Das Landsberger Stadttheater bringt zum Start in die neue Spielzeit den bayerischen Dichter Uwe Dick auf die Bühne. Sein Monolog »Der ÖD« in einer Bühnenfassung mit Rupert J. Seidl wird in Landsberg als Premiere gezeigt.
1979 entsteht der Monolog des bayerischen Dichters Uwe Dick Der ÖD – Das Bio-Drama eines Amok denkenden Monsters oder: Wechselfiebrige Anfälle von Weisheit, Torheit und Faschismus. Eine volkskundliche Studie, den Dick selbst über dreihundert Mal als »Hörspieler und Schausprecher in einer Legasthenokratie« in szenischer Lesung zur Aufführung gebracht hat. Er skizziert Text und Charakter folgendermaßen: »Der ÖD […] kommt daher in Redensarten, baut sich auf aus Sprichwörtern, Arsenal-Tiraden, Bier und dazu Schnaps; moderne Mischtechnik. Aufmisch-Technik. Einer wird fertig gemacht, quasi: Ma muaß aa amoi a Aug ausdrucka kenna! Andererseits Sensibilität, intellektuelle Potenz, die freikommen möchte: Raus aus der Fertigteilsprache, aus den überkommenen Antworten und Lebenslügen. Der Öd – Ein Psychodrama vor einer Gesellschaft von Verbrauchern, die sich nicht bescheiden will, die lieber verkrebst als verzichtet.«
Das mittlerweile ehemalige Ensemblemitglied des Theaters an der Ruhr, Rupert J. Seidl, bringt nun den Monolog quasi als Theateruraufführung im ► Stadttheater Landsberg auf die Bühne. Auf der Bühne stehen Seidl und Amal Omram, Regie führt Adriana Kocijan. Seidl befasst sich seit vielen Jahren mit den Texten von Uwe Dick, der vielen durch seine 📘 Sauwaldprosa (Wallstein Verlag) ► Anzeige bekannt ist. Der ÖD ist zu sehen am Freitag, 13., und Samstag, 14. September, jeweils um 20 Uhr.
Titelrolle im Kultfilm »Xaver«
Seidl, geboren 1955, studierte an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart, war unter Claus Peymann am Bochumer Schauspielhaus engagiert, gründete zusammen mit P. Bierey und E. Koltermann das freie Theaterproduktionsnetzwerk Sezession und war Intendant des Schlosstheaters Moers, ehe er 1999 Ensemblemitglied des Theaters an der Ruhr unter Roberto Ciulli wurde. In Landsberg gastiert er regelmäßig seit Mitte der 1990er Jahre. Zudem ist er vielen bekannt aus dem bayerischen Kultfilm Xaver von Werner Possardt, in dem er die Titelrolle spielte und der am Mittwoch, 11. September, im Filmforum zu sehen sein wird, natürlich unter Anwesenheit des Titelhelden.
Bitter, unerbittlich, Tod und Tor
Die Handlung des Stücks: Älter, verletzter, vielleicht bitterer, aber auf jeden Fall unerbittlich überschreitet der Öd an diesem Abend nun die Grenze in das Theater, in die Tiefe des Bühnenraums und in die Szene, direkt in das Schauspiel hinein. Das traditionelle bayrische Wirtshaus verschwimmt in die Trostlosigkeit der Tankstellen-Bewirtung, namenloser Schnellimbisse mit Sitzgelegenheiten und schafft Platz für eine Begegnung mit seiner Antagonistin: einer Servicekraft, die ganz bestimmt nicht aus Europa stammt und seiner bayerischen vox clamantis in deserto vielleicht nur ein einziges deutsches Wort entgegen schmettern kann. Vielleicht lässt der Abend auch jeden Naturalismus hinter sich und überschreitet die Märchengrenze in einen Raum, in dem Tor und Tod – aber solche aus dem Kasperltheater! – sich und uns allen die letzte Frage stellen: Wie kann, wie soll man leben? ⟴ pm / stadttheater landsberg • auxlit
UWE DICK
Der bayerische Dichter Uwe Dick, 1942 in Schongau geboren, 2007 mit dem Jean-Paul-Preis des Freistaates Bayern ausgezeichnet, wurde unter anderem mit Werken wie Theriak, Monolog eines Radfahrers oder Wer einen Dachschaden hat, der ist freilich offen fürs Höhere einem breiteren Publikum bekannt. 1976 erschien die erste Fassung seines Lebensbuches Sauwaldprosa und zuletzt 2022 in einer finalen Ausgabe. ⟴ pm / stadttheater landsberg • auxlit
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