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Jiddisch. Jüdisch. Taitsch.

Wie präsentiert man Sprache in einer Ausstellung? Eine interaktive Schau in der Ehemaligen Synagoge Kriegshaber beleuchtet das Jiddisch und entdeckt eine alte Sprache neu.

Am Donnerstag, 14. November (19 Uhr) eröffnet in der Ehemaligen Synagoge Kriegshaber die interaktiv gestaltete Ausstellung Jiddisch. Jüdisch. Taitsch (14.11.2024 – 29.6.2025). Während der vom Jüdischen Museum Augsburg Schwaben (JMAS) ausgerichteten Ausstellung soll die Ehemalige Synagoge in Kriegshaber ein Kulturzentrum werden, in dem Veranstaltungen rund um die jiddische Sprache stattfinden. Am Vernissage-Abend gehen eine Podiumsdiskussion und eine Einführung in die Ausstellung insbesondere der Frage nach: »Wie stellt man eine Sprache aus?« Um Jiddisch auch live zu hören, wird eine kurze Rede des Nobelpreisträgers Isaak Baschewis Singer vorgetragen, der bisher als einziger jiddischer Schriftsteller den Nobelpreis für Literatur erhalten hat. Für die passende musikalische Umrahmung sorgt Susanne Weinhöppel, die Harfe spielt und jiddische Lieder singt.

Von Beisl über Kaff bis Schmusen

Rund acht Jahrhunderte lang wurde in Süddeutschland Jiddisch gesprochen. Alltägliche Begriffe wie Boazn/Beisl, Kaff oder Schmusen stammen aus dem Jiddischen und erinnern noch heute an das enge Zusammenleben jüdischer und nichtjüdischer Menschen in Schwaben. Die Ausstellung Jiddisch. Jüdisch. Taitsch. lädt dazu ein, die Spuren einer fast vergessenen Sprache zu entdecken. Von mittelalterlichen jiddischen Heldengeschichten bis zu moderner Popkultur, von Jiddisch als Gebetssprache bis zu jiddischem Kitsch – die Ausstellung zeigt Jiddisch als lebendige Sprache zwischen Kult und Kultur. Mit Beispielen aus Augsburg, Schwaben und der ganzen Welt richtet sich die Ausstellung an alle, die neugierig auf eine alte, neue Sprache sind.

Bildpostkarte »A happy New Year«, Williamsburg Post Card Co. New York, vermutlich Anfang 20. Jh. • Bild: © JMAS.

Wer sprach in Schwaben Jiddisch? Wie klingt die Sprache? Und wie wird Jiddisch geschrieben? Die Ausstellung gibt einen umfassenden Überblick über die Vielfalt einer kleinen Sprache, die im deutschen Sprachraum entstand und zur Weltsprache wurde. Auch in Schwaben und Augsburg entstanden im 16. Jahrhundert wichtige Buchdrucke von Chaim Schwarz in jiddischer Sprache. Über Jahrhunderte war Jiddisch auch die Alltagssprache vieler über ganz Schwaben verstreuter Familien, deren Briefe und Postkarten noch heute daran erinnern. In Mitteleuropa entstanden, ist die Sprache heutzutage weltweit verbreitet – und lebt weiter. Aktuelle Beispiele, wie eine jiddische Ausgabe der Harry-Potter-Bücher zeigen, dass sich die Sprache ständig weiterentwickelt.

Die Besucher können sich auf eine interaktiv gestaltete Ausstellung freuen, die für Erwachsene und Kinder viel zu entdecken bietet. Mitmach-Stationen laden zum Hören, Lesen, Sehen, Anfassen und Ausprobieren ein. So können Besucher an Video- und Audiostationen jiddischen Liedern und Geschichten lauschen oder auf gemütlichen Sesseln historische und moderne jiddische Bücher entdecken. An Mitmach-Stationen kann jeder selbst aktiv werden und beispielsweise Jiddisch schreiben – mit Schablonen für die jiddischen Buchstaben. Zusätzliche Texte in Leichter Sprache stellen sicher, dass jeder die Ausstellung besuchen kann.

