen Brechtfreund, legendärer Exilverleger, Literaturagenten und Kulturvermittler Hein Kohn (1907-1979), der während der Nazi-Zeit von Augsburg in die Niederlande flüchten musste.

Die Ausstellung erzählt Kohns Geschichte. Mit dem jüdischen Tuchmacher Samuel Kohn, dessen Ansiedlung in Augsburg der bayerische König 1837 erlaubt hatte, wurden die Kohns in Augsburg ansässig, sind bis 1938 als Kaufleute und Unternehmer, Tuchmacher und Textilhändler vielfältig in Augsburg in der Textilbranche tätig. Mehrere Veranstaltungen im Brechthaus werden die Ausstellung begleiten – so werden am Sonntag, 15. Februar, Kohns Sohn und Kohns Enkelin bei einer Matinee zu Gast sein (siehe unten im weiteren Monatsüberblick).

Volontär in Augsburgs einstiger Buchhandlung »Lampart & Comp«

Hein Kohn, 1907 in Augsburg geboren, Enkel des Tuchmachers Samuel Kohn und Sohn des wohlhabenden Augsburger Kaufmanns und Agenten Eugen Kohn, absolviert in Augsburg erst eine Lehre in der Textilbranche. Dann wird er, der Bücher über alles liebt, Volontär in der berühmten Augsburger Buchhandlung Lampart & Comp. Hier lernt er Brecht kennen, dem er immer wieder Bücher leiht. Ein Leben lang werden sie in Kontakt stehen.

Kohn setzt seine Lehre an der Buchhändlerschule in Leipzig fort, wo er auch politisch aktiv wird. Nach Stationen in Berlin, Bremerhaven und Hamburg als Lektor, Verleger und Buchhändler, flüchtet er 1933 am 5. Mai, fünf Tage vor der Bücherverbrennung, ins Exil nach Hilversum zu Paul Baumgärtner, einem Augsburger Freund, der bei NSF (Philipps) arbeitet. Die Nazis sind Kohn auf den Fersen. In Hilversum arbeitet Kohn zuerst für den sozialistischen Arbeiterrundfunk VARA. Mit dem gleichfalls nach Hilversum geflüchteten Sänger und Schauspieler Ernst Busch tingelt er für VARA mit einem Unterhaltungsprogramm durch die Niederlande. Busch singt das Solidaritätslied von Brecht auf Niederländisch, Kohn druckt und verkauft es.

Noch 1933 gründet Kohn in Hilversum seinen ersten Exil-Verlag, Boekenvriend Solidariteit.Auf Niederländisch druckt und verlegt er, was die Nazis in Deutschland verbrannt und verbannt haben. Brandende Woorde uit Duitsland (»Brennende Worte aus Deutschland«), der erste Titel, ist sofort ausverkauft. 1939 publiziert Kohn Brechts Dreigroschenroman in seinem Exilverlag Het Nederlandse Boekengilde auf Niederländisch. Heute zählt Kohns Exilverlag zu den drei bedeutendsten Exilverlagen der Niederlande.

Verlegerische Aktivität unter Lebensgefahr

1940, nach der Besetzung der Niederlande durch das NS-Regime, ist Kohn in permanenter Lebensgefahr. Bald lebt er versteckt auf dem Dachboden des Hauses, in dem er in Hilversum wohnt. Seine verlegerischen Aktivitäten setzt er im Untergrund fort. Nach 1945 wird Kohn in Amsterdam Leiter des Verlagshauses Van Ditmar. 1951 gründet er eine bis heute bestehende legendäre Literaturagentur Internationaal Literatuur Bureau B.V., deren Netzwerk bald um die ganze Welt reicht.

Hein Kohn ist einer der ersten Literaturagenten der Niederlande. Die internationale Literaturagentur wird, nachdem Hein Kohns Sohn Menno sie 1970 übernommen hatte, heute in dritter Generation in Amsterdam von seiner Enkelin Linda Kohn geführt. Die von Hein Kohn gegründete Literaturagentur Internationaal Literatuur Bureau B.V. feiert im Jahre 2026 bereits ihr 75-jähriges Bestehen.

Dem Schriftsteller Rolf Hochhuth zufolge war Kohn der »Kurier des deutschen Geistes in Holland«: So schrieb er 1972: »Was daheim verbrannt worden war durch den Machthaber Hitler – das drucktest Du neu, die deutsche Dichtung fand durch Dich und wenige andere in Amsterdam ein Archiv, ein Sprachrohr […]. Seit Hitlers Tod bist Du endlich der, sozusagen, offizielle Kurier des deutschen Geistes in Holland.«

Augsburg-Gemälde aus Kohns Besitz zu erwerben

In der Ausstellung sind spannende Objekte aus Augsburg und den Niederlanden zu sehen, darunter auch solche zu Brecht. Auch wenn Hein Kohn bis zum Ende seines Lebens in Hilversum lebte, so blieb er seiner Heimatstadt Augsburg doch eng verbunden. Das Logo für seine Literaturagentur ließ Kohn 1951 von seinem Augsburger Freund, dem Grafiker Eugen Nerdinger, anfertigen. In den 1970er Jahren beauftragte Kohn den bekannten Städtemaler Ernst Metz damit, ein Gemälde von Augsburgs Innenstadt für ihn anzufertigen. Besagtes Gemälde von Augsburg beabsichtigt Menno Kohn im Rahmen der Ausstellung zu verkaufen.

