Franz Kafka persönlich begegnen, mit ihm sprechen – und dabei Teil eines ungewöhnlichen Experiments zwischen Literatur, Theater und Künstlicher Intelligenz werden: Mit »Kafka/Ich« feiert am 29. Oktober eine neue immersive Rauminstallation des Staatstheater Augsburg beim lab.30 Medienkunstfestival Premiere. ★ mit Trailer
Was wäre, wenn Franz Kafka heute noch einmal zu Wort kommen könnte? Und was, wenn er dabei ein ganz bestimmtes Anliegen hätte? Mit »Kafka/Ich« präsentiert das Staatstheater Augsburg eine immersive Rauminstallation, in der Literatur, Medienkunst und generative Künstliche Intelligenz aufeinandertreffen. Im Zentrum steht ein digital zum Leben erweckter Franz Kafka, der mit den Besuchenden in einen persönlichen Dialog tritt – und sie für die Erfüllung seines letzten Willens gewinnen möchte. Die Premiere findet am Donnerstag, 29. Oktober 2026, um 19 Uhr im Rahmen des lab.30 Medienkunstfestivals in Augsburg statt. Bis zum 1. November ist die Installation beim Festival zu erleben.
Möglich macht die Begegnung ein fotorealistisch animierter Avatar, der auf Grundlage authentischer Bilddokumente und Motion-Capture-Aufnahmen entstanden ist. Eine generative KI, die mit Kafkas Gesamtwerk, Tagebüchern und Briefen trainiert wurde, befähigt den digitalen Schriftsteller, unmittelbar auf sein Gegenüber zu reagieren. So entsteht bei jedem Besuch ein individueller Dialog, dessen Verlauf nicht vollständig vorhersehbar ist.
Eine persönliche Audienz im Kosmos Kafka
Bereits der Weg zu Kafka ist Teil der Inszenierung. Die Besuchenden betreten einen Kubus und durchqueren einen schmalen Gang, dessen Wände von Texten des Schriftstellers geprägt sind. Begleitet von einer Klanginstallation wird die Passage zum begehbaren literarischen Archiv. In einem surreal anmutenden Warteraum folgt die Vorbereitung auf die persönliche Audienz. Erst ein ungewöhnlicher Handschlag öffnet den Zugang zu Kafkas Büro.
Dort erwartet die Besuchenden ein Raum zwischen Arbeitszimmer und Verhörzelle. Möbel und Gegenstände reagieren auf das Geschehen, während Kafkas digitales Alter Ego sein Gegenüber zunehmend in die eigene Gedankenwelt hineinzieht. Doch der Schriftsteller sucht nicht nur das Gespräch: Er verfolgt einen Plan, für dessen Verwirklichung er die Unterstützung seines Gegenübers benötigt. Wie weit werden die Besuchenden bereit sein, sich darauf einzulassen?
Zwischen digitaler Unsterblichkeit und menschlicher Selbstbestimmung
Kafka/Ich geht über die technische Wiederbelebung einer historischen Persönlichkeit hinaus. Die Installation macht die Möglichkeiten generativer Künstlicher Intelligenz unmittelbar erfahrbar und stellt zugleich Fragen nach dem Verhältnis von Mensch und Maschine: Wie viel Einfluss kann eine digitale Persönlichkeit auf menschliche Entscheidungen nehmen? Wer hat in einem solchen Dialog die Kontrolle? Und was bedeutet es, wenn die Worte und Gedanken eines längst verstorbenen Schriftstellers durch Künstliche Intelligenz ein scheinbar unbegrenztes Eigenleben entwickeln?
Mit Kafka/Ich setzt das Staatstheater Augsburg seine künstlerische Auseinandersetzung mit digitalen Erzählformen fort. Staatsintendant André Bücker gründete 2020 die Digitale Sparte des Hauses, die seither neue Formen des Theatererlebens insbesondere im Bereich Virtual Reality entwickelt. Nun rückt generative Künstliche Intelligenz in den Mittelpunkt: Nicht allein das Zuschauen, sondern die individuelle Begegnung und das eigene Handeln bestimmen das Erlebnis.
Das Projekt entsteht in Koproduktion mit der Heimspiel GmbH, die bereits an der Augsburger VR-Opernproduktion Orfeo ed Euridice und der VR-Single-Player-Experience »Erwartung« beteiligt war. Idee, Konzept und Storyline stammen von André Bücker. ⟴ pm • auxlit
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