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Unheilsprophet, Ökophilosoph, Kulturkritiker, Störenfried

Eine Ausstellung in der Zentralbibliothek der Uni Augsburg erinnert an den vergessenen Philosophen Theodor Lessing.

Die Universität Augsburg präsentiert in ihrer Zentralbibliothek die neue Ausstellung Theodor Lessing (1872–1933): Unheilsprophet, Ökophilosoph, Kulturkritiker, Störenfried. Sie erinnert an den Philosophen, der schon in den 1920er Jahren vor einer globalen ökologischen Krise warnte, sich gegen Lärmbelästigung engagierte und wegen seiner frühen Kritik an Hindenburg und seiner jüdischen Herkunft von den Nationalsozialisten verfolgt wurde. Philosophie-Studenten haben die Ausstellung in einem Seminar zusammengestellt. Der Eintritt ist frei, die Ausstellung ist bis zum 30. September 2026 zu den Öffnungszeiten der Bibliothek zu sehen.

Theodor Lessing wurde 1872 in Hannover geboren, in eine jüdische Familie, die schon lange in der Stadt lebte. Später lehrte er dort als Philosophieprofessor an der Technischen Hochschule. Sein Werk gilt heute als bemerkenswert hellsichtig: Lessing war einer der ersten Denker, die sich mit einer globalen ökologischen Krise auseinandersetzten. Sein Hauptwerk Europa und Asien trägt den prophetischen Untertitel Untergang der Erde am Geist. Als er es in den 1920er Jahren verfasste, wirkte seine Diagnose befremdlich. Heute zeigt sich, wie weit er seiner Zeit voraus war. Lessing blieb nicht bei der Theorie. Er setzte sich aktiv für eine gesündere, freundlichere Umwelt ein, schrieb früh gegen Lärm und gründete einen Anti-Lärm-Verein – eine Bürgerinitiative, wie man heute sagen würde, die sich gegen vermeidbaren, gesundheitsschädigenden Lärm wandte.

Verfolgt, vertrieben, ermordet

1926 kritisierte Lessing in einer Schrift die Präsidentschaft Hindenburgs und sagte voraus, dass sie der Auftakt zu einer Diktatur sein werde. Antisemitische Studentengruppen und rechtsextreme Organisationen setzten daraufhin seine Entfernung von der Universität durch. Lessing durfte fortan nicht mehr öffentlich lehren. Im Mai 1933 gehörten seine Bücher zu den ersten, die auf den Schwarzen Listen der Nationalsozialisten standen und verbrannt wurden. Lessing floh mit seiner Familie ins tschechische Marienbad. Dort wurde er im August 1933 von einem nationalsozialistischen Mordkommando erschossen.

Wie die Ausstellung entstand

Die Nationalsozialisten wollten missliebige Autoren nicht nur verbieten, sondern aus dem kulturellen Gedächtnis tilgen – das betraf nicht nur bekannte Dichter, sondern auch Philosophen wie Lessing. Um das sichtbar zu machen, veranstaltete das Wissenschaftszentrum Umwelt der Universität Augsburg ein Seminar zu Lessings Philosophie. Daraus entstand die gemeinsame Idee, mit einer Bücherausstellung an den gezielt eliminierten Autor zu erinnern.

»Ausgangspunkt der Recherche war die ›Sammlung Salzmann – Bibliothek der verbrannten Bücher‹ an der Universität Augsburg, eine deutschlandweit einzigartige Sammlung«, erklärt Prof. Dr. Jens Soentgen, Leiter des Wissenschaftszentrums Umwelt, der das Seminar für Philosophie-Studierende angeboten hat. »Da sich der Sammler Salzmann auf belletristische Literatur konzentriert hatte, war Lessings Werk dort nur vereinzelt vertreten. Ergänzt wurde der Bestand deshalb aus einer Privatsammlung, sodass eine repräsentative Werkschau entstehen konnte, die die Breite von Lessings Schaffen zeigt.«

Für die literaturwissenschaftliche Qualität der Ausstellung sorgte die Zusammenarbeit mit dem Germanisten Dr. Konrad Heumann, Leiter der Handschriftenabteilung am Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt am Main. Kuratiert haben die Ausstellung Philosophie-Studenten der Universität Augsburg. Ihr Ziel: die Aktualität von Lessings Werk ins Gedächtnis zu rufen und zur Begegnung mit einem Autor einzuladen, der auch heute noch Wesentliches zu sagen hat. ⟴  pm • auxlit

Die Ausstellung im Foyer des Zentralgebäudes der Universitätsbibliothek Augsburg (Tram-Haltestelle Universität, Gebäude E) izt zu sehen bis bis 30. September 2026. Der Eintritt ist frei. Geöffnet ist von Montag bis Freitag von 8:30 bis 23 Uhr, samstags 10 bis 21 Uhr und sonnatgs von 12 bis 18 Uhr; an Feiertagen geschlossen.


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