»Investition in die Zukunft«: Brechtfestival-Veranstalter ziehen positives Fazit

Das Brechtfestival*26 ist am Sonntag zu Ende gegangen. Künstlerische Leitung und Festivalteam ziehen positive Bilanz, das Festivalzentrum und Veranstaltungen waren sehr gut besucht. Nach dem Bert ist vor dem Bert: Das nächste Brechtfestival findet vom bis 28. Februar 2027 statt.

Wer in diesen Tagen auf dem Weg zum Augsburger Rathausplatz durch die Karolinenstraße unterwegs war, konnte eine sonore Stimme von oben herab hören. Ein überlebensgroßer Katzenkopf am bunt beflaggten Hausgiebel der Nummer 10 raunte Passantinnen und Passanten Keuner-Geschichten von Bertolt Brecht zu. Draußen ein Kater als literarischer Türsteher – drinnen buntes, vibrierendes Leben auf drei Etagen: Das Zentrum des Brechtfestivals war mehr als nur eine Anlaufstelle. Es war begehbares Gesamtkunstwerk, Ruhepol, Spielplatz und pulsierendes Herz des Brechtfestivals 2026, das unter dem Titel ALLE stand. Zwischen Hüpfburg und Dancefloor, Workshops und Ausstellungen, Kaffee, Kuchen, Panels und Konzerten entfaltete sich über zehn Tage ein offener, niedrigschwelliger Begegnungsort – für alle.

Herausragende Performance-Gastspiele im Mittelpunkt

Das Festival spannte einen weiten Bogen an Formaten. Vom Brecht-Klassiker auf der Bühne des Staatstheaters, der Konzertnacht mit zehn Konzerten an vier Orten über einen Bingo-Abend und ästhetisch herausragenden Performance-Gastspielen. Kinder und Jugendliche erforschten in Workshops unter dem Stichwort Alle machen das Thema Demokratie mit ihren Stimmen und Beats, mit Textilien und Argumenten. Eine musikalische Lesung verwandelte Gästebucheinträge des Brechthaus-Museums in Rhythmus und Poesie. Und vieles mehr. Barrierefreiheit und Inklusion waren Schwerpunkte des gesamten Programms. Raum fanden auch Tabuthemen wie Sexualität und Elternschaft bei Menschen mit Behinderung. Ein kurzfristig anberaumtes Podiumsgespräch mit Gilda Sahebi, Azadeh Ganjeh und Aydin Alinejad und moderiert von
Festival-Co-Leiterin Sahar Rahimi, beleuchtete die Lage im Iran. Freiheit, Solidarität und Menschlichkeit: Kategorien, um die auch Brechts Werk kreist, fanden so aktuellen, bedrängenden Widerhall.

Kulturreferent Jürgen K. Enninger: »Festival-Motto hat ALLE begeistert«

Ein positives Fazit zieht auch Jürgen K. Enninger, Referent der Stadt Augsburg für Kultur, Welterbe und Sport: »ALLE – das Motto des diesjährigen Brechtfestivals hat es geschafft, wirklich ALLE zu begeistern: von Kindern und Jugendlichen, Menschen mit Migrationshintergrund, über Menschen mit Einschränkungen bis hin zum klassischen Theaterpublikum. So wurde die Stadt mit den Mitteln Brechts verwandelt und das Miteinander in den Vordergrund gestellt.« Sein Dank gelte dabei ganz besonders Sahar Rahimi und Mark Schröppel: »Wir freuen uns auf zwei weitere Jahre unter ihrer künstlerischen Leitung.«

Brechtfestival als Gegenpol zur Spaltung der Gesellschaft

Das künstlerische Leitungsduo Sahar Rahimi und Mark Schröppel hatte für die Festivalreihe 2026 bis 2028 ein klares Konzept formuliert: Das Brechtfestival soll ein aktiver Gegenpol zu gesellschaftlichen Spaltungsprozessen sein, für inklusive Themen und marginalisierte Perspektiven sensibilisieren und die Potenziale des Zusammenkommens unterschiedlichster Menschen ausschöpfen. »Aus unserer Sicht hat sich das Festival mit seinen unterschiedlichen Spielorten und dem Festivalzentrum in Rathausnähe in einen quirligen und äußerst vielfältigen Taubenschlag verwandelt. Was wir erlebt haben, kommt dem von uns Erhofften absolut nahe.« Besonders freue die beiden Kuartoren die Offenheit und die Wärme, die das Augsburger Publikums allen Formaten entgegengebracht habe. »Das positive Feedback unserer Besucherinnen und Besucher verstehen wir als Auftrag, den bisher eingeschlagenen Weg fortzuführen und gemeinsam weiter auszubauen«.

ALLE – Ein Prozess von vielen für viele

Am letzten Tag bot die Veranstaltung ALLE reden die Möglichkeit, Lob, Kritik und Ideen für die nächste Ausgabe 2027 zu äußern und sich mit der Festivalleitung auszutauschen. »Für uns war und ist ALLE ein Angebot und eine Investition in die Zukunft. Ein Prozess von vielen für viele«, erklären Rahimi und Schröppel.

Das Brechtfestival 2026 schloss am Sonntagabend mit tosendem Applaus und stehenden Ovationen in der ausverkauften Bühne des Staatstheaters im martini-Park mit dem Gastspiel Unser Deutschlandmärchen des Maxim Gorki Theater Berlin nach dem Roman von Dinçer Güçyeter in einer Bearbeitung von Hakan Savaş Mican. Das nächste Brechtfestival findet vom 19. bis 28. Februar 2027 statt. pm • auxlit

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