Augsburger Friedenspreis geht an Katrin Eigendorf

Die ZDF-Korrespondentin wird für ihre Berichterstattung aus Krisen- und Kriegsgebieten gewürdigt. In ihrem Buch »Putins Krieg« berichtet sie vom Kampf der Menschen in der Ukraine um ihre Freiheit. Für dauerhaften Frieden, so die Preisjury, müssen Situationen und Interessen offen dargelegt und differenziert gewürdigt werden.

Der Augsburger Friedenspreis 2023 geht an die Journalistin Katrin Eigendorf. Oberbürgermeisterin Eva Weber verkündete die diesjährige Preisträgerin heute (8. August) im Rahmen der Feierlichkeiten zum Augsburger Hohen Friedensfest. Dabei erfolgte die Bekanntgabe erstmals bei der so genannten großen Friedenstafel auf dem Augsburger Rathausplatz vor einer breiten Öffentlichkeit. Regionalbischof und Juryvorsitzender Axel Piper spricht bei der Preisträgerin von einem »unabhängigen, mutigen Journalismus für die Bewahrung und die Schaffung von Frieden«. Friede sei nur möglich und von Dauer, wenn er den Situationen und Interessen der Menschen bestmöglich gerecht werde. »Dazu aber müssen die Situationen und Interessen offen dargelegt und differenziert gewürdigt werden.«

Der mit 12.500 Euro dotierte Preis zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich um ein tolerantes und friedvolles Miteinander der Kulturen und Religionen verdient gemacht haben. Die feierliche Preisverleihung findet am Montag, 9. Oktober, im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses statt. Der Laudator wird Kurt Kister, ehemaliger Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung sein.

Katrin Eigendorf zu Gast bei »Das Buch meines Lebens«, arte

Buchveröffentlichung 2022

Die TV-Journalistin legte 2022 ihr erstes Buch vor: In Putins Krieg – Wie die Menschen in der Ukraine für unsere Freiheit kämpfen (Fischer Verlag) berichtete Katrin Eigendorf von dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine. Der SPIEGEL-Bestseller war ergänzt wurden um ein Gespräch mit Wolodymyr Selenskyj und einem aktuellen Vorwort. Seit vielen Jahren berichtet Eigendorf regelmäßig aus der Ukraine. So auch während der dramatischen Tage und Wochen nach dem 24. Februar 2022, als Wladimir Putin mit seinem grausamen Angriff auf die Ukraine den Krieg zurück nach Europa getragen hat. Angesichts der Bilder aus Mariupol, Charkiw und Kyjiw ist auch Deutschland aufgewacht, nachdem es über viele Jahre Wladimir Putin verharmlost hat. 

Katrin Eigendorf erzählt hier vom Krieg, den Putin mit aller Härte führt, vor allem gegen die Bevölkerung. Von ihren Begegnungen mit Menschen, die von einem Tag auf den anderen alles verloren haben, von Familien, die zerrissen wurden, von Kindern, die ihre Kindheit verloren haben. Es sind Begegnungen, die immer wieder an die Schmerzgrenze gehen, auch für eine Reporterin. 

Katrin Eigendorf • Foto: privat / Fischer Verlage

Sie hat den Beginn dieser Entwicklung bereits 2008 in Georgien erlebt, als der Kreml seine Truppen nach Tbilissi schickte. Und 2014 in Donezk, Luhansk und Mariupol, als die russische Armee nach der Krim auch den Osten der Ukraine angriff und besetzte. Kriege, die auch in Deutschland nicht ernst genug genommen wurden.

Das Buch zeigt: Putins Narrativ vom Krieg gegen eine faschistische Regierung in Kyjiw, vom Eintreten für Russlands Sicherheit ist eine zynische Lüge. Sein Krieg zeigt überdies die ganze Schwäche eines autoritären Regimes. Ein System, das Kinder bombardiert und Menschen aushungert, das die Wahrheit nicht duldet, ist gescheitert. Noch nie war es Katrin Eigendorf wichtiger, vor Ort zu sein und zu zeigen, worum es in der Ukraine wirklich geht: um den Kampf eines Volkes für Freiheit und Demokratie – auch in Europa.

Portrait: Katrin Eigendorf

Katrin Eigendorf • Foto: Willi Müller-Sieslak

Katrin Eigendorf wurde 1962 in Tönisvorst, Nordrhein-Westfalen geboren. Sie studierte Geschichte und Journalistik in Dortmund und Paris (Institut Francais de Presse). Anschließend absolvierte sie ein
Redaktionsvolontariat beim WDR in Köln. Sie arbeitete als Redakteurin im ARD-Studio Paris, anschließend bei den Tagesthemen. Von 1993 bis 1996 war sie als Korrespondentin für RTL in Moskau.

Seit 1999 arbeitet Katrin Eigendorf für das ZDF, zunächst als Reporterin in der damaligen ZDF-Hauptredaktion Außenpolitik. Von Januar 2015 bis April 2018 war sie Korrespondentin im ZDF-Studio in Moskau und berichtete unter anderem über den Konflikt in der Ukraine. Das Studio ist zuständig für die Berichterstattung unter anderen aus Armenien, Aserbaidschan, Belarus, Georgien, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan, der Ukraine und Usbekistan.

Seit Mai 2018 ist Katrin Eigendorf im Reporter-Pool der ZDF-Hauptredaktion Aktuelles mit Berichterstattungs-Schwerpunkten in Afghanistan, der Ukraine, Russland, Libanon, Irak und Türkei. 2021 berichtete sie aus Afghanistan über die Rückkehr der Taliban. Seit Ende Februar 2022 berichtet sie aus der Ukraine über den Krieg in der Ukraine.

• Katrin Eigendorf auf X (Twitter) twitter.com/keigendorf


Katrin Eigendorf wurde 2021 mit dem Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus (Hauptpreis) für ihre Berichterstattung aus Krisenregionen in Afghanistan, der Ukraine und anderswo ausgezeichnet. Die Zeitschrift Medium Magazin zeichnete sie in der Kategorie Reportage national als Journalistin des Jahres 2021 (1. Platz) aus.

2022 erhält Katrin Eigendorf den Grimme-Preis für »besondere journalistische Leistung«. Gewürdigt werden ihre »exzellenten Reportagen« über die Lage der Frauen und Mädchen in Afghanistan im Wettbewerb Information & Kultur. Im gleichen Jahr wird sie in der Kategorie Beste persönliche Leistung Information mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Außerdem wurde ihr der Winfriedpreis der Stadt Fulda verliehen.


Foto: Ruth Plössel

DER AUGSBURGER FRIEDENSPREIS

Seit 1985 vergibt die Stadt Augsburg im Drei-Jahre-Rhythmus den Preis am Augsburger Friedensfest – gemeinsam mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Der mit 12.500 Euro dotierte Preis zeichnet Persönlichkeiten aus, die sich um ein tolerantes und friedvolles Miteinander der Kulturen und Religionen verdient gemacht haben. Der Preisträger wird immer am 8. August, dem Tag des Augsburger Hohen Friedensfestes, verkündet.

www.friedensstadt-augsburg.de


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