»Wer Bücher verbrennt.«

Mehrere Veranstaltungen gedenken des 90. Jahrestags der Buchverbrennung am 10. Mai 1933. Am Mittwoch, 10. Mai, liest Uwe Wittstock im Brechthaus aus »Februar 33«, die Unibibliothek lädt zu einer Buchpräsentation mit Ausstellung. Am Freitag, 12. Mai, findet am Martin-Luther-Platz eine öffentliche Lesung aus Büchern einst verfemter Autoren/-innen statt.

Vor 90 Jahren zerstörten die Nazis die erste Demokratie in Deutschland. Sie benötigten dafür nur die vier Wochen zwischen Hitlers Vereidigung als Reichskanzler am 30. Januar 1933 und dem Reichstagsbrand in der Nacht des 27. Februar 1933. Mit den Notverordnungen, die sie am Tag danach in Kraft setzten, schafften sie alle wesentlichen Grundrechte ab und verwandelten das Land in eine Diktatur. Bereits eine Woche später, Anfang März, kam es in verschiedenen Städten Deutschlands zu den ersten spontanen Bücherverbrennungen. Sie zeigen, mit welcher instinktiven Intoleranz sich die Nationalsozialisten gegen jede Meinungs- und Kunstfreiheit wandten. Zwei Monate später, am 10. Mai 1933, organisierte die Deutsche Studentenschaft die landesweite Bücherverbrennung in zwanzig deutschen Universitätsstädten.

Drei Veranstaltungen erinnern:
• Lesung Uwe Wittstock,
• »What Was Left« und
• »Entwürdigt, verboten, verbrannt«

Uwe Wittstock beschreibt diese Zeit hautnah aus der Perspektive der verfolgten Schriftsteller. Die Süddeutsche Zeitung nannte Februar 33 ein »aufrüttelndes und ergreifendes Buch«, Elke Heidenreich bezeichnete es als »eine Art Roman von Vergeblichkeit und Würde« und die FAZ resümierte: »Dieses Buch ist ein großer Wurf«.

Am Mittwoch, 10. Mai (19 Uhr), ist Dr. Uwe Wittstock im Brechthaus zu Gast. Im Rahmen der Veranstaltung Ein Land in Flammen – Vom Reichstagsbrand zu Bücherverbrennung präsentiert er sein Buch Februar 33. Mit Jürgen K. Enninger, Stadt Augsburg, Referent für Kultur, Welterbe und Sport (Grußwort) und Prof. Dr. Prof. h.c. Jürgen Hillesheim (Einführung).
Eine Veranstaltung der Brecht-Forschungsstätte Augsburg.
Eintritt frei.
Eine telefonische Anmeldung erforderlich: 📞 0821. 4540815

Uwe Wittstock war jeweils zehn Jahre Literaturredakteur der FAZ, Lektor im S. Fischer Verlag, Kulturredakteur der Welt und danach bis 2017 Literaturchef des Nachrichtenmagazins Focus. Seither ist er freier Schriftsteller. Er wurde mit dem Theodor-Wolff-Preis für Journalismus ausgezeichnet. 2015 erschien seine Biographie Marcel Reich-Ranicki, 2018 seine Biografie Karl Marx beim Barbier und 2021 sein Buch Februar 33, das von den ersten sechs Wochen von Hitlers Herrschaft aus der Perspektive von Schriftstellern und Intellektuellen erzählt. Es stand lange auf der Beststellerliste des Spiegel und wurde in sieben Sprachen übersetzt.

Kunst- und Erinnerungsprojekt »What Was Left«

Auch die Unibibliothek Augsburg lädt zu einer Gedenkveranstaltung ein. Die Hamburger Künstlerinnen Nurgül Dursun und Eda Aslan fragten: Welche Spuren haben frühere Besitzer/-innen und Leser/-innen in den 1933-1945 verfemten Büchern der Augsburger Bibliothek der verbrannten Bücher – Sammlung Georg Salzmann hinterlassen? Was verraten uns Anstreichungen, Notizen oder vergessene Objekte darüber, wie diese Werke gelesen wurden? Ihr Buch What Was Left dokumentiert hunderte Fundstücke und Lesespuren, führt sie in ihrer Vielseitigkeit an einem Ort zusammen und wird so selbst Teil der Sammlung.

Foto: Kiki Park
Foto: Simone Scardovelli

Am Mittwoch, 10. Mai, 16 Uhr, können Besucher/#innen in der Teilbibliothek Geisteswissenschaften nahe dem Leseraum Salzmann (Ebene 4) der Universitätsbibliothek Augsburg [► Gebäude D (orangefarben) auf der abgebildeten Karte] mehr über das Kunst- und Erinnerungsprojekt What Was Left erfahren: Blättern Sie durch das Sammlungsbuch und sehen Sie in Vitrinen ausgewählte Fundstücke. Eine Lesung aus Werken der Sammlung rundet die Veranstaltung ab. Eintritt frei.

Grafik: (c) Universität Augsburg


► Die Veranstaltung findet im Gebäude D der Unibibliothek (auf der Karte orange markiert) statt.

► Vom 21. Juni bis 14. Juli 2023 wird die Ausstellung zudem in der Gesamtschau Bücher. Namen. Orte. 1933 zu sehen sein (Zentralbibliothek).

Lesung: Verfemten Autoren/-innen eine Stimme geben

Am Freitag, 12. Mai, findet um 13 Uhr auf dem Martin-Luther-Platz in Augsburg eine öffentliche Lesung von Texten von im Nazi-Regime verfemten Autorinnen und Autoren statt. Veranstalter ist die Augsburger Kreisvereinigung der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e. V. (VVNBdA). Musikalische Begleitung: Ludwig Rucker und Schüler/-innen des Gymnasiums bei St. Stephan.
Bei schlechtem Wetter findet die Veranstaltung im Moritzsaal (Moritzplatz 5) statt.
Eintritt frei.


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