»Perspektiven verstehen und weiterentwickeln« • Adriana Gabrian

Die Musikerin Adriana Gabrian zu Gast in der 𝒂𝒖𝒙𝒍𝒊𝒕𝒆𝒓𝒂-Serie »Lesezeichen«. Die Violinistin spielt am Ostersamstag zusammen mit Pianist Evgeny Konnov im Rokokosaal der Regierung von Schwaben. Ein Stück des Programms, die so genannte Kreutzersonate, sollte den Schriftsteller Tolstoi zu einer Novelle inspirieren und dort auch eine zentrale Rolle spielen. Die gebürtige Rumänin Adriana Gabrian gibt Einblick in ihre Lesewelt und Lesegewohnheiten.

Die 𝒂𝒖𝒙𝒍𝒊𝒕𝒆𝒓𝒂-Fragebogenserie Lesezeichen fragt nach Lesegewohnheiten und Lesarten – auch bei Menschen, die auf den ersten Blick vielleicht zunächst nichts mit Literatur zu tun haben scheinen. Denn: Jeder liest, jeder hat seine Lektüren. Ob digital oder via Buch und Zeitung, als Fachzeitschrift oder App, als Sachbuch oder Newsletter.

Gast in der 10. Lesezeichen-Folge ist die in Augsburg lebende Violinistin Adriana Gabrian. Die gebürtige Rumänin (*1997) ist seit 2023 Mitglied der Augsburger Philharmoniker. Die Preisträgerin zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe widmet sich intensiv der Kammermusik und spielt seit 2019 eine französische Geige aus dem Jahr 1820. Gabrians künstlerische Arbeit ist geprägt von einer tiefen Leidenschaft für die Violine und dem Streben nach einer ausdrucksstarken Klangsprache.

Für 𝒂𝒖𝒙𝒍𝒊𝒕𝒆𝒓𝒂 gibt Adriana Gabrian Einblick in ihre Lesewelt.

Adriana Gabrian und Evgeny Konnov • Foto: Alexander Yarmak.



AM SAMSTAG, 18, APRIL (19.30 Uhr) spielt Adriana Gabrian zusammen mit dem
international renommierten, russischen Pianisten Evgeny Konnov (Евгений Вадимович Коннов, *1992,➳ Spotify) im Rokokosaal der Regierung von Schwaben (➳ Fronhof 10, 86152 Augsburg) das Programm Meisterwerke von Beethoven und Janácek für Klavier und Violine. TICKETS. Zu Gehör kommt auch Beethovens sogenannte Kreutzersonate, die in der Weltliteratur Rezeption und Echo fand (siehe Infobox ).

Rodolphe Kreutzer (1766–1831)
Erstveröffentlichung von 1890
Lew Tolstoi, 1908

Die Kreutzersonate und die Literatur

Ludwig van Beethovens Violinsonate Nr. 9 nahm der russische Schriftsteller Lew Nikolajewitsch Tolstoi als Grundlage und Motiv für seine Novelle Die Kreutzersonate (Крейцерова соната, Kreizerowa sonata). Die darin vorkommende Musiker-Figur Truchatschewskij rührt ebenfalls vom Musikstück her, tatsächlich ist Beethovens Sonate dem berühmten Geiger Rodolphe Kreutzer gewidmet. In Tolstois Novelle musiziert eine Gattin zusammen mit einem Geiger; wenn die beiden bei ihren Treffen Beethovens Violinsonate Nr. 9 spielen, zergeht der argwöhnische Gatte der Frau vor Eifersucht.

Tolstois Erzählung selbst wiederum ließ Leoš Janáček 1923 ein gleichnamiges Streichquartett schreiben – welches dann Margriet de Moor anregte, 2001 die gleichnamige Liebesgeschichte zu schreiben (D: 2002), die mehrfach (zuletzt 2007) verfilmt wurde.


LESEZEICHEN • 9 Fragen an Adriana Gabrian

Violinistin und Mitglied der Augsburger Philharmoniker –

Foto: Pressefreigabe Adriana Gabrian & Evgeny Konnov

◼️ Welche Genres lesen Sie hauptsächlich? Wie sind Ihre Lesevorlieben verteilt?

