Paul Bowles – schillernde Ikone der Beat-Literatur

Buchpremiere bei der Literaturwoche Donau: Szenische Lesung am Theater Ulm feiert Erstveröffentlichung von Paul Bowles‘ »The Garden / Der Garten«. Termin: Donnerstag, 14. Juli.

Florian Vetsch.

1963 schrieb Paul Bowles (1910-1999) im malerischen Städtchen Asilah an der Atlantikküste von Marokko die Short Story The Garden. Als Theaterstück wurde The Garden in Tanger im Palais du Marshan am 28. und 29. April 1967 uraufgeführt – aber es wurde nie veröffentlicht. Nun liegt diese Veröffentlichung in einer wunderschönen Prachtausgabe (Bilgerverlag, 2022) vor — und die Literaturwoche Donau in Kooperation mit Dramaturg Christian Katzschmann wagt im Theater Ulm die szenische Lesung. Rachid_B von der Gruppe sirius weltmusik an Gitarre, Mandoline und Gesang in Begleitung von Silvio Herrera (Percussion) und Salvo la Ferrera aus Sizilien (Akkordeon) werden diesen Abend mit eigenen Kompositionen musikalisch untermalen. Herausgeber Florian Vetsch (siehe Bild) und Publizist Boris Kerenski, beide Tanger- und Bowles-Spezialisten, unterhalten sich über die einmalige, schillernde Beat-Literatur-Ikone Paul Bowles.

Im Dezember 1966 hatte Joseph McPhillips, der Rektor der Amerikanischen Schule von Tanger, Bowles um eine Dramatisierung dieses Stoffs gebeten; McPhillips inszenierte unter Mitwirkung professioneller Kunstschaffender während vieler Jahre Theaterstücke für seine Studentinnen und Studenten. Paul Bowles befand sich zu dem Zeitpunkt in Thailand und war auf dem Sprung zur Heimkehr. Deshalb schrieb er auf dem Rückweg nach Tanger auf hoher See die Szenen des Bühnenstücks „The Garden“ und sandte sie an McPhillips, der unverzüglich mit den Proben begann. Die szenische Lesung auf dem Balkon des Theaters Ulm holt nun im Jahr 2022 für die Literaturwoche Donau den Stoff auf eine (Lese-)Bühne, der Prachtband im Bilgerverlag tut sein Übriges.

Schwarzmagisches Gift in der Wüste

Bilgerverlag, 2022.

Die Handlung: Ein kleines Dorf am Rand einer Oase in der Sahara. Ein Mann arbeitet still und zufrieden in seinem der Wüste mittels Wassergräben abgerungenen Garten und bewundert oft bis nach Sonnenuntergang dessen Schönheit. Seine Frau vermutet, dass er einen Schatz in seinem Garten vergraben habe. Um ihn gesprächig zu machen, wendet sie sich an eine Hexe, die ihr ein schwarzmagisches Gift für ihren Gatten mitgibt. Die Frau verabreicht diesem aber eine Überdosis. Im Glauben, ihn getötet zu haben, verlässt die Frau das Dorf und flieht zu ihrer Familie. Doch das Gift hat den Mann lediglich in einen komatösen Zustand versetzt, aus dem er wieder erwacht; das Gift hat ihn aber das Gedächtnis gekostet. Als der Imam den wieder zu Kräften Gekommenen in seinem Garten besucht und ihn ermahnt, freitags in die Moschee zu kommen und Allah für seinen Garten zu danken, versteht der Mann nicht, worum es geht. Alsbald geht das Gerücht um, er habe seine Frau umgebracht, in Stücke zerlegt und in seinem Garten vergraben. Aus dieser Konstellation entwickelt sich für den ahnungslosen Mann eine tödliche Spirale.

Die Veranstaltung findet am Donnerstag, 14. Juli, im Theater Ulm (Balkon) statt. Beginn: 19:30 Uhr. Eintritt: 15 Euro, Tickets: Aegis Buchhandlungen Ulm, info@aegis-literatur.de


• Das gesamte Programm der Literaturwoche Donau finden Sie hier (auxlitera) und auf www.literatursalon.net