Gastbeitrag ★ 2025 feierte die Goethe Gesellschaft Augsburg ihr 20-jähriges Jubiläum – Grund genug für den 1. Vorsitz Dr. Ulrich Hohoff, für auxlitera Goethes Beziehungen zu Augsburg zu beleuchten.
Auf seinen Reisen hat Goethe auch Augsburg besucht, und zwar zweimal im Jahr 1790. Herzog Carl August von Sachsen-Weimar hatte seinen Minister damals beauftragt, die Herzoginmutter Anna Amalia in Venedig abzuholen und sie nach Weimar zu begleiten. Auf der Hinreise wohnte Goethe im März zwei Nächte im Gasthof zum Weißen Lamm (heute Ludwigstr. 2). Er besuchte die Totenfeier für den verstorbenen Kaiser Franz Joseph II. im Augsburger Dom. Im Stadtarchiv Augsburg liegen seine schwer entzifferbaren Notizen mit Eindrücken von dieser Feier und von der damaligen Freie Reichsstadt Augsburg.
Sie enden mit einem Lob: »Ich werde noch einige Tage in Augsburg bleiben, denn es kommt mir hier der Wohlgeruch der Freyheit, das heißt der größten Constitutionellen Eingeschräncktheit entgehen.« Dieser Widerspruch ist aus den Zeitumständen erklärbar. Goethe hatte die Französische Revolution von 1789 nicht begrüßt, denn er setzte sich in der Politik für ein stetiges Wachstum ohne Umbrüche ein. Das Lob der Augsburger Freiheit bezieht sich auf die patrizische Verfassung der Reichsstadt, welche der Freiheit des Einzelnen wirksam Grenzen setzte.

Goethe macht es sich vor dem Augsburger Rathaus des 21. Jhs bequem. • Montage: Adam Bernau
Drei Monate später kam Goethe – diesmal in Begleitung der Herzoginmutter – erneut durch Augsburg. Er wohnte zwei Nächte im Gasthof Zu den drei Mohren (heute Hotel Maximilian). Bei Besuchen und Gängen durch die Stadt kam er z. B. bei der Gaststätte Bauerntanz vorbei. Deren Fassade zierten damals große Fresken von Johann Evangelist Holzer, von denen das Gasthaus seinen Namen hat. Die tanzenden Bauern beeindruckten den Dichter und er notierte sich: »die Fröhlichkeit und Freyheit vergleicht sich mit nichts«. In diesen Wochen arbeitete Goethe an der später berühmt-berüchtigten Gedichtsammlung Venezianische Epigramme. Ihre Gedichte las er zu Lebzeiten nie vor und ließ sie auch nicht drucken.

Die Stadt Augsburg kommt nur in einem publizierten Werk von Goethe vor: in seinem frühen Erfolgsdrama Götz von Berlichingen (1773), das in den Jahren um 1520 spielt. Der Schauplatz der Eröffnungsszene zum dritten Akt ist »Augsburg. Ein Garten«. Dieser liegt oberhalb einer langen Straße, die der Kaiser heraufkommt. Kaufleute auf Nürnberg warten auf ihn, um sich über den Ritter Götz zu beschweren. In dem Kaiser, der bei Goethe keinen Namen trägt, kann man Kaiser Maximilian I. erkennen; der Garten dürfte zu einem der großen Patrizierhäuser gehört haben.
In dieser Szene geht der Kaiser, wohl vom Ort des Reichstags, dem alten Augsburger Rathaus, kommend, über früheren Weinmarkt (heute Maximilianstr.) zu dem Garten. Der Ritter Götz wird in dieser Szene beim Kaiser als Anführer im Bauernkrieg verleumdet, was er zu diesem Zeitpunkt nicht ist. Der echte Götz wurde übrigens, was Goethe im Drama nicht verwendete, als Gefangener des Schwäbischen Bundes eineinhalb Jahre in einem früheren Stadttor an der Frauentorstraße inhaftiert. Kaiser Maximilian hat den Dichter aber durchaus beeindruckt. Das zeigt sich daran, dass er für die erste, ungedruckte Fassung des Götz eine zusätzliche Szene schrieb, die ebenfalls am Augsburger Reichstag spielt. Darin streitet Kaiser Maximilian mit den Reichsfürsten um die Finanzierung eines von ihm geplanten Kreuzzugs, den sie ablehnen.
Faust fast in Augsburg
Zum Thema »Augsburg bei Goethe« ist interessant, dass der Dichter eine Zeitlang den Plan hatte, die Szenen zu Beginn von Faust. Zweiter Teil nicht in der Kaiserpfalz, sondern in Augsburg spielen zu lassen. Es ist jene Szenerie, in der Mephisto das Papiergeld erfindet; sie hätte gut in die Fuggerstadt gepasst. In Goethes Entwurfsmanuskript werden Faust und Mephisto zum Reichstag nach Augsburg gerufen und fliegen mit einem Zaubermantel in die Stadt. Bei ihrer Ankunft keimt im Kaiser der Wunsch auf, sich den Zaubermantel einmal auszuleihen.


Links: Goethe, Ölgemälde von Georg Oswald May, 1779 • Rechts: Pius Alexander Wolff • Bilder: public domain
Unter Goethes Kontakten zu Persönlichkeiten aus Augsburg wurde die Begegnung mit einem Schauspieler wichtig. Pius Alexander Wolff (1787-1828, siehe Bild oben rechts), ein Sohn des Augsburger Verlagsbuchhändlers Wolff, kam mit einem Freund nach Weimar, um Schauspieler am Hoftheater zu werden, das Goethe leitete. Er bildete die beiden längere Zeit persönlich zu Schauspielern aus und versicherte der Mutter in Augsburg brieflich, das sei ein seriöser Beruf.
Der Schauspieler und seine Frau waren dann viele Jahre in Weimar und in Berlin aktiv, auch in Aufführungen von Goethes Dramen. Goethes Sekretär publizierte die Unterlagen des Schauspielunterrichts später unter dem Titel Regeln für Schauspieler. Es war ein Augsburger Dichter, nämlich Bertolt Brecht, der sich im 20. Jahrhundert auf sie bezog und sie Beleg für das klassische Nachahmungstheater vehement ablehnte. Aus dieser Gegenposition heraus hat Brecht dann seine Dramaturgie des epischen Theaters entwickelt. ~ Dr. Ulrich Hohoff
Ein Gastbeitrag von Dr. ULRICH HOHOFF. Hohoff ist 1. Vorsitz der ➽ Goethe Gesellschaft Augsburg e.V. Die Gesellschaft wurde im Jahre 2005 gegründet und feierte heuer 20-jähriges Jubiläum. Die Goethe Gesellschaft Augsburg ist eine der rund 50 selbstständigen deutschen Ortsvereinigungen innerhalb der international tätigen ➽ Goethe-Gesellschaft im Weimar e.V. mit rund 2.400 Mitgliedern. Die Augsburger Gesellschaft organisiert Veranstaltungen, Vortragsabende und Lesungen sowie Exkursionen.

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