Augsburg hat kein Literaturfestival? Die Lange Kunstnacht macht das locker wett. Sie kommt mit einem Feuerwerk an literarischen Events – und überrascht mit Schwarzlicht-Poesie, einem Sandschreiber, oraler Lautpoesie der Kriegsgeräusche und Bachmann-Preis-Literatur im Hotelturm. ★ mit Video-Trailer & Ticket-Link
Die ► Lange Kunstnacht 2025 [Tickets Anzeige] versetzt am Samstag, 28. Juni, Augsburg in erregte Kulturstimmung: 200 Programm an 50 Orten stehen heuer angesichts des 375. Jubiläums des Friedenfestes unter dem Motto #friedengestalten. Die Nacht in der Fuggerstadt wird angefüllt mit Friedenshymnen und Freiheitskämpfer*innen, innerem Frieden, dem Gedenken an Schlachten und Belagerungen, Friedensgrüßen, Friedensboten und Friedens(ver)handlungen.
Dabei punktet die Lange Nacht wie immer mit einem beeindruckenden Anteil an literarischen und literarisch konnotierten Veranstaltungen: Lesungen mit und ohne Musik, Literaturvertonungen, Lyrik, Prosa, Wort- und Erzählkunst, literarisch- schriftliche Interventionen sowie Performances. Highlights im Programm sind literarisch Schauspieler-Rezitationen von Texten von Astrid Lindgren und des Bachmann-Preis-Gewinners 2024 Tijan Sila.
Darüber hinaus sind zahlreiche Augsburger Dichterinnen und Dichter vertreten (Carmen Jaud, Knut Schaflinger, Martyn Schmidt und Alke Stachler) sowie bekannte Vortragskünstler und Musikprojekte wie Trödelmarkt der Träume (mit Michael Ende) oder Text will Töne. Und Brecht spielt natürlich auch eine Rolle – bei musikalischen Lesungen und durch das an in der Kunstnacht geöffnete Brechthaus. Tickets für die um 18 Uhr startende Kunstnacht gibt es auf ► Reservix Anzeige, bei der Bürger- und Touristinformation am Rathausplatz und ► am Abend vor Ort an den ausgewiesenen Abendkassen.
Sehr empfehlenswert sind die literarischen Performances, Installationen und Experimente (Details siehe weiter unten): der Sandschreiber Skryf, der ein verwehendes Gedicht schreibt (► siehe eigener auxlitera-Artikel), eine Lautpoesie-Installation zum Thema Krieg in der Ukraine und Ovids Metamorphosen als Schwarzlicht-Stationentheater im Hofgarten.
Literatur pur
Unten (v.l.): Karla Andrä & Tabea Gebauer • Brechthaus • Knut Schaflinger & Ruth Maria Rossel
Staatstheater-Schauspielerin Sarah Grünig widmet sich in ► »Niemals Gewalt!« der Schriftstellerin Astrid Lindgren: Basierend auf deren Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1978 erweitert sie den Text zu einem kraftvollen Plädoyer gegen Gewalt (Hotelturm, 22 Uhr). Jannis Roth, ebenfalls Schauspieler am Staatstheater Augsburg, liest aus ► Tijan Silas Radio Sarajevo. Der Bachmann-Preisträger 2024 erzählt hier von den Spreißeln, die der Krieg im Hirn jedes Überlebenden hinterlässt (Hotelturm, 21 Uhr).
Die Augsburger Lyrikerinnen ► Carmen Jaud und Alke Stachler tasten im lyrischen Dialog Unfrieden unseren irdischen Körpern? (Schaezlerpalais, 19.30 & 20.30 Uhr) Wege, Umwege und Irrwege erforscht, die Zerbrechlichkeit des Konzepts Frieden“ ab. ► Knut Schaflinger liest aus seinem neu erschienenen Lyrikband Das Unvergängliche des Augenblicks, eine wichtige Quelle für Friedensfertigkeit liegt für ihn in Kindheit und Jugend – musikalisch umrahmt wird seine Lesung von Cellistin Ruth Maria Rossel (Schaezlerpalais, Haberstockzimmer, 21.30 & 23 Uhr).
