In der neuen Reihe »Junges Akademisches Forum« stellen Nachwuchswissenschaftler besondere Promotions- oder Habilitationsthemen vor. Zu Gast im Oktober ist Doktorantin Sarah Sosinski. Ihr Vortrag beleuchtet den Themenkomplex Familie, Emanzipation und Assimilation im jüdischen Familienroman um 1900. Blitzlichter werden auch auf das jüdische Leben in Augsburg geworfen.
In lockerer Folge stellen profilierte Nachwuchswissenschaftler im Akademischen Forum ihr besonderes Promotions- oder Habilitationsthema vor. Am Donnerstag, 8. Oktober 2026 (18:30 Uhr) ist die Doktorantin Sarah Sosinski im Haus Sankt Ulrich Augsburg zu Gast. Ihr Vortrag mit dem Titel Zugehörigkeit als Generationenpojekt befasst sich mit dem Themenkomplex Familie, Emanzipation und Assimilation im jüdischen Familienroman um 1900. Der Eintritt zum Vortrag mit Einführung und Gespräch kostet 6 €, Schüler und Studenten frei, Anmeldung erbeten unter E-Mail akademisches-forum@bistum-augsburg.de
Sosinski ist seit April 2024 Doktorandin und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Sie studierte Neuere deutsche Literaturwissenschaft und Internationale Literatur (Komparatistik) an der Universität Augsburg und war von Oktober 2021 bis September 2023 Koordinatorin der Jüdischen Studien an der Universität Augsburg.
Sarah Sosinskis Forschungsschwerpunkte liegen in der deutsch-jüdischen Literatur, im literarischen Realismus um 1900, in der Moderne und den Avantgarden sowie in der deutschsprachig-jüdischen Gegenwartsliteratur. In ihrem Dissertationsprojekt Emanzipation als Generationenprojekt. Literarische Zugehörigkeit(en) in jüdischen Familienromanen zwischen 1871 und 1918, das am Graduiertenkolleg Family Matters der LMU angesiedelt ist, widmet sie sich den Schnittstellen von Familiennarrativen, Generationsdiskursen und jüdischer Emanzipation. Ihre Forschung präsentierte sie auf internationalen literatur- und kulturwissenschaftlichen Tagungen.
Konflikte um Emanzipation, Assimilation und Konversion
Gesellschaftliche Zugehörigkeit war für jüdische Menschen um 1900 ein zentrales Thema, das ihre Familien bereits seit Generationen begleitet hatte. Dieser Befund lässt sich eindrucksvoll farbig und perspektivenreich anhand Jüdischer Familienromane um 1900 erarbeiten. Diese Romane erzählen nicht nur von privaten Schicksalen, sondern verhandeln grundlegende Fragen gesellschaftlicher Zugehörigkeit: Konflikte um Emanzipation, Assimilation und Konversion, aber auch um Geschlechterrollen, Generationenverhältnisse und die Spannung zwischen familiärer Bindung und gesellschaftlichem Wandel. Gerade die Familie erscheint in diesen Texten als jener Ort, an dem Hoffnungen auf Anerkennung, Teilhabe und sozialen Aufstieg ebenso sichtbar werden wie Erfahrungen von Unsicherheit, Ausgrenzung und innerem Konflikt.
Sarah Soskinskis Vortrag richtet den Blick anhand von Werken Auguste Hauschners (1850–1924), Georg Hermanns (1871–1943), Ulla Wolff-Frankfurters (1848–1924) und Friedrich Fürst Wredes (1870–1945) auf jüdisches Leben im deutschsprachigen Raum zwischen deutschem Kaiserreich und Habsburger Monarchie. Blitzlichter werden auch auf das jüdische Leben in Augsburg geworfen. Deutlich wird dabei, dass Zugehörigkeit nicht als selbstverständlich vorausgesetzt wird. Vielmehr erscheint sie als ein offener, konflikthafter und über Generationen hinweg auszuhandelnder Prozess, in dem sich gesellschaftlicher Fortschritt, familiäre Ordnung und literarische Gestaltung auf besondere Weise verschränken. ⟴ pm • auxlit
Leseempfehlung:
Zur Vertiefung des Vortrags empfehlen sich Georg Hermanns Roman Jettchen Gebert (Wallstein Verlag, 2022 [1907]) sowie der von Bettina Bannasch und Markéta Balcarová herausgegebene Band Ein irrender Mensch mit dem anderen. Zum literarischen und journalistischen Werk Auguste Hauschners (1850–1924) (Wallstein Verlag, 2025).
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