Mit Bildergalerie 👁️ • Das Buch »Reallabor Nachkriegsmoderne« stellt die Ergebnisse des Architektursymposiums vor, welches 2022 im Augsburger Kongress am Park statt fand. Im Fokus steht auch Augsburgs 1972 eröffneter Olympia-Eiskanal, der inzwischen zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt.

Bei der »Sommerwoche der Architektur« in Augsburg fand im Rahmen einer Sonntagsmatinee Ende Juli 2023 die Buchpräsentation Reallabor Nachkriegsmoderne (jovis) statt. Zu Gast war der Mitherausgeber PD Dr. habil. Olaf Gisbertz. Das Buch (jovis) stellt die Arbeitsergebnisse des DFG-Netzwerks Bauforschung Jüngere Baubestände 1945+ einem breiteren Publikum vor; das Netzwerk hatte seinen Abschlussveranstaltung seiner Tagung 2022 in Augsburg abgehalten – wo im selben Jahr zwei architektonische Ensembles 50-jähriges Jubiläum feierten.
Der Studientag fand in der 1972 erbauten Kongresshalle, dem heutigen Kongress am Park, statt; gleichzeitig ist die Tagungsstätte Heimstätte des für die Olympischen Spiele 1972 gebauten Sportareals am Eiskanal – welches inzwischen als Teil des Augsburger Wassermanagement-Systems Teil des UNESCO-Weltkulturerbe ist. Es ist ein Foto des Kongress am Park (vom Architekturfotografen Andreas J. Focke), das letztendlich auch den Umschlag des Buches ziert.
In seinem Vorwort zum Buch stellen die Herausgeberinnen in Blick auf die Kongresshalle klar: »Mit der Wiedereröffnnung dieser Landmarke in Augsburg im Jahr 2012 gab es nun Anlass genug, genau an diesem Ort das junge Bauerbe der 1960er und 1970er Jahre hinsichtlich aktueller Methoden der Bauforschung und Dekmalpflege zu disktutieren, verschiedene Erfassungs- und Erhaltungsstrategien zu überprüfen und die Nutzung- und Zukunftspotenziale des jungen Bauerbes in der Praxis auszuloten.« Von Götz Beck, Geschäftsführer der Kongress am Park Betriebs GmbH, die als als neue Betreibergesellschaft das Gebäude 2009 als Markenkern aufnahm, stammt das Grußwort im Buch. Bereits 2013, kurz nach der Wiedereröffnung des Kongress am Park, hatte hier schon ein Architektursymposium stattgefunden, Bauen für die Massenkultur beleuchtete die Geschichte und Bedeutung von Stadt- und Kongresshallen der 1960er und 1970er Jahre.

Das Buch zeigt auf Grundlage laufender Projekte aus dem DFG-Netzwerk Bauforschung Jüngere Baubestände 1945+ mögliche Perspektiven für den Umgang mit dem jüngeren Bauerbe auf. 22 Beiträge beleuchten die Rolle von Denkmalpfege und Bauforschung zum Schutz des jüngeren Bestands. Die Artikel widmen sich dabei verschiedenste Positionen der Bauforschung im jüngeren Denkmalbestand und sind im Buch nach vier Themenkreisen geordnet. Die Rubrik »Analog und Digital« widmet sich der Bestandserfassung und Bestandsdokumentation junger Baubestände, »Evidenz und Konsequenz« der Bauforschung und denkmalpflegerischen Entscheidungswegen. Unter der Rubrik »Serie und Maßstab: Potenziale von Größenstrukturen« geht es um systemische Fragen denkmalpflegerischer Praxis. Der Abschnitt »Erhaltung und Transformation« widmet sich schließlich Case Studies. Vier weitere, den Themenkreisen vorangestellte Beiträge geben eine generelle Einführung ins Thema.
Der Eiskanal in Augsburg
Für Augsburger Leserinnen und Leser insbesondere interessant ist der bebilderte Beitrag Der Eiskanal in Augsburg. Zum Umgang mit einem jungen Denkmal. Frank Seehausen und Michael Habres schreiben hier über das relative junge Denkmal: 2017 wurde die erst 50 Jahre alte Anlage in die Denkmalliste eingetragen, seit 2019 gehört sie zum UNESCO-Welterbe. Der Beitrag beleuchtet die Entwicklung vom Eiskanal zur Olympischen Kanustreckee, das Zusammenspiel von Landschafts- und Hochbauarchitektur und wirft einen Blick auf die in den Jahren 2020 bis 2022 geschehene Generalsanierung.
Bilder aus dem Buch »Reallabor Nachkriegsmoderne« • Mit freundlicher Genehmigung des jovis Verlag – Fotografen-Credits und Beschreibung jeweils in den eingeblendeten Bildunterschriften
Architekt und Denkmalpfleger Michael Habres, einer der beiden Autoren, ist in der Region in Thierhaupten am dortigen Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als wissenschafticher Referent und stellvertretender Referatsleiter tätig. Ein weiterer Autor im Buch, der aus der Region ansässig ist , ist der Augsburger Architekt Roman Adrianowytsch, tätig in verschiedenden Gremien im Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA) Bayern und 2012 bis 2023 Vorsitzender des BDA-Kreisverbandes Augsburg-Schwaben.
Perspektiven für den Umgang mit jüngerem Bauerbe
Das gebaute Erbe der Moderne ab 1945 steht angesichts des Klimawandels und hoher gesellschaftlicher Erwartungen seit Jahren auf dem Prüfstand. Der umfangreiche Bestand wurde mit großen Zukunftshoffnungen in nur kurzer Zeit errichtet – und nicht selten unter Einsatz wenig erprobter Fertigungstechniken der Bauindustrie.
Bei allen Bemühungen um die Erforschung von Raumkonzepten und gesellschaftlichen Utopien der 1950er bis 1970er Jahre: Der praxisorientierten Bauforschung fehlen verbindliche Strategien zur Erfassung und Bewertung von Konstruktionen, Materialien und Bauweisen für die große Zahl an Bauten aller Baugattungen, vom solitären Kirchenbau über Wohnsiedlungen und Grünanlagen bis hin zu den voluminösen Großbauten für Kultur, Sport und Bildung sowie den Ingenieursbauwerken der urbanen und peripheren Infrastruktur.
Um diesen Bestand als Ressource für die Zukunft zu erhalten, sind neue Werkzeuge der Erfassung und Bewertung unter Berücksichtigung bautechnischer, konstruktiver, ökologischer und ökonomischer Faktoren erforderlich. Das Buch Reallabor Nachkriegsmoderne will auf Grundlage laufender Projekte aus dem DFG-Netzwerk Bauforschung Jüngere Baubestände 1945+ mögliche Perspektiven für den Umgang mit dem jüngeren Bauerbe aufzeigen.
Bilder aus dem Buch »Reallabor Nachkriegsmoderne« • Mit freundlicher Genehmigung des jovis Verlag – Fotografen-Credits und Beschreibung jeweils in den eingeblendeten Bildunterschriften
Olaf Gisbertz, Mark Escherich, Sebastian Hoyer, Andreas Putz und Christiane Weber (Hrsg.): Reallabor Nachkriegsmoderne. Zum Umgang mit jüngeren Denkmalen.
DFG Netzwerk Bauforschung Jüngere Baubestände 1945+
Broschur, 320 Seiten, 125 farb. Abbildungen
jovis Verlag Berlin, 2023
Format: 16,5 x 24 cm
ISBN 978-3-86859-754-7• Veröffentlichungstermin: 6. Juni 2023
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