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»Слова натягувать, як луки« – »Die Worte zu spannen wie einen Bogen«

Gedichte der ukrainischen Dichterin Lina Kostenko gibt es am Freitag, 12. Juli, auf Deutsch und Ukrainisch im Moritzpunkt Augsburg zu hören. Der Deutsch-Ukrainische Dialog lädt im Rahmen des Kunst-Netzwerk-Projekts »Stent« ein.

Der Verein Deutsch-Ukrainischer Dialog (DeUaDialog) lädt im Rahmen des von der Moritzkirche Augsburg ins Leben gerufenen Kunst-Netzwerk-Projekts Stent für Freitag, 12. Juli, zu einem Literaturabend der besonderen Art. Um 20.30 Uhr werden im Moritzpunkt (Maximilianstraße 28) Gedichte der ukrainischen Dichterin Lina Kostenko vorgetragen – in zwei Sprachen, auf 🇩🇪 Deutsch und auf 🇺🇦 Ukrainisch. Dabei wird auch ein Buch von Lina Kostenko verlost.

Alle, die Gedichte mitrezitieren möchten, sind herzlich eingeladen, am Dienstag, 9. Juli, findet dazu eine weitere Probe um 19 Uhr in der Karlstraße 9 statt. »Wir möchten die Kraft und Inspiration des poetischen Wortes mit unseren deutschen Freunden teilen«, sagen die beiden Organisatorinnen Tetiana Demchenko und Kseniia Zaseeva. Der Lesungsabend im Moritzpunkt wird umrahmt von ukrainischer Live-Musik.

Möglich macht den Lesungsabend eine Veröffentlichung des österreichischen Wieser Verlags, der während des Angriffskriegs auf die Ukraine den zweisprachigen Gedichtband Lina Kostenko: Und wieder ein Prolog ► Anzeige neu aufgelegt hat:

Herausgegeben von Alla Paslawska und Alois Woldan
Illustrationen von Anastasiya Starko | Wieser Verlag 2022 Bestellen

LINA KOSTENKO (ukrainisch Ліна Василівна Костенко) feiert dieses Jahr ihren 94. Geburtstag. Geboren 1930 in Rschyschtschiw (Oblast Kyiv), gehört zu den wichtigsten Verteterinnen der ukrainischen Lyrik des 20. Jhs. Sie ist eine Wegbereiterin der Dichtergeneration der politischen und künstlerischen Tauwetter-Periode nach 1956 in der Sowjetunion, der so genannten Generation der Sechziger. 1967 wurde sie für den Literaturnobelpreis nominiert.

Kostenko veröffentlichte seit den 1950er Jahren mehr als 20 Bände Lyrik, Versromane und Essays mit zahlreichen Neuauflagen in jüngster Zeit. Kostenkos Werke wurden in fast alle europäischen Sprachen übersetzt, sie ist Trägerin zahlreicher nationaler und internationaler Auszeichnungen. Die Dichterin gehört zur Generation der Kriegskinder, sie hat den Zweiten Weltkrieg er- und überlebt und unterstützt heute unermüdlich die Ukraine im Kampf gegen die russische Aggression.

Übersetzt wurden die Gedichte von Alois Woldan: Geboren 1954, studierte Theologie, Slawistik und Komparatistik. Er war Professor für Ost-Mitteleuropa-Studien an der Universität Passau, Professor für Slawische Literaturen an der Universität Wien. Übersetzungen aus dem Polnischen und Ukrainischen.

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Ebenfalls von Lina Kostenko im Wieser Verlag erschienen: »Ich bin all das, was lieb und wert mir ist« ► Anzeige

»Gedichte wie Blumen, Gedichte wie Wunden, Gedichte wie Sträflinge«

Tetiana Demchenko und Kseniia Zaseeva vom DeUaDialog haben den Lesungsabend am Freitag, 12. Juli, im Moritzpunkt organisiert. Tetiana Demchenko erzählt: »Der Deutsch-Ukrainischer Dialog, der seit über zwei Jahren den Dialog zwischen den beiden Kulturen, der deutschen und der ukrainischen, fördert, hat in seinem Begegnungszentrum eine Bibliothek eingerichtet. Dort sahen wir zum ersten Mal das Buch von Lina Kostenko ›Und wieder ein Prolog‹, in dem Gedichte nicht nur auf Ukrainisch, sondern auch auf Deutsch enthalten sind. Wir hätten diese Buch vielleicht nie kennengelernt, wenn wir nicht als Vertriebene in Deutschland Zuflucht gefunden hätten und begannen, uns in die fremde Gesellschaft zu integrieren, die deutsche Kultur, Mentalität und Sprache zu erlernen und gleichzeitig die Deutschen mit unserer Welt, unserer Nation und unserem Schmerz bekannt zu machen.« Die Übersetzungen der Lieblingsgedichte, so Demchenko, helfen ihr und den anderen jetzt bei dieser schwierigen Aufgabe.

»Jeder Besucher unserer improvisierten Performances am Freitag, 12. Juli, wird die Möglichkeit haben zu erzählen, wie es war, als er die Gedichte von Lina Kostenko zum ersten Mal hörte, warum er sie liebt und welchen Platz sie in seiner Welt einnehmen«, erklärt Demchenko. Dass hier verschiedenste, zum Teil herzzerreißende Geschichten und Erinnerungen zu hören sein werden, ist sicher. »Die Geschichte der Lehrerin Olga Nikolajewa aus Charkiw, die bei der Flucht in die Westukraine während des Vormarschs der Besatzer das Buch von Lina Kostenko als wertvollen Gegenstand in ihren kleinen Notfallkoffer packte, hat uns ebenfalls beeindruckt und inspiriert

Buch für Buch gegen die Macht des Krieges

Tetiana Demchenko sieht Lina Kostenkos Dichtung als hohes Beispiel dafür, der ukrainischen Community durch das Wort zu dienen. Ein Dichter, eine Dichterin müsse ein dreifacher Aufklärer sein: sich selbst der Ukraine zu erklären, der Welt von der bzw. die Ukraine zu erzählen und wiederum der Ukraine die Welt zu erklären. So seien auch die Werke der Künstlerin — »Gedichte wie Blumen, Gedichte wie Wunden, Gedichte wie Sträflinge«. In ihnen sei alles: hohe landschaftliche und intime Lyrik, nationale Geschichte und Weltgeschichte, existenzielle Sinnsuche, die Beschaffenheit des Universums, aktuelles Zeitgeschehen.

Für Demenchko gilt angesichts der Dichtung Kostenkos: »Es sind Worte, die das Herz berühren und den Spruch bestätigen, dass man die Welt nicht mit der Macht des Krieges erobern kann, sondern nur Buch für Buch.« Demenchko weiter: »›Wenn die Kanonen sprechen, schweigen die Musen‹, sagte man schon im alten Rom. Aber am 12. Juli werden wir versuchen, den Krieg mit der Kunst des Wortes zu stoppen.« ⟴ msc • pm • auxlit


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