Daß Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen, so lautet das Programm von ► Text will Töne: Karla Andrä (Sprache und Stimme), und Tabea Gebauer (Stimme, Gesang, Orgel) spüren in einem literarisch-musikalischen Friedenbeitrag dem biblischen Frieden nach (Heilig-Geist-Kapelle, 22.15 und 23 Uhr). Das Duo Julia Moßburger (Lesung) und Benedikt Ofner (Piano) begeben sich in ► Nie mehr Angst vor der Zukunft auf die Spuren der Augsburgerin Widerstandskämpferin gegen den Nationalsozialismus Anna Pröll: Einzelen Textpassagen werden dabei durch Gedichte und Lieder ergänzt (Max54 Gallery, 19.30 Uhr & 20.30 Uhr.
Literatur als Erzählkunst gibt es bei Ute Kürzinger vom Märchenzelt Augsburg: Im Programm ► Im Wundergarten des Glücks erzählt sie ein Märchen aus Kasachstan und eine alte deutsche Tierfabel – zwei Freunde streiten und versöhnen sich, Kamele ziehen im rhythmischen Gleichklang eine Spur durch die Wüste… Stimmungsvoll begleitet von Perkussionist Eric Zwang Eriksson (Naturmuseum, 19.15 & 20.15 Uhr).
Und zu guter Letzt: Das Museum im ► Brechthaus ist in der Kunstnacht von 19 bis 22 Uhr geöffnet: Hier skizzieren Originalzeugnisse von und über Brecht, Erstausgaben seiner Werke, Handschriften und Fotografien Leben und Werk des großen Dramatikers, Schriftstellers und Lyrikers. Highlights sind Erstausgaben seiner Werke, ein Bühnenbild von 1949 und Lebend- sowie Totenmasken. Besonders beeindruckend ist das original erhaltene Schlafzimmer seiner Mutter. Eine Videoinstallation informiert über Brechts Leben.
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Literatur, vertont
Unten (v.l.): Manuel Wiencke & Birgit Kristen • Jazzbreak & Sieglinde Hahn • Anja Janosi & Dr. Barbara Häckl
Texte des mexikanischen Schriftsteller und Nobel-Preisträger Octavio Paz mit der Musik von Manuel M. Ponce vermählt das ► Molina Guitar Duo in ihrem Programm Manuel M. Ponce und Octavio Paz – Botschafter des Friedens (Kunstverein im Holbeinhaus, 21.45 & 22.30 Uhr). Gedichte von Michael Ende vertonen Birgit Kristen (Gitarre) und Manuel Wiencke (Gesang, Violine, Arrangement) in ► Trödelmarkt der Träume (Klosterkirche Maria Stern, 20.45 Uhr und 21.30 Uhr).
Mit Poesie und allerlei musikalisch-literarischen Rezeptvorschlägen spannt das Ensemble ► Text will Töne mit Friede, Freude, Eierkuchen! den Bogen vom Friedensgedanken zum Essensgenuss (Lettl-Museum, 19 & 20 Uhr. Antikriegslieder und Texte von Brecht, Mühsam, Tucholsky und anderen präsentiert die Theaterwerkstatt Augsburg mit ► Matthias Klösel (Schauspiel, Gesang) und Tom Gratza (Piano) in Krieg und Frieden (Brechthaus, 20.45 & 21.30 Uhr).
In Das Glück der Welt ist wie aus Glas und gar nicht sehr gesund ► präsentieren Tanja Grossmann und Jürgen Otto deutsche Chansons aus der Zeit direkt nach dem 2. Weltkrieg – die Texte dabei sind überwiegend von Erich Kästner (Brechthaus, 19 & 19.45 Uhr). Lili Marleen mit Bertolt Brecht in Friedensmission: Mit ► What about peace? präsentieren JazzBreak & Sieglinde Hahn einen eigenwilliger Mix aus Jazz, Rock und Latin, verbunden mit literarischen Texten (Thalia Kaffeehaus, 21 und 22 Uhr). Die Liedermacherin Anja Janosi (Lieder) und Dr. Barbara Häckl (Vortrag) präsentieren mit ► Frieden beginnt in und mit dir Songs und Texte verschiedener bekannter und unbekannter Autor:innen, verbunden mit einer kleinen Meditation. (Planetarium, 20.30 & 22.30 Uhr).
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Literatur plus: Performance, Lautpoesie, multimedial
Von 18 bis 22 Uhr ist in der Philippine-Welser-Straße Skryf unterwegs: Der Sandschreiber schreibt mit Sand Text auf den Boden. Er schreibt an diesem Abend ein bewegendes Gedicht der kroatischen, in Österreich lebenden und auf deutsch schreibenden Autorin Dragica Rajčić. Mehr zu Skryf lesen Sie ► hier im eigenen auxlitera-Beitrag.
Ovids Metamorphosen werden in ► Masken, Mythen, Poesie in einer schaurig-schönen Parkbespielung mit (UV-) Licht, Magie und lebendigen Masken umgesetzt. In dem Stationentheater im Hofgarten erzählt Sandra Lienhard vier schaurig-poetische Göttermythen (22.30 & 23.30 Uhr).
Im Liebertzimmer des Schaezlerpalais‘ ist von 19 bis 24 Uhr die ► Installation Repeat after me zu erleben. Die 2024 geschaffene Installation der ukrainischen Open Group, die auch schon auf der Biennale in Venedig zu sehen war, zeigt ukrainische Kriegsgeflüchtete, die verschiedene Kriegsgeräusche in einem skurrilen Karaokestudio nachahmen – zwischen Lautpoesie und aus-gesprochenem Kriegserleben.
Eine multimediale literarische Nachtbegegnung im roten Scheinwerferlicht präsentieren der Dichter Martyn Schmidt und der Musiker Stefan Barcsay (Gitarre). Bei ► Roter Frieden – Abendrot entführen sie ausgehend vom berühmten Kriegstrauer-Gedicht In Flandern Fields in eine Welt aus Lyrik, Neuer Musik, Sounds und Bildern von u.a. Käthe Kollwitz. Die Reise geht von Georg Trakls rotem Kriegs-Gewölk über Rilke bis zu den Variationen über Rot des unter Kriegsschock schreibenden Augsburger Lyrikers Wolfgang Bächler.
Poesie im und durch Tanz: Eine poetische Butoh-Performance über Identität, Licht und Schatten zeigen Christine und Pius Schwegler. In ► IDENTITY – ein Traum, ein Tanz, eine Suche erforschen sie in der japanische Tanzform tiefgründig die menschliche Seele (H2, Glaspalast, 19.30 & 20.30 Uhr).
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⟴ pm • auxlit
VORVERKAUF:
• Bürger- und Touristinformation, Rathausplatz 1
• Reservix Anzeige
Der online-Ticketkauf ist auch nach Start der Veranstaltung weiterhin bequem übers Smartphone möglich!
ABENDKASSE:
• Bürgerinfo am Rathausplatz • Kleiner Goldener Saal • Kresslesmühle • Evang. St. Ulrich • St. Anna (nur Kartenzahlung) • Schaezlerpalais und Maximilianmuseum (hier keine Kultursozialtickets und keine Tickets für das Eröffnungskonzert!)
PREISE:
VVK: 17,–/15,– EUR
AK: 19,– / 17,– EUR
Ticketaufschlag Eröffnungskonzert 4,– EUR
Kinder unter 10 Jahren bezahlen keinen Eintritt.
ERMÄSSIGUNGEN:
Ein ermäßigtes Ticket bekommt
• wer noch zur Schule geht, studiert, eine Ausbildung oder einen Freiwilligendienst macht
• wer Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe bezieht
• wer eine Schwerbehinderung hat (Begleitperson ist frei)
Mit dem Nachweis von swa City – Meine swa erhalten Sie einen Rabatt in Höhe von 1,– € auf den regulären Kartenpreis Ihres Einzeltickets.
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