Titelseite des Schmuel-Buches, gedruckt von Chaim Schwarz, Augsburg 1544, Reproduktion.

Zum Hintergrund: Zwei jiddische Buchdrucke aus Augsburg sind uns überliefert: Das Melochimbuch (1543) und das Schmuelbuch (1544). Beide Bücher belegen einen engen Kontakt mit der damaligen deutsch-sprachigen Literatur. Es handelt sich um Helden-Epen, das heißt Heldengeschichten in Versform. Das Schmuelbuch ist in einer Strophenform verfasst, die stark an die Nibelungenstrophe erinnert.

◄ Bild: Sefer Shemuʼel: doś bukh Shemuʼel in ṭoyṭsher shprakh, gedruckt von Chaim Schwarz, Augsburg 1544, digitalisiert und zur Verfügung gestellt durch die Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena, 4 Rabb.II,5(2).

Buch mit wissenschaftlichen Beiträgen

Zur Ausstellung erscheint ein Begleitband bei Hentrich & Hentrich, der ab März 2025 im Museumsshop und im Buchhandel erhältlich ist. In fünf Beiträgen bieten Wissenschaftler einen vertiefenden Einblick in die Themen der Ausstellung: von der Entstehung des Jiddischen über die ersten jiddischen Buchdrucke – auch aus der Region Schwaben – bis hin zum persönlichen Briefwechsel in jiddischer Sprache werden die Facetten der Sprache beleuchtet.

Begleitprogramm mit Jiddisch-Workshop

Die Ausstellung sieht sich als Kulturraum – entsprechend gibt es ein Begleitprogramm zum Mitmachen, Zuhören und Zuschauen. Am Sonntag, 24. November, können in einem eintägigen Jiddisch-Workshop erste Worte und Redewendungen kennengelernt werden – Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Einen jiddischen Film kann man in Originalsprache mit Untertitel im Januar 2025 sehen. Am Dienstag, 18. Februar 2025, findet ein Konzert mit der Kabarettistin und Künstlerin Susanne Weinhöppel statt. Sie singt jiddische Lieder, begleitet von ihrer Harfe. Weitere Veranstaltungen im Begleitprogramm sind geplant und werden vom Museum zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben. Monatliche Führungen mit der Museumsdirektorin Dr. Carmen Reichert oder der Kuratorin Dr. Malin Drees geben einen tieferen Einblick in die Ausstellung und ihre Entstehung. ⟴ pm • auxlit

Jiddisch. Jüdisch. Taitsch.
14.11.2024 – 29.6.2025
Ehemalige Synagoge Kriegshaber, Ulmer Straße 228, 86156 Augsburg

Öffnungszeiten: Donnerstag bis Sonntag: 14-18 Uhr
Eintritt: 6,00 € | 3,00 € ermäßigt

Barrierefreiheit: Die Ausstellungstexte sind neben Deutsch auch auf Englisch und in Leichter Sprache. Der Ausstellungsort ist eingeschränkt barrierefrei.

Öffentliche Führungen
Zu den öffentlichen Führungen ist eine Anmeldung jeweils spätestens zwei Tage vorher unter empfang@jmaugsburg.de oder 0821 51 36 11 erforderlich.
17. November 2024 | 15 Uhr – Führung mit Museumsdirektorin Dr. Carmen Reichert
15. Dezember 2024 / 19. Januar / 16. Februar / 16. März / 1. Juni / 29. Juni 2025 | jeweils 15 Uhr

Führung mit Feierabendbier:
10. April. / 22. Mai 2025 | jeweils 17.30 Uhr

Führungen für Gruppen und Schulklassen nach Vereinbarung
Beratung und Buchung unter Tel. 0821 – 44 42 87 17 oder kh@jmaugsburg.de


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