SEPTEMBER-PROGRAMM IM BRECHTHAUS ★ auxlitera präsentiert ★ Das Brechthaus Augsburg lädt zu einem hochkarätig besetzten Vortrag zum Thema Exil-Literatur, zu Lyrik mit dem Schriftsteller und DAS GEDICHT-Herausgeber Anton G. Leitner sowie dem Nürnberger Dichter Florian Birnmeyer. Zu Gast ist auch der Hamburger Schriftsteller und Verleger Lou Probsthayn mit zwei Neuerscheinungen, zu Gehör kommen auch Texte des verstorbenen Augsburger Erzählers Carl E. Riće. Zwei Theaterführungen leiten durchs Brechthaus und das Leben seines einstigen berühmten Bewohners.
Brechthaus – das Programm im September 2026:
Exil-Literatur: die Kraft des publizierten Widerstandes
• Sonntag, 13. September (11 Uhr)
KURZVORTRAG VON DR. HANCO JÜRGENS • Matinee zur Sonderausstellung, mit anschließender Diskussion • Eintritt frei
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 entwickelte sich Amsterdam zu einem Zentrum für Verlage, die deutsche Exilliteratur druckten. Die niederländischen Verlage Querido und Allert de Lange veröffentlichten zahlreiche Bücher wichtiger deutschen Autoren, die in Nazideutschland nicht mehr veröffentlicht werden konnten. Weniger bekannt bisher ist der aus Augsburg gebürtige Verleger Hein Cohn jüdischer Herkunft, der 1933, fünf Tage vor der Bücherverbrennung in Deutschland, vor den Nazis nach Holland flüchtete, die deutsche Exilliteratur ins Niederländische übersetzen ließ und hier all das druckte, was die Nazis in Deutschland verbrannten und verbannten.
Hein Cohn war einer von etwa 50.000 Flüchtlingen, die zwischen 1933 und 1940 aus Deutschland in den Niederlanden Zuflucht suchten. Unter ihnen, Künstler, Schauspieler, Schriftsteller, Dichter, Fotografen, Soziologen und Philosophen, die einen erheblichen Einfluss auf das kulturelle Klima in den Niederlanden gewinnen. Viele von ihnen integrierten sich in die niederländische Kultur, andere reisten von hier weiter in andere Länder. Ein wichtiger Grund für Künstler und Intellektuelle, in die Niederlande zu fliehen, war die Offenheit der Kultur. Oft flohen sie in die Niederlande, weil sie dort bereits Kontakte geknüpft hatten. Die Lebendigkeit der niederländischen Kultur erhielt gerade deswegen einen enormen Impuls.
Die Veranstaltung beleuchtet im Rahmen einer Matinee das Thema Exilverlag und erinnert an jene Verlegerinnen und Verleger, die im Exil Stimmen der Freiheit bewahrten. Die Matinee will zeigen, wie trotz Vertreibung Literatur entstand, die Widerstand, Hoffnung und kulturelle Identität stärkte. Es wird sichtbar, welche Bedeutung diese Verlage für das Überleben verbotener Texte hatten – eine Veranstaltung im Brechthaus, die dazu einlädt, die Kraft des publizierten Widerstands neu zu entdecken. Zu Gast ist Dr. Hanco Jürgens (Universität Amsterdam, Duitsland Institut).
Joël Cahen, der frühere Direktor des Juedischen Museums Amsterdam und der Initiator des Holocaustmonuments und des Holocaustmuseums in den Niederlanden, wird als Experte und Diskutant an der Matinee teilnehmen.
Moderation: Dr. phil. Ingvild Richardsen, Dozentin, Autorin und Ausstellungskuratorin, und Uta Löhrer, Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
Leitner auf Hochdeutsch, Leitner in Bairisch
• Sonntag, 20. September (11 Uhr)
DAS ERLEBEN VON HEUTE IST DIE ERINNERUNG VON MORGEN • Die poetische Welt von Anton G. Leitner • Eintritt 8 Euro, telefonische Anmeldung ist erforderlich 0821-45098231
»Komisch und ernst sind diese Verse, satirisch, melancholisch, fein und derb, mal gelassen und mal grantig. Da greift der Dichter hinein ins volle Menschenleben und entfaltet eine Comédie humaine von Balzac’scher Saftigkeit«, so beschreibt der Literaturkritiker Alexander Altmann die poetische Grundhaltung von Anton G. Leitner. Anlässlich seines 65. Geburtstages im Juni 2026 erscheint unter dem Titel Spät öffnet sich das Licht Leitners umfangreiche »lyrische Retrospektive« aus 45 Jahren (1980 bis 2025).
