Die Erfindung des Ortsbilds

Wie kommt der Ort ins Bild und wie das Bild zum Ort? Dr. Judith Sandmeier, derzeit Vertretungsprofessorin an der Hochschule Augsburg und aufgewachsen bei Aichach, veröffentlicht ihre wissenschaftliche Arbeit über malerischen Städtebau, Ortsbildpflege und Heimatschutz in Bayern um 1900. Das Buch ist ein Meilenstein in der Forschung zu Stadtbild, Städtebau und Denkmalpflege.

Der Begriff »Ortsbild« aktiviert ein ganzes Bündel an Vorstellungen von Formen wohlgeordneten menschlichen Zusammenlebens. An der Wende zum 20. Jahrhundert machten Städtebau, Denkmalpflege, Politik und Gesellschaft das Ortsbild zum führenden Leitbegriff der Ortsentwicklung. Der Band Die Erfindung des Ortsbildes. Malerischer Städtebau, Ortsbildpflege und Heimatschutz in Bayern um 1900 (Gebr. Mann Verlag) untersucht nun diesen Leitbegriff samt seiner Ausgestaltung.

Die aus dem Landkreis Aichach-Friedberg stammende Autorin Dr. Judith Sandmeier – in Augsburg lehrt sie seit 2017 im Bereich städtebaulicher Denkmalpflege an der Hochschule Augsburg für den Masterstudiengang Architektur und hat dort 2022 und 2023 Vertretungsprofessuren in den Studiengängen Architektur und EnergieEffizienzDesign inne – legt damit einen Meilenstein in der Forschung zu Stadtbild, Städtebau und Denkmalpflege vor.

Das Ortsbild: Erinnerungszeichen und zukunftsweisende Vision

Die Idee eines »geschlossenen Ortsbildes« verfängt bis heute in Rekonstruktions-, Neubau- und Abrissdebatten. Inmitten dynamischer Veränderungsprozesse ist ein Ortsbild gleichzeitig kulturelles und bauliches Erinnerungszeichen und zukunftsweisende Vision: Sowohl Erhaltungsziele als auch Veränderungen lassen sich damit begründen. Diese Unschärfe ist kennzeichnend für den zentralen Leitbegriff der Ortsentwicklung. Er entwickelte sich um 1900, etabliert durch die noch jungen Disziplinen Städtebau und Denkmalpflege sowie Politik und Gesellschaft.

Judith Sandmeier untersucht in insgesamt zwölf Ortsbildern die (Erhaltungs-)Ziele der beteiligten Akteure bei der Gestaltung des Wandels ihrer Dörfer und Städte. Die Studie bildet das ganze Spektrum an Veränderungsszenarien um 1900 in Bayern und seinen angrenzenden Kulturräumen ab – von dem Versuch der Verschmelzung von Kunst, Kultur und Industrie in den bayerischen Großstädten München und Nürnberg über die Stilisierung von Mittel- und Kleinstädten wie Seßlach und Lindau bis hin zu den urbanisierten Dörfern wie Zirl und Oberammergau. ~ [pm/auxlit]


🎓 DR. JUDITH SANDMEIER

Geb. 1987, Abitur am Deutschherren-Gymnasium Aichach. Begann ihre berufliche Tätigkeit in der städtebaulichen Denkmalpflege bei der LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Seit 2016 arbeitet sie als Oberkonservatorin in diesem Bereich am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege. Mit der Leitung des Referats Bürger Denkmal Gesellschaft liegt ein Schwerpunkt ihrer Tätigkeit in der prozess- und akteursbezogenen Projektarbeit partizipativer Erbeentwicklung. Aktuell erforscht Sandmeier, wie bewusste Raumwahrnehmung und –aktivierung die kollektive und individuelle Wertschätzung der eigenen Umwelt beeinflussen.

Seit 2017 Lehraufträge im Bereich städtebauliche Denkmalpflege für den Masterstudiengang Architektur an der Hochschule Augsburg und im Masterstudiengang Denkmalpflege / Heritage Conservation an der Universität Bamberg. 2022 und 2023 Vertretungsprofessuren an der Hochschule Augsburg in den Studiengängen Architektur und EnergieEffizienzDesign.

www.hs-augsburg.de


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