Wer bekommt den Deutschen Popliteraturpreis 2024?

Am Samstag, 8. Juni, wird in Augsburg der Deutsche Popliteraturpreis verliehen. Die drei Finalisten sind Timon Karl Kaleyta, Charlotte Krafft und Ulrike Sterblich. Ihre nominierten Bücher im Kurzportrait.

Das Literaturhaus Augsburg verleiht 2024 zum zweiten Mal den Deutschen Popliteraturpreis für Magic, Pop und Ewigkeit. Die Autorinnen Charlotte Krafft und Ulrike Sterblich sowie der Autor Timon Karl Kaleyta sind die Nominierten. Die Poptauglichkeit der Texte und Autor*innen wird in Publikums- sowie Jurybegeisterung aufgewogen und schließlich in einer komplizierten Formel mit Magie und Ewigkeit verrechnet – so die Macherinnen und Macher des Literaturhauses. Am Samstag, 8. Juni (19.30 Uhr), wird im HettenBach45 (Flurstraße 455, Augsburg) live bestimmt, wer den Fame und einen Koffer voller Geld mit nach Hause nimmt. Karten gibt es auf der Webseite des Literaturpreises. In der Jury: die österreichische Buchpreisträgerin Verena Rossbacher, Schriftsteller Leonard Hieronymi, Werbeikone Friedrich Liechtenstein sowie das Literaturhaus Augsburg.

• Die Bücher •

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Charlotte Kraft
Marlow im Sand
Korbinian Verlag

Eine Welt, in der Verwandtschaft nicht an Abstammung geknüpft ist, sondern an emotionale Nähe. Das ist die Prämisse. Menschen, die einander nahekommen, machen sich verwandt, indem sie Eigenschaften voneinander erben. Jedes Individuum ist somit lebendiges Denkmal für bedeutsame Begegnungen. Hier ist eine Frau verschwunden. Hier kursieren Gerüchte. Eine schlechte Agentin begibt sich auf die Suche, ihr Name ist China Marlow.

Sie ist schlecht, weil sie nicht von sich absehen kann, sie kann nicht von sich absehen, weil sie nicht erben kann, sie kann nicht erben, weil sie schlecht zu sein glaubt. Doch sie lernt, dass sie mit ihrer Unfähigkeit, mit ihrem Narzissmus nicht allein ist. Verschiedene Figuren begegnen China, die alle auf ihre eigene Weise unter Einsamkeit leiden und um Nähe sich bemühen. Chinas Auftrag führt sie durch diese Begegnungen, durch besetzte Orte und versehrte Landschaften – durch öde Vorstädte, Ghettos, Geister- und Touristenstädte, durch Ruinen, verlassene Dörfer, Industrie- und Erholungsgebiete und schließlich durch den Sand, durch den Sturm. Auf der anderen Seite des Sturms kommt sie wieder heraus, und findet dort, natürlich, eine Utopie.

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Timon Karl Kaleyta
Heilung
Piper

Ein dubioses Spa, ein entkräfteter Mann und die Frage, was es heute bedeutet, glücklich zu sein… Ein Mann kann nicht mehr schlafen. Mit den Kräften am Ende, fürchtet er, alles zu verlieren: seine Ehe, seinen Status, das Leben. Seine Frau Imogen schickt ihn ins San Vita, ein mysteriöses Nobelresort in der verschneiten Stille der Dolomiten. In Obhut von Prof. Trinkl soll er dort zu sich selbst finden. Doch er sträubt sich aus Angst, sich in die Seele schauen zu lassen.

Und zu Recht: Trinkl verspricht ihm zwar Heilung, flüstert ihm aber ein in der Vergangenheit begründetes Unbehagen ein, das die Ursache seiner Probleme sein soll. Verängstigt und doch voller Hoffnung flieht der Mann zu seinem besten Freund aus Kindertagen. Und ahnt noch nicht, wie weit er gehen muss, um endlich von allem geheilt zu werden.

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Ulrike Sterblich
Drifter
Rowohlt

Zwei Freunde und eine Unbekannte im goldenen Kleid, die über die grandiose Fähigkeit verfügt, die Dinge so durcheinanderzubringen, dass Neues erkennbar wird.
Wenzel und Killer sind Freunde seit Ewigkeiten und stehen mitten im Leben, Killer als PR-Chef einer großen Firma, Wenzel betreut die Social-Media-Kanäle eines TV-Senders. Doch alles ändert sich, als Vica in ihr Leben tritt: eine Frau in goldenem Kleid, meist begleitet von zwei treuen Adjutanten und einem riesigen Zottelhund. Mit jeder Begegnung ploppen neue Fragen auf: Woher weiß sie so viel über Wenzel und Killer? Wieso besitzt sie ein Exemplar des neuen Buchs von Drifter, einer ominösen Schriftstellerfigur, obwohl es überhaupt noch nicht auf dem Markt ist? Und wo hat ihr Hund das Tanzen gelernt? Als Vica schließlich auch noch den Wohnblock ihrer Kindheit in Beschlag nimmt, gerät die Welt der beiden Freunde ins Wanken. Virtuos, ja geradezu fantastisch erzählt Ulrike Sterblich von zwei Freunden, deren Wirklichkeit sich zunehmend verschiebt. Leseprobe [book2look.com]

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• Die Autor*innen •

Foto: © Doro Zinn / Piper Verlag

TIMON KARL KALEYTA

Schriftsteller, Kolumnist und Drehbuchautor. Sein hochgelobter Debütroman Die Geschichte eines einfachen Mannes stand auf der Shortlist des aspekte-Literaturpreises und wurde mit dem Fuldaer Literaturpreis ausgezeichnet. Bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt erhielt Kaleyta 2021 den 3sat-Preis. Er lebt und arbeitet als Ehemann einer erfolgreichen Kunsthändlerin in Berlin.

