Verlosung & Interview ★ Melanie Garanins verschmitzt-poetischer Comic »Mein Freund Rilke« nähert sich dem großen Dichter zu dessen 150. Geburtstag in einer magisch-realistischen Liebesgeschichte. Einblicke in den Comic und ein Interview mit der Comic-Künstlerin. auxlitera verlost 1 x die Graphic Novel »Mein Freund Rilke«, erschienen bei Carlsen Comics.
Im Gedenkjahr zum 150. Geburtstag des Dichters Rainer Maria Rilke (*4. Dezember 1875) erzählt Comic-Künstlerin Melanie Garanin eine magisch realistische Liebesgeschichte über eine Journalistin, die sich auf Spuren Rilkes begibt und dabei ihr Herz verliert… Der Comic 📖 Mein Freund Rilke [Carlsen Comics] verschmilzt Gegenwart mit Vergangenheit, Alltag mit Literatur und Komik mit Lyrik. Ellen, Journalistin bei einer kleinen Zeitung, schreibt einen Artikel über Rainer Maria Rilke. Sie kennt seinen Namen, aber nicht sein Werk. Dann geschieht das Unmögliche: Sie trifft Rilke persönlich. Eine Liebesgeschichte entspinnt sich – zwischen zwei Zeiten, zwei Weltbildern. Poetisch und eindringlich eröffnet Melanie Garanin eine neue, heutige Sicht auf den berühmten Dichter. Für alle, die Rilke lieben oder ihn neu entdecken möchten.


Aus: »Mein Freund Rilke« © Melanie Garanin, Carlsen Verlag 2025
Die Comic-Künstlerin Garanin legt eine Graphic Novel im poetischen, frei atmenden Zeichen- und Bilderstil vor, Geschichte und Geschehen sind lyrisch, frech, ernst und ironisch im Wechsel. Torsten Hoffmann, Präsident derInternationalen Rilke-Gesellschaft, sieht das Thema Rilke für die heutige Zeit treffend angegangen: »In Rilkes Worten findet Ellen eine Legitimation für das, was sie intuitiv schon vorher gemacht hat: sich nicht zu fragen, wer oder was dieser merkwürdige ›Rilke‹ eigentlich ist, sondern eine zu ihr wie ihm passende Form des Umgangs zu finden. Dass Rilke sowohl emotional als auch verbal etwas in ihr zum Schwingen bringt, führt die Graphic Novel so subtil wie komisch vor.” Was Melanie Garanin selbst über ihren Comic und dessen Entstehung denkt, erzählt sie unten im Interview.
► auxlitera verlost einen Band Mein Freund Rilke – mehr zur Verlosung siehe im gelben Kasten unten. ⟴ pm • auxlit


Aus: »Mein Freund Rilke« © Melanie Garanin, Carlsen Verlag 2025
»Ich würde mir wünschen, dass ganz viele Menschen entdecken, welchen Schatz an Worten er geschaffen hat«
INTERVIEW MIT MELANIE GARANIN
COMIC-KÜNSTLERIN & AUTORIN VON »MEIN FREUND RILKE«
► Liebe Melanie Garanin, haben Sie einen Lieblingsvers von Rilke – und was bedeutet er Ihnen?

