Egk und der Nationalsozialismus. »Keine Reue! Heil!«

Neues Buch über den in Donauwörth geborenen Komponisten Werner Egk: Die Studie belegt erstmals signifikant, dass Egk überzeugter Nationalsozialist war. Die Stadt Donauwörth gab die Studie in Auftrag und distanziert sich deutlich vom berühmten Sohn der Stadt. Autorin ist ein gebürtige Augsburgerin. ★ 📖 mit Leseproben-Link

Die politische Haltung des Komponisten und Kulturfunktionärs Werner Egk (geb. 1901 in Auchsesheim bei Donauwörth, gest. 1983 in Inning am Ammersee) während der Zeit des Nationalsozialismus ist immer wieder Gegenstand wissenschaftlicher Forschung. Die in Augsburg geborene Musik- und Kulturwissenschaftlerin Anna Kreszentia Schamberger untersuchte im Rahmen ihrer Masterarbeit an der Ludwig-Maximilians-Universität München erstmals die im Stadtarchiv Donauwörth verwahrte Korrespondenz Egks mit seiner Ehefrau Elisabeth. Erstmals kann so signikikant belegt werden, dass Werner Egk nicht nur als Opportunist und Nutznießer des Nazi-Regimes zu gelten hat, sondern originär Ideologien des Nationalsozialismus vertrat. Die Ergebnisse sind nun auch in Buchform erschienen: 📘 »Keine Reue! Heil!« Eine Studie zu Werner Egk und seinem Verhältnis zum Nationalsozialismus (Allitera Verlag). ► Anzeige

Studie und Buch zeigen: In der Korrespondenz getane Aussagen und weitere Quellen gewähren Einblicke in Egks Gedankenwelt und Agieren in der Zeit vor, während und nach dem Ende der Nazi-Diktatur. Die Autorin Anna Kreszentia Schamberger hinterfragt vor diesem Hintergrund unter anderem Egks Persönlichkeit, seine Kontakte, sein Verhalten, seine öffentlichen Äußerungen, einige seiner Werke, sein Agieren im nationalsozialistischen Kulturapparat und seine Argumentationen nach dem Ende des »Dritten Reiches«.

Ergebnisse bisheriger Forschungsarbeiten wurden von Schmaberger miteinbezogen. Egk, dem es gelang, Joseph Goebbels und Adolf Hitler von sich zu überzeugen, äußerte sich nach dem Krieg in keiner Weise betroffen über die Verbrechen des NS-Regimes. Er setzte nach dem Entnazifizierungsverfahren seine Karriere ohne Bruch fort. Eine Fülle von Original-Zitaten bietet Stoff für Diskussionen sowie Ansatzpunkte für weitere Forschungen.

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Das Gedenken anpassen und umgestalten

Die Stadt Donauwörth zieht ihre Konsequenzen aus den Ergebnissen der Studie. An den Beratungen und Gesprächen hierzu waren Vertreter des Stadtrates, der Verwaltung und der Stadtheimatpflege beteiligt ( Erklärung des Stadtrats zur Beschlussfassung am 27. Juni 2024). Ausschlaggebend für das Gremium war inbesondere zum einen der Beleg, »dass sich für Egk schon in den 1920er Jahren Kontakte zu nach 1933 führenden Akteuren der nationalsozialistischen Bewegung ergaben, die er letztendlich zu einem gut funktionierenden Netzwerk erweiterte« und Egk diese Verbindungen später in vielfacher Weise positiv für sich zu nutzen wusste. Zum anderen erbrachte die Studie Nachweise, »dass Egk bereits Ende der 1920er Jahre selbst im privaten, familiären Kreis abseits der Öffentlichkeit immer wieder massive, eindeutig antisemitische Äußerungen tätigte. Sie zeigt weiter, dass Egk neben tradierten antisemitischen Ansichten auch Positionenvertrat, die ihm einen Anschluss an die im Nationalsozialismus vertretene kulturelle wie weltanschauiche Geisteshaltung einfach machten.«

