Eine Lesung zu einem historischen Jubiläum: Das Autorenduo Uschi & Klaus Pfaffeneder liest am Freitag, 6.11., in Augsburg aus seinem fesselnden Roman, der im Milieu der Täuferbewegung spielt. Vor 500 Jahren wurde die heutige Friedensstadt Augsburg eine Hochburg der als Friedenskirche geltenden Täuferbewegung. Der Roman »Die Schwester des Ketzers – Propheten der Apokalypse« blickt auf jene Zeit. Mehr zur Lesung in Augsburg und ein Feature zum Thema: Warum wurde gerade Augsburg zu einem Zentrum der Täuferbewegung? Ein Blick auf eine Stadt zwischen Reformation, wirtschaftlichem Reichtum und bitterer Armut.
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2026 jährt sich die Gründung der Augsburger Täufergemeinde, einer der bedeutenden Friedenskirchen, zum 500. Mal. Anlässlich dieses historischen Jubiläums entführt in der Stadtbibliothek Augsburg am Freitag, 6. November (19 Uhr, S-Forum) das Autorenpaar Uschi und Klaus Pfaffeneder mit einer Lesung aus seinem Roman 🛒 Die Schwester des Ketzers – Propheten der Apokalypse Anzeige in die Anfangszeit der Täufer. Die Geschichte spielt 1527/28 vor allem im historischen Augsburg: Eine turbulente Zeit großer Umbrüche, wo die Religion trennt, aber die Liebe verbindet… Die Lesung wird musikalisch umrahmt durch den Barden Erik von der Landespurch mit virtuosem Lautenspiel. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.
➽ Mehr zum historischen Hintergrund des Romans lesen Sie unten in einem ausführlichen Feature.
DAS BUCH ZUR LESUNG
Uschi und Klaus Paffeneder:
Die Schwester des Ketzers – Propheten der Apokalypse
Liccaratur Verlag
Im Jahr 1527 hallen Luthers Thesen immer noch wie Donnergrollen durchs Land, und der Bauernkrieg hat weite Teile Süddeutschlands verwüstet. Inmitten dieses Chaos’ kämpfen Anna Schuster und Lenz Kirchperger ums Überleben, gejagt von den Häschern des bairischen Herzogs und als Ketzer gebrandmarkt.
Ihre Flucht führt sie in die Reichsstadt Memmingen, wo sie auf ein neues Leben hoffen. Doch die dunklen Schatten ihrer Vergangenheit holen sie ein und zwingen Anna, nach Augsburg zurückzukehren, wo sie erneut in den Bann der Täuferbewegung gerät. Da die Stadt einem Pulverfass gleicht, ist der Stadtrat fest entschlossen, die Täufer ein für alle Mal zu vernichten. Anna schwebt in höchster Gefahr, und Lenz sieht nur einen Ausweg: Er muss alles aufs Spiel setzen, um die Frau zu retten, die er liebt.
Die Schwester des Ketzers entführt in eine Welt voller Intrigen, Liebe und verhängnisvoller Geheimnisse. Finden Anna und Lenz ihre Freiheit oder verlieren sie sich in den Wirren der Geschichte? Eine packende Reise in eine Zeit des fundamentalen Umbruchs erwartet die Lesenden.
Erhältlich als:
📖 Buch • eBook [ePUB)
Liccaratur Verlag • Oktober 2024
Softcover, 540 Seiten
Preis: 17.90 € (Print)
EAN: 9783944810133

Der historische Hintergrund zum Roman:
Die Zeit der Täufer in Augsburg
Vor 500 Jahren wurde Augsburg zu einem Zentrum der Täuferbewegung. In einer Stadt zwischen Reformation, wirtschaftlicher Blüte und bitterer Armut fanden radikale religiöse Ideen einen fruchtbaren Boden. Für viele Menschen verbanden die Täufer die Hoffnung auf Erlösung mit dem Versprechen einer gerechteren Welt.
