»Bei manchen Protagonisten wissen wir die Bezahlung ihres Henkers«

Im Interview: Das Landsberger Autorenduo Uschi und Klaus Pfaffeneder legt seinen dritten historischen Roman vor. Akribisch recherchiert, spielt die ergreifende Täufer-Saga in Augsburg, Landsberg und Memmingen.

Uschi und Klaus Pfaffeneder – ein Autorenpaar, das zusammen schreibt. Und mehr: Gemeinsam betreiben sie den regen Landsberger Liccaratur-Verlag, wo sie auch ihre Historischen Romane und Regionalkrimis verlegen. Nun legen die Beiden ihren dritten historischen Roman vor: Die Schwester des Ketzers – Propheten der Apokalypse.

Die Geschehnisse des Buchs tragen sich im frühen 16. Jh. zu: Im Jahr 1527 hallen Luthers Thesen immer noch wie Donnergrollen durchs Land, und der Bauernkrieg hat weite Teile Süddeutschlands verwüstet. Inmitten dieses Chaos’ kämpfen Anna Schuster und Lenz Kirchperger erst in Memmingen, dann in Augsburg ums Überleben, gejagt von den Häschern des bairischen Herzogs und als Ketzer gebrandmarkt. Eine packende Reise in die frühere Welt der Täufer.

Das Buch stellen Uschi und Klaus Pfaffeneder in zahlreichen Lesungen vor – und alle Lesungsorte stehen in engem Zusammenhang mit dem Romanthema. ( Kaufering, 31.01.2024; Mering, 17.02.2025; LamerdingenKleinkitzighofen, 10.05.2025, Egling a.d. Paar -Heinrichshofen, 17.05.2025). auxlitera gab das Autorenpaar ein Interview und verriet Hintergründe über den Roman, ihre Arbeit und das Thema Täuferbewegung.

Bauernkrieg und »Ketzer«-Jagd: Namen eine Stimme geben

Uschi Pfaffeneder • Foto: Peter Wilson

Die Schwester des Ketzers – Propheten der Apokalypse ist bereits Ihr dritter historischer Roman. Was hat Sie an der Täuferbewegung fasziniert?

Uschi Pfaffeneder: An den Täufern hat uns besonders fasziniert, warum gerade in unserer Region eine so fanatische Bewegung entstehen konnte. Ein wesentlicher Faktor war dabei der unrühmliche Ausgang des Bauernkrieges, dessen 500. Jahrestag wir 2025 begehen. Dieses historische Ereignis hinterließ viele enttäuschte Veteranen und ihre Familien, die empfänglich waren für die Versprechen der Täufer. Die Botschaft von Gerechtigkeit, Gleichheit und Erlösung schon im Diesseits gab diesen traumatisierten Menschen neuen Halt und Hoffnung.

Klaus Pfaffeneder in historischem Gewand • Foto: Peter Wilson

Die Handlung beider Bände Ihrer Täufer-Saga Die Schwester des Ketzers beginnt in Augsburg und endet auch dort. Was hat die Täufer gerade nach Augsburg gezogen?

Klaus Pfaffeneder: Augsburg war damals die größte und zugleich freieste Stadt im Heiligen Römischen Reich – ein Sehnsuchtsort für Andersdenkende. Als Luther 1518 zur Befragung nach Augsburg zitiert wurde, bereiteten ihm die Bürger einen triumphalen Empfang. Neben Luthers Ideen fanden auch die Lehren von Reformatoren wie Zwingli und Bucer in Augsburg zahlreiche Anhänger. Doch gerade angesichts der extremen Inflation und sozialen Ungleichheit in der Stadt zog vor allem die Täuferbewegung viele Menschen an. Man könnte sagen, die Täufer verkörperten den linken Flügel der Reformation.

► Wie fand die Täuferbewegung dann ihren Weg in den Lechrain, der ja damals zum Herzogtum Bayern gehörte?

