»Lesezeichen«-Brechtfestival-Edition ★ Brechtfestival-Co-Kuratorin Sahar Rahimi zu Gast in der 𝒂𝒖𝒙𝒍𝒊𝒕𝒆𝒓𝒂-Serie »Lesezeichen«. Die in Athen lebende Iranerin ist Theaterregisseurin und leitet zusammen mit Mark Schröppel das Brechtfestival*26. Die Tabori-Preisträgerin gibt Einblick in ihre Lesewelt und Lesegewohnheiten.
LESEZEICHEN • 9 Fragen an Sahar Rahimi
– Leiterin des Brechtfestivals 2026 & Theaterregisseurin –
► Ich lese am liebsten direkt nach dem Aufwachen am Morgen. Wenn der Kopf noch frisch ist und unbelastet vom Getöse des Tags. Manchmal stelle ich mir dafür sogar extra früher den Wecker, um lesen zu können, bevor die Familie aufwacht. Lesen ist für mich eine sehr intime Tätigkeit. Es geht ja um Gedanken, Gefühle, Geschichten und Welten, die mich berühren, iritieren, inspirieren und zum Nachdenken bringen.
Ich glaube, dass Lesen als Zeit des Rückzugs und der Kontemplation sehr wichtig ist, um dann auch mit neuen Ideen in Gesellschaft zu gehen und etwas Produktives beizusteuern zu einem Nachdenken für eine gemeinsame Zukunft.
◼️ Welche Zeitschriften/Periodika lesen Sie? Haben Sie Abonnements?
► Ich lese regelmäßig den freitag in Print, Ansonsten lese ich natürlich viel querbeet digital, wie die meisten Menschen am Handy. Ich versuche dabei deutsche und internationale Medien zu mischen.
◼️ Haben Sie einen oder eine Lieblingsautor/-in? Wo würden Sie sich gerne mit ihm / ihr treffen?
► Mein momentaner Lieblingsautor ist Dinçer Güçyeter. Ich würde ihn gerne im Festivalzentrum treffen und mit ihm einen Çai trinken. Und wissen Sie was? Er kommt nach Augsburg! Am letzten Festivaltag kommt er zur Theaterinszenierung seines Romans Unser Deutschlandmärchen in den Martini- Park zum Publikumsgespräch. Kommt vorbei, schaut Euch das Stück an und erlebt ihn beim Gespräch. Ich verspreche: Es ist ein Erlebnis!
◼️ An welches Buch aus Ihrer Kindheit können Sie sich noch lebhaft erinnern?
► Meine Mutter setzte mich regelmäßig in der Stadtbücherei ab und ging einkaufen. Und da erinnere ich mich vor allem daran, sehr viel Snoopy Comics gelesen zu haben. Zugänglich, kurzweilig und entspannend.
◼️ Welches Buch (oder welche Begegnung mit einem schriftlichen Periodikum) hat Sie geprägt? Und wie und warum?
► Das hört sich bestimmt komisch an, aber ich habe mit 12 Jahren Das kommunistische Manifest von Karl Marx gelesen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie die feurige Sprache mich mitgerissen hat. Ich hatte als Kind einen sehr stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ich dachte Karl Marx wäre die richtige Adresse für meine aufkommenden Idee. Natürlich habe ich gerungen ums Verstehen und erinnere mich heute nur noch an das berühmte Gespenst, das in Europa umhergeht. Aber dieses Büchlein war definitiv prägend.
◼️ Wenn Sie selbst ein Buch schreiben würden, was für eines wäre es, worüber ginge es? Und verraten Sie uns seinen Titel?
► Ich hatte wie viele Teenager sehr viele Romanideen. Das wären wahrscheinlich Titel, die eher in der Schmuddelecke bei Lübbe und Bastei gelandet wären. Es ging vor allem um unerfüllte Liebe, Leidenschaft und schmierige Erotik gepaart mit ulkigen Horror-Momenten. Ein Titel könnte sein: Die Unterhose des Grauens.
