Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy, Inhaberin der Internationalen Gastdozentur 2024 am Jakob-Fugger-Zentrum, stellt ihr Buch »Atlas der Abwesenheit. Kameruns Kulturerbe in Deutschland« im Rahmen eines Workshops vor. Sie gilt als eine der politisch einflussreichsten Kunsthistorikerinnen, beriet den französischen Präsidenten Emmanuel Macron und forscht breit zur kolonialen Geschichte.
Schon seit den 1960er Jahren versuchen afrikanische Intellektuelle, Politiker und Museumsleute die während der Kolonialzeit massenweise in europäische Museen verbrachte Kunst nach Afrika zurückzuholen. Im Sinne einer postkolonialen und postrassistischen Solidarität wurden sie in ganz Europa dabei anfangs unterstützt von Vertretern und Vertreterinnen aus Politik, der Medien, in Forschung und Museumswesen. Am Ende jedoch war der Kampf nicht nur vergebens, er wurde auch erfolgreich vergessen gemacht. Wo stehen wir heute?
Mit Bénédicte Savoy konnte das Jakob-Fugger-Zentrum an der Universität Augsburg für das Sommersemester 2024 eine der politisch einflussreichsten Kunsthistorikerinnen für die Internationale Gastdozentur zu gewinnen. Die in Augsburg statt findenden Vorträge Savoys, die den französischen Präsidenten Emmanuel Macron beraten hat und breit zur kolonialen Geschichte forschte, sind dem Thema Afrikas Kampf um seine Kunst gewidmet. Savoy ist Mitherausgeberin des 2023 erschienenen Buchs ► Atlas der Abwesenheit. Kameruns Kulturerbe in Deutschland 🛒 ► Anzeige , einer im Reimer Verlag erschienenen Gemeinschaftspublikation, die mit zahlreichen Artikeln von Expertinnen und Experten einen zentralen Beitrag zur aktuellen Diskussion um die Rückgabe von Kulturgütern nach Afrika stiftet.
Die Publikation basiert auf dem Projekt Umgekehrte Sammlungsgeschichte. Kunst und Kultur aus Kamerun in deutschen Museen der Deutschen Forschungsgemeinschaft unter Leitung von Albert Gouaffo (Université de Dschang) und Bénédicte Savoy (Technische Universität Berlin). Koordiniert wurde die Publikation von Andrea Meyer (TU Berlin) und Bénédicte Savoy. Der Band ist Arbeitsgrundlage des am Freitag, 7. Juni (10 Uhr) statt findenden Workshops »Atlas der Abwesenheit. Kameruns Kulturerbe in Deutschland« und Augsburg. Die Veranstaltung im Fugger und Welser Erlebnismuseum ist öffentlich, der Eintritt ist frei. Um Anmeldung unter ► www.uni-augsburg.de/jfz wird gebeten. ⟴ pm | auxlit
ATLAS DER ABWESENHEIT
Kameruns Kulturerbe in Deutschland
Reimer Verlag
Über 40.000 Objekte aus Kamerun werden heute in öffentlichen Museen der Bundesrepublik Deutschland aufbewahrt – der größte Bestand weltweit. Erstmals wird diese nicht sichtbare Präsenz von Kamerun in deutschen Museen nachgezeichnet, anhand von zahlreichen Karten, Schaubildern und Grafiken.
In öffentlichen Museen in Deutschland lagern Waffen, Musikinstrumente, Statuen, Alltagsgegenstände, Handschriften, Schmuckstücke u.v.m. aus Kamerun. Seit der deutschen Kolonialzeit (1886–1916) werden die Stücke in den Depots der Institutionen aufbewahrt. Sie wurden bisher meist nicht gezeigt und auch nicht in Publikationen zugänglich gemacht.
Die Autor:innen aus verschiedenen Disziplinen (Geografie, Geschichte, Museumsgeschichte, Ethnologie, Sprachwissenschaft) zeichnen erstmalig diese nicht sichtbare Präsenz von Kamerun in deutschen Museen nach. Damit wird auch nachvollzogen, was die Abwesenheit des Kulturerbes für Kamerun bedeutet.
Zahlreiche Karten, Schaubilder und Grafiken veranschaulichen die geografische und statistische Verteilung des materiellen Kulturerbes von Kamerun in Deutschland. Ergänzt werden sie durch Biografien der damaligen Akteure und einen Bildteil mit Fotos der Objekte. So werden historische Grenzverschiebungen in Erinnerung gerufen. Zudem wird deutlich, welche kamerunischen Regionen in deutschen Museen besonders stark vertreten sind und welche Lücken die teils aggressive Sammelpolitik deutscher Akteure um 1900 in der kamerunischen Kulturerbe-Landschaft geschlagen.
Die Publikation basiert auf dem Projekt »Umgekehrte Sammlungsgeschichte. Kunst und Kultur aus Kamerun in deutschen Museen« der Deutschen Forschungsgemeinschaft unter Leitung von Albert Gouaffo (Université de Dschang) und Bénédicte Savoy (Technische Universität Berlin). Koordiniert wurde die Publikation von Andrea Meyer (Technische Universität Berlin) und Bénédicte Savoy.
Mit Beiträgen von:
Mikael Assilkinga, Berlin/Dschang • Lindiwe Breuer, Berlin • Richard Tsogang Fossi, Berlin/Dschang • Albert Gouaffo, Dschang • Yann LeGall, Berlin • Yrine Matchinda, Dschang • Fogha Mc Cornilius Refem (alias Wan wo Layir), Potsdam • Andrea Meyer, Berlin • Philippe Rekacewicz, Arendal/Wageningen • Bénédicte Savoy, Berlin • Sebastian-Manès Sprute, Berlin • Prinz Kum’a Ndumbe III., Douala • Dieu Ly Hoang, Berlin • Eyke Vonderau, Berlin.
► Open Access
BÉNÈDICTE SAVOY
Bénédicte Savoy ist Leiterin des Fachgebiets Kunstgeschichte der Moderne an der Technischen Universität Berlin. Von 2016 – 2021 hatte sie parallel eine Professur am Collège de France in Paris für die Kulturgeschichte des künstlerischen Erbes in Europa vom 18. bis 20. Jahrhundert inne. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Museumsgeschichte, deutsch-französischer Kulturtransfer, NS-Kunstraub und postkoloniale Provenienzforschung. Gemeinsam mit dem senegalesischen Wissenschaftler Felwine Sarr erstellte sie 2018 im Auftrag des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron den Bericht Über die Restitution afrikanischer Kulturgüter.
Für ihre Forschung und ihre akademische Lehre erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen, darunter der 2016 verliehene Gottfried Wilhelm Leibniz Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie zuletzt der Berliner Wissenschaftspreis des Regierenden Bürgermeisters. Sie ist u.a. Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, der französischen Ehrenlegion sowie diverser wissenschaftlicher Beiräte und Gremien. Zuletzt erschienen von ihr das in mehrere Sprachen übersetzte Buch Afrikas Kampf um seine Kunst. Geschichte einer postkolonialen Niederlage sowie die Gemeinschaftspublikation Atlas der Abwesenheit. Kameruns Kulturerbe in Deutschland.
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