LESUNG | INTERVIEW + BUCH-VERLOSUNG | Brutal ehrlich, bewegend verletzlich, feministisch brennend: Debüt-Autorin Lilli Tollkien stellt in Augsburg ihren Roman »Mit beiden Händen den Himmel stützen« vor. Eine Lesung mit Gespräch im Rahmen des Kulturprogramms zum Augsburger Friedensfest 2026 – mehr zu allen weiteren literarischen Veranstaltungen ebenfalls im Artikel. auxlitera verlost 3 x Tollkiens Debütroman. 🎵 mit Playlist zum Buch
Lilli Tollkien erzählt in ihrem Romandebüt 🛒 Mit beiden Händen den Himmel stützen [Aufbau Verlag] Anzeige von Lale – einem Mädchen, das in einer Berliner Männer-WG der 80er Jahre groß wird und sich zwischen Grenzenlosigkeit und Haltlosigkeit behaupten muss. Am Montag, 27. Juli (19:30 Uhr, Kresslesmühle ⇨ TICKETS) stellt Tollkien ihr Buch im Rahmen des ➽ Augsburger Friedensfestes [► zum ganzen Programm • auxlitera litera:kul:tur-Übersicht] vor. Im Gespräch mit Tina Lurz wird sich die Autorin über das Festivalthema UN_SICHERHEIT, Selbstzweifel und die Kraft, sich eine eigene Stimme zu verschaffen, unterhalten.
In ihrem Roman erzählt Lilli Tollkien von Lale, die in den 1980er Jahren in einer Berliner Männerkommune aufwächst – scheinbar grenzenlos frei, ohne Regeln. In der politisch linken WG werden Partys gefeiert und Revolutionen geplant. Lale darf wach bleiben, solange sie will, Süßigkeiten essen und ewig fernsehen. Doch sie sehnt sich nach Geborgenheit und Verlässlichkeit, während ihre eigenen Grenzen immer wieder übertreten werden. Auf dem schmalen Grat zwischen Freiheit und Vernachlässigung sucht Lale ihren Weg, taumelt an den Rändern und findet Jahre später Halt im Erzählen selbst. Ein Roman, authentisch, verletzlich und von poetischer Spannkraft. Eine Kindheit und Jugend im Ausnahmezustand und ein Mädchen, das zur Heldin der eigenen Geschichte wird.
💬 Im INTERVIEW [▼ siehe unten ▼| spricht Lillie Tollkien über Lales Weg in die Selbstermächtigung, über eine Form, die Nähe zulässt und doch schützt, und über patriarchale Strukturen in der linken Szene. Im Interview eingespiegelt finden Sie auch die 🎵 PLAYLIST ZUM BUCH.
★ VERLOSUNG
auxlitera verlost 3 x Lilli Tollkiens Buch »MIT BEIDEN HÄNDEN DEN HIMMEL STÜTZEN«.
Mitmachen: E-Mail bis Sonntag, 26. Juli 2026 mit Betreff »Mit beiden Händen« an ➽ redaktion@auxlitera.de
Ihre Adresse wird nach 26.7.2026 nicht mehr gespeichert. Ihre E-Mail wird nicht an Dritte weitergegeben und Sie erhalten keine Werbemails von uns. ► Die Teilnahme am Gewinnspiel über automatisierte Verfahren (Gewinnspielclubs oder Gewinnspielserviceanbieter) ist ausgeschlossen.
Erhältlich als:
📖 Buch | 🖥️ eBook (ePub)
🔊 Hörbuch
Aufbau Verlag 2026
255 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag
Format: 13,5 x 21,5 cm
Preis: 24 € (Buch)
ISBN 978-3-351-04284-4
Lilli Tollkien, 1980 in Berlin geboren, lebt in Leipzig. Sie begann verschiedene Ausbildungen und studierte unter anderem Regie und Musiktherapie in Berlin und Heidelberg. Tollkien arbeitete in sehr unterschiedlichen Berufen, etwa als Suchtberaterin in der JVA, als Jobcoach und Ausstatterin. Neben ihrem heutigen Beruf fotografiert sie und hat in Anthologien veröffentlicht. Sie lebt mit ihren Kindern in Leipzig. ⟴ pm • auxlit
»Ich will mich im Leben verbeißen, aber ich stülpe mich nach innen«
Lilli Tollkien im Interview
– © Aufbau Verlag • Das Interview führte Elisabeth Botros –

► Worum geht es inhaltlich in Ihrem Roman?
