Ein Krimi, der in keine Schublade passt: Der Augsburger Autor Wolfgang Kemmer legt seinen neuen Roman vor. Dystopie, düsterer Großstadt-Thriller, surreale Parabel oder historischer Roman?
Ursprünglich sollte der gerade erschienene Roman des Augsburger Autors Wolfgang Kemmer Der Gott der Stadt heißen. Zumindest stand dieser Titel lange Zeit auf dem Manuskript, an dem sich jahrelang die unterschiedlichsten Verlage abarbeiteten, nur um sich dann in den Begründungen ihrer Absagen so eklatant zu widersprechen, dass es schon grotesk anmutet. In ihrer Widersprüchlichkeit lesen sich die Absagen fast wie ein Loblied auf diesen packenden, aber offenbar nicht zu fassenden Roman. Das reicht von »zu düster«, »zu hart«, »zu viele Mystery-Elemente«, »zu wenig Zynismus«, »zu literarisch«, »zu surreal«, »nichts für unsere Mainstream-Leserschaft« bis zu einem »zu süffig«. Einig waren sich aber fast alle in dem, was die unlängst verstorbene Verlegerlegende Vito von Eichborn in einer sehr persönlichen, handschriftlichen Absage auf den Punkt gebracht hat: »Das ist wirklich gut geschrieben!«
»Nur passte es leider nirgends ins Programm«, meint Wolfgang Kemmer und veröffentlicht den Roman deshalb nun endlich selbst als Book on Demand. Weil aber mittlerweile ein anderer Roman erschienen ist, der ebenfalls Georg Heyms Gedicht Der Gott der Stadt im Titel zitiert, begnügt Kemmer sich mit einer Anspielung auf das Gedicht. Im ► Bauch des Baal, so nämlich der neue Titel, spielt in einer fiktiven Stadt, auf welche die wörtliche Übersetzung des in der neueren Literatur so gerne als Genre-Bezeichnung gebrauchten griechischen Begriffs Dystopie wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge passt: »ein schlechter Ort“«
Im Gegensatz zu den meist in der Zukunft angesiedelten Dystopien bewegen sich die Protagonisten hier jedoch in der Vergangenheit, in einer Zeit ohne Handy, ohne Smartphone, ohne Internet. 1983, ein Jahr bevor Orwells Big Brother seine Augen überall hat, regiert ein zwielichtiger Zeitungsfürst die Stadt und kolportiert in seinem BEOBACHTER genüsslich den Terror und die Gewalt in den Straßen.
Im Bauch des Baal, erhältlich auch auf ► www.autorenwelt.de, ist Kemmers mittlerweile siebter Roman. Nach seinen im Augsburg des 16. Jahrhunderts spielenden Erzählungen Feuersbrunst (Emons), Im Auftrag des Stadtvogts und Die Schwester des Torwächters (beide: Gmeiner Verlag) zeigt er damit eindrucksvoll, dass er sich als Autor nicht auf historische Romane festlegen lassen will. ~ [pm]
Am ► Sonntag, 3. Dezember, wird Wolfgang Kemmler im Rahmen des Augsburger Krimitags bei der schon traditionellen Benefizlesung im Planetarium daraus lesen.
WOLFGANG KEMMER
1966 in Simmern/Hunsrück geboren, studierte Germanistik, Anglistik und Angloamerikanische Geschichte in Köln und arbeitete anschließend als Lektor in einer Literaturagentur. Heute lebt er als freiberuflicher Autor, Lektor und Dozent in Augsburg. Er schreibt Romane und Kurzgeschichten, gibt Anthologien heraus und betreute viele Jahre den Krimi-Podcast von Jokers-Weltbild.
2011 war er nominiert für den Agatha-Christie-Preis, 2016 für den Schwarzwälder Krimipreis und 2019/2020 für den Freiburger Krimipreis. In Augsburg veranstaltet er regelmäßig Stadtführungslesungen an den Schauplätzen seiner historischen Kriminalromane Feuersbrunst, Im Auftrag des Stadtvogts und Die Schwester des Torwächters.
► www.wolfgang-kemmer.de
Wolfgang Kemmer: Im Bauch des Baal
Paperback, 258 Seiten
Books on Demand, 2023
ISBN-13: 9783758301926
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