Poesie als Rebellion

Eine der herausragenden Stimmen (Ost-)Europas – die Poetin und avantgardistische Performance-Künstlerin Katalin Ladik – ist zum ersten Mal zu Gast in Ulm. Der Ulmer Lyriksommer holt die Poetin in die Kunsthalle Weishaupt.

Die jugoslawisch-ungarische Poetin, Performerin und Filmemacherin Katalin Ladik tritt im Rahmen des Ulmer Lyriksommers 2024 in Ulm am Mittwoch, 10. Juli (19 Uhr), auf. Das Event in der Kunsthalle Weishaupt (Hans-und-Sophie-Scholl-Platz 1, 89073 Ulm) ist kostenlos, die Besucherzahl auf 45 Personen begrenzt – rechtzeitiges Erscheinen also wichtig. Moderiert wird die Klangpoesie-Performance von Christiane Wachsmann, es übersetzt Esther Siegmund-Heineke.

Der Status der Frau in der sozialistischen Gesellschaft, Mythologie als solche sowie die internationalen Praktiken der Neo-Avantgarde waren Ladiks Ausgangspunkte für ein Gesamtwerk, das an der Schnittstelle von Poesie, visueller Kunst, Klangkunst und Bewegung entstand. Radikal, provokativ und innovativ brach Ladik die Tabus des Sozialismus, hinterfragte und forderte die Grenzen der Genres heraus und erweiterte ständig das Feld der (Ausdrucks-)Freiheit. Ihr Opus umfasst geschriebene Gedichte, Laut- und visuelle Gedichte, Collagen, Konzept-Fotografie, Schallplatten, Performances und Happenings.

Der Körper als Resonanz-Körper der Sprache

Die Katalin Ladig versteht sich in erster Linie als Poetin; sie kommt vom Text, von der Sprache, und beginnt dann ihre Gedichte zu rezitieren. In ihrer Aufführung wird ihr Körper zum Resonanzkörper, zum Werkzeug und Medium, mit dem sie Sprache hörbar macht, ihr Volumen und Raum gibt. Denn Klang heißt immer auch Raum. Ladiks Performances, die es bereits seit den 70er Jahren gibt, nehmen einen herausragenden Platz in der Geschichte der Performancekunst ein. Ladiks Retrospektive Ausstellung Oooooooo-pus befindet sich derzeit auf einer Europatournee. pm · auxlit

Foto: Ozskar Hernadi

Katalin Ladik ist eine ungarische-serbische Poetin, Performerin und Filmemacherin. Sie wuchs zweisprachig – Ungarisch und Serbisch – im multikulturellen Novi Sad in Jugoslawien auf. Ladik begann 1962 zu schreiben und war Radiomoderatorin und Theaterschauspielerin in Novi Sad, später arbeitete sie für Fil m und Fernsehen. 1990 wurde sie Redakteurin und lehrte im Bereich Musik & Theater. Als künstlerische Medien nutzt Ladik Visuelle Poesie, Mail Art, Hörspiel, Prosa, Collage, Fotografie, Film und Experimentelle Musik. Sie erforscht Sprache durch visuelle und stimmliche Ausdrucksweisen sowie durch Bewegung und Gesten.

Ladik ist immer wieder im Rahmen von Performances, Happenings und Theaterstücken aufgetreten, die oft in urbaner Umgebung, aber auch in der Natur stattfinden. Sie war Mitglied des Künstlerkollektivs Bosch+Bosch. Ladik wurde mehrfach ausgezeichnet und bespielte zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen. 1977 machte sie sich einen Namen als Teilnehmerin des 10. Internationalen Sound Poetry Festivals in Amsterdam. 2010 fand eine Retrospektive im Museum of Contemporary Art of Vojvodina in Novi Sad statt, die überregional beachtet wurde, und 2017 wurde sie zur documenta 14 eingeladen. Sie wurde auch in die Ausstellungsreihe Feministische Avantgarde aufgenommen. Seit 1992 lebt Katalin Ladik in Budapest.


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