Bei akuter Bedrohung und in Krisensituationen Kulturgut aus Archiven, Bibliotheken und Museen retten und schützen: Dafür soll der bayerische »Abrollbehälter Kulturgutschutz« sorgen, der nun Ende Juli vorgestellt wurde.
Der bayerische Abrollbehälter Kulturgutschutz macht den Ernstfall anschaulich: Ende Juli 2026 informierten sich Wissenschaftsminister Markus Blume und Generaldirektor Dr. Bernhard Grau gemeinsam mit dem Notfallverbund Bayern über die mobile Rettungsstation für Kulturgut. Der Notfallverbund stellte die Funktionen sowie die Einsatz- und Abrufmöglichkeiten vor. In einer Praxisvorführung zeigten Restauratorinnen, wie schriftliches Kulturgut gereinigt und für den Weitertransport gesichert wird.
Minister Blume hebt Wichtigkeit der neue Einrichtung hervor: »Unsere Kulturschätze sind unersetzlich, Vorsorge deshalb unverzichtbar.« Kulturgutschutz beginne lange vor der Katastrophe: mit klugen Konzepten, starken Partnerschaften und moderner Einsatztechnik. Der Notfallverbund Bayern vernetzt die maßgeblichen Kulturinstitutionen mit den Einsatzkräften – die Abrollbehälter sorgen dafür, dass diese Kompetenz im Ernstfall schnell am Einsatzort verfügbar ist. Minister Blume: »Das ist gelebte Resilienz: Archive, Bibliotheken, Museen und Feuerwehr arbeiten Hand in Hand, um unser kulturelles Erbe zu bewahren.«
Geplant: Zehn Notfallcontainer bundesweit
Naturkatastrophen, Extremwetterlagen und deren Folgen treffen immer häufiger auch Kultureinrichtungen. Eine Bewältigung derartiger Schadensereignisse allein auf lokaler Ebene ist oft nicht mehrmöglich. Immer bedeutsamer wird daher eine überregional vernetzte Infrastruktur für den Kulturgutschutz mit entsprechender personeller und technischer Ausstattung.
Über die Aufbauhilfe 2021 unterstützt der Bund die 2021 von Hochwasser und Starkregen betroffenen Regionen beim Wiederaufbau und die dort beheimateten Kultureinrichtungen bei der Bewältigung entstandener Schäden. Aus den dafür bereitgestellten Mitteln sollen insgesamt zehn Notfallcontainer mit Ausrüstung und Materialien für den Kulturgutschutz in Deutschland beschafft und für den bundesweiten Einsatz bereitgehalten werden.
Übergeordnetes Ziel der über das Bundesgebiet zu verteilenden Container ist die Schaffung einer vernetzten Notfallinfrastruktur Kulturgutschutz, die auch zusammengezogen werden kann.

Für Bayern wurden ein Abrollbehälter Kulturgutschutz nach dem Vorbild des bereits im Einsatz bewährten Abrollbehälters des Notfallverbundes Köln und ein Abrollbehälter Kühlung beschafft. Im Abrollbehälter Kulturgutschutz wird havariertes Kulturgut dokumentiert, gereinigt und für den Weitertransport oder die Einlagerung verpackt. Der Abrollbehälter Kühlung dient dem Transport und der kurzfristigen Einlagerung von geschädigtem Kulturgut und dem Transport weiterer Materialien für die Erstver-
sorgung.
Beide Abrollbehälter stehen an einem logistisch gut erreichbaren Standort im Raum München für den überregionalen Abruf über den Notfallverbund Bayern bereit. Die finale Entscheidung, ob ein Anlass für eine Anforderung des Containers vorliegt, trifft der Notfallverbund Bayern. Über den Notfallverbund wird auch die Mannschaft des Containers – abgestimmt auf das jeweils betroffene Kulturgut – alarmiert. Die Feuerwehr Unterschleißheim oder der Landesfeuerwehrverband Bayern übernehmen den Transport der Abrollbehälter zum Einsatzort.
Zur landesweiten Notfallvorbereitung auf Großschadensereignisse schlossen sich im Juni 2024 führende bayerische Kultureinrichtungen zum Notfallverbund Bayern zusammen. Erstunterzeichner der Vereinbarung waren die Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, die Bayerische Staatsbibliothek, das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, vertreten durch die Landesstelle für die nicht-staatlichen Museen in Bayern, die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, das Bayerische Nationalmuseum, Archiv und Bibliothek des Erzbistums München und Freising, das Archiv des Erzbistums Bamberg, die Archäologische Staatssammlung und das Bundesarchiv für seine Einrichtung Lastenausgleichsarchiv Bayreuth. Unterstützt wird der Notfallverbund vom Landesfeuerwehrverband Bayern, den bayerischen Feuerwehren sowie dem Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration und dem Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst.
Im Falle eines Großschadensereignisses bündeln die im Notfallverbund Bayern zusammengeschlossenen Institutionen ihre personellen, fachlichen und technischen Ressourcen, um unersetzliches Kulturgut vor Verlust und Zerstörung zu bewahren. Auf dem Gelände der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg absolvierte der Notfallverbund Bayern vom 6. bis zum 8. Juli 2026 erfolgreich seine erste Übung mit den beiden neuen Abrollbehältern. Bei der Übungskonzeption unterstützt wird der Notfallverbund Bayern vom Lehrstuhl für forensische Restaurierungswissenschaft organischer Polymere der Universität Bamberg. Dort entsteht derzeit eine Masterarbeit zum Übungs- und Einsatzkonzept. ⟴ pm • auxlit
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