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Midjourney (KI) Portrait von Charlotte Krafft • Prompted by Charlotte Krafft

CHARLOTTE KRAFFT

1991 in Berlin-Wedding geboren, seit 2013 in Berlin-Weißensee lebend, studierte Historische Linguistik und Deutsche Literatur an der Humboldt-Universität und Literarisches Schreiben am Literaturinstitut Leipzig. Sie ist Gründungsmitglied der Literatur-Clique Rich Kids Of Literature, Entdeckerin der Hyperironie und war kurzzeitig Redakteurin der Literaturzeitschrift Abwärts. Währenddessen veröffentlichte sie dort den hyperironischen Abenteuerserienroman Amore Plastik. Außerdem schreibt sie mitunter Essays, Dramolette oder Erzählungen für Das Wetter, Metamorphosen und die SZ.

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Foto: © Dorothea Tuch

ULRIKE STERBLICH

Politologin und Autorin aus Berlin, lebt weiterhin in ihrer Heimatstadt, wo sie auch als Gastgeberin der Talk– und Lesebühne Berlin Bunny Lectures bekannt wurde. 2012 erschien ihr erfolgreiches Mauerstadt-Memoir Die halbe Stadt, die es nicht mehr gibt, über das Wolfgang Herrndorf urteilte: »Zarter, liebevoller, staunender wurde selten eine Jugend, eine Stadt und beider Verschwinden beschrieben.« 2021 veröffentlichte Ulrike Sterblich ihr vielbeachtetes Debüt The German Girl.

www.ulrikesterblich.de
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• Die Macher*innen & die Jury •

Geheime Jury-Tagung vor und versiegelter Umschlag bei der Preisverleihung? Gegenseitige Beglückwünschungen zur eigenen Belesenheit, zur intellektuellen Grandiosität und wie traurig doch die Welt ohne das literarische Fachurteil der Jury wäre? »Alles Quatsch«, finden Dr. D., Dr. B. und Katrin M. vom Literaturhaus Augsburg. Vor vier Jahren haben sie den Deutschen Popliteraturpreis für Magic, Pop und Ewigkeit ausgelobt, die erste Verleihung war 2022, der Preis ging an Alard von Kittlitz für dessen Roman Sonder (Piper).

Der Preis beschäftigt sich einerseits mit der Gattung Popliteratur, der Preis sei ein Gegenentwurf zum »allgemeinen Buchpreiszirkus«. »Die meisten Literaturpreisverleihungen finden hinter verschlossenen Türen statt und die prämierten Texte beugen sich dem vergeistigten Anspruch einer vermeintlichen Kulturelite«, so das Literaturhaus. Lesbar mit Anspruch, unterhaltsam und herausfordernd, neue Welten erschließen – so, oder vielleicht auch ganz anders, solle der Gewinner*innen-Text sein. 

Die Entscheidung fällt live

Zur Preisverleihung lädt die Jury drei Finalist*innen ein. Neben Autorin Verena Rossbacher (Mon chérie und unsere demolierten Seelen) und Schriftsteller Leonard Hieronymi (Der gute König) gehört auch Schauspieler, Entertainer und Werbeikone Friedrich Liechtenstein zur Jury. Und natürlich Dr. D., Dr. B. und Katrin M. vom Literaturhaus Augsburg. Aus über 40 Einsendungen trennten sie in hitzigen Diskussionen die Spreu vom popliterarischen Weizen, um bei der Preisverleihung in Augsburg schließlich eine Siegerin oder einen Sieger zu ermitteln: live und mit Publikum. »Wir wollen nicht einfach nur eine/n Preisträger*in bestimmen«, so die Köpfe vom Literaturhaus. Die Auszeichnung feiert nicht nur Text und Autor*in, sondern auch sich selbst: »Die Idee ist, ein ganzes Genre zu feiern: Die Texte, die Vielfalt, und die Wandelbarkeit des Genres. Aber auch die Schöpfer*innen, die Leser*innen und natürlich uns selbst. Das ist Pop.« 

Von der Einreichung ins Finale

auxlit-Videointerview zur 2022er Preisverleihung

Die eingereichten Texte sind Neuerscheinungen (nicht älter als maximal zwei Jahre zum Zeitpunkt der Preisverleihung), kommen direkt von den Verlagen und sind in deutscher Sprache verfasst. »Wir suchen Texte, die viele unterschiedliche Menschen ansprechen, stilistisch schillernde Wege gehen, subversiv sind (Kritik kann auch affirmativ daherkommen!), knallen und den ›magic pull‹ haben, die chic sind. Mit plumper Süffisanz hat das nichts zu tun«, so die Jury. Seit Januar dieses Jahres lief der Auswahlprozess, der über Instagram und die Website des Preises mitverfolgt werden konnte. Am Sonntag, 8. Juni, soll nun die Poptauglichkeit der Texte und Autor*innen mit Publikums- sowie Jurybegeisterung aufgewogen und in einer komplizierten Formel mit Magie und Ewigkeit verrechnet werden: live, intensiv, ernst und glamourös.  pm · auxlit


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