Melanie Garanin: Das ist eine sehr schwierige Frage. Denn ich habe sehr viele und nie fällt mir aus
dem Stegreif ein Vers aus dem Kopf ein (Memo an mich: Um bei dieser Frage nie ins Straucheln zu kommen, einen Spickzettel anfertigen). Aber diese Zeilen gehören sicher zu meinen Liebsten:
»Seit mich mein Engel nicht mehr bewacht, kann er frei seine Flügel entfalten und die Stille der Sterne durchspalten.« Sie sind das Tröstlichste, was ich kenne. Wie kurz und dicht kann etwas von Trauer, Loslassen, Freiheit und Mut handeln?
► Im Gegensatz zu Ihnen hält Ihre Protagonistin Ellen in Ihrem Comic »Mein Freund Rilke« nicht viel von Rilke (O-Ton: »Trauerkartenbeschreiber«), zumindest am Anfang nicht. »Mein Freund Rilke« ist fast etwas wie eine Passionsgeschichte – Ellen wandelt sich von einer Rilke Skeptikerin zu einem Fan und wandelt auf Rilkes Spuren. Wie viel von Ihnen steckt in Ellen, was können Sie uns über die Figur und ihre Suche nach Rilke erzählen?
Sicher steckt immer etwas von der Autorin in ihrer Figur. Aber wir haben eigentlich nicht sehr viel
gemeinsam, außer das Morgen-Yoga, die Freude am Alleine-Rumreisen und das Alter. Mmmh. Das ist schon ziemlich viel, oder? Nein, ernsthaft… Superschwierig, eine fiktionale Person zu erzählen, habe ich gemerkt, aber ich hoffe, sie funktioniert als eigener Mensch. Ich hätte niemals eine Affäre mit einem toten Dichter. Ellen ist eine Frau, der noch was richtig richtig Gutes passiert, obwohl sie selber meint, ihr Leben wäre mit über fünfzig quasi vorbei.
Sie ist eigentlich ganz normal – es gibt unzählige Ellens auf der Welt. Aber sie neugierig und offen genug, sich auf etwas einzulassen, was komplett unwirklich ist. Vielleicht ist es der Einfluss von Rilke, der sie so werden lässt? Ich liebe Liebesgeschichten. Und ich finde, egal wie unrealistisch eine Liebe ist, sie ist nie unwirklich. (Upps. Ich habe doch mehr mit Ellen gemeinsam, als ich dachte.)
► Sie kultivieren in Ihren Comics einen sehr freien Zeichenstil und Seitenaufbau, ohne die klassischen Panelgrenzen, die die meisten Comics prägen. Das sticht auch bei »Mein Freund Rilke« ins Auge, wo der Einsatz von Zitaten, innerem Monolog und Dialog-Sprechblasen aufeinander prallen und einen fast collagehaften Eindruck vermitteln. Können Sie ein bisschen über diesen Aspekt Ihrer Arbeit erzählen? Wie gehen Sie Seitenaufbau Ihrer Geschichten an?
Als ich anfing, meinen ersten Comic zu zeichnen, war es ja dann so, dass ich nicht einen Comic
zeichnen wollte, um einen Comic zu zeichnen, sondern eine Geschichte erzählen wollte, irgend
wie, mit Bildern und Text. Ich versuchte mich an Sprechblasen und Panels [in Zeilen gruppierte Einzelbilder – Anm. d. Red.], aber irgendwie ging das gar nicht gut. Meine Lektorin ermunterte mich damals, diese für mich formalen Hindernisse ruhig wegzulassen und die Seiten so zu gestalten, wie es mir einfiel. Der allerbeste Rat! Überhaupt war und ist meine Lektorin meine wichtigste Lehrmeisterin gewesen!
Mich machen Panels jedenfalls müde und lustlos. Als wäre da nicht nur eine leere Seite vor mir, sondern die Seite, mal Potenz hoch Hundert, all diese Kästchen, die man voll machen soll … Ich mag es, wenn ich die Seiten immer neu ausdenken kann. Je nachdem, was ich erzählen will. Und ich liebe diese Freiheit beim Zeichnen einer Geschichte. Bei Mein Freund Rilke ging ich in dieser Freiheit allerdings auch ein bisschen verloren. Wie sollte ich alle die verschiedenen Ebenen verknüpfen, ohne dass es zu chaotisch wird? Die collage-haften Zitate zum Beispiel sind aus der Not entstanden, weil ich nicht wusste, wie ich mir jemals merken soll, was ich an originalen Textstellen schon verwendet habe und was nicht.


