In der Stadtbücherei Augsburg erfuhr das Publikum aus Texten einer Ukrainerin, eines Irakers, eines Türken und eines Jeziden von deren Fluchtgeschichten. Der Projekt-Initiator und Augsburger Autor Wolfgang Kemmer las die Erinnerungen.
Am Dienstagabend, 20. Februar, fand im S-Forum der Stadtbücherei Augsburg bereits zum zweiten Mal eine Lesung zum Thema Flucht und Integration statt. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung wie schon im September 2023 vom Bundesverband russischsprachiger Eltern im Rahmen ihrer Reihe Dialoge gegen Rassismus – Im Plural.
Zu Beginn stellte Projektkoordinator Yuriy Krotov kurz die gastgebende Organisation vor, die unter ihrem Dach eine Vielzahl an gemeinnützigen Vereinen und Projekten im Bereich sozialer, kultureller und politischer Bildung unterstützt und sich dabei im Ukraine-Krieg ausdrücklich auf Seiten der Ukraine positioniert hat. Dann übergab Krotov das Mikrofon für den Rest des Abends an Wolfgang Kemmer.
Der Augsburger Wolfgang Kemmer arbeitet seit über zwanzig Jahren als freiberuflicher Autor, Lektor und Dozent in Deutschkursen und hat im vergangenen Jahr gemeinsam mit der aus der Ukraine geflüchteten Life-Coachin Daria Brahina das Projekt Meine Flucht gegründet. Darin ermutigen sie Flüchtlinge, ihre ganz persönliche Geschichte von der Flucht aus ihrer Heimat und der Integration in Deutschland zu erzählen.
Mit den Geschichten wollen sie zeigen, dass hinter jedem Geflüchteten ein ganz eigenes Schicksal steht und das individuelle Menschenrecht auf Asyl nicht ausgehöhlt werden darf. Im März bieten Wolfgang Kemmer und Daria Brahina einen Schreibworkshop »Meine Fluchtgeschichte« an der Vhs Augsburg an (6 Termine von 14. März bis 2. Mai, donnerstags, sechs Termine).

Kemmer las an diesem Abend die Geschichten der Ukrainerin Katarina, des Irakers Ahmed Ali, des Türken Kenan und Ausschnitte aus der Geschichte des jungen Jeziden Saman. Die Zuhörer waren von den sehr emotionalen und teilweise hochdramatischen Erzählungen tief betroffen und lange sprachlos. Am Ende ergab sich jedoch noch eine lebhafte Diskussion, die das Publikum schließlich recht nachdenklich den Heimweg antreten ließ.
Die Geschichten sind alle zusammen mit vier weiteren in voller Länge auf der mehrsprachigen Webseite ► www.meine-flucht.de im Internet zu lesen. Weitere werden folgen und sollen dann schließlich in einem Buch zugunsten einer Flüchtlingshilfeorganisation publiziert werden.
Das Publikum war sich darüber einig, dass dieses wichtige Projekt jedwede Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient, und das nicht nur, weil das Unwort des Jahres 2023 »Remigration« gerade die Massen mobilisiert. ~ [pm / auxlit]
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