Kulturmuster & Ornament

Der Friedberger Architekt, Künstler und Dozent Thomas Weil legt ein neues Standardwerk zum Ornament in Kunst, Dekor und Ästhetischer Kultur vor.

Ornamente sind allgegenwärtig – es gibt sie auf Bauwerken, Stoffen, Schmuck, Kacheln, Keramik und Tapeten. Zu Beginn der Moderne verpönt, ist das Ornament heute längst in die Architektur zurückgekehrt und beeinflusst Designentwürfe ebenso wie Tattoo-Motive. In New Grammar of Ornament (erschienen im Züricher Verlag Lars Müller Publishers) vergleicht Thomas Weil erstmals aktuelle ornamentale Objekte mit den Ergebnissen archäologischer Forschung zu ornamentalen Artefakten und schliesst auf das Vorhandensein einer anthropologischen Konstante.

Aus den wiederkehrenden Anordnungen von Streifen, Rechtecken, Dreiecken und Punkten und der Häufigkeit der verwendeten Formen floraler Ornamente leitet er eine neue Grammatik des Ornaments ab. Mehr als 160 Jahre nach Owen Jones’ Schrift Grammar of Ornament liegt so mit New Grammar of Ornament ein neues Standardwerk vor. Es kategorisiert und systematisiert die Vielfalt der weltweit verwendeten Ornamentformen und stellt sie erstmals in einen grossen kunst- und kulturhistorischen Zusammenhang.

Thomas Weil (*1944) studierte Architektur an der TU München und konzentrierte sich früh auf Innendesign und Gestaltung. Seit 1974 widmet er sich dem Thema Ornament in Kunst, Design und Architektur. Als Künstler band der das Thema in zahlreiche Gemälde und Fassadenarbeiten ein. Zusammen mit der Galeristin Claudia Weil gründete er die Ateliergemeinschaft Ornamentconcepts in Friedberg-Rinnental. Weil hält weltweit Vorlesungen zum Thema Ornament, er lehrt an an der Münchner Akademie für Gestaltung und Design im Fach Ornament.

So klar in Schwarzweiß der Band mit seinem Cover auftritt, so farben- und ornamentfroh wird es innen. Der Band ist in englischer Sprache verfasst, die Unzahl an Bilddokumenten macht das Buch aber auch dann lohnend, wenn man die Texte ausblendet. Derer sind es im Wesentlichen drei kurze, aber gehaltvolle Vorworte, die hilfreich in das Thema und die folgenden Bilderwelten einführen: Der Autor selbst zeichnet das geometrische Ornament als ursprüngliche Sprache der Kunst nach, Manuel Will (Uni Tübingen) untersucht die Anfänge des Ornaments archäologiegeschichtlich und Heinz Schütz kontextualisiert das Phänomen in Abgleich zu Dekor, Muster und Kunst.

Abbildungen aus: Thomas Weil, New Grammar of Ornament, Lars Müller Publishers 2021

Das 336-seitige Buch teilt Welt und Geschichte des Ornaments in drei Kategorien auf: Minimal, Geografisch und Floral. Die ersten zwei unterliegen u.a. Unterkategorien wie gepunktet, in Streifen oder in Flächen gefasst, bei Floral geschieht die Zuordnung über Blättrigkeitszahl oder zum Beispiel grafischer Elemente wie Blüten oder Früchte. Die Abbildungen sind farbig, manche wirken wie moderne abstrakte Kunst, andere wieder wie Konkrete Poesie, dekorative Stoffmuster oder schicke Höhlenmalerei. Die Abbildunge oszillieren zwischen den Polen Kunst und Dekor, zwischen Vergangenheit und Jetztzeit. [pm | martyn schmidt | auxlit]

Thomas Weil geboren 1944 in Garmisch ist Sohn des Kunstmalers Ernst Weil und der Bildhauerin Annemarie Adam aus der Münchner Malerfamilie Adam sowie Adoptivsohn der Künstlerin Marie Luise Heller. Nach dem Abitur 1964 studierte er Architektur an der TU München und machte 1970 Diplom. Er war Assistent von Prof. A. Schmoll gen Eisenwerth und Meisterschüler von Prof. G. Weber. Von 1976 bis 1996 hatte er ein eigenes Büro in München, arbeitete am Olympischen Dorf München, dem Ismailii Center in London und an der neuen Stadt Shustar in Persien. Er hatte Freundschaft zu Hassan Fathy und Louis Khan. Thomas unternahm Forschungsreisen nach Persien, Ägypten, Saudiarabien, islamisches Spanien und in die Türkei. Bis 1988 lag sein Schwerpunkt auf Komplettausstattungen von Innenräumen mit Stoff- und Teppichentwürfen, Mobiliar und Beleuchtung. Ab 1988 legte er seinen Schwerpunkt auf Design und seit 1996 auf das Thema Ornament. Er gründete die Ateliergemeinschaft Ornamentconcepts mit Claudia Weil in Friedberg/Rinnenthal.

www.thomasweil.de


Thomas Weil: New Grammar of Ornament
Mit Beiträgen von Heinz Schütz und Manuel Will
– English / in englischer Sprache –
Paperback, 336 Seiten, 386 Illustrationen
Design: Boah Kim
17 × 24 cm
Lars Müller Publishers 2021
ISBN 978-3-03778-653-6

Martin Schmidt
Author: Martin Schmidt

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