Augsburg im Jahr 1526: Die Reichsstadt gehört zu den bedeutendsten Städten Europas. Kaufleute handeln mit Waren aus aller Welt, große Familien wie die Fugger oder Rehlinger verfügen über gewaltige Vermögen. In den prächtigen Häusern der Oberschicht lässt sich der wirtschaftliche Aufstieg der Stadt besichtigen. Doch nur wenige Straßen weiter sieht das Leben völlig anders aus. Tausende Handwerker und Tagelöhner kämpfen um ihre Existenz. Besonders die Weber leiden unter niedrigen Löhnen, steigenden Preisen und unsicheren Arbeitsverhältnissen. Die soziale Schere ist gewaltig: Hier der Luxus der reichen Handelsfamilien, dort Menschen, die kaum genug verdienen, um sich Lebensmittel und ein Bett leisten zu können. In diese Welt fällt die Botschaft der Täufer.
Eine Stadt, die Andersdenkende anzog
Dass sich die Täufer ausgerechnet in Augsburg so stark ausbreiten konnten, ist kein Zufall. Die Stadt besaß im frühen 16. Jahrhundert eine besondere Anziehungskraft auf Menschen, die nach religiösen und gesellschaftlichen Alternativen suchten. Augsburg war eine der größten und wirtschaftlich bedeutendsten Städte des Heiligen Römischen Reiches – und zugleich ein Ort, an dem unterschiedliche religiöse Strömungen aufeinandertrafen. Als Martin Luther 1518 nach Augsburg zitiert wurde, bereiteten ihm Teile der Bürgerschaft einen triumphalen Empfang. Auch die Ideen anderer Reformatoren, darunter Huldrych Zwingli und Martin Bucer, fanden Anhänger. Die Reformation war in Augsburg also längst keine abstrakte Angelegenheit mehr. Sie wurde auf den Straßen, in Werkstätten und Kirchen diskutiert. Doch die Täufer gingen noch einen Schritt weiter. Sie lehnten nicht nur bestimmte Lehren und Praktiken der alten (katholischen) Kirche ab. Sie stellten
auch die Vorstellung infrage, dass die Taufe eines Kindes automatisch den Eintritt in die christliche Gemeinschaft bedeute. Getauft werden sollte nach ihrer Überzeugung nur, wer sich bewusst für den Glauben entschied. Daher die Bezeichnung „Täufer“. Das war aus Sicht der Obrigkeit weitaus mehr, als nur eine theologische Meinungsverschiedenheit.
Die Reformation bekommt einen radikalen Flügel
Die Täuferbewegung verband religiöse Überzeugungen mit einer Vorstellung von christlicher Gemeinschaft, die für viele Menschen angesichts ihrer Lebenswirklichkeit höchst attraktiv gewesen sein muss. Gleichheit, gegenseitige Hilfe und ein Leben nach den Geboten der Bibel standen im Mittelpunkt. Die Vorstellung einer Gemeinschaft, in der Besitz und soziale Unterschiede weniger Bedeutung haben sollten, konnte gerade in einer Stadt mit extremen Wohlstandsunterschieden eine enorme Sprengkraft entwickeln. Man könnte die Täufer deshalb – mit aller Vorsicht gegenüber modernen politischen Begriffen – als einen besonders radikalen sozialen Flügel der Reformation beschreiben. Denn während die wohlhabenden Augsburger Kaufleute von der wirtschaftlichen Dynamik der Stadt profitierten, erlebten viele Handwerker und Arbeiter die gleiche Entwicklung als Bedrohung.