Der Münchner Schriftsteller hat sein ganzes Leben der Poesie verschrieben, als Dichter und Verskabarettist, aber auch als Herausgeber und Verleger. Er gilt heute als einer der bedeutendsten Vermittler von Lyrik im deutschen Sprachraum. Neben 40 Anthologien in Premium-Verlagen wie Reclam, dtv oder dtv/Hanser gibt er im 34. Jahrgang die buchstarke Jahressschrift DAS GEDICHT heraus. Er wurde vielfach ausgezeichnet, sein literarischer Vorlass wird vom Literaturarchiv Monacensia der Landeshauptstadt München verwaltet. In der Matinee liest Leitner einen Querschnitt seiner Gedichte über das Leben, die Liebe und über die Irrungen und Wirrungen der Gesellschaft auf hochdeutsch und in bairischer Mundart.
Mit Brecht persönlich durchs Brechthaus
• Sonntag, 20. September (14:30 – 16 Uhr):
BERT BRECHT ZUM 70. TODESTAG • Schauspielführung im Geburtshaus von Bertolt Brecht zu seinem 70. Todestag • Eintritt: 18 €/16 € (inkl. Museumseintritt), Tickets: www.augsburg-tourismus.de/Tickets, Telefon: 0821-45098231
In einer 90-minütigen Performance begleitet Erik Völker fachkundig durch das Brechthaus und schlüpft an diesem historischen Ort immer wieder in die Rolle des Bertolt Brecht. Im rasanten Wechsel von Spiel und Erklärung werden Brechts Biografie, sein Schaffen und seine Bedeutung erlebbar.
Von Liebe und Abschied, vom Unterwegssein und digitalem Lärm
• Sonntag, 27. September (11 Uhr)
IM DICKICHT LEBT ES SICH LEICHTER • Ein Lesung über Poesie, Gesellschaft und Digitalität • Florian Birnmeyer präsentiert seinen neuen Gedichtband • Eintritt 8 Euro, telefonische Anmeldung ist erforderlich 0821-45098231
In seinen Gedichten verbindet Birnmeyer aufmerksame Naturbeobachtungen mit städtischem Lebensgefühl, Mythos mit Social Media, persönliche Einblicke mit gesellschaftlichen Fragen. Seine Texte erzählen von Liebe und Abschied, vom Unterwegssein und Ankommen, von dem Wunsch nach Stille im digitalen Lärm – und von der Suche nach Orientierung in einer krisengeprägten Gegenwart. Die Lesung lädt zum gemeinsamen Nachdenken über Poesie, Sprache, Digitalität und das Leben dazwischen ein.
FLORIAN BIRNMEYER lebt seit 2010 in der Metropolregion Nürnberg, zunächst in Erlangen, seit 2022 in Nürnberg. Er studierte französische und lateinische Philologie in Erlangen und Paris. Heute arbeitet er als Lehrer für Französisch und Latein an einem Nürnberger Gymnasium und forscht im Rahmen seiner Dissertation zur Romanischen Sprachwissenschaft. Neben seiner Lehrtätigkeit schreibt er Gedichte, Kurztexte und Rezensionen. 2023 erschien sein Gedichtband Storchenstolz, 2025 folgt Im Dickicht lebt es sich leichter im Geest-Verlag.
Im Stationentheater durchs Brechthaus – für Klein und Groß
• Donnerstag, 27. September (15 Uhr):
FISCH FASCH – THEATERPARCOURS DURCH DAS GEBURTSHAUS VON BERT BRECHT • Stationentheater im Brechthaus für Kinder ab 8 und Erwachsene • Eintritt: Kinder ab 8 Jahre 5,00 € / Erwachsene 10,00 € (inkl. Eintritt Brechthaus), Tickets: www.augsburg-tourismus.de/Tickets, Telefon: 0821-45098231
»Es war einmal ein Fisch mit Namen Fasch« dichtete Bertolt Brecht 1930, dem Jahr, in dem der Dichter zum vierten Mal Vater wurde. Verse und Lieder für Kinder hat Brecht viele geschrieben: schlaue, witzige, aber auch nachdenkliche und provokante. Er hatte ein gutes Gespür dafür, wie Kinder sind und was sie denken.
Die Schauspielerin Karla Andrä und die Videokünstlerin Barbara Weigel lassen sich von den Kindergedichten zu einem poetischen Stationentheater inspirieren. Es führt die jungen Besucher durch die verschiedenen Räume des Brechthauses. Karla Andrä spielt, singt und rezitiert. Animierte Videoskulpturen von Barbara Weigel bringen einzelne Objekte der Brecht-Ausstellung zum Sprechen. So wird das Museum zur begehbaren Bühne und Brechts Leben und Werk für Kinderaugen und -ohren präsentiert.
