Der Eichstätter Autor Michael Kleinherne erzählt in seinem neuen Roman von einer Liebe, die von der deutsch-jüdischen Geschichte geprägt ist.
Der Autor Michael Kleinherne – an der Universität Eichstätt-Ingolstadt leitet er das von ihm ins Leben gerufene Festival LiteraPur und am Stadttheater Ingolstadt moderiert er monatliche Bücherabende – legt sein neues Buch vor. In seinem Roman Lea (Kulturmaschinen Verlag) 🛒 ► Anzeige über eine Liebe zwischen einer Jüdin und einem Deutschen werden München und Tel Aviv zur Bühne einer komplizierten Beziehung: Lea, eine israelische Studentin, und Martin, ein deutscher Journalist, lernen sich im Frühjahr 1991 in Tel Aviv kennen und lieben, doch verlieren sich wieder aus den Augen. Als Martin 30 Jahre später Lea zufällig in den Fernsehnachrichten wiedersieht – sie ist mit einer israelischen Delegation in seiner Heimatstadt München – will er sie unbedingt treffen und macht sich auf zu ihrem Hotel.
Der Roman erzählt vor dem Hintergrund der deutsch-jüdischen Geschichte von einer nicht einfachen Liebe und stellt die Frage, ob man nach so langer Zeit noch einmal neu beginnen kann. Durch die historischen Belastungen, die ihre Länder verbinden und trennen, ist die Beziehung von Martin und Lea von Beginn an durch Spannungen und Herausforderungen geprägt. Sowohl die Begegnung mit Leas Großvater, einem Überlebenden der Shoa, bei ihrem Kennenlernen als auch, Jahrzehnte später, ein gemeinsamer Besuch im Konzentrationslager Dachau verdeutlichen, unter welchen Belastungen solch eine Liebe steht.
Kleinherne beschreibt dies einfühlsam und eindrücklich. Tel Aviv und München werden zu Bühnen und Orten von Geschichte und Traumata. Durch Rückblenden und Erinnerungen der Charaktere werden die Schatten der Geschichte und die Verbrechen während der Shoa in den Roman gewoben. ⟴ pm · auxlit
Michael Kleinherne liest aus Lea in Ingolstadt am Samstag, 8. Juni (20 Uhr), in Vronis Ratschhaus und am Freitag, 18. Oktober (19.30 Uhr), in der Stadtbücherei. Am Donnerstag, 21. November (19.30 Uhr), stellt er sein Buch in der Bücherei der Stadt Eichstätt vor.
Interview mit Michael Kleinherne zu seinem Roman »Lea«
► Lieber Michael Kleinherne: Lea, eine deutsch-israelische Liebesgeschichte, eine deutsch-jüdische Liebesgeschichte – passt das in diese Zeit?
Michael Kleinherne: Liebesgeschichten passen in jede Zeit, und eine deutsch-jüdische vielleicht gerade in die heutige, in welcher die politischen Turbulenzen viele Dinge in Frage zu stellen scheinen. Dazu muss ich aber sagen, dass ich das Buch lange vor dem aktuellen Gaza-Konflikt und auch vor dem 7. Oktober 2023, dem Tag des Überfalls der Hamas auf Israel, geschrieben habe.
► Befürchten Sie missverstanden zu werden?
Ich glaube, wer das Buch liest, wird mich nicht missverstehen. Es geht zuallererst um die Beziehung der beiden Hauptfiguren, danach spielt die deutsch-jüdische Geschichte eine Rolle und danach erst die schwierige Situation, in der sich Israel und die Palästinenser befinden. Doch das ist nur eine Hintergrundsache im Buch, die natürlich immer da ist, das schon.
► Warum veröffentlichen Sie den Roman jetzt?
Ich habe den ersten Teil, der in Tel Aviv spielt, vor vielen Jahren geschrieben. Der zweite Teil, der in München spielt, entstand im Frühjahr 2022, als ich dann auch den ersten Teil noch einmal gründlich überarbeitet habe. Als im vergangenen Oktober der Überfall der Hamas geschah, mit den oben schon angesprochenen Folgen, überlegten der Verlag und ich erst, ob wir das Buch, das im Grunde fast fertig überarbeitet war, noch einmal verschieben sollten, doch letztlich dachte ich: das Buch ist fertig, warum soll es nicht erscheinen? Es ist kein Kommentar zur aktuellen Situation, obwohl der Konflikt natürlich, wie gesagt, auch schon da ist.
