MAI-PROGRAMM IM BRECHTHAUS ★ auxlitera präsentiert ★ Das Brechthaus-Programm hat im Wonnemonat einen Roman über die Untiefen der Politwerbung und feingefühlte Lyrik in petto. Und der Brechtkenner und Theaterregisseur Stefan Schön (siehe Bild) stellt in einer Lesung Antonio Batucchis Roman »Erklärt Peirera« vor. Weiterhin zu sehen ist die Sonderausstellung »Bücher und Tücher«.
☆ MONATS-TIPP: Am Sonntag, 17. Mai (11 Uhr) stellt der Theaterregisseur und Brechtkenner Stefan Schön in der Reihe Brecht und Konsorten den Roman Erklärt Peirera von Antonio Batucchi mit einer Lesung im ➽ Brechthaus vor. (Eintritt: 8 €, eine telefonische Anmeldung ist erforderlich: 0821-45098231).
Der Roman ist als Rahmenhandlung verfasst. Der Text ein Protokoll, das die Hauptfigur gibt. Die Rolle des Dr. Peirera war eine der letzten großen Filmaufgaben von Marcello Mastroianni im gleichnamigen Film. Die Handlung: Dr. Peirera ist Redakteur bei der Abendzeitung Lisboa. Seine Frau ist tot, er lebt allein. Und betreut in Art einer ein-Mann-Kulturredaktion u.a. die Rubrik der Nachrufe, die in der Zeitung erscheinen. Geschrieben auf Halde. Es ist die Zeit der Salazar-Diktatur in Portugal. 1938. Eines Tages lernt Pereira den Philosophie-Studenten Monteiro Rossi kennen. Pereira bietet ihm an, den ein oder anderen Nachruf für seine Zeitung zu verfassen.
Über Rossi und seine Freundin gerät er in Kontakt zum jungen Widerstand. Als der junge Mann in Pereiras Wohnung von Salazar-Geheimpolizisten erschlagen wird, beschließt der ältliche Witwer einen Nekrolog für Rossi in der Abendzeitung unterzubringen. An der Zensur vorbei gerät dieses riskante Unternehmen zugleich zu einem persönlichen Bruch mit dem Gewohnten und so zu einem Aufbruch in andere Welten. ⟴ pm • auxlit
Das weitere Programm im Mai 2026:
• Sonntag, 3. Mai (11 Uhr)
MARLENES KAMPF IM WAHLKAMPFGESCHÄFT. WIE PROFESSIONELLE POLITWERBUNG DIE DEMOKRATIE BEDROHT • Die Berliner Autorin Katharina Körting liest aus ihrem politischen Roman • Eintritt 8 Euro
Doch die Verhältnisse, die sind nicht so – Marlene Meyrer erfährt es am eigenen Leib. Dabei will sie so gern Gutes tun – und damit Geld verdienen. Sie verdingt sich als Internet-Texterin bei einer PR-Agentur, die im Wahlkampf der Sozialen Fortschrittspartei (SFP) anheuert. Für den Missbrauch der Worte wird die alleinerziehende Texterin gut honoriert, gerät jedoch bald in Konflikte. Sie erlebt, wie der boomende Wirtschaftssektor Öffentlichkeitsarbeit die Sprache der Politik zersetzt, wie Inhalt im Rahmen der Politischen Kommunikation zur Ware und Politik zum Geschäft wird – samt »Markenkern« und »Zielgruppe« soll es »liefern«. Ihre geliebte SFP ist kein bisschen besser als deren Konkurrenz, und Marlene verkauft sich selbst, um politische Botschaften innerhalb einer schnelldrehenden Maschinerie zu verramschen und zugleich die Käuflichkeit des Vermittelten kunstvoll zu verbergen.
Nach der Lesung steht die Autorin für Fragen und Diskussion zur Verfügung.
KATHARINA KÖRTING schreibt Prosa, Lyrik und journalistische Texte u. a. für die Wochenzeitung der Freitag. 2024 war sie Arbeitsstipendiatin für deutschsprachige Literatur der Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Sie studierte Philosophie, Romanistik, Soziologie in Freiburg, Lyon und Berlin (M. A. phil.), erwarb berufsbegleitend einen weiteren Master Biografisches und Kreatives Schreiben und gibt seitdem Schreibwerkstätten. Die Autorin hat vier erwachsene Kinder und lebt meistens in Berlin.
• Sonntag, 10. Mai (11 Uhr):
»LEHR MICH SPIEGELSCHRIFT« • Lesung mit Miriam Bornewasser • Eintritt 8 Euro, eine telefonische Anmeldung ist erforderlich: 0821-45098231
lehr mich spiegelschrift beschäftigt sich mit Momenten des euphorischen Lebendigseins und zähen Verendens. Pflanzliche und tierisch-fleischliche Bilder vermischen sich mit toter Materie. Naturmotive dienen immer wieder als Ausgangspunkt, um menschliche Emotionen auszuloten und ein in der Welt sein und dort nach seinem Platz suchen zu versprachlichen. Die Gedichtreihe versucht, eine zerfallende, ins Stocken geratene Sprache einzufangen. Abgebrochene, zersplitternde Worte verteilen sich auf verschiedene Verse, erschaffen Uneindeutigkeiten, wachsen ineinander.
MIRIAM BORNEWASSER ist Künstlerin und Autorin. Als Empfängerin des Stuttgarter Lyrik-Stipendiums schrieb sie 2025 lehr mich spiegelschrift. Nach Wände ohne Welten und Dürreregen – Spuren eines Suchens ist es ihr drittes Buch, das im Geest-Verlag erscheint. 2024 schloss Miriam Bornewasser ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf mit einem Akademiebrief und als Meisterschülerin Danica Dakics ab.
• Weiterhin: SONDERAUSSTELLUNG • Noch bis 31. Dezember 2026:
BÜCHER UND TÜCHER. Von Augsburg in die Niederlande: Hein Kohn (1907-1979). Brechtfreund, legendärer Exilverleger, Literaturagent und Kulturvermittler. • Eintritt 8 Euro
Die Sonderausstellung widmet sich dem in Augsburg geborenen Brechtfreund, legendärer Exilverleger, Literaturagenten und Kulturvermittler Hein Kohn (1907-1979), der während der Nazi-Zeit von Augsburg in die Niederlande flüchten musste. Die Ausstellung erzählt Kohns Geschichte. Mit dem jüdischen Tuchmacher Samuel Kohn, dessen Ansiedlung in Augsburg der bayerische König 1837 erlaubt hatte, wurden die Kohns in Augsburg ansässig, sind bis 1938 als Kaufleute und Unternehmer, Tuchmacher und Textilhändler vielfältig in Augsburg in der Textilbranche tätig. Mehrere Veranstaltungen im Brechthaus werden die Ausstellung begleiten.
Zu sehen während der Öffnungszeiten des Brechthauses, Di – So: 10:00 – 17:00 Uhr
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