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Marx, Snoopy und Lesen als Kontemplation • Sahar Rahimi

»Lesezeichen«-Brechtfestival-Edition ★ Brechtfestival-Co-Kuratorin Sahar Rahimi zu Gast in der 𝒂𝒖𝒙𝒍𝒊𝒕𝒆𝒓𝒂-Serie »Lesezeichen«. Die in Athen lebende Iranerin ist Theaterregisseurin und leitet zusammen mit Mark Schröppel das Brechtfestival*26. Die Tabori-Preisträgerin gibt Einblick in ihre Lesewelt und Lesegewohnheiten.

Abseits seiner Brechtfestival*26-Edition fragt die 𝒂𝒖𝒙𝒍𝒊𝒕𝒆𝒓𝒂-Fragebogenserie »Lesezeichen« nach Lesegewohnheiten und Lesarten – auch bei Menschen, die auf den ersten Blick vielleicht zunächst nichts mit Literatur zu tun haben scheinen. Denn: Jeder liest, jeder hat seine Lektüren. Ob digital oder via Buch und Zeitung, als Fachzeitschrift oder App, als Sachbuch oder Newsletter.

Grafik: Mara Weyel

Gast in der 13. Lesezeichen-Folge ist die Theaterregisseurin, Autorin und Performance-Künstlerin Sahar Rahimi. Die gebürtige Iranerin (*1981) lebt in Griechenland und leitet derzeit im Duo mit Mark Schröppel das ➽ Brechtfestival 2026 [➳ hier eine Übersicht mit Ticket-Links zum literarischen Programm des Festivals].

Ihre künstlerischen Arbeiten bewegen sich im Grenzbereich von Theater, Performance, Installation und Video. Rahimis Fokus liegt dabei in kollektiven, partizipatorischen und inklusiven Kontexten. Am Sonntag, 1. März (Kulturhaus Abraxas, 19 Uhr), ist beim Brechtfestival Rahimis Stück Wolf zu sehen [TICKETS]. Das Brechtfestival 2026 findet von Freitag, 27. Februar, bis 8. März statt.

Sahar Rahimi studierte von 2003 bis 2008 am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen und ist Mitbegründerin der Performancegruppe Monster Truck, welche 2019 den renommiertenTabori -reis für ihr Gesamtwerk erhielt. Als Solokünstlerin inszeniert Sahar Rahimi u.a. am Ballhaus Ost-Berlin, am Theater Basel, am Schauspielhaus Wien und an den Münchner Kammerspielen.

Für 𝒂𝒖𝒙𝒍𝒊𝒕𝒆𝒓𝒂 gibt Sahar Rahimi Einblick in ihre Lesewelt.
Den selben Fragebogen füllte auch ihr Kuratoren-Kollege ➽ Mark Schröppel aus.


LESEZEICHEN • 9 Fragen an Sahar Rahimi

Leiterin des Brechtfestivals 2026 & Theaterregisseurin –

Sahar Rahimi in der Stadtbücherei Augsburg • Foto: Fabian Schreyer

◼️ Welche Genres lesen Sie hauptsächlich? Wie sind Ihre Lesevorlieben verteilt?

Diese Frage ist einfach zu beantworten: Kinderbücher! Als Mutter einer Bücherratte, die selbst noch nicht lesen kann, ist das allabendliche Vorleseritual obligatorisch. Das großartige daran ist, dass ich viel nachholen kann, was ich in meiner Kindheit nicht gelesen hab, weil meine iranischen Eltern wenig Bezug und Zugriff auf deutschsprachige Literatur hatten, iranische Kinderliteratur wiederum nicht leicht zu bekommen war. Ronja Räubertochter ist mein momentaner Favorit!

Neben den Kinderbüchern bin ich Fan von einem Genre, das unter dem Label »Feminist Gothic« zusammengefasst werden kann. Unheimliche Geschichten aus weiblicher Perspektive. Das fängt z.B. bei Mary Shelleys Frankenstein von 1818 an und endet bei der zeitgenössischen argentinischen Autorin Mariana Enríquez.

◼️ Wann lesen Sie? Welche Bedeutung haben Lesen, Bücher und Literatur speziell für Sie?

Ich lese am liebsten direkt nach dem Aufwachen am Morgen. Wenn der Kopf noch frisch ist und unbelastet vom Getöse des Tags. Manchmal stelle ich mir dafür sogar extra früher den Wecker, um lesen zu können, bevor die Familie aufwacht. Lesen ist für mich eine sehr intime Tätigkeit. Es geht ja um Gedanken, Gefühle, Geschichten und Welten, die mich berühren, iritieren, inspirieren und zum Nachdenken bringen.

Ich glaube, dass Lesen als Zeit des Rückzugs und der Kontemplation sehr wichtig ist, um dann auch mit neuen Ideen in Gesellschaft zu gehen und etwas Produktives beizusteuern zu einem Nachdenken für eine gemeinsame Zukunft.


◼️ Welche Zeitschriften/Periodika lesen Sie? Haben Sie Abonnements?

Ich lese regelmäßig den freitag in Print, Ansonsten lese ich natürlich viel querbeet digital, wie die meisten Menschen am Handy. Ich versuche dabei deutsche und internationale Medien zu mischen.

◼️ Haben Sie einen oder eine Lieblingsautor/-in? Wo würden Sie sich gerne mit ihm / ihr treffen?

Mein momentaner Lieblingsautor ist Dinçer Güçyeter. Ich würde ihn gerne im Festivalzentrum treffen und mit ihm einen Çai trinken. Und wissen Sie was? Er kommt nach Augsburg! Am letzten Festivaltag kommt er zur Theaterinszenierung seines Romans Unser Deutschlandmärchen in den Martini- Park zum Publikumsgespräch. Kommt vorbei, schaut Euch das Stück an und erlebt ihn beim Gespräch. Ich verspreche: Es ist ein Erlebnis!

