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Wieder alles in trockenen Büchern

Nach zweieinhalb Jahren Pause geht der Sachbuch-Podcast von Alexandra Tobor wieder an den Start. »In trockenen Büchern« heißt der Podcast, den die Augsburger Autorin polnischer Herkunft 2013 begann. Als Schriftstellerin wurde sie durch ihre Romane »Sitzen vier Polen im Auto« und »Minigolf Paradiso« bekannt.

Sachbücher gelten als trockene, oft schwer zu bewältigende Lektüre. Zu Unrecht! Autorin Alexandra Tobor pickt die Rosinen aus den Wissensbuchregalen und fasst deren Inhalt aus ihrem ganz persönlichen Blickwinkel zusammen. Seit zehn Jahren betreibt Tobor, die seit 2016 in der Buchhandlung Bücherinsel in Augsburg-Pfersee tätig ist (mit Schwerpunkt Sachbuch natürlich), ihre Play-on-demand Digitalsendung.

In der aktuellen Folge 🎙️ – zu hören auch im weiter unten in diesem Artikel eingebetteten Player – beschäftigt sie sich mit An seinem Platz sein (Reclam), einem phänomenologischen Essay der Philosophin Claire Marin, in dem es darum geht, Räume – konkret wie metaphorisch – zu bewohnen, zu erkunden und zu verlassen. Die deutsche Erstausgabe ist im Mai 2023 erschienen. Von Tobors Podcast In trockenen Büchern soll nun wieder alle zwei Monate eine neue Folge erscheinen.

20 bis 60 Minuten Tieftauchen: Kiosk, Neonlicht und Krähen

Claire Marins neues Buch ist Thema des aktuellen Podcasts von Alexandra Tobor. Bild: Reclam.
Leseprobe (Reclam]

Die Folgen haben eine Länge von 20 bis 60 Minuten. Alexandra Tobor nennt sie Audio-Essays, in denen sie sich sehr persönlich – anhand von Anekdoten und Reflexionen – mit den Inhalten von Sachbüchern auseinandersetzt. Das Spektrum reicht hier von Philosophie und Kulturwissenschaft über Soziologie und Psychologie bis zu Literatur und mehr. Ihr Projekt soll allen zugänglich sein und wird von Hörerspenden finanziert. »Die Spenden ermöglichen es mir, unabhängig zu arbeiten. Also ohne Zeitdruck und ohne inhaltliche Vorgaben«, so Alexandra Tobor.

Die Podcast-Themen sind dabei so vielfältig wie Tobors Interessen: Es gibt Folgen zu Alltagsphänomenen, über die sich kaum jemand Gedanken macht (Kiosk, Neonlicht, Krähen), immer wieder geht es um Menschliches, Allzumenschliches (Faulheit, Scham) oder gesellschaftliche Entwicklungen (Verlust von Vielfalt, Digitalisierung). Tobor bespricht vieldiskutierte Werke wie Unverfügbarkeit von Hartmut Rosa und auch mal Klassiker wie Die feinen Unterschiede von Pierre Bourdieu. »Das Wichtigste ist, dass die Themen mich interessieren und ich das Gefühl habe, dass die Erkenntnisse auch das Leben von anderen bereichern könnten.«


Player • Der 🎙️ Podcast »ITB – In trockenen Büchern«

Lebensmitte – Durch die besten Jahre mit Barbara Bleisch In trockenen Büchern

Im Leben ist irgendwann vieles entschieden: wen wir lieben, wo wir arbeiten, wie wir wohnen. Manche sind froh, angekommen zu sein – andere fürchten, festzustecken in einem Leben voller Routinen, und fragen sich, ob es das schon war. Wie finden wir neue Lebensziele, wenn vieles erreicht ist? Wie gehen wir damit um, dass sich die Zeithorizonte langsam verengen und einige Züge mittlerweile abgefahren sind? (Klappentext) In ihrem Buch „Mitte des Lebens: Eine Philosophie der besten Jahre“ (HANSER) kartographiert Barbara Bleisch die besondere Landschaft, die sich zwischen dem 40-sten und dem 65-sten Lebensjahr vor uns auftut. Ihre Überlegungen geben Orientierung für die Wanderung durchs finstere Tal, weisen aber auch den Weg zu den blühenden Wiesen und ertragreichen Feldern. Ein Buch voller Lebensweisheit, das Trost spendet und Mut macht!
  1. Lebensmitte – Durch die besten Jahre mit Barbara Bleisch
  2. Metal – Headbangen mit Hartmut Rosa
  3. Humor – Witze erklären mit Yves Bossart

Süchtig nach lebendigem Wissen und praktischer Erkenntnis

»Ich war schon immer vielseitig interessiert«, sagt Tobor, die Soziologie, Psychologie und Kunstgeschichte studiert hat. »Mit meinen Romanen hatte ich auch immer den Anspruch, Theorien und Erkenntnisse über die Gesellschaft so unterhaltsam zu verpacken, dass sie bei allen Zielgruppen ankommen, unabhängig von Alter, Herkunft und Bildungsgrad.« Im Gegensatz zu einer akademischen Sprache – sie schafft für Tobor nur künstlich und oft unnötig Distanz – will sie Sprache bewusst als etwas Verbindendes zu nutzen, nicht als etwas, das trennt.

Tobor: »Ich möchte Erkenntnisse, die ich als wertvoll empfinde, in die Welt hinaustragen und damit so viele Menschen wie möglich erreichen, und das tue ich auf eine persönliche Weise, weil ich gelernt habe, dass wir mit der Frage “Was hat das alles mit mir zu tun?” anderen ermöglichen, Feuer zu fangen« erklärt Tobor. »Wenn ich merke: das betrifft mich persönlich, das ist nicht bloß kaltes, abstraktes Wissen sondern kommt aus dem Leben selbst und kann mir auch helfen, mit meiner Existenz besser zurecht zu kommen oder auch wacher durchs Leben zu gehen, bin ich ganz anders offen, mich mit Themen zu beschäftigen, die mich sonst vielleicht nicht so interessiert hätten. Wissen wird lebendig, wenn wir uns persönlich berühren lassen.« 

Tobor kennt die Vorurteile gegenüber Sachbüchern, sie seien »trocken« und »unlesbar«, worauf sie auch mit dem Titel und Untertitel ihres Podcasts anspielt (In trockenen Büchern – Unlesbares hörbar gemacht). Mit diesem Vorurteil möchte sie aufräumen und richtet sich mit ihrem Angebot ausdrücklich auch an Menschen, die keine Sachbücher lesen, weil sie ihnen zu abstrakt sind oder weil sie meinen, dass ihnen die nötige Vorbildung fehlt.

Stimme, Bestimmungen und Stimmungen

Tobor kann die Sachbuchträgheit mancher Menschen gut verstehen, glaubt aber, dass es auch anders geht. »Viele Erkenntnisse lassen sich bündiger, unterhaltsamer und persönlicher vermitteln.« Dabei geht es ihr nicht um die Trivialisierung von intellektuellen Inhalten, sondern darum, sie mehr Menschen zugänglich zu machen: »Durch die persönlichen Anekdoten, die vor allem eine Einladung sein sollen, es mir gleich zu tun, auch ins Nachdenken zu kommen, sich selbst und die eigene Erfahrung zu befragen und das mit dem präsentierten Wissen zu verknüpfen.« Die Podcasterin glaubt auch nicht an tiefe Erkenntnis durch »Wissenshappen«. »Gute Bücher lassen sich sowieso nicht auf 10 Minuten ›runterdampfen‹ und Erkenntnis ist ein komplizierter und langer Prozess. Ich möchte meinen Podcast daher nicht als Ersatz für das Lesen, sondern als herzliche Einladung verstehen, mit den Räumen vertraut zu werden, die es zu entdecken gibt.«

Das Medium Podcast ist für die Ziele, die Alexandra Tobor verfolgt, ideal: »Weil die Stimme etwas sehr Persönliches ist, etwas, das es erlaubt, eine Beziehung einzugehen. Und ich finde Beziehung für Wissensvermittlung absolut essenziell. Dadurch wird Wissen erst zu etwas Lebendigem, auch zu etwas, das im Dialog hinterfragt und weiterentwickelt werden kann.« ~ [msc]


👩 ALEXANDRA TOBOR

1981 geboren, Studium in Marburg, Bücher: Sitzen vier Polen im Auto (2012, Ullstein) und Minigolf Paradiso (2016, Rowohlt). Macht Lesungen und Schreibworkshops für Kinder und Jugendliche an Augsburger Schulen und in Jugendeinrichtungen. Auch als Literaturübersetzerin tätig (Tal der Wunder, 2022, KATAPULT).

🎙️ Podcasts:
In trockenen Büchern
Anekdotisch Evident (mit Katrin Rönicke)

www.alexandra-tobor.de


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