Die Augsburg-Hamburg-Connection
• Freitag, 25. September (19 Uhr):
FRANZ K. UND LEERE BIERFLASCHEN • Lesung mit Erzählungen von Lou Probsthayn und Carl E. Ricé • Eintritt 8 Euro, eine telefonische Anmeldung ist erforderlich: 0821-45098231
Der Hamburger Schriftsteller und Verleger Lou Probsthayn stellt zwei Neuerscheinungen vor. Junge Männer mit leeren Bierflaschen ist Probsthayns aktueller Erzählband, aus dem der Autor selbst vorliest. In Probsthayns Verlag Literatur Quickie erscheint die Erzählung Franz K. von dem ebenfalls aus Hamburg stammenden Dichter und Erzähler Carl E. Ricé. Aus dem Text von Ricé, der 2024 in Augsburg starb, liest sein Nachlassverwalter Gerald Fiebig.
Immer kommen die Figuren, auf welche sich Lou Probsthayn jeweils konzentriert, höchst alltäglich daher, dann aber geraten sie unter eine nächtliche Straßenlaterne oder in eine unbekannte Einkaufssituation oder eine vertrackte Haushaltserledigung – und schon ist alles möglich.
Carl E. Ricé hat in seinen stets im mündlichen Vortrag entwickelten satirischen Erzählungen eine ganz eigene Form des schwarzen Humors entwickelt. Eine zunächst alltäglich erscheinende Situation wird durch konsequentes Immer-weiter-Drehen von nur ein oder zwei Stellschrauben zielstrebig ins Absurde oder Surreale überzeichnet – bis man mit ungläubigem Lachen feststellt, dass das vermeintlich Fantastische nur den latenten Irrsinn unserer Wirklichkeit ans Licht bringt. Dass das kunstfertige Spiel mit literarischen Stoffen dabei zum guten Ricé’schen Ton gehört, dürfte angesichts eines „kafkaesken“ Titels wie „Franz K.“ kaum verwundern.
LOU PROBSTHAYN Geboren 1960, flüchtete Lou Probsthayn im Alter von drei Monaten aus der Hauptstadt der DDR nach Hamburg. Noch heute lebt und arbeitet er in der Elbmetropole. Er wurde bekannt durch diverse Bücher, etwa „Lachgas im Airbag“ (Piper) oder „Dumm gelaufen“ und „Die Welt ist Hund“ (Achilla Presse). Für „Müll“ (yedermann Verlag) erhielt er den Literaturpreis Hamburg. 2007 gründete er zusammen mit Gunter Gerlach die legendäre Lesereihe Literatur Quickie, zwei Jahre später den gleichnamigen Verlag, der ausschließlich Kurzgeschichten verlegt. Dem Verlegen und Veranstalten geht er heute noch nach und nebenbei hält er es noch immer mit dem Schreiben.
CARL E. RICÉ Geboren 1947, flüchtete Carl E. Ricé im Alter von etwa 18 Jahren aus Hamburg nach Ingolstadt und später München. Von Mitte der 1980er bis zu seinem Tod 2024 lebte er in Augsburg. Er wurde bekannt als Literatur-Performer, der eigene und fremde Texte frei erzählt, nicht vorliest. Mit „Franz K.“ wird erstmals seit über 20 Jahren wieder eine Geschichte aus seinem einzigen Erzählband von 1993 wieder gedruckt zugänglich. Von 2010 bis 2020 organisierte er die Literaturreihe „Poesiebrunch“. 2022 erschien sein Hörbuch „Das Kainszeichen. Geschichte einer Vergewaltigung“, 2023 sein Gedichtband „Schrei mit dem Wind“. Dessen Lektor Gerald Fiebig betreut nun Carl E. Ricés Nachlass.g.
• Weiterhin: SONDERAUSSTELLUNG • Noch bis 31. Dezember 2026:
BÜCHER UND TÜCHER. Von Augsburg in die Niederlande: Hein Kohn (1907-1979). Brechtfreund, legendärer Exilverleger, Literaturagent und Kulturvermittler. • Eintritt 8 Euro
Die Sonderausstellung widmet sich dem in Augsburg geborenen Brechtfreund, legendärer Exilverleger, Literaturagenten und Kulturvermittler Hein Kohn (1907-1979), der während der Nazi-Zeit von Augsburg in die Niederlande flüchten musste. Die Ausstellung erzählt Kohns Geschichte. Mit dem jüdischen Tuchmacher Samuel Kohn, dessen Ansiedlung in Augsburg der bayerische König 1837 erlaubt hatte, wurden die Kohns in Augsburg ansässig, sind bis 1938 als Kaufleute und Unternehmer, Tuchmacher und Textilhändler vielfältig in Augsburg in der Textilbranche tätig. Mehrere Veranstaltungen im Brechthaus werden die Ausstellung begleiten.
Zu sehen während der Öffnungszeiten des Brechthauses, Di – So: 10:00 – 17:00 Uhr
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