Im Licht dieser neuen Erkenntnisse ist dem Stadtrat klar: Der Umgang mit dem Gedenken an Werner Egk ist anzupassen und in Teilen neu zu gestalten. Im Zuge dessen soll es in Donauwörth ein umfangreiches Programm an Informationsveranstaltungen geben. Vor allem die Namensgebung der Städtischen Musikschule wird kritisch gesehen, da dem Namenspatron einer derartigen Einrichtung eine besondere Vorbildfunktion zugerechnet wird. Der bisherige Name wird abgeändert auf Musikschule Donauwörth. Auch die Werner-Egk-Begegnungsstätte wird überarbeitet und durch die neuen Forschungsergebnisse ergänzt werden.

Werner-Egk-Preis eingestellt

Werner Egk (rechts) mit Franz Konwitschny und Max Burghardt (von links) am 1. Februar 1958 während einer Probenpause zu Der Revisor in der Berliner Staatsoper • Foto: Bundesarchiv, Bild 183-52173-0001 / Kemlein, Eva / CC-BY-SA 3.0 via Wikipedia.org

»Die nach Egk benannten oder mit ihm in Zusammenhang stehenden Straßen, der Zaubergeigenbrunnen und die Büste am Werner-Egk-Platz werden beibehalten«, heißt es im Beschluss. »Allerdings werden ergänzende Hinweise angebracht, die den Namensgeber in den historischen Kontext einbetten.« Für das Rathausglockenspiel, das bislang noch einen Ausschnitt aus Egks Oper Die Zaubergeige spielt, sollen neue Melodien gefunden werden. Entsprechend wird auch die Hinweistafel erneuert. Der Werner-Egk-Preis, dessen Volumen unabhängig davon erschöpft ist, wird in Zukunft nicht mehr neu aufgelegt werden. Die Preisträger werden über die Studie und die Erkenntnisse daraus informiert.

Werner Egk war 1971 von der Stadt Donauwörth die Ehrenbürgerwürde verliehen worden. »Eine Ehrenbürgerschaft ist eine höchstpersönliche Würde, sie erlischt mit dem Ableben«, heißt es seitens der Stadt Donauwörth. Unabhängig davon werden nun an jenen Stellen, an denen die Ehrenbürger der Stadt genannt werden, entsprechende Zusätze angebracht. Die Grabstätte der Eheleute Egk auf dem Städtischen Friedhof Donauwörth bleibt bestehen, allerdings wird ihr der Status eines Ehrengrabes aberkannt. ⟴ pm • pm • auxlit

Zusammenfassendes Statement Anna Kreszentia Schamberger zu ihrer Studie (Pressekonferenz 28.06.2024)


Die Autorin ANNA KRESZENTIA SCHAMBERGER

Geboren in Augsburg und aufgewachsen auf einem Bauernhof im Lechrain, widmete ihre frühen Jahre dem Orgelbau und der Kunst der Holzbildhauerei, bevor sie sich als Musiklehrerin, Chorleiterin und Kirchenmusikerin regional einen Namen machte. Seit 2013 ist sie als Technik- und Kulturvermittlerin in München tätig, und studierte ab 2017 parallel dazu Musikwissenschaft, Pädagogik/Bildungswissenschaft und Kulturwissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Schwerpunkte ihres wissenschaftlichen Interesses sind die Musik Ludwig van Beethovens und seiner Zeitgenossen, das museale Ausstellen von Musik und ihren Objekten und die Forschung zu Dirigenten, Komponisten und Werken in der Zeit des Nationalsozialismus. Ihre Masterarbeit »Keine Reue! Heil!« Eine Studie zu Werner Egk und seinem Verhältnis zum Nationalsozialismus wurde von Prof. Dr. Hartmut Schick, Ordinarius am Lehrstuhl für Musikwissenschaft der LMU, betreut. ⟴ pm • auxlit


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