Zwischen Fuggern und Webern
Die wirtschaftliche Blüte Augsburgs hatte eine Kehrseite. Der Fernhandel und die Finanzgeschäfte machten Familien wie die Fugger zu europäischen Machtfaktoren. Gleichzeitig verschärften Preissteigerungen und wirtschaftliche Veränderungen den Druck auf die unteren Bevölkerungsschichten. Gerade die Weber standen unter enormem Druck. Mehr als 2.000 Weber soll es in Augsburg gegeben haben. Viele lebten unter prekären Bedingungen und waren von den Aufträgen großer Handelshäuser abhängig. Die soziale Ungleichheit war damit nicht nur sichtbar – sie bestimmte den Alltag. Wer morgens nicht wusste, ob er am Abend genug Geld für Brot hatte, musste religiöse Versprechen anders wahrnehmen als jemand, der in einem prächtigen Kaufmannshaus lebte. Für manche Menschen konnten die Täufer deshalb eine Antwort auf zwei Krisen zugleich bieten: auf die religiöse Unsicherheit der Reformationszeit und auf die soziale Not.
Die Schatten des Bauernkrieges
Hinzu kam ein Ereignis, dessen Folgen 1526 noch unmittelbar zu spüren waren: der Bauernkrieg. 1525 hatten sich Bauern und Teile der ländlichen Bevölkerung gegen ihre Herren erhoben. Sie forderten unter anderem wirtschaftliche und rechtliche Veränderungen und beriefen sich dabei teilweise auf das Evangelium. Der Aufstand wurde blutig niedergeschlagen. Für die Überlebenden bedeutete die Niederlage nicht einfach das Ende eines Aufstands. Viele verloren Angehörige, Besitz und ihre wirtschaftliche Grundlage. Familien blieben traumatisiert zurück.
Gerade in dieser Situation konnten radikale religiöse Bewegungen auf besonders empfängliche Menschen treffen. Die Täufer versprachen keine politische Revolution im herkömmlichen Sinn. Aber ihre Botschaft von Gerechtigkeit, Gleichheit und Erlösung konnte für Menschen, die gerade erlebt hatten, wie eine bestehende Ordnung ihre Hoffnungen brutal zerstört hatte, eine neue Perspektive eröffnen. Die Niederlage des Bauernkriegs hinterließ damit einen Resonanzraum, in dem sich religiöse und soziale Enttäuschung verbinden konnten.

Vom Lechrain nach Augsburg – und zurück
Die Ideen blieben dabei nicht auf die Stadt beschränkt. Zwischen Augsburg und den umliegenden Dörfern bestanden enge wirtschaftliche Verbindungen. Gerade im Lechrain waren viele Kleinbauern nicht ausschließlich in der Landwirtschaft tätig. Sie arbeiteten zusätzlich als Weber und lieferten ihre Produkte an große Augsburger Kaufmannsfamilien. Auch Handwerker suchten in der Stadt nach Arbeit und Verdienst. Damit entstand ein dichtes Netz aus Menschen, Waren und Informationen. Wer zum Arbeiten nach Augsburg kam, brachte nicht nur Geld oder Arbeit mit nach Hause. Er brachte auch Geschichten, Nachrichten und neue Ideen mit. So konnten die Lehren der Täufer aus der Reichsstadt in die Dörfer des Lechrains gelangen. Die wirtschaftliche Abhängigkeit, die viele Menschen mit Augsburg verband, wurde damit zugleich zu einem Kanal für die Verbreitung religiöser Vorstellungen.
Eine Bewegung, für die Menschen ihr Leben riskierten
Die Faszination der Täufer lässt sich allerdings nicht allein mit Armut erklären. Das wäre zu einfach. Viele Menschen schlossen sich dieser Bewegung an, obwohl sie wussten, dass ihnen dafür Gefängnis, Folter oder sogar die Hinrichtung drohen konnte. Die Obrigkeit betrachtete die Täufer als gefährlich – nicht zuletzt, weil ihre Vorstellungen von Taufe und christlicher Gemeinschaft die bestehende religiöse und gesellschaftliche Ordnung infrage stellten. In Augsburg wurden Täufer schließlich verfolgt und vor Gericht gestellt. Wer sich nicht von seinem Glauben lossagte, riskierte sein Leben.
