Juli,2022

Mit13Jul18:30Tragik, Trauma und TremendumSprachkultur | Das Unsagbare der Shoah.18:30 Festsaal der Synagoge AugsburgKategorie:SPRACHKULTUR,WISSEN | VORTRAG | FÜHRUNG

Veranstaltungsdetails

Das Unsagbare der Shoah. Vortrag von Prof. Vivian Liska, Antwerpen. Die Unmöglichkeit, der Einzigartigkeit der Shoah sprachlich gerecht zu werden und die damit einhergehenden Imperative des Schweigens wurden zur Evidenz von Jean-François Lyotards Diktum, wonach die Katastrophe auch noch jene Instrumente gesprengt habe, mit denen ihr Ausmaß gemessen werden könnte. Dem Unsagbaren wohnt zweifellos eine unermessliche diskursive Macht inne. Zu den zahlreichen Paradoxa der Rede vom Unsagbaren gehört allerdings, dass dieses – als absolute Leere und Fülle zugleich – in langen und reichhaltigen Traditionen steht: religiös in der apophatischen Sprache der negativen Theologie, literarisch in der Sprachlosigkeit des tragischen Helden, psychologisch in der Aphasie des traumatischen Schocks.

Die Sedimente dieser Traditionen färben unweigerlich das angerufene Schweigen und tragen semantische Korrelate mit, die der Intention der Rede vom Unsagbaren der Shoah entgegengesetzt sind: sie lösen das Spezifische auf, verleihen dem Sinnlosen Sinn und ästhetisieren das Grauen. Anstatt vor der Bewältigung durch Sprache zu bewahren, riskiert das Unsagbare in Rechtfertigung zu münden oder transgressive Provokationen herauszufordern, die der Banalisierung und dem Zynismus das Wort reden. Als Abwehr gegen totalisierende Unsagbarkeit und dreisten Tabubruch gilt es, Annäherungen an die Shoah zu erkunden, die dem Geschehen gerade dort gerecht werden, wo sie sich kraft der Sprache und in der minuziösen Arbeit an ihr die Ausflucht ins Unsagbare verwehren. 
Voranmeldung unter Tel: 0821-51 36 11 oder empfang@jmaugsburg.de

Vivian Liska ist Professorin für deutsche Literatur und Direktorin des Instituts für jüdische Studien an der Universität Antwerpen und seit 2013 Distinguished Visiting Professor an der Hebrew University in Jerusalem. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Deutsche Literatur der Moderne, Literaturtheorie sowie deutsch-jüdische Denker und Autoren.

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Veranstalter

Jüdisches Museum Augsburg SchwabenTel: 0821 – 51 36 58 Synagoge Augsburg | Halderstraße 6 - 8 | 86150 Augsburg

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