◼️ Welche/r Nicht-Literat/in sollte Ihrer Meinung nach mal ein Buch schreiben und worüber?
► Wir haben in der Festivalvorbereitung, viele Augsburger Persönlichkeiten getroffen. Dabei haben wir auch Claudia Nickl, die Behindertenbeauftragten der Stadt Augsburg kennengelernt. Sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit und kämpft seit vielen Jahrzehnten für die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung in Augsburg. Ich glaube sie hat viele spannende, harte, aber auch lustige Geschichten zu erzählen.
◼️ Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
► Hundesohn von Ozan Zakariya Keskinkiliç (große Empfehlung!!)
Lesarten ▣ Schnellcheck:
👓 • Lesebrille? – Ja, muss!
📖 💻 • Buch oder E-Book? – Ich habe gar keinen E-Reader.
📑 • Lieblingslesezeichen? – Eselsohr!
📚 • Hardcover oder Taschenbuch? – Taschenbuch!
🛒 • Lieblingsbuchhandlung? – Buch und Bohne, München
Sahar Rahimi: Meine ❺ Lieblingsbücher
»… nur eine Momentaufnahme!:«
•Toni Morrison: Menschenkind
• Christopher Isherwood: A Single Man
• Mely Kiriak: Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an
• Georg Bataille: Das obszöne Werk
• Gedichte von Forough Farrokhzad (auf persisch gelesen)
⸛ Konzept & Fragen: Martin Schmidt
WOLF – ein Stück von Sahar Rahimi beim Brechtfestival*26
Mit WOLF zeigt Sahar Rahimi beim Brechtfestival*26 ein eigenes Werk: eine düstere, blutige, poetische Liebesgeschichte nach Motiven des Rotkäppchens, gespielt von Lucy Wilke und Lotta Ökmen. Sie erzählt vom letzten Aufbäumen alter und dem Erstarken neuer Ordnungen, von unsicherer Identität, romantischer Liebe und falschen Gedärmen. Termin: Sonntag, 1. März 2026 (Kulturhaus Abraxas, 19 Uhr) ► TICKETS Anzeige
► BISHER SCHON ZU GAST:
🏷️#14 •Mark Schröppel [Brechtfestival*26-Edition] • Co-Kurator Brechtfestival, Regisseur, Performer, Musiker: Eigenwillige Positionen, parallel gelesen
🏷️#12 •Dominik Kneißl & Fabian Schreyer • Fotokünstler: Linse, Licht, gelesene Welt
🏷️#11 •Asya Sen • Jungschauspielerin »Club Performance« am Staatstheater Augsburg: »Bücher bedeuten Inspiration, Ruhe und Selbsterkundung«
🏷️#10 • Adriana Gabrian • Violinistin und Mitglied der Augsburger Philharmoniker – »Perspektiven verstehen und weiterentwickeln«
🏷️#10 Tobias Klein • Leiter des Kulturamts Ingolstadt – »Kein einzelnes Buch, sondern das Lesen an sich hat mich geprägt«
🏷️ Rüdiger Hofmann • Comedian-Urgestein – Was liest dieser Mann?!
🏷️ Düzgün Polat • Diversity Trainer – Lesen gehört zur Lebensrealität
🏷️ Cordula Weimann •»Omas for Future«-Gründerin – Lesen und Handeln
🏷️ Klaus Rattenbacher •Gründervater des Donauwörther Poetry Slams – Sich durch das Buch fressen und sofort zu Ende lesen
🏷️ Martin Sailer • Landrat des Landkreises Augsburg und Bezirkstagspräsident des Bezirks Schwaben – L wie Landrat, L wie Lesen
🏷️ Anja Güthoff • Bildende Künstlerin – Tierisch viel lesen
🏷️ Gerald Bauer • Maler, Grafiker & Fotograf – Die Summe der Bücher.
🏷️ Alexej Gerassimez • Perkussionist & Artist in Residence am Staatstheater Augsburg – Schlag auf Schlag: von Stefan Zweig bis Dune
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