Der Büchervogel.

AUSSTELLUNG & BUCH ★ Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg zeigt druckgrafische Darstellungen des legendären Dodo-Vogels aus seinen Buchbeständen. Zur Ausstellung »Dodo-Paradies« erscheint ein auch vor Ort erhältlicher, bildreicher Begleitkatalog. Der Dodo selbst ist zudem stark mit der Welt der Bücher und Bibliotheken verwoben. ➽ mit Bildern + Blick ins Buch

»As dead as a dodo« trifft für den legendären flugunfähigen Vogel aus Mauritius in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg nicht zu: Hier lebt er weiter in Wort und Bild und fühlt sich hoffentlich wie der Schriftsteller Jorge Luis Borges in einer Bibliothek unter all den Büchern wie im Paradies. In seiner kleinen Foyer-Ausstellung »Dodo-Paradies« (Foyer, Eintritt frei, 6. Mai bis 31. Juli 2026) zeigt die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg ihre Bestände aus der Grafiksammlung und den naturwissenschaftlichen Kollektionen zum Thema, zusammen mit einem zweisprachigen Querschnitt aus Aufsätzen von international anerkannten Wissenschaftlern, die sich mit dem Dodo in darstellerischer, archäologischer, literarischer Hinsicht beschäftigt haben.

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg präsentiert ihre Dodos in Text und Bild aus fünf Jahrhunderten, ergänzt durch zwei wissenschaftliche, lebensgroße Rekonstruktionen und einem im 3-D-Druck nach neuesten Er kenntnissen erstellten Skelett sowie eine Auswahl an Souvenirs der heute weltweiten Dodomanie.

Zur Ausstellung ist im Weißenhorner Konrad Verlag ein zweisprachiger, zeitloser Begleitband (dt./eng.) mit 148 Seiten und farbigen Abbildungen erschienen. Das Buch 📖 Dodo-Paradies. Die druckgrafischen Darstellungen des legendären Vogels in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, herausgegeben von Karl-Georg Pfändtner, Leiter der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, erscheint als Band 10 der StuSB-Reihe Cimelien-Saal. Der Band ist vor Ort in der Staats- und Stadtbibliothek erhältlich und im Buchhandel (siehe auch Bookshop-Box unten),

Einblick in den Katalog »Dodo-Paradies«, erschienen im Konrad Verlag
Bildmaterial © Konrad Verlag

Bekannt durch »Alice im Wunderland«

Die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg bewahrt zahlreiche naturwissenschaftliche und naturhistorischen Buchbestände. Unter diesen Schätzen finden sich unikale Handschriften, Grafiken, Druckplatten, wertvolle Einbände, seltene Reisebeschreibungen, Karten, naturkundliche Werke und, es verwundert kaum, mit die frühesten druckgrafischen Darstellungen des Dodos (der Dronte), jenes wenige Jahrzehnte nach seiner am 20. September 1598 durch die Niederländer erfolgten Entdeckung auf Mauritius ausgestorbenen flugunfähigen Vogels, der vor allem über das Kinderbuch Alice im Wunderland einem weiten Publikum bekannt wurde.

Druck aus dem Jahr 1612: »Die Holländer auf Mauritius«. Rechts im Bild erkennt man einen großen Dodo.
Foto: © Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Als Inbegriff des vom Menschen verursachten Artensterbens wird er heute häufig als »trauriger Dodo« bezeichnet. Schon der reisende englische Historiker Sir Thomas Herbert (1606–1682) nennt ihn in seinen in London erschienenen Some yeares travels into divers parts of Asia and Afrique 1638 nicht nur übergewichtig, sondern erwähnt auch, dass sein Gesicht Melancholie ausströme: »her visage darts forth melancholy«. Die Augen hingegen, rund und klein, scheinen der weiteren dortigen Beschreibung nach »bright as Diamonds«. Traurig war nicht der Dodo, sondern sein Schicksal.

Ertragen musste der Dodo auch das negative Urteil des bedeutenden Gelehrten der Naturkunde, des Augsburger Pfarrers Gottlieb Tobias Wilhelm (1758–1811) in seinen weit verbreiteten, 1795 datierten Unterhaltungen aus der Naturgeschichte über den Dodo. Dort schreibt der Gelehrte:

»Es ist beynahe unmöglich, sich etwas Häßlicheres zu denken, als den Dronte (Dudu, Straußcasuar.) Sein plumper, vierschrötiger Körper ruht auf zween dicken, kurzen Pfeilern, die die Last kaum tragen können. Da wo der Schwanz nicht hingehört, bemerkt man eine Art von Schwanz, dessen Zweck nicht abzusehen ist, und an den Seiten stehen Flügelchen, die eine solche Masse in die Luft zu heben gänzlich unfähig sind. Hiezu kommt ein Kopf, den die fruchtbarste Einbildungskraft kaum lächerlicher auszudenken vermöchte, und dessen Schönheit durch den kropfigen Hals und den seltsamen Schnabel mit einem höckerigen Rücken nicht wenig erhoben wird. Fast der ganze Kopf ist Schnabel. […] Kaum vermag er sich selbst fortzuschleppen. Mühsam hilft er sich durch die Welt und ist das wahre Faulthier unter den Vögeln.«

»Bibliotheken sind wie Dodos«

Das Aussterben des legendären Vogels führte zum englischen sprichwörtlichen dead as a Dodo, tot wie ein Dodo. Heute werden auch totgesagte Institutionen mit dem Dodo verglichen. So spricht etwa in der amerikanischen Fernsehserie Bull, Staffel 4, Folge 10, insgesamt Folge 77 (2019, deutsch 2020) ein Bibliothekar zur Cyber-Expertin Taylor Rentzel: »Bibliotheken sind wie Dodos. Sie werden in kurzer Zeit ausgestorben sein. Aber ich sag dir eins, wir alle werden dabei die Verlierer sein.«

Man darf zurzeit allerdings guter Hoffnung sein, dass Bibliotheken und Büchereien das Schicksal des Dodos erspart bleibt. Der Schriftsteller und Bibliothekar Jorge Luis Borges (1899–1986), einer der Mitbegründer des Magischen Realismus und ab 1955 Leiter der argentinischen Nationalbibliothek, hat sich das Paradies immer als eine Art Bibliothek vorgestellt. Für den Dodo sind die Bibliotheken das geworden: Hier, und insbesondere in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, hat er zumindest in Wort und Bild überlebt. ⟴  pm • auxlit

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Erhältlich als:
📖 Buch

Konrad Verlag 2026
Softcover
144 Seiten, mit 65 Abbildungen in Farbe
Format 21 x 28 cm
Preis: 23 €

ISBN 978-3-87437-655-6

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AUSSTELLUNG »Dodo-Paradies. Die druckgrafischen Darstellungen des legendären Vogels in der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg«
Foyer + Informatiosbereich Staats- und Stadtbibliothek Augsburg, Schillstraße 94, 86169 Augsburg

Geöffnet Montag bis Freitag 10:00 bis 17:00 Uhr | Samstag, Sonntag und Feiertage geschlossen
Eintritt frei

Führungen durch die Ausstellung buchbar unter presse@sustb-augsburg.de oder Tel. 0821 71013-2747


 

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