»schwingel-swing« und kunstvolle Offenheit

Die beiden Literaturpreise Irseer Pegasus 2024 gehen in diesem Jahr an Jennifer de Negri und Nadia Rungger. De Negri, geboren in Günzburg und in Köln lebend, erhält den Autorenpreis, die Südtirolerin Rungger den Jurypreis. Die Preisgeber freuten sich über einen Einsenderekord von mehr als 220 Bewerbungen.

Die beiden Literaturpreise Irseer Pegasus gehen in diesem Jahr an Jennifer de Negri und Nadia Rungger. De Negri erhält den Autorenpreis, Rungger den Jurypreis. Die Preise sind jeweils mit 1.000 € dotiert. Zum Ende des gleichnamigen, dreitägigen Workshops wurden die Auszeichnungen am Sonntag in einem festlichen, öffentlichen Akt überreicht. Nun schon zum 26. Mal fand die Veranstaltung wie immer Anfang Januar im ehemaligen Benediktinerkloster Irsee statt.

Jennifer de Negri, geboren in Günzburg, lebt und schreibt in Köln. Die Teilnehmenden des Workshops kürten die Lyrikerin in geheimer Wahl zur Siegerin. De Negri hatte einen Auszug aus ihrem Gedichtzyklus ein pilzgespinst vorgestellt. Im Fokus der Gedichte steht die faszinierende, uns Menschen weitgehend verborgene Welt der Pilze. De Negris Form des sogenannten Nature Writing, des literarisch-philosophischen Schreiens über Fauna, Flora und den Menschen als kulturgeprägtes Wesen in der Natur, besticht durch ihre Eigenständigkeit. Pilzwissenschaftliches Fachvokabular fügt de Negri zu Versen und Strophen, die das Geflecht dieser Lebewesen nachbilden. Dabei entsteht ein wunderbarer Sound, der »vibriert« im »schwingel-swing«. Die weltumspannend vernetzte, kommunizierende, symbiotische Gemeinschaft der Fungi erweist sich als Patin für die Utopie einer wahrhaft sozialen Gesellschaft der Menschen.
www.jenniferdenegri.de

Die Preisträgerinnen Nadia Rungger (links) und Jennifer de Negri. • Foto: Harald Langer, Kaufbeuren

► Für ihren Prosatext Neues erhält die 1998 geborene Südtirolerin Nadia Rungger den Preis der Jury. Die kurze Erzählung präsentiert in klarer, knapper, nahezu kühler Sprache bildhaften Szenen den Alltag einer alten Frau, die mit ihrem Enkelkind zusammenlebt. Aber worüber es in diesem Text eigentlich geht, darüber herrschte bemerkenswerte Uneinigkeit: Wird die zärtliche Beziehung zweier Menschen dargestellt oder soll scheinbares Glück als Fassade entlarvt werden, hinter der sich ein Gefängnis verbirgt? Geht es vielleicht weniger um die anwesenden als vielmehr um abwesenden Personen, Familienmitglieder, Freunde, die en passant erwähnt werden? Wird hier von Abschied und dem nahen Tod der Oma erzählt? Was genau dem Text gelingt, darüber gingen die Reaktionen sehr weit auseinander. Genau für diese kunstvoll gestaltete Offenheit gebührt Rungger der Preis der Jury.
www.nadiarungger.com

Literarisches Leuchturmprojekt seit 26 Jahren

Seit 26 Jahren veranstalten die Schwabenakademie und der Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS) in Bayern das Treffen. Gefördert wird das literarische Leuchtturmprojekt durch den Bezirk Schwaben, den Sparkassenbezirksverband Schwaben sowie durch das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst. Eingesandt wurden über 220 Bewerbungen, die höchste Zahl seit dem Beginn. Die kostenfreie Einladung zum Irseer Pegasus versteht sich als Auszeichnung und Förderung. In Kürze werden die Teilnehmenden des Jahrgangs 2024 sich und ihre Arbeit digital vorstellen. Die Website des über zweieinhalb Jahrzehnte erfolgreichen Literaturprojekts Irseer Pegasus versteht sich als Plattform, die dem Publikum einen attraktiven Zugang zu lesenswerten Autorinnen und Autoren eröffnet.

Gruppenfoto der Teilnehmenden am Irseer Pegasus 2024 zusammen mit Markus Orths und Sylvia Heudecker: Simone Alber, Ulrike Anna Bleier, Jennifer de Negri, Simone Falk, Laura Kind, Joachim Off, Tobias Pagel, Henrik Pohl, Arne Röver, Nadia Rungger und Sonja M. Schultz. • Foto: Harald Langer, Kaufbeuren.

Die Preisträgerinnen, die beim Irseer Pegasus 2023 ausgezeichnet wurden [ auxlitera berichtete], setzen ihren schriftstellerischen Erfolg im vergangenen Jahr fort. Sophia Merwald, die den Autorenpreis Irseer Pegasus erhielt, verbrachte den Oktober im mare-Künstlerhaus in Wentorf bei Hamburg. Ermöglicht wurde ihr das durch ein Aufenthaltsstipendium der Roger Willemsen Stiftung. Jurypreisträgerin Julia Willmann erhielt in der Jahresmitte den Korbinian – Paul Maar-Preis für neue Talente für ihren Kinderroman Ganz oben fliegt Lili. ~ [pm/auxlit]


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