Auf der ersten Ebene geht es um das Aufwachsen eines Mädchens, Lale, in einer linken Männer-WG im Berlin der 80er Jahre. Es geht darum, dass sie sich zwischen Freiheit und Vernachlässigung bewegt, dass ihre Grenzen übertreten werden, wenn auch nicht immer unbedingt beabsichtigt. Auf der zweiten Ebene habe ich mich gefragt: Was macht das mit dem Körper? Der Körper ist ja der Ort, wo wir alles erfahren und fühlen. Was passiert also mit solchen Erfahrungen, mit denen sich wahrscheinlich viele identifizieren können, die in den 80er und 90er Jahren aufgewachsen sind – wie übersetzt sich das in den Körper?
► Wie sind Sie auf die Idee gekommen, einen Roman zu schreiben?
Es ist so, dass ich diese Geschichte, diesen Stoff schon sehr lange mit mir herumtrage. Immer wieder habe ich auf unterschiedlichste Weise versucht, das irgendwie in eine künstlerische Form zu bringen, und stand mir selbst dabei im Weg. Als meine Tochter zur Welt gekommen ist, und ich mir nach einer schweren Krankheit die Fragen gestellt habe: Was will ich vom Leben und was will ich meinen Kindern vorleben? Da habe ich entschieden, dass ich jetzt endlich in die Welt bringen muss, was ich schon so lange mit mir herumtrage.
► Gab es auch eine Szene, die am Anfang Ihres Schreibens stand?
Am Anfang hatte ich einfach eine Notiz, die ich irgendwann mal nachts, als ich nicht einschlafen konnte, aufgeschrieben habe. Und die ist auch noch drin: »Die Zimmer sind in mir, die Wohnung. Ich möchte hinaustreten.« Das war der Anfang. Ich habe damit angefangen, dass ich durch erinnerte und imaginierte Zimmer gegangen bin, denen ich Namen als Überschriften gegeben habe. Entlang dieser Zimmer habe ich dann die erste Fassung geschrieben.
» Ich habe mich nicht hingesetzt und mir vorgenommen: Ich schreibe einen feministischen Roman. Aber es ist das, was dabei herauskommt, wenn man den weiblich gelesenen Körper in männlich dominierten Räumen sprachlich gestalterisch zu fassen versucht.«
► Ging es Ihnen beim Schreiben um etwas Politisches, um das Zeigen patriarchaler Gewalt in einem spezifischen Umfeld etwa?
Ich habe mich nicht hingesetzt und mir vorgenommen: Ich schreibe einen feministischen Roman. Aber es ist das, was dabei herauskommt, wenn man den weiblich gelesenen Körper in männlich dominierten Räumen sprachlich gestalterisch zu fassen versucht. Das war, glaube ich, viel eher mein Anliegen: Worte zu finden, Bilder, Rhythmus.
Es gibt diesen Slogan aus den 70ern oder 80ern: Das Private ist politisch. Das ist es natürlich. Was die Figur Lale erfährt, betrifft nicht nur sie, sondern ist auf patriarchale Strukturen zurückzuführen und betrifft die Gesellschaft im Ganzen. Diese Dynamiken, die ich beschreibe, sind auf keinen Fall der linken Szene vorbehalten. Es gibt sie überall, aber diese Ungerechtigkeit gewinnt natürlich an Schärfe in einem Umfeld, in dem Parolen von Gleichheit und Solidarität gerufen werden.
🎵 PLAYLIST • Immer wieder kommen im Roman auch Musikstücke vor, welche die Protagonistin Lale hört, und die sie auf einem Teil ihres Weges begleiten. Auf Spotify hat Lilli Tollkien auf hat eine Playlist für uns erstellt.
► Worum geht es Ihnen bei der Form deines Romans, beim Ton?
Ich wollte etwas in eine Form bringen und Sprache körperlich erfahrbar machen, ohne dass man dabei so ein unangenehmes Gefühl bekommt, ein voyeuristisches, und ohne dass man als Lesende das Gefühl hat, man fällt so hinein in die Geschichte. Also wollte ich auch noch eine Distanz über die Form schaffen.