◼️ An welches Buch aus Ihrer Kindheit können Sie sich noch lebhaft erinnern?

Meine Mutter setzte mich regelmäßig in der Stadtbücherei ab und ging einkaufen. Und da erinnere ich mich vor allem daran, sehr viel Snoopy Comics gelesen zu haben. Zugänglich, kurzweilig und entspannend.

◼️ Welches Buch (oder welche Begegnung mit einem schriftlichen Periodikum) hat Sie geprägt? Und wie und warum?

Das hört sich bestimmt komisch an, aber ich habe mit 12 Jahren Das kommunistische Manifest von Karl Marx gelesen. Ich erinnere mich noch genau daran, wie die feurige Sprache mich mitgerissen hat. Ich hatte als Kind einen sehr stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ich dachte Karl Marx wäre die richtige Adresse für meine aufkommenden Idee. Natürlich habe ich gerungen ums Verstehen und erinnere mich heute nur noch an das berühmte Gespenst, das in Europa umhergeht. Aber dieses Büchlein war definitiv prägend.

◼️ Wenn Sie selbst ein Buch schreiben würden, was für eines wäre es, worüber ginge es? Und verraten Sie uns seinen Titel?

Ich hatte wie viele Teenager sehr viele Romanideen. Das wären wahrscheinlich Titel, die eher in der Schmuddelecke bei Lübbe und Bastei gelandet wären. Es ging vor allem um unerfüllte Liebe, Leidenschaft und schmierige Erotik gepaart mit ulkigen Horror-Momenten. Ein Titel könnte sein: Die Unterhose des Grauens.

◼️ Welche/r Nicht-Literat/in sollte Ihrer Meinung nach mal ein Buch schreiben und worüber?

Wir haben in der Festivalvorbereitung, viele Augsburger Persönlichkeiten getroffen. Dabei haben wir auch Claudia Nickl, die Behindertenbeauftragten der Stadt Augsburg kennengelernt. Sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit und kämpft seit vielen Jahrzehnten für die Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderung in Augsburg. Ich glaube sie hat viele spannende, harte, aber auch lustige Geschichten zu erzählen.

◼️ Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?

Hundesohn von Ozan Zakariya Keskinkiliç (große Empfehlung!!)


Lesarten Schnellcheck:

👓 • Lesebrille? – Ja, muss!

📖 💻 • Buch oder E-Book? Ich habe gar keinen E-Reader.

📑Lieblingslesezeichen? – Eselsohr!

📚 • Hardcover oder Taschenbuch? – Taschenbuch!

🛒 • Lieblingsbuchhandlung?Buch und Bohne, München


Sahar Rahimi: Meine ❺ Lieblingsbücher

»… nur eine Momentaufnahme!:«

Toni Morrison: Menschenkind
Christopher Isherwood: A Single Man
Mely Kiriak: Herr Kiyak dachte, jetzt fängt der schöne Teil des Lebens an
Georg Bataille: Das obszöne Werk

• Gedichte von Forough Farrokhzad (auf persisch gelesen)

⸛ Konzept & Fragen: Martin Schmidt


Foto: Florian Krauss

WOLF – ein Stück von Sahar Rahimi beim Brechtfestival*26

Mit WOLF zeigt Sahar Rahimi beim Brechtfestival*26 ein eigenes Werk: eine düstere, blutige, poetische Liebesgeschichte nach Motiven des Rotkäppchens, gespielt von Lucy Wilke und Lotta Ökmen. Sie erzählt vom letzten Aufbäumen alter und dem Erstarken neuer Ordnungen, von unsicherer Identität, romantischer Liebe und falschen Gedärmen. Termin: Sonntag, 1. März 2026 (Kulturhaus Abraxas, 19 Uhr) ► TICKETS  Anzeige


BISHER SCHON ZU GAST:

🏷️#14 •Mark Schröppel [Brechtfestival*26-Edition] • Co-Kurator Brechtfestival, Regisseur, Performer, Musiker: Eigenwillige Positionen, parallel gelesen

🏷️#12 •Dominik Kneißl & Fabian SchreyerFotokünstler: Linse, Licht, gelesene Welt

🏷️#11Asya SenJungschauspielerin »Club Performance« am Staatstheater Augsburg: »Bücher bedeuten Inspiration, Ruhe und Selbsterkundung«

🏷️#10Adriana Gabrian Violinistin und Mitglied der Augsburger Philharmoniker – »Perspektiven verstehen und weiterentwickeln«

🏷️#10 Tobias Klein Leiter des Kulturamts Ingolstadt – »Kein einzelnes Buch, sondern das Lesen an sich hat mich geprägt«

🏷️ Rüdiger HofmannComedian-Urgestein – Was liest dieser Mann?!

🏷️ Düzgün PolatDiversity Trainer – Lesen gehört zur Lebensrealität

🏷️ Cordula Weimann »Omas for Future«-Gründerin – Lesen und Handeln

🏷️ Klaus Rattenbacher Gründervater des Donauwörther Poetry Slams – Sich durch das Buch fressen und sofort zu Ende lesen

🏷️ Martin SailerLandrat des Landkreises Augsburg und Bezirkstagspräsident des Bezirks Schwaben – L wie Landrat, L wie Lesen

🏷️ Anja Güthoff • Bildende Künstlerin – Tierisch viel lesen

🏷️ Gerald Bauer • Maler, Grafiker & Fotograf – Die Summe der Bücher.

🏷️ Alexej Gerassimez • Perkussionist & Artist in Residence am Staatstheater Augsburg – Schlag auf Schlag: von Stefan Zweig bis Dune


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