Ich lese hauptsächlich psychologische Bücher und Sachbücher, insbesondere über Psychologie. Zudem gehören Romane wie »When Nietzsche Wept« von Irvin D. Yalom, »Weiße Nächte« von Dostojewski und das psychologische Buch »Mindset« von Carol S. Dweck zu meinen Favoriten.

◼️ Wann lesen Sie? Welche Bedeutung haben Lesen, Bücher und Literatur speziell für Sie?

Ich lese in meiner Freizeit, da es für mich eine Möglichkeit ist, meine Gedanken zu beruhigen und in andere Welten einzutauchen. Bücher haben für mich eine große Bedeutung, da sie mir helfen, verschiedene Perspektiven zu verstehen
und mich weiterzuentwickeln.



◼️ Welche Zeitschriften/Periodika lesen Sie? Haben Sie Abonnements?

Ich lese keine bestimmten Magazine regelmäßig, aber ich habe täglich den Newsletter von The Strad, einem Magazin für Musiker, um über aktuelle Themen informiert zu bleiben.

◼️ Haben Sie einen oder eine Lieblingsautor/-in? Wo würden Sie sich gerne mit ihm / ihr treffen?

Einer meiner Lieblingsautoren ist Fjodor Dostojewski. Ich würde mich gerne in einer Bar in Augsburg mit ihm treffen, vielleicht in der Herr Brand Bar, um über seine tiefgründigen Werke und die menschliche Psyche zu diskutieren.

◼️ An welches Buch aus Ihrer Kindheit können Sie sich noch lebhaft erinnern?

In meiner Kindheit war ich ganz fasziniert von dem Buch »Unde fugim de-acasă« (auf Deutsch: »Wohin fliehen wir von zu Hause?«) von Marin Sorescu. Es ist geschrieben fast wie Theater, fast wie ein Gedicht und gleichzeitig wie eine Geschichte, alles mit viel Humor verbunden.

◼️ Welches Buch (oder welche Begegnung mit einem schriftlichen Periodikum) hat Sie geprägt? Und wie und warum?

»When Nietzsche Wept« (auf Deutsch: »Als Nietzsche weinte«) von Irvin D. Yalom hat mich sehr geprägt, da es tiefgehende Fragen zur menschlichen Existenz und zum Umgang mit Emotionen aufwirft. Dieses Buch hat meine Überlegungen zur Psychologie und zu zwischenmenschlichen Beziehungen beeinflusst.

Foto: Alexander Yarmak

◼️ Wenn Sie selbst ein Buch schreiben würden, was für eines wäre es, worüber ginge es? Und verraten Sie uns seinen Titel?

Wenn ich ein Buch schreiben würde, wäre es ein psychologischer Roman über menschliche Beziehungen und innere Konflikte. Der Titel wäre »Die Schatten der Seele«.

◼️ Welche/r Nicht-Literat/in sollte Ihrer Meinung nach mal ein Buch schreiben und worüber?

Aus der Sicht eines Musikers wäre es wünschenswert, wenn jeder Komponist eine Autobiografie schreiben würde, um uns Einblicke in ihr Leben und die Inspirationsquellen ihre Kompositionen zu geben. Besonders spannend wären die Memoiren von Komponisten wie Bach, Mozart und Beethoven.

◼️ Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?

Das letzte Buch, das ich gelesen habe, war »Weiße Nächte« von Dostojewski. Ich war besonders von der poetischen Sprache und den tiefen Emotionen angezogen, die in der Geschichte zum Ausdruck kommen. Die Erzählung über Einsamkeit und Sehnsucht hat mich sehr berührt und mir neue Einblicke in die menschliche Psyche gegeben.


