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PEN Deutschland sieht Schutz verfolgter Schriftsteller bedroht

Das PEN-Zentrum Deutschland protestiert gegen drastische Kürzung der staatlichen Mittel für verfolgte Schriftstellerinnen und Schriftsteller.mit Link zum Positionspapier

Das PEN-Zentrum Deutschland ist zutiefst besorgt über die geplanten Änderungen der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) bezüglich seines Writers-in-Exile-Programms. Seit 25 Jahren bietet dieses Programm verfolgten Schriftstellerinnen und Schriftstellern Schutz und Unterstützung in Deutschland. In einer Pressemitteilung vom 2. Oktober 2024 bringt das PEN-Zentrum Deutschland seine Sorge um das Programm zum Ausdruck.

Für 2025 sei bereits eine Budgetkürzung um knapp 30 Prozent geplant. Für die nahe Zukunft sei angedacht, das Writers-in-Exile-Programm vom PEN wegzunehmen und an eine andere öffentlich geförderte Kultureinrichtung zu übertragen. »Das deutsche PEN Zentrum ist seit Jahrzehnten mit zahlreichen PEN-Zentren weltweit vernetzt. Das Writers-in-Exile-Programm ist international bekannt und Hoffnung für verfolgte Schriftsteller*innen. Wer das Programm kürzt, gefährdet Menschenleben«, betont Astrid Vehstedt, Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftragte des PEN Deutschland.

Das Writers-in-Exile-Programm ist aus Sicht des deutschen PEN ein Aushängeschild der Bundesrepublik Deutschland und steht für effiziente und professionelle Arbeit. Die Organisation ist zentral in der Geschäftsstelle des PEN-Zentrums angesiedelt und wird von qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit langjähriger Erfahrung geführt, betont das Zentrum.

»Der PEN ist meine Familie«

»Der PEN ist meine Familie«, betont die iranische Dichterin, Forscherin und Übersetzerin Dr. Behnaz Amani, die derzeit Stipendiatin im Writers-in-Exile-Programm ist und im Iran für die Rechte von Frauen und Kindern kämpfte.  Weil sie sich für die Rechte von inhaftierten Studenten einsetzte, wurde sie erst vom Sicherheitsdienst der Universität verhört, dann ins Gefängnis gebracht.

»Die Budgetkürzung für 2025 ist umso unverständlicher, als der Gesamtetat des BKM (Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien – Anm. der Redaktion) für 2025 steigt. Das ist Kulturpolitik auf dem Rücken verfolgter Schriftstellerinnen und Schriftsteller. Ich weiß, wovon ich rede. Leider musste ich selbst die bittere und bedrohliche Erfahrung machen, wegen meiner Schriften inhaftiert zu werden«, so Najem Wali, PEN-Vizepräsident und Writers-in-Prison-Beauftragter.

Für Michael Landgraf, den Generalsekretär des PEN-Zentrums Deutschland, ist der angedachte Weg unverständlich. »Der PEN bietet eine Struktur, bei der sich Kolleginnen und Kollegen überall in Deutschland um die Exilautoren kümmern. Durch die internationale Ausrichtung des PEN gelingt die Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten. Außerdem gibt es gute Kontakte des PEN zu den Kommunen, die das Programm mittragen. Eine Verlagerung des Programms würde dessen erfolgreiche vernetzte Struktur und letztlich auch das Programm selbst zulasten der Betroffenen gefährden.«

Vorstand arbeitet ehrenamtlich

Auch aus wirtschaftlicher Sicht sieht Dr. Klaus Engert, Schatzmeister des deutschen PEN, die Entwicklung problematisch. »Um Synergieeffekte zu erzeugen, werden Overhead-Aufgaben der Verwaltung mit erfahrenen freien Trägern durchgeführt. Der Vorstand des PEN arbeitet ehrenamtlich. Wenn solche Aufgaben von einer tarifgebundenen öffentlichen Einrichtung übernommen werden, wird das wesentlich teurer.« Der Verwaltungskostenanteil des PEN liegt derzeit unter 10 Prozent, wodurch die Mittel direkt den Stipendiatinnen und Stipendiaten zugutekommen.

Der PEN koordiniert derzeit 15 Stipendien in sechs verschiedenen Städten bundesweit und arbeitet eng mit Kommunen und lokalen Partnern zusammen. Die rund 700 Mitglieder des PEN unterstützen die Stipendiatinnen und Stipendiaten ehrenamtlich vor Ort und fördern so deren Integration und kulturellen Austausch.

Der deutsche PEN appelliert an die Bundesregierung und die BKM, das Writers-in-Exile-Programm beim PEN-Zentrum Deutschland zu belassen. Eine Änderung wäre laut PEN organisatorisch, inhaltlich und wirtschaftlich ineffektiv und würde die erfolgreiche Arbeit der letzten 25 Jahre aufs Spiel setzen. Der PEN betont seine Gesprächsbereitschaft und hat bereits die BKM Claudia Roth um einen Termin gebeten. ⟴ pm • auxlit

Zum vollständigen Positionspapier zum Writers-in-Exile-Programm


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