Uschi Pfaffeneder: Viele der armen Bauern im Lechrain waren damals Nebenerwerbslandwirte und arbeiteten zusätzlich als Weber für die großen Augsburger Kaufmannsfamilien, wie die Fugger. Auch Handwerker wie unser Protagonist Gebhart, ein Dorfschuster, suchten aufgrund wirtschaftlicher Not ihren Verdienst in der großen Stadt. Über diese Arbeitskontakte gelangten nicht nur Waren, sondern auch neue Ideen und Überzeugungen – darunter die der Täufer – in die armen Dörfer des Mooses. So fand die Täuferbewegung ihren Weg in den Lechrain.

► Was ist das Besondere an Ihren beiden Büchern? Die Handlung spannt sich vom Bauernkrieg bis zum tragischen Finale an Ostern 1528.

Klaus Pfaffeneder: Uns hat vor allem interessiert, warum die Menschen damals von solch radikalen Ideen angezogen wurden – Ideen, für die viele nicht nur ihre wirtschaftliche Existenz, sondern auch ihr Leben riskierten. Susanna Daucher, die tatsächlich im Augsburger Lechviertel lebte, ist eine der wenigen Figuren, deren Schicksal durch die Ratsprotokolle detailliert belegt ist. Bei anderen Protagonisten, wie Anna Schuster oder dem Färber-Jos, wissen wir oft nur Namen, Herkunft, Beruf, Urteil und etwa die Bezahlung des Henkers. Unser Roman gibt diesen Menschen, die fast alle historisch belegt sind, eine Stimme. Der Leser kann durch sie miterleben, was es bedeutete, von einer Idee so ergriffen zu sein, dass man bereit war, dafür alles zu opfern.

Links: Gedenktafel am Haus der Susanna Daucher, Augsburg.
Rechts: Täuferbrunnen in Hörbach (Hürben).


Die Handlung spielt im zweiten Teil wieder in Landsberg, im Lechrain, in Augsburg und dieses Mal in Memmingen. Warum gerade Memmingen?

Klaus Pfaffeneder: Unser Protagonist Lenz Kirchperger hat auf seiner Wanderschaft bereits mehrfach in Memmingen gearbeitet, was die Stadt zu einem logischen Schauplatz für unsere Geschichte macht. Memmingen war außerdem eine freie Reichsstadt, in der Täufer nachweisbar waren. Doch im Gegensatz zu Augsburg fürchtete der Stadtrat dort keinen Umsturz durch die Täuferbewegung. Die Täufer lebten in Memmingen weitgehend in friedlicher Koexistenz mit der Obrigkeit, zahlten ihre Steuern, leisteten Wehrdienst und stellten die herrschenden Strukturen nicht infrage. Diese ungewöhnliche Situation bietet eine spannende Kulisse, um die Handlung weiterzuführen und einen neuen Blick auf die Täuferbewegung zu werfen.

► Wie gelingt es Ihnen, zwei so komplexe Romane detailliert zu recherchieren und gemeinsam zu schreiben?

Uschi Pfaffeneder: Die historische Hintergrund-Recherche lag in der Verantwortung meines Mannes, während mich schon immer die Frage beschäftigt hat, wie Religion das Leben der Menschen prägt – im Positiven wie im Negativen. Für das Schreiben selbst braucht es einen klaren Plot, also einen »Bauplan«, den wir in einzelne Kapitel unterteilen. Jeder schreibt dann die Kapitel, die ihm am meisten liegen. Spannend wird es, wenn die Figuren ein Eigenleben entwickeln und uns selbst überraschen. Unsere Schreibstile sind einander sehr ähnlich, und die finale Erzählstimme entsteht beim gemeinsamen Überarbeiten – unterstützt durch das Feedback unserer Lektorin. ⟴ auxlit

Das Buch Die Schwester des Ketzers – Propheten der Apokalypse ist überall im Buchhandlung erhältlich bzw. bestellbar. Es gibt den Roman 💻 auch als EBook ► Anzeige – nur, wer ein Exemplar mit Widmung haben möchte, der bekommt dies nur über die Verlagswebseite [unter Kontakt].


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