Das weitere Programm im Februar 2026:

Dienstag, 10. Februar (11 – 12 Uhr):
WIR FEIERN BRECHT! Wir leihen uns seine Worte – und wir geben ihm unsere Stimme

Foto von Buchhandlung am Obstmarkt, Augsburg.

Ein literarischer Geburtstagsgruß vor jenem Haus in der Augsburger Altstadt, in dem Bert Brecht vor 128 Jahren das Licht der Welt erblickte. Literaturschaffende aus Augsburg, denen Leben und Werk dieses großen Sohnes der Stadt wichtig ist, wollen ihn ehren mit seinen Texten und Liedern. Wollen ihn durch sein Werk sich selbst vorstellen lassen und seinen Blick für uns Nachgeborene auf die Welt und ihren Zustand richten. Eine öffentliche Lesung mit u.a.: Karla Andrä, Schauspielerin und Sängerin, Josef Holzhauser, Musiker und Komponist, Ulrike Schrimpf, Autorin, Jürgen Enninger, Kulturreferent der Stadt Augsburg, Matthias Ferber mit Schülerinnen und Schülern vom Gymnasium bei St. Stephan, Kurt Idrizovic, Buchhändler und Brechtexperte, Knut Schaflinger, Journalist und Lyriker.

Eintritt frei. Die Lesung findet in der Regel vor dem Brechthaus statt.


Samstag, 14. Februar (14:30 bis 16 Uhr):
BERT BRECHT ZUM 70. TODESTAG – Schauspielführung

Erik Völker • Foto: Regio Augsburg Tourismus GmbH

In einer 90-minütigen Performance begleitet Erik Völker fachkundig durch das Brechthaus und schlüpft an diesem historischen Ort immer wieder in die Rolle des Bertolt Brecht. Im rasanten Wechsel von Spiel und Erklärung werden Brechts Biografie, sein Schaffen und seine Bedeutung erlebbar.

Eintritt: 18 €/16 € (inkl. Museumseintritt)
TICKETSwww.augsburg-tourismus.de/Tickets, Telefon: 0821-45098231


• Sonntag, 15. Februar (11 bis 13 Uhr)
DIE LITERATURAGENTUR VON HEIN KOHN:
»INTERNATIONAAL LITERATUUR BUREAU B.V.«
Gespräch mit seinem Sohn Menno Kohn und seiner Enkelin Linda Kohn

Links Uta Löhrer, rechts Dr. phil. Ingvild Richardsen. Mitte: Internationaal Literatuur Bureau B.V 

Matinee zur Sonderausstellung, Eintritt frei. Im Rahmen der Ausstellung Tücher und Bücher lädt eine besondere Matinee dazu ein, die literarische Welt der niederländischen Literaturagentur von Hein Kohn zu entdecken. Heute wird die renommierte Literaturagentur in dritter Generation von Linda Kohn in Amsterdam weitergeführt. In inspirierender Atmosphäre berichten Menno Kohn, Hein Kohns Sohn, und Linda Kohn, seine Enkelin von ihrer Arbeit in der internationalen Literaturagentur. Dabei werden auch aktuelle Stimmen und innovative Erzählformen vorgestellt, die das Profil der renommierten Agentur prägen. Die Veranstaltung verbindet Kunst und Literatur, eröffnet neue Perspektiven auf internationale Zusammenarbeit und bietet Raum für Austausch mit Verlagen, Autorinnen und Autoren sowie Kulturinteressierten.

Moderation:
Dr. phil. Ingvild Richardsen, Dozentin, Autorin und Ausstellungskuratorin
Uta Löhrer, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit


• Sonntag, 15. Februar (15 bis 16:30 Uhr)
FISCH FASCH – Theaterparcours durch das Geburtshaus von Bertolt Brecht

Karla Andrä • Foto: Lina Mann

Stationentheater im Brechthaus für Kinder ab 8 Jahren und Erwachsene. »Es war einmal ein Fisch mit Namen Fasch« dichtete Bertolt Brecht 1930, dem Jahr, in dem der Dichter zum vierten Mal Vater wurde. Verse und Lieder für Kinder hat Brecht viele geschrieben: schlaue, witzige, aber auch nachdenkliche und provokante. Er hatte ein gutes Gespür dafür, wie Kinder sind und was sie denken.
Die Schauspielerin Karla Andrä und die Videokünstlerin Barbara Weigel lassen sich von den Kindergedichten zu einem poetischen Stationentheater inspirieren. Es führt die jungen Besucher*innen durch die verschiedenen Räume des Brechthauses Auf dem Rain 7. Karla Andrä spielt, singt und rezitiert. Animierte Videoskulpturen von Barbara Weigel bringen einzelne Objekte der Brecht- Ausstellung zum Sprechen. So wird das Museum zur begehbaren Bühne und Brechts Leben und Werk für Kinderaugen und -ohren präsentiert.

Eintritt: 5 € pro Person (Kinder bis 10 Jahre frei)
TICKETSwww.augsburg-tourismus.de/Tickets, Telefon: 0821-45098231 ⟴ pm • auxlit


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