Gerade darin liegt eine der faszinierendsten Fragen dieser Epoche: Was bringt Menschen dazu, für eine Überzeugung alles aufzugeben – Eigentum, Familie, Freiheit und schließlich das eigene Leben? Eine Antwort darauf findet sich in den überlieferten Biografien.
Susanna Daucher: Ein seltenes Fenster in die Vergangenheit
Eine der wenigen Täuferinnen Augsburgs, deren Lebensgeschichte vergleichsweise gut dokumentiert ist, war Susanna Daucher. Sie lebte tatsächlich im Augsburger Lechviertel. Ihr Schicksal lässt sich anhand von Ratsprotokollen nachvollziehen. Bei vielen anderen Menschen, die wegen ihres Täuferglaubens verfolgt wurden, ist die Quellenlage dagegen erschütternd knapp. Manchmal kennen wir nur einen Namen, die Herkunft oder den Beruf. Dazu kommen das Urteil und gelegentlich die Kosten, die für die Bestrafung des Betroffenen anfielen.
Aus Menschen werden in solchen Dokumenten beinahe Aktennummern. Doch hinter jedem dieser Namen stand ein Leben. Eine Familie. Ein Beruf. Hoffnungen. Ängste. Freundschaften. Und irgendwann die Entscheidung, ob man den eigenen Glauben widerrufen oder an ihm festhalten wollte. Gerade deshalb versucht die historische Auseinandersetzung mit der Täuferbewegung, diesen Menschen wieder eine Stimme zu geben.
Warum Augsburg 1526?
Augsburg war 1526 ein besonderer Ort, weil hier mehrere Entwicklungen zusammentrafen: die religiöse Umwälzung der Reformation, die enorme wirtschaftliche Bedeutung der Stadt, wachsende soziale Gegensätze und die Nachwirkungen des Bauernkriegs. Die Stadt war reich – aber dieser Reichtum war höchst ungleich verteilt. Sie war offen für neue Ideen – aber zugleich bereit, radikale Abweichler mit aller Härte zu verfolgen. Und sie war eng mit ihrem Umland verbunden – sodass religiöse Ideen über Handels- und Arbeitsbeziehungen weit über die Stadtmauern hinaus gelangen konnten. Gerade diese Widersprüche machten Augsburg zu einem wichtigen Schauplatz der frühen Täuferbewegung.
Ein Jubiläum mit aktueller Frage
500 Jahre später lohnt deshalb ein Blick auf die Täufer nicht nur aus religiösem oder
kirchengeschichtlichem Interesse. Ihre Geschichte stellt eine zeitlose Frage: Was geschieht, wenn Menschen das Gefühl bekommen, dass die bestehende Ordnung ihnen weder Gerechtigkeit noch Hoffnung bietet? Die Täufer gaben darauf eine radikale Antwort. Sie wollten ihren Glauben nicht nur predigen, sondern ihr gesamtes Leben danach ausrichten. Für manche bedeutete das eine Gemeinschaft, in der soziale Unterschiede weniger zählen sollten. Für andere war es vor allem die Hoffnung auf Erlösung und ein Leben nach den eigenen religiösen Überzeugungen.
Dass diese Ideen gerade in Augsburg auf so fruchtbaren Boden fielen, hatte viel mit der Stadt selbst zu tun. Zwischen den prächtigen Häusern der Fugger und den engen Wohnungen der Weber, zwischen den Werkstätten der Handwerker und den Handelswegen ins Umland, zwischen Reformation und Verfolgung entstand eine religiöse Bewegung, die für einige wenige Jahre zu einer der radikalsten Herausforderungen der damaligen Gesellschaft wurde. Und so erzählt die Geschichte der Täufer auch die Geschichte Augsburgs im 16. Jahrhundert: von einer Stadt, die reich an Geld, Ideen und Gegensätzen war – und von Menschen, die inmitten dieser Gegensätze nach einer anderen Welt suchten. ⟴ pm • liccaratur verlag • auxlit
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