► Warum spielt der Roman in Tel Aviv und nicht in Jerusalem?
Die Geschichte passte meiner Ansicht nach besser in die lebenslustige, sehr weltliche Stadt Tel Aviv als in die von Religion und Historie sehr bestimmte Stadt Jerusalem.
► Was sind Ihre Erinnerungen an Tel Aviv?
Ich selbst war vor mehr als 30 Jahren dort, weshalb der erste Teil des Romans auch zu jener Zeit dort spielt. Denn das Tel Aviv, das ich damals erlebt habe, soll hier abgebildet werden. Meine Erinnerungen sind gute, es ist eine sehr lebendige, aber auch etwas stressige Großstadt am Mittelmeer. So habe ich es damals erlebt.
► Die Romanfigur Martin begegnet in Gestalt von Leas Großvater seiner deutschen Vergangenheit. Er durchsucht seine Familiengeschichte und zögert, traut sich nicht so recht wirklich zu graben. Es wirkt, als würde er lieber alles vergessen und einen Neuanfang machen wollen.
Ja, das ist wohl richtig gesehen. So kenne ich das von vielen Familien in Deutschland, auch von meiner eigenen. Was damals war, davon spricht man auch heute noch nur ungern. Auch in meiner Familie, wie in der von Martin, wurde sehr viel von der Flucht aus Schlesien, vor allem aber von dem Leben dort zuvor, erzählt. Die NS-Zeit spielte in den Erzählungen keine Rolle. So sind die kollektiven Erinnerungen daran heute sicher in vielen Familien nicht sehr sichtbar, da diejenigen, die heute noch davon erzählen könnten, bald nicht mehr da sind.
► »Vergeben« ist ein großes Wort, es sagt sich manchmal so leicht, aber ist es wirklich möglich?
Eine gute Frage, die ich nicht wirklich beantworten kann. Ob Leas Großvater Martin, dem jungen Deutschen, wirklich vergeben hat? Es scheint so, aber wir wissen es nicht wirklich. Ob man vergeben kann, wissen wohl nur diejenigen, denen damals Leid angetan wurde.
► Ihrer männlichen Hauptfigur wird durch das Wiedersehen mit seiner ‚alten‘ Liebe klar, dass seine Ehe keine Zukunft hat. Braucht es diese äußeren Anlässe?
Manchmal ist das wohl so. Hier haben wir ja den Fall, den ich auch von einigen Freunden kenne, dass die Ehe vor allem durch das gemeinsame Kind noch am Leben erhalten wird. Man will sich nicht trennen, um dem Kind nicht wehzutun. Wenn dann aber von außen etwas in die Ehe hineingerät, wird es sehr schwer, den Schein länger aufrecht zu erhalten. Und es wird spannend, wie sich die Dinge entwickeln. So wie es auch in diesem Roman der Fall ist, als Lea plötzlich in Martins Heimatstadt München auftaucht.
– Interview: pm Kulturmaschinen Verlag | ed. auxlit
MICHAEL KLEINHERNE
1964 in Westfalen geboren, lebt als freier Autor, Journalist und Dozent für Kreatives Schreiben in Bayern. 2002 erhielt er den Reportagepreis der Akademie der Bayerischen Presse in München. An der Universität Eichstätt-Ingolstadt leitet er das von ihm ins Leben gerufene Festival LiteraPur. Am Stadttheater Ingolstadt moderiert er monatliche Bücherabende. Er ist Mitglied im VS ver.di.
► www.michaelkleinherne.wordpress.com
Michael Kleinherne: Lea
Erhältlich als Taschenbuch und als Hardcover, Schutzumschlag, 212 Seiten
Kulturmaschinen Verlag 2024
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📖 ISBN 978-3-96763-299-6
📕 ISBN 978-396763-299-7
🖥️ ISBN 978-3-96763-298-9
– Erschienen am 3. Mai 2024
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