Lesarten Schnellcheck:

👓 • Lesebrille? – Nein

📖 💻 • Buch oder E-Book? – Buch

📑Lieblingslesezeichen? Konzert-Ticket von Reservix (Anm. der Redaktion: Hier zum Beispiel)

📚 • Hardcover oder Taschenbuch? – Taschenbuch

🛒 • Lieblingsbuchhandlung?Thalia Augsburg


Meine ❺ Lieblingsbücher

Irvin D. Yalom: When Nietzsche Wept
Paulo Coelho: Der Alchemist
Fjodor Dostojewski: Schuld und Sühne
Georg R.R: Martin: Game of Thrones
Fjodor Dostojewski: Weiße Nächte

⸛ Konzept & Fragen: Martin Schmidt


Foto: Pressefreigabe Adriana Gabrian & Evgeny Konnov

»Ich suche als Musikerin nach Inspiration in den kleinen Momenten des Lebens. Ich glaube, dass die Schönheit oft in den alltäglichen Dingen liegt, die wir leicht übersehen. Durch meine Musik strebe ich danach, diese flüchtigen Inspirationen einzufangen und in meiner Kunst auszudrücken. Meine Leidenschaft für das Schaffen und Aufführen ermöglicht es mir, mit anderen in Kontakt zu treten und die tiefgreifende Wirkung dieser einfachen, aber bedeutungsvollen Erfahrungen zu teilen.« – Adriana Gabrian

• Adriana Gabrians persönliche Spotify-Playlist

ADRIANA GABRIAN wurde 1997 in Rumänien geboren und ist Preisträgerin zahlreicher nationaler und internationaler Wettbewerbe, darunter der 1. Preis beim Ohrid Pearls Internationalen Wettbewerb in Mazedonien, der 1. Preis beim Remember Enescu Internationalen Wettbewerb in Rumänien sowie Preisträgerin des Kloster Schöntal Internationalen Wettbewerbs in Deutschland. Als Orchestermusikerin spielte sie u.a. als Konzertmeisterin im ESYO International Orchestra, in der Rumänischen Jugendphilharmonie und als Mitglied des Luigi Cherubini Orchestra. Seit 2023 ist sie Mitglied der Augsburger Philharmoniker, nachdem sie zuvor ein Praktikum dort absolviert hatte. Während ihrer Karriere arbeitete sie unter der Leitung bedeutender Dirigenten wie Riccardo Muti, Charles Dutoit, Lawrence Foster und Christian Thielemann.

Neben ihrer Tätigkeit als Orchestermusikerin widmet sich Adriana Gabrian intensiv der Kammermusik. Sie konzertierte mit renommierten Künstlern wie Baiba Skride, Evgeny Konnov und Edward King. Gabrian nahm an Meisterkursen bei Professoren wie Mihaela Martin, Krzysztof Węgrzyn, Salvatore Accardo und Christoph Poppen teil. Unter der Leitung von Prof. Petru Munteanu und Baiba Skride schloss sie ihr Studium in Augsburg ab. Seit 2019 spielt sie eine französische Geige aus dem Jahr 1820 von F.L. Pique, die freundlicherweise von der Thomas J.C. und Angelika Matzen Stiftung zur Verfügung gestellt wurde.

Bisher schon in der Reihe Lesezeichen zu Gast:

Tobias Klein Leiter des Kulturamts Ingolstadt – »Kein einzelnes Buch, sondern das Lesen an sich hat mich geprägt«

Rüdiger HofmannComedian-Urgestein – Was liest dieser Mann?!

Düzgün PolatDiversity Trainer – Lesen gehört zur Lebensrealität

Cordula Weimann »Omas for Future«-Gründerin – Lesen und Handeln

Klaus Rattenbacher Gründervater des Donauwörther Poetry Slams – Sich durch das Buch fressen und sofort zu Ende lesen

Martin SailerLandrat des Landkreises Augsburg und Bezirkstagspräsident des Bezirks Schwaben – L wie Landrat, L wie Lesen

Anja Güthoff • Bildende Künstlerin – Tierisch viel lesen

Gerald Bauer • Maler, Grafiker & Fotograf – Die Summe der Bücher.

Alexej Gerassimez • Perkussionist & Artist in Residence am Staatstheater Augsburg – Schlag auf Schlag: von Stefan Zweig bis Dune


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