Aus: »Mein Freund Rilke« © Melanie Garanin, Carlsen Verlag 2025
Ich habe mir dann einen kleinen Gedichtband antiquarisch gleich zweimal bestellt. Und aus dem einen habe ich die entsprechenden Stellen aus geschnitten und in die Skizzen reingeklebt. Das andere Buch als Backup für die Seitennachweise intakt gelassen. Wenn mir eine Stelle auf der Suche gefiel, habe ich die Seite an die Wand geklebt. Das Ganze war eine sehr haptische und schnipselige Arbeit und hat einen Riesen-Spaß gemacht. Von Woche zu Woche sahen meine Bürowände schöner aus. Es wuchs! Der Tag, an dem ich die Idee mit den Zitateschnipseln hatte, kam verhältnismäßig spät und war ein glücklicher Moment, an dem die Seitengestaltung endlich ins Fließen kam!
Aber: Ich habe diesmal auch mit Panels gearbeitet. Alle historischen Seiten sind so angelegt und was soll ich sagen? Es ging. Aber nur mit starker Selbstdisziplin. Jede erkämpfte Panelseite ein kleiner Sieg gegen die Müdigkeit. Hihi.
► Am 4. Dezember 2025 jährte sich Rilkes Geburtstag zum 150. Mal. Viele Kulturredaktionen sprechen nun über die Bedeutung von Rilke für den Kanon deutschsprachiger Literatur und Kanon. Was denken Sie, welche Bedeutung Rilke im Jahre 2025 für uns hat bzw. haben sollte?
Ich musste erstmal »Kanon« googeln… Soviel zu meinen literaturwissenschaftlichen Kenntnissen …
Ich finde Listen und und dieses »Wer war der Beste?« (offenbar gab/gibt es bei dieser Kanonsache eine durchaus wettbewerbsübliche Männerdominanz) blöd. Aber Rilke ist da mit Sicherheit drin. Der übrigens nicht nur Frauenliebhaber und -versteher war, sondern, was Kunst und vermutlich auch das Leben betrifft, ein sehr modernes Verständnis der Geschlechter hatte und quasi alle Frauen in seinem Umkreis ermutigte, aus ihrem Rollenbild auszubrechen um ihre Kunst zu leben.
Seine Bedeutung für uns heute. Mmh. Ich würde mir wünschen, dass ganz viele Menschen entdecken, welchen Schatz an Worten er geschaffen hat. Auch für die Menschen, die erstmal sagen: Rilke? Verstehe ich sowieso nicht. Weil es bei ihm nicht nur ums Verstehen, sondern ums Fühlen von Sprache geht. Das andere werden uns dann die Kulturredaktionen erklären.
~ Carlsen Comics • ed. auxlit
MELANIE GARANIN, geboren 1972 in Berlin, studierte Zeichentrickfilm an der Filmuniversität Babelsberg Konrad Wolf in Potsdam, Babelsberg. Seitdem illustrierte sie für verschiedene Verlage zahlreiche Kinder und Jugendbücher. Mit Nils. Von Tod und Wut. Und von Mut erschien 2020 ihre erste Graphic Novel im Carlsen Verlag und ihrDebut als Comiczeichnerin. Mit Mein Freund Rilke ist ein Herzensprojekt der Autorin erschienen, denn Rilke ist seit vielen Jahren auch ihr Freund. Melanie Garanin lebt mit ihrer Familie, zwei Windhunden, einer Katze und drei Ponys.
► melaniegaranin.com
★ VERLOSUNG!
auxlitera verlost 1 Exemplar des Comic-Buchs Mein Freund Rilke [Carlsen Comics] von Melanie Garanin. Wer an der Verlosung teilnehmen möchte, schreibe bis Sonntag, 21. Dezember 2025 (Einsendeschluss), eine E-Mail mit dem Betreff »Abendland« an ►redaktion@auxlitera.de
Ihre Adresse wird nach dem 21. Dezember 2025 nicht mehr gespeichert. Ihre E-Mail wird nicht an Dritte weitergegeben und Sie erhalten keine Werbemails von uns.
► Die Teilnahme am Gewinnspiel über automatisierte Verfahren (Gewinnspielclubs oder Gewinnspielserviceanbieter) ist ausgeschlossen.

Hier auxlitera-Newsletter abonnieren:

Sie erhalten je Woche 1 E-Mail mit einem Nachrichtenüberblick.
Sie können diese Benachrichtung jederzeit abbestellen.
Ihre E-Mail-Adresse wird nicht an Dritte weitergegeben oder für andere Zwecke verwendet. Unsere Datenschutz-Erklärung finden Sie ► hier.




