Echos von Brecht, Kästner, Dylan Thomas und von Traumata.

Carl E. Ricé legt mit »Schrei mit dem Wind« sein Lyrikdebüt vor. Einen Namen machte sich der 1947 geborene Autor vor allem als Erzähl-Performer. Der neue Band: eine Quintessenz von mehr als 50 Jahren dichterischen Schaffens. ★ Ein Gastbeitrag von 🧔 Gerald Fiebig

Carl E. Ricé (geb. 1947) legt mit Schrei mit dem Wind sein Lyrikdebüt vor – und zugleich die Quintessenz von mehr als 50 Jahren dichterischen Schaffens. Einen Namen in der literarischen Öffentlichkeit machte sich der Autor seit Anfang der 1990er vor allem als Erzähler – und zwar nicht nur mit seinem Prosaband Henker, bitte weitermachen (1993), sondern vor allem als Erzähl-Performer, der durch freies Erzählen (nicht Vorlesen oder Rezitieren) eigene Geschichten, aber auch Stoffe der Weltliteratur – von Dickens und Poe bis zu Bachmann und Brecht – auf der Bühne zum Leben erweckt.

So war auch sein Hauptwerk Das Kainszeichen – Geschichte einer Vergewaltigung 30 Jahre lang ausschließlich als Live-Performance des Autors erlebbar, bis sie 2022 bei parasitenpresse als Hörbuch-Doppel-CD erschien. Auch ein Teil der Gedichte in Schrei mit dem Wind steht mit dem Kainszeichen-Stoff in direktem Zusammenhang – dichterische Zeugnisse eines Überlebenskampfes nach massivsten traumatischen Erfahrungen: »Nun aber brennt meine Seele / von all den Bildern / dieses Krieges / die mein Schweigen / in mich einschloß«. Durch die Texte dieses Bandes wehen Echos von Brecht und Kästner, von Wolfgang Borchert und Dylan Thomas, von Odenstrophen und Beat Generation.

Am 7. November stellte der Augsburger Autor Carl E. Ricé (Bildmitte) seinen ersten Gedichtband mit einer Lesung im Kulturhaus Abraxas vor, musikalisch umrahmt von Alexander Möckl (links). Die Lesung war zugleich der Auftakt zur Ricés Gemäldeausstellung im Ballettsaal des Kulturhauses. • Foto: Gerald Fiebig

All diese Anklänge verwandelt Carl E. Ricé in Nuancen seiner unverkennbar eigenen lyrischen Stimme. Trauer und Wut, Zärtlichkeit und ein an Schwärze nicht zu überbietender Humor – all das setzt Carl E. Ricé in Bilder um, in denen existenzieller Ernst und nicht weniger existenzieller Sarkasmus sich verbünden, um einer vermeintlich unaussprechlichen Erfahrung eine Stimme zu geben. Schweigen wäre der Tod – »doch / ich bin zu einsam / um schweigen / zu können«.

Ein Gastbeitrag von Gerald Fiebig • Der Lyriker und Leiter des Kulturhaus Abraxas ist Lektor des Gedichtsbandes von Carl E. Ricé.

📕 Der Gedichtband Schrei mit dem Wind ist in der Buchhandlung am Obstmarkt Augsburg und in der Bücherinsel Pfersee vorrätig.

🎨 Unter dem Titel Schrei mit dem Wind kann man bis Sonntag, 7. Januar 2024, eine Auswahl Ricés wichtigster Bilder im Kulturhaus Abraxas besichtigen. Erwerben kann man die Kunstwerke gegen eine Spende an das Kinderschutz Zentrum München (Näheres dazu auf Ricés Website www.carerice.wordpress.com

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