Der um 1780 geborene Haunstetter Schriftsteller Joseph August Adam bildete den vor 200 Jahren stattgefundenen Augsburger Besuch des Bayerischen Königspaares Max und Caroline in einem Theaterstück ab. Das »geschichtliche Weihegeschenk für die Annalen dieser altberühmten Stadt« erschien in Folge 1825 im Augsburger Verlag von Johann Christian Wirth, dem Herausgeber der »Augsburger Abendzeitung«. • Ein Gastbeitrag von 👱🏻♀️ Jutta Goßner, Vorsitzende des Kulturkreises Haunstetten.

✍️ Ein Gastbeitrag von Jutta Goßner, Vorsitzende des ► Kulturkreises Haunstetten.
Eigentlich weiß man über das persönliche Leben des um 1780 in Haunstetten bei Augsburg geborenen und nach 1846 ebenda gestorbenen Gutsbesitzers und Schriftstellers Joseph August Adam nichts. Dafür sind seine zahlreichen Werke heute noch in vielen bekannten Bibliotheken, z.B in der Bayerischen Staatsbibliothek in München erhalten. Er verfasste zahlreiche Gedichte, Aufsätze, Volksmärchen; seine Opern und Schauspiele wurde in ganz Mitteleuropa (Wien, Weimar, München Prag) gespielt. Einige seiner Bücher berichten über besondere Anläse und Traditionen der Augsburger Geschichte.
Augsburg besaß seit dem 17. Jahrhundert ein Stadttheater. Doch Theateraufführungen fanden zu dieser Zeit nicht nur im recht schmucklosen 1776 erbauten Theater bei der Jakobskirche am Lauterlech statt, sondern an vielen anderen Orten, so in Zunfthäusern, Gaststätten, z.B. in der Goldenen Traube mit 2200 Plätzen, beliebt waren auch Aufführungen im Freien, z.B. am Hochablass, Schießgraben oder in Haunstetten auf dem Bleichgut des Joseph August Adam. In der wasserreichen Umgebung Haunstettens gab es damals viele Bleichgüter wohlhabender Unternehmer, darunter auch die Familien Martini und Käß. Die fertigen Bauwollgewebe waren gelblich bis graubraun und mussten vor dem Färben oder dem Verkauf gebleicht werden mussten, sie wurden bis zur Erfindung der Chlorbleiche der Rasenbleiche unterzogen: Auf einer Wiese in der Nähe eines Baches – dem Bleichplatz oder auch der Tuchbleiche – wurden die nassen Gewebe flach ausgelegt und feucht gehalten.
Stadttheater bespielte Bleichgut mit Opern
1806, mitten in den Wirren der Übergabe der Reichsstadt an das Königreich Bayern spielte das Stadttheater Augsburg auf dem Adamschen Bleichgut ein neues militärisches Schauspiel mit Schlachtmanöver und Scharmützeln in drei Akten Die Schlacht von Austerlitz, oder: Unerforschlich sind des Schicksals Wege. Die Vorstellung begann um 16.30 Uhr, verkündet durch drei Böllerschüsse. Zuschauer bezahlten für den 1. Platz 1 fl (Gulden), für den 2. nur 36 und den dritten 12 Kreuzer. Auch drei seiner Opern wurden hier 1815 bis 1819 aufgeführt; sie waren vom damaligen Augsburger Musikdirektor Josef M. Müller vertont worden.
Zwei von Adams Werken sollen hier kurz vorgestellt werden:
Haunstettens Adam, Goethe – und ein Hund 🐕
DAS KRIMINALSTÜCK
»DER HUND DES AUBRI MONTDIDIER,
ODER DER ZWEIKAMPF AUF DER INSEL NOTRÉ-DAME«
Das Stück ist heute noch berühmt, da Goethe wegen ihm ein Amt nach 27 Jahren als Direktor des Weimarer Hoftheaters am 13. April 1817 niederlegte. Mit großem Erfolg war Adams Version des 1814 erschienenen französischen Erfolgsstücks von René Charles G. de Pixérécour bereits ein Jahr zuvor in Wien aufgeführt worden. In dem historischen Drama spielt ein dressierter Hund die Hauptrolle, was Goethe kategorisch ablehnte. Die Handlung: Ein Ritter und Günstling des Königs Karl V., Aubry de Montdidier, wird von seinem Rivalen Robert de Macaire im Wald bei Bondy ermordet. Aubrys Jagdhund, der als einziger die Tat gesehen hat, gelingt es in der Folge, den Mörder Macaire zu überführen. Herzog Carl August erlaubte dieses Gastspiel. Goethe war zwar bereits seit Längerem zum Weimarer Hoftheater in Distanz gerückt, der Auslöser des Rücktritts aber war der Hund.
»Augusta …., dein König kommt!« 👑
»AUGSBURGS JUBEL-TAGE IM JAHRE 1824:
EIN GESCHICHTLICHES WEIHE=GESCHENK FÜR DIE ANNALEN DIESER BERÜHMTEN STADT«
In diesem Stück schildert Adam mit überschwänglichen Worten den Besuch des Bayerischen Königspaares Max und Caroline mit ihren Töchtern am 31. Juli und 1. August 1824 in Augsburg:
»Der Vorabend des lang erwünschten Tags war endlich angebrochen, und zur heitren Festlichkeit schon alles hergerichtet. Heil uns! … Augusta, was längst den Herz gewünscht, wird nun erfüllt: dein König kommt.
»Er kommt! Er kommt.
So schallt es durch die Reihen
Der frohbewegten treuen Bürgeschaar.
Dein Vater kommt,
Dem sich die Herzen weihen;
Er kommt zu uns, es ist nun offenbar.« …


Bildmaterial und Scans: Kulturverein Haunstetten
Akribisch werden alle Persönlichkeiten aufgezählt, die das Königspaar in Augsburg umgaben, alle Stationen genannt (z.B. die Waisenhäuser), die die Majestäten besichtigten und auch der große Ball im heutigen Schaezlerpalais. Herausgegeben wurde das Buch 1825 vom Augsburger Verlag des Johann Christian Wirth; dieser war auch Herausgeber der Augsburger Abendzeitung.
Ein vergessener Schriftsteller
Weitere literarische Werke Adams, nur einige kurz aufgezählt; Wallhaide, Die schöne Jägerinn, oder Der Flammenberg; Der Abenteurer, oder So prellt man Gecken; Ehrlich währt am längsten; Die Abendmusik; Fernando und Cecilie; Der Secretär; Der Maskenball usw.
Zusammen mit dem Münchner Kreisbaudirektor Alois Amman gab Joseph August Adam 1821 und 1822 das Allgemeine Kunst- und Gewerbe-Blatt des Polytechnischen Vereins des Königreich Bayern heraus.
Heute erinnert in Haunstetten nichts mehr an diesen vielbeschäftigten und erfolgreichen Haunstetter Schriftsteller und Unternehmer. ⟴ Jutta Goßner, Kulturkreis Haunstetten
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