Deutscher Sachbuchpreis 2024 für »Tausend Aufbrüche«

Christina Morina erhält den Deutschen Sachbuchpreis 2024 für ihr Werk »Tausend Aufbrüche. Die Deutschen und ihre Demokratie seit den 1980er Jahren« (Siedler Verlag). Mehr zum Buch, Leseproben-Link und Video.

Die Gewinnerin des Deutschen Sachbuchpreises 2024 ist Christina Morina. Sie erhält die Auszeichnung für ihr Werk 🛒 Tausend Aufbrüche. Die Deutschen und ihre Demokratie seit den 1980er Jahren (Siedler Verlag) ► Anzeige. Das Buch der Historikerin ist eine Antwort auf eingefahrene Ost-West-Debatten und wirft auf wissenschaftlicher Grundlage einen gesamtdeutschen Blick auf die Deutschen und ihre Demokratie seit den 80er-Jahren. Prof. Dr. Christina Morina ist seit 2019 Professorin für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte an der Universität Bielefeld. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Gesellschafts- und Erinnerungsgeschichte des Nationalsozialismus, in der politischen Kulturgeschichte des geteilten und vereinigten Deutschlands sowie in dem Verhältnis von Geschichte und Gedächtnis.

Christina Morina bei der Preisverleihung am 11.6.2024 in der Elbphilharmonie Hamburg. Foto: Daniel Müller

Die 👨‍⚖️ 👩‍⚖️ Jury begründete die Auszeichnung zum 🛒 Sachbuch des Jahres 2024 ► Anzeige wie folgt: »Demokratien befinden sich auf der ganzen Welt in der Krise, darüber herrscht weitgehende Einigkeit. Die Frage aber, was es eigentlich heißt, Demokratie zu leben, gerät dabei oft in den Hintergrund. Vor diesem Hintergrund Christina Morina nutzt bisher wenig beachtete Quellen, um zu zeigen, wie unterschiedlich sich das Demokratieverständnis in Ost- und Westdeutschland seit den 1980er Jahren entwickelt hat.« Ihre methodisch raffinierte und augenöffnende zeitgeschichtliche Analyse auf der Grundlage von Briefen, Petitionen und Flugblättern gebe Bürger*innen der DDR und der BRD eine Stimme. Morina liefere mit diesem Buch überraschende und notwendige Impulse für die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen. »Ihr Buch riskiert viel, ohne zu polarisieren – Demokratie ist Prozess, kein Zustand.«


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Christina Morina:
Tausend Aufbrüche.
Die Deutschen und ihre Demokratie seit den 1980er Jahren
Siedler Verlag

Die Ost-West-Debatte der Deutschen ist oft von gegenseitigem Unverständnis und Zuspitzungen geprägt. Christina Morina vermeidet die übliche Frontenbildung und rückt – anhand vieler bisher unerforschter Selbstzeugnisse wie Bürgerbriefe, Petitionen und Flugblätter – die Demokratievorstellungen und das Selbstverständnis ganz normaler Bürgerinnen und Bürger in Ost und West seit den 1980er Jahren in den Fokus. Indem die Autorin die Demokratiegeschichte der Bundesrepublik und die Demokratieanspruchsgeschichte der Deutschen Demokratischen Republik miteinander verzahnt, kann sie maßgebliche Unterschiede und wechselseitige Bezüge im Staats- und Politikverständnis herausarbeiten.

Dabei entsteht ein differenziertes Bild: Viele Bewohner der DDR identifizierten sich mit ihrem Land und dessen „volksdemokratischen“ Idealen, blieben dem Staat und seinen Institutionen gegenüber jedoch skeptisch. Diese Staatsferne gepaart mit einem oft provinziell-utopischen Bürgersinn, dessen Potentiale nach der Vereinigung weitgehend ungenutzt blieben, wirkt bis heute nach. Im Zusammenspiel mit einem wiedererstarkenden Nationalismus im Westen entstand so nicht zuletzt auch der Nährboden für den Aufstieg des Rechtspopulismus. Christina Morinas Buch offenbart die Grenzen der westdeutschen Liberalisierung ebenso wie die Vielfalt der ostdeutschen Demokratieaneignungsversuche – ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der gegenwärtigen prekären Lage der Demokratie. verlagstext

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Christina Morina erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro; die sieben Finalist*innen erhalten jeweils 2.500 Euro. Die Preisträgerin wurde in mehreren Auswahlstufen ermittelt. Die sieben Jurymitglieder haben seit Ausschreibungsbeginn 225 Titel gesichtet, die ab April 2023 erschienen sind. Aus diesen Sachbüchern hat die Jury eine acht Titel umfassende Nominierungsliste ( auxlitera berichtete) zusammengestellt. Die Preisverleihung mit einem Grußwort von Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda fand im Kleinen Saal der Elbphilharmonie in Hamburg statt. Der Stream der Veranstaltung ist online abrufbar.

Video der Preisverleihung 2024.

Foto (Ausschnitt): Daniel Müller

CHRISTINA MORINA

Seit 2019 Professorin für Allgemeine Geschichte unter besonderer Berücksichtigung der Zeitgeschichte an der Universität Bielefeld. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Gesellschafts- und Erinnerungsgeschichte des Nationalsozialismus, in der politischen Kulturgeschichte des geteilten und vereinigten Deutschlands sowie in dem Verhältnis von Geschichte und Gedächtnis.

Christina Morina studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Journalistik an den Universitäten Leipzig, Ohio und Maryland (USA) und wurde 2007 mit einer Arbeit über den Krieg gegen die Sowjetunion in der deutsch-deutschen Erinnerungskultur promoviert. Sie war von 2008 bis 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, wo sie sich 2017 mit einer Arbeit über die Ursprünge des Marxismus habilitierte.


Mit dem Deutschen Sachbuchpreis zeichnet die Stiftung Buchkultur und Leseförderung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels das Sachbuch des Jahres aus. Ausgezeichnet wird ein herausragendes Sachbuch in deutschsprachiger Originalausgabe, das Impulse für die gesellschaftliche Auseinandersetzung gibt.

Der Jury für den Deutschen Sachbuchpreis 2024 gehören an: Sibylle Anderl (Die Zeit), Julika Griem (Kulturwissenschaftliches Institut Essen), Michael Hagner (ETH Zürich), Stefan Koldehoff (Deutschlandfunk), Michael Lemling (Buchhandlung Lehmkuhl), Patricia Rahemipour (Institut für Museumsforschung, Stiftung Preußischer Kulturbesitz) und Katrin Vohland (Naturhistorisches Museum Wien).

»Je mehr Informationen wir haben, desto wichtiger wird deren einordnende Verknüpfung. Umso wichtiger werden Texte, die gut recherchiert, klug und mit Zeit zu Ende gedacht Zusammenhänge klären und erklären, das Tagesgeschehen in den größeren Kontext einordnen. Die heute nominierten Sachbücher sind facettenreich und inspirierend. Sie regen an und machen neugierig. Sie geben uns die Chance, das langsame Denken zu schulen – ein essenzielles Werkzeug, mit dem wir die Zukunft sinnvoll mitgestalten können«, sagte Karin Schmidt-Friderichs, Vorsteherin des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels bei der Preisverleihung. Hauptförderer des Preises ist die Deutsche Bank Stiftung, darüber hinaus unterstützen die Stadt Hamburg und die Frankfurter Buchmesse die Auszeichnung. Schirmfrau ist Kulturstaatsministerin Claudia Roth. pm · auxlit


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