Das Staatstheater Augsburg bringt Johann Wolfgang von Goethes frühes Werk »Stella« auf die Bühne. Ein Stück, das 1776 inhaltlich die Konventionen der Zeit sprengte – und 2026 nah an heutigen Debatten darüber ist, was Liebe darf, fordert und zerstört.
Das Staatstheater Augsburg bringt Johann Wolfgang von Goethes frühes Werk Stella auf die brechtbühne im Gaswerk. Premiere der Inszenierung von Milena Mönch, die erstmals in Augsburg Regie führt, ist am Samstag, 25. April, um 19:30 Uhr (TICKETS). An insgesamt neun Spielterminen bis Juli ist dasSchauspiel für Liebende mit den Augsburger Darstellern Patrick Rupar, Mirjana Milosavljević und Natalie Hünig zu erleben.
Mit Stella entwarf der junge Johann Wolfgang von Goethe ein anti-aufklärerisches Sturm-und-Drang-Werk, das vor großen Gefühlen fernab von Vernunft nicht zurückschreckt. Schon bei seiner Uraufführung im Jahr 1776 war der Skandal absehbar, denn das Schauspiel für Liebende beschreibt ein Beziehungsgeflecht, das die Konventionen der Zeit sprengte.
Im Zentrum stehen die Baronesse Stella, die bürgerliche Cäcilie und der Offizier Fernando – verbunden durch Sehnsucht, Verletzung und die Frage, wie Liebe jenseits gesellschaftlicher Ordnung gedacht werden kann. Vor allem die erste Fassung, in der sich die Figuren am Ende auf ein Leben zu dritt einigen, provozierte heftige Reaktionen. Knapp 30 Jahre später veröffentlichte Goethe das Stück erneut – nun als klassisches Trauerspiel mit doppeltem Selbstmord.
Ambivalenzen und Abgründe
Bis heute entzieht sich »Stella« einer eindeutigen Lesart. Handelt es sich um männliche Wunschfantasie? Eine Provokation in Richtung Vielehe? Oder eine frühe Infragestellung überholter gesellschaftlicher Normen?
Die Inszenierung in der brechtbühne nimmt die im Text angelegten Fragen nach Besitzansprüchen in Partnerschaften, nach emotionaler Abhängigkeit und nach alternativen Beziehungsmodellen in den Blick – und rückt damit ein Werk ins Zentrum, das erstaunlich nah an gegenwärtigen Debatten verhandelt, was Liebe darf, fordert und zerstört.
Regisseurin Milena Mönch erklärt: »Liebe an sich ist ja etwas ganz und gar Brutales. Man kann sich ihr nicht entziehen, sie ist unausweichlich, existentiell und groß. Ich denke, man muss Goethes Text hier wirklich sehr ernst nehmen und die Figuren in all ihren Ambivalenzen und Abgründen genauestens unter die Lupe nehmen.« Ihr psychologischer Ansatz sieht daher eine Engführung auf Stella, Cäcilie und Fernando vor, die einander in ihren Beziehungen und Leidenschaften ausgeliefert sind.
Ein Abend, der und den Goethe in Reibung versetzt
Auf der Bühne loten die Augsburger Darsteller:innen Patrick Rupar, Mirjana Milosavljević und Natalie Hünig dieses Dreiecksverhältnis aus, das zwischen Begehren, Zumutung, Nähe und Konkurrenz oszilliert.
Zugleich setzt das Inszenierungs-Team auf bewusste Kontraste: Die leidenschaftlich aufgeladene Sprache Goethes trifft auf stilbrechende, musikalische Elemente aus Hip-Hop und Pop (Musik: Paul Pötsch). Das Kostümbild bedient sich historischer Zitate und bricht diese sogleich durch modische Details, während die Bühne mit großen, beweglichen Elementen spielerische Akzente setzt (Bühne & Kostüm: Sophie Rieser). So entsteht ein Abend, der Goethe nicht museal ausstellt, sondern ihn in Reibung versetzt – sinnlich, gegenwärtig und mit offenem Blick auf die Widersprüchlichkeit der Liebe. ⟴ pm • auxlit
➽ Alle Termine und Tickets unter www.staatstheater-augsburg.de/stella.
Am Dienstag, 14.4.26, um 18:30 Uhr bietet die Dramaturgie bei der Werkstatt zu »Stella« exklusive Einblicke in die Proben und Hintergründe zur Inszenierung an. Tickets zu 6 Euro und alle Informationen unter www.staatstheater-augsburg.de/werkstatt..
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