Susanne Stephan stellt am Sonntag, 14. April, im Brechthaus ihren hoch gelobten Essayband »Der Held und seine Heizung. Brennstoffe der Literatur« vor. ★ mit Leseproben-Link
»Seele oder Petroleum?« fragt Erwin Piscator 1928 in der Weltbühne: Welcher Faktor hat mehr Einfluss auf das Zeitgeschehen? Auch für Bertolt Brecht ist der Siegeszug des Erdöls seit Anfang des 20. Jahrhunderts ein Phänomen, auf das die Literatur zu reagieren habe: die »Gewinnung und Verwertung des Petroleums«, so Brecht, schaffe neue soziale Verhältnisse und damit auch neue literarische Stoffe. Heute fragen wir uns, ob und wie Romane die Klimaerwärmung infolge der exzessiven Verbrennung von Erdöl und anderer fossiler Brennstoffe aufgreifen.
In ihrem Essayband Der Held und seine Heizung. Brennstoffe der Literatur (Matthes & Seitz) geht Susanne Stephan am Beispiel ausgewählter Autorinnen und Autoren – von René Descartes über Bertolt Brecht bis Lutz Seiler – dieser Thematik nach. Das Buch wurde von der Kritik hochgelobt und stand im Oktober 2023 auf Platz 3 der ZEIT-Bestenliste Sachbuch. Am Sonntag, 14. April (11 Uhr), stellt Susanne Stephan das Buch in der Lounge im ► Brechthaus Augsburg vor. ~ [pm/auxlit]
► LESEPROBE [matthes-seitz-berlin.de • pdf] ◄
• Dienstag, 14. April | Brechthaus Augsburg, Auf dem Rain 7, 86152 Augsburg | 11 Uhr
► TICKETS • Eintritt: 8 Euro, ermäßigt 6 Euro • Anmeldung: 📞 0821. 4540815 (Klick für Anruf)
Alle Veranstaltungen im Brechthaus Augsburg unter ► www.brechthaus-augsburg.de und im auxlitera-Veranstaltungskalender.

SUSANNE STEPHAN:
Der Held und seine Heizung. Brennstoffe der Literatur
Matthes & Seitz
Die erstaunliche Geschichte des Verbrennungszeitalters: Eine Entdeckungsreise durch die Weltliteratur auf den Spuren des Anthropozän
Nicht nur in geologischen Schichten und in klimatischen Veränderungen haben sich Kohle, Öl und Erdgas bemerkbar gemacht. Auch in den Leben von Autorinnen und Autoren und ihren literarischen Figuren, in Gedichten, Dramen und Romanen schwelt es seit dem Übergang vom Holzzeitalter zum fossilenergetischen Zeitalter anders, brennen sich die fossilen Treibstoffe als Motiv und poetologische Triebkraft ein und werfen selbst am Kaminfeuer noch neuartige Schatten ins Erzählte wie in die politisch-soziale Geschichte – sei es bei Novalis, der als kursächsischer Beamter die Oberaufsicht über Braunkohlenbergwerke hatte, sei es bei Émile Zola, der in seinem berühmten Roman Germinal schildert, wie Kohle die Körper der Minenarbeiter durchdringt.
Diesen »Leucht- und Aschespuren« folgt Susanne Stephan, auch mit Blick auf die im deutschsprachigen Raum erst noch zu entdeckenden Energy Humanities, in ihrem essayistischen Brennstoffbericht. Sie misst die Emissionen in der Atmosphäre des Literaturkanons und stößt dabei etwa in den Werken von Rilke, Goethe, Shelley, Melville, Krauß und Hilbig auf ein energetisches Unbewusstes, das nicht nur die Literatur-, Philosophie- und Erdgeschichte seit Langem schon befeuert, sondern auch die Gegenwart poetisch zu erhellen vermag.
SUSANNE STEPHAN
1963 in Aachen geboren, studierte Germanistik, Geschichte und Romanistik u. a. in Tübingen und Paris. Nach Lektoratstätigkeiten arbeitet sie heute in Stuttgart als freie Autorin, schreibt Gedichte, Kurzprosa und Essays. Sie erhielt Stipendien für das Deutsche Studienzentrum in Venedig, die Casa Baldi in Olevano Romano und das Heinrich-Heine-Haus in Lüneburg. 2015 Aufenthalt als Gastkünstlerin am CERN in Genf. Sie wurde mit dem Thaddäus-Troll-Preis und dem Kleinen Hertha Koenig-Preis ausgezeichnet. In der Reihe Naturkunden (Matthes & Seitz) erschien zuletzt Nelken. Ein Portrait.
► www.susannestephan.de

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