Ich wollte, dass Lesende Bilder oder Stimmungen wahrnehmen, aber nicht davon überwältigt werden. Ein bisschen wie innere Filmszenen, aber eben nicht solche, die einen dazu zwingen, jetzt sofort etwas zu fühlen, sondern Szenen, die noch erkennen lassen, dass der Film künstlerisch gemacht wurde und dadurch Freiraum lassen.
► Diese Frage wird dir wahrscheinlich noch sehr oft gestellt, aber ist Ihr Roman autofiktional?
Es gibt Teile, die stark von meinen eigenen Erfahrungen inspiriert sind, und solche, die rein fiktional sind. Ich selbst trenne da gar nicht so beim Lesen, merke ich, und jetzt, mit fortschreitender KI-Entwicklung, mehr denn je sind es eigentlich, genau wie bei der Fotografie, die Sachen, die einen persönlichen Anteil haben, die mich oft sehr interessieren. Für meinen Roman wünsche ich mir, dass man nicht bei dieser Frage nach Autofiktion stehenbleibt, sondern dass es um den Text selbst geht.
~ © Aufbau Verlag • Das Interview führte Elisabeth Botros
LESUNGEN, BUCHPRÄSENTATIONEN & AUTORENTALKS beim Friedensfest*26:
• Freitag, 31. Juli (Kresslesmühle, 19:30 Uhr – Eintritt frei):
Schattenleben – die in Augsburg lebende Comiczeichnerin Lisa Frühbeis und der Journalist Jonas Seufert präsentieren ihr fünfjähriges Rechercheprojekt, das Comicbuch ➽ »Schattenleben«.
• Freitag, 31. Juli (Villa Schöne Felder, 19 Uhr, und Wärmestube SKM, 15 Uhr – Eintritt jeweils frei): Lesung des Fotografen Lars Klingenberg aus seinem ➽ Langzeitprojekt »Schlafquartier« über Obdachlosigkeit in deutschen Großstädten
• Samstag, 1. August (St. Moritz, 20 Uhr – Eintritt frei): Wandelkonzert ➽ »Freiheit ist ein Risiko« in der Kirche St. Moritz Orgelmusik mit Texten von Hannah Arendt.
• Mittwoch, 5. August (Jazzclub Augsburg, 19 Uhr – TICKETS je nach eigenem Finanzvermögen für 3, 10 oder 15 Euro) Miriam Davoudvandi liest aus ihrem Buch ➽ »Das können wir uns nicht leisten« und spricht über soziale Herkunft, Klassismus und die emotionalen Spuren materieller Unsicherheit
• Donnerstag, 6. August, (Großer Moritzsaal, 19 Uhr – Tickets 10 € | erm. 6 Euro) ➽ »Trialog: Wie wir über Israel und Palästina sprechen« Buchpräsentation mit Jouanna Hassoun und Shai Hoffmann
• Montag, 27. Juli (Stadtbücherei Augsburg, 19 Uhr – Eintritt frei):
➽ »Sicher sind wir nicht geblieben« – die Publizistin Laura Cazés und die Autorin Shahrzad Eden Osterer über Antisemitismus in Deutschland nach dem 7. Oktober 2023.
• Dienstag, 28. Juli, Kulturhaus Abraxas, 19:30 Uhr, TICKETS Anzeige)
➽ »Innere Sicherheit« – Dokumentarstück von Marie Schwesinger. rekonstruiert auf Grundlage von Prozess-Mitschriften und Interviews den Themenkomplex NSU 2.0 – jene Drohschreiben, die seit 2018 aus dem Inneren des Polizeiapparats an Anwältinnen, Politikerinnen und Künstlerinnen versandt wurden. Mit Publikumsgespräch.
• Dienstag, 13. Oktober (Staatliches Textil- und Industriemuseum Augsburg, 20 Uhr – Tickets für 15 € | 8€ erm.)
➽ »Lange Nacht der Augsburger Gespräche: Literatur – Theater – Engagement« Lesungen, Gesprächsrunden und Musik, u.a. mit Angela Aux, Emre Akal, Nava Ebrahimi, Mirna Funk, Michel Abdollahi und Ruth Maria Thomas, es moderiert Niels Beintker (Bayern 2). ⟴ pm • auxlit
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