Der szenische Liederabend »Mathildes Liebestod« widmet sich Gedichtsvertonungen von Richard Wagner und Arnold Schönberg. Performerin Yi Ling Heather Tan setzt die Vertonungen der Lyrik Stefan Georges und Mathilde Wesendoncks theater-esque in Szene.
Die Muse steht im Blickpunkt eines Szenischen Liederabends am Donnerstag, 13. März (19.30 Uhr, Kühlergebäude Gaswerk Augsburg) – exemplarisch beleuchtet anhand der Musen der Komponisten Richard Wagner und Arnold Schönberg, die in beiden Fällen Mathilde hießen. Wagners Wesendonck-Lieder vertont Gedichte seiner Angebeteten, und Schönbergs Liederzyklus Das Buch der hängenden Gärten ist eine Vertonung von 15 Gedichten aus Stefan Georges, welche eine gescheiterte Liebesbeziehung beschreiben.
Wagners und Schönbergs Musik sowie die so vertonte Lyrik Wesendoncks und Georges verbinden sich so zu einem musikalischen Abend über das Leben als weibliche Inspirationsquelle und über unerfüllte Sehnsüchte. Inszeniert von Yi Ling Heather Tan, mit Kammersängerin Sally du Randt, begleitet am Klavier von Michael Wagner.
Zwei »Mathilden« inspirierten zu Liedern
Die historischen Hintergründe von Wagners und Schönbergs Eheproblemen verbinden sich in den Werken Wesendonck-Lieder (1858) und Das Buch der hängenden Gärten (1909) metaphorisch mit den Motiven Liebestod, Paradies und Lust zu einem performativen Abend über die weibliche Perspektive des Lebens als Muse und deren unerfüllte Sehnsüchte.
Während Wagners Affäre mit seiner Muse Mathilde Wesendonck in Zürich von seiner eigenen Ehefrau ein jähes Ende bereitet wurde, hatte Schönberg unter der andauernden Liaison seiner Ehefrau Mathilde mit dem Maler Richard Gerstl zu leiden. Während Wagner in seinen Wesendonck-Liedern Gedichte seiner Angebeteten vertonte, schrieb Schönberg seinen Liederzyklus Das Buch der hängenden Gärten, als seine Ehefrau Mathilde ihn gerade zugunsten des Malers Richard Gerstl verlassen hatte. Beide »Mathilden« waren starke, unabhängige Frauen und Künstlerinnen, die sich mit den jeweiligen Komponisten in einem kreativen Austausch befanden.
Kimono und performatives Musiktheater
Im Gedanken an Wagners Mathilde, die ihn zu seinem legendären Musikdrama Tristan und Isolde inspirierte, zeigt Yi Ling Heather Tan für ihr performatives Musiktheater eine moderne Musen-Figur, die sich aus den Geschichten vieler starker, schöner Künstlerinnen zusammensetzt: »Sie ist eine Mischung aus verschiedenen Perspektiven und Erlebnissen, die diese Frauen prägten«, erklärt Tan. Als Kostüm für die Muse wählte Tan, die sich immer wieder für kulturelle Verbindungen zwischen Europa und Asien interessiert und einsetzt, den Kimono: Neben Eleganz und Tradition steht der Kimono auch für die Komplexität und Vielschichtigkeit der Frau. In seiner heutigen Form wird er oft mit Disziplin und Schönheit assoziiert, aber auch mit der Balance zwischen Tradition und persönlicher Freiheit.
Tan verantwortete im Laufe ihres Schaffens bereits u.a. Inszenierungen von Mozarts Die Zauberflöte, Puccinis La Bohème und Mahlers Das Lied von der Erde. Seit 2022 ist sie am Staatstheater Augsburg als Regieassistentin tätig.
Sally du Randt bekam im November 2024 den Titel der Bayerischen Kammersängerin verliehen. Die Sopranistin ist seit 2002 Mitglied des Augsburger Opernensembles. In dieser Spielzeit ist sie hier auch in Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny und Ein Maskenball zu